Zukunft von und mit 50+1

Habe ihn gehört.
Auch hier geht es immer nur um Reglementierungen zur Umsetzung 50+1y
Es wird aber überhaupt kein Beispiel angeführt wo ein erfolgreicher Investor erfolgreich einen Fußballclub ohne 50+1 führen lässt.

Genauso wie DFB/DFL damals eine bessere Vermarktung verpasst haben, genauso verpasst man jetzt die Möglichkeit zu schaffen, das große Investoren in Fußballclubs investieren um hier mehr Wettbewerb zu schaffen.

Überall in Frankreich Italien Spanien investieren große Investoren und Investorengruppen. Auch in England verkaufen kleinere Hobbyinvestoren an große Investoren.

Der Ansatz das mehr Reglementierungen und Umverteilung zu mehr Wettbewerb hierzulande führt (wie ein Theoretiker aus St.Gallen meint), führt in die Irre, wie schon immer. Sie wird auch nicht zu mehr Einnahmen aus TV und Sponsoring führen.

Das perfide ist doch…
Fans schiessen gegen RB, Hoffenheim etc.
„Hassen“ PSG, ManCity und Co
Veröffentlichen geschmacklose Plakate gegen das Katar Sponsoring
Aber fordern Abschaffung von 50+1 :man_facepalming:

Der Punkt ist doch Folgender: Hast Du „gute“ Investoren, dann läuft es wie bei Liverpool und - im Sinne des Vereins(!) - wie bei City, Chelsea und PSG.

Läuft es schlecht, dann wie bei 1859 oder den beiden Chaos-Clubs aus Mailand.

Alles geht - und auch nichts. Bisher hatten die Clubs auch in schlechten Zeiten ihre Identität. frag nach bei S04 und dem HSV.

Wenn 50+1 entfallen würde, könnten Clubs heute von chinesischen und morgen von russischen Eignern gehalten werden, übermorgen dann von saudischen.

Ja, das wäre das freie Spiel der Kräfte. Manche würden gewinnen, einige verlieren. Würde es die Identität der Clubs bewahren? Da habe ich so meine Zweifel.

Im Endeffekt wäre auch da nur mehr Geld in der Verlosung - „gib dem Junkie seinen Stoff“.

Aus meiner Sicht müsste die Geldspirale eher zu- als immer weiter aufgedreht werden. Ergibt doch keinen Sinn, wenn Durchschnittskicker in der PL 4 Mio. / J. verdienen.

Ob das aber realistisch machbar ist, steht auf einem anderen Blatt.

„Flieht Ihr Narren, flieht!“ Musste ich mal sagen. :wink:

Es gibt sicher Fans die alles das tun. Aber dabei handelt sich mit um an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um die selben Leute.

Genau das. Es soll ja eigentlich um sportlichen Wettbewerb gehen, und nicht nur noch darum, wessen Besitzer das größte Konto hat.

Die Anzahl der Weltklasse-Spieler ist halt auch endlich. Selbst wenn man selbst eine Milliarde für den Kader auf den Kopf hauen kann, dann gibt es irgendwo wieder einen Club, der 2 oder 3 Milliarden zur Verfügung hat. Ausgeglichenheit kann es nur geben, wenn es entsprechende Regeln gibt. Ansonsten bleibt es, wie es ist, nur dass die Summen jährlich steigen.

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@918: Du argumentierst ja bei deiner Argumentation gegen 50+1 und für das Potential von Investoren im Fußball immer rein wettbewerbsorientiert und ökonomisch, losgelöst davon, was ein solcher Schritt in anderen Hinsichten für die Vereine und die Liga bedeuten könnte (Tradition, Verankerung in der Gesellschaft, Akzeptanz bei den Fans usw.). Dein Argument ist ganz pointiert: Mehr Investoren → mehr Wettbewerb.

Aber selbst auf dieser Ebene hat deine Argumentation ein logisches Problem: Es kann niemals eine Bundesliga geben, in der gleichzeitig Investoren Geld verdienen können UND in der ein ausgeglichener Wettbewerb herrscht.

Das liegt daran, dass die Bundesliga immer genau 18 Startplätze hat. Das heißt, dass es selbst in einer Welt, in der jeder einzelne Verein über einen Investor Milliarden von Euro in Spieler und technische Anlagen investieren kann, am Ende der Saison immer drei Absteiger geben wird und 14 Vereine, die die Champions League nicht erreichen. Unter den folgenden vier sinnvollen Prämissen, dass

A) der sportliche Wettbewerb in der Bundesliga desto offener ist, je ähnlicher die finanziellen Möglichkeiten der beteiligten Vereine sind;

B) ein Investor mit seinem Investment am Ende immer eine positive Rendite erzielen möchte (im Unterschied etwa zu einem Mäzen oder Patron);

C) wirtschaftlicher Erfolg mittelbar (Markenstärke) und unmittelbar (CL-Platz, TV-Gelder …) über sportlichen Erfolg generiert wird; und

D) sportlicher Erfolg im Gegenzug mit der Höhe der Investitionen in den Kader und die sportlichen Rahmenbedingungen im Verein positiv korreliert,

mündet dies in letzter logischer Konsequenz in einen Zustand, in dem es zwar einen offenen Wettbewerb gibt, aber keinen Verein mehr, der Geld verdient.

Denn unter diesen Bedingungen ist es für jeden einzelnen Verein subjektiv rational, stets mindestens genauso viel Geld in seinen zukünftigen sportlichen Erfolg zu investieren wie der Verein, dessen Position er einnehmen möchte (Prämisse D). Beispielsweise muss jeder Verein, der nicht absteigen möchte, immer mindestens genauso viel in seinen sportlichen Erfolg zu investieren wie der erste Nichtabsteiger, um nicht kurz- bis mittelfristig selbst zu den Absteigern zu gehören. An der Tabellenspitze muss jeder Verein, der irgendwann einmal Meister werden möchte, immer mindestens genauso so viel investieren wie der gegenwärtige Meister, um eine realistische Chance zu haben, ihn kurz- bis mittelfristig von seiner Position zu verdrängen. Gleichzeitig ist es für jeden Verein, der seine aktuelle Position behaupten möchte, zB den Meister und den ersten Nichtabsteiger, seinerseits rational, stets mindestens genauso viel Geld in seinen zukünftigen sportlichen Erfolg zu investieren, wie er gerade noch so über den damit verbundenen wirtschaftlichen Erfolg generieren kann (höhere TV-Einnahmen, höherer Absatz von Merchandise, CL-Platz, Nichtabstieg, …), um die Chance zu maximieren, seine aktuelle Position zu behaupten ohne dabei Geld zu verlieren (Prämisse B).

Das heißt also, dass jeder Verein mit seinen Ausgaben und Einnahmen stets bestenfalls bei einer schwarzen Null herauskommt, nur um seine aktuelle Position zu verteidigen. Wenn du nun noch die Bedingung einführst, dass die Bundesliga ein wirklich offener Wettbewerb sein soll, in dem theoretisch jeder Verein Meister werden - oder auch absteigen - kann (das ist ja dein erklärtes Ziel hinter der Abschaffung von 50+1; plus Prämissen A und C), heißt das in logischer Konsequenz, dass jeder Verein immer mindestens so viel Geld in seinen sportlichen Erfolg investieren muss wie der Ligaprimus (um ihn perspektivisch überholen zu können) und dieser immer so viel, wie er operativ gerade eben noch verdienen kann (um seine Spritzenposition zu behaupten ohne dabei Geld zu verlieren).

Selbst wenn man das Ziel eines offenen Wettbewerbs opferte, würde diese Logik in letzter Konsequenz dazu führen, dass sich kein Gleichgewicht einstellt, in dem es sich irgendein Verein leisten kann, weniger zu investieren als der aktuelle Ligaprimus, nur allein um die Liga zu halten. Denn der aktuell 18., 17. und 16. in der Tabelle müssen zukünftig mindestens genauso viel investieren wie der 15., um selber der 15. zu werden und nicht abzusteigen, während der 15., 14., und 13. wiederum die drei Vereine vor ihnen verdrängen müssen, um sicher zu sein, nicht zu den drei Vereinen zu gehören, die von den (gegenwärtigen) 18., 17. und 16. verdrängt werden usw. bis hinauf zum Tabellenersten.

Somit landet man in der Theorie in einem Gleichgewicht, in dem alle Vereine gleich viel Geld investieren, aber nur der sportlich erfolgreichste Verein gerade noch so eine schwarze Null schreibt, während alle anderen Geld verlieren. In der Praxis wird es aber mit Sicherheit so sein, dass auch der wirtschaftlich erfolgreichste Verein rote Zahlen schreibt, weil er in der Vergangenheit mehr in den sportlichen Erfolg investiert hat, als er in der Lage war darüber wieder einzunehmen, um überhaupt in diese Position zu kommen (sprich den theoretischen Schwarzen-Null-Meister der Vorsaison zu überholen). In der Ökonomie nennt man so eine Situation „Rattenrennen“ („rat race“). Alle Konkurrenten in einem Wettbewerb investieren unter dem Strich mehr, als sie in der Lage sind über diese Investitionen wieder einzunehmen, in dem verzweifelten Versuch sich den anderen gegenüber einen Vorteil zu verschaffen. Dieses Rattenrennen in der Bundesliga hängt zentral mit der Besonderheit dieses Formats zusammen, dass dort eine begrenzte Anzahl an Plätzen auf eine potentiell unbegrenzte Anzahl an Wettbewerbern um diese Plätze trifft.

Fazit: Selbst - bzw. gerade - in einer Welt, in der private Investoren unbegrenzt in die Bundesligavereine investieren dürfen, einer Welt ohne 50+1, gibt es langfristig keinen theoretisch denkbaren Zustand, in dem diese Investoren sowohl einen Profit erwirtschaften können, als auch ein offener sportlicher Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle besteht.

So, das war jetzt eine rein logische Argumentation gegen die Abschaffung von 50+1, die sich ausschließlich in den von dir angeführten Kategorien bewegt, bei der ich bewusst alle außerökonomischen Aspekte wie Bedeutung für die Fans usw. außen vor gelassen habe. Ich hoffe, du kannst mir folgen und ich hoffe, du musst mir zustimmen.:wink: Ich freue mich schon auf deinen und euren Widerspruch.

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Eine andere - logische - Erklärung dafür, dass 50+1 langfristig nicht funktionieren kann ist, wie oben geschrieben, dass ein krankes System (Profifußball) nur weiter alimentiert und aufgeblasen wird. Wie bei einem Akoholkranken, der immer größere Schlucke aus der Pulle benötigt.

Mit der Abschaffung von 50+1 hätte man perspektivisch statt 3-4 Vereinen, die sich Haaland und Konsorten leisten könnten, eben 10-12. Dann kostet das 5 Jahres-Paket nicht 300, sondern 800 Millionen. Gewinnen würden dadurch einzig Spieler und Berater, da die Vereine, bedingt durch Preissteigerungen, ihre erhöhte Liquidität einfach durchreichen müssten. Wenn dann auch nur eine Kleinigkeit schief läuft, platzt dieser Ansatz, siehe Barca.

Insofern: Ja, die Abschaffung von 50+1 würde kurzfristig zu mehr Wettbewerb führen. Allerdings käme es mittelfristig zu Preisexplosionen, bei denen sich auch wieder die Spreu vom Weizen trennen würde.

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@918: Dein Punkt mit den Profiten über Wertsteigerungseffekte bei Veräußerung ist well taken. Diesen Aspekt habe ich in meiner Betrachtung in der Tat vollkommen außen vor gelassen. So wäre es theoretisch denkbar, dass ein Investor einen Verein kauft, über 10 Jahre hält, dabei jedes Jahr mehr Geld reinbuttert, als er damit einnehmen kann, und dann den Verein mit einem so satten Aufschlag an den nächsten Investor weiterverkauft, dass er unter dem Strich trotzdem noch einen Gewinn macht.

Aber das setzt natürlich en enormes dauerhaftes Wachstum des Fußball-Business insgesamt über die gesamte Periode voraus, damit die Valuation des potentiellen Abnehmers hoch genug ausfällt, damit die Wette für den gegenwärtigen Eigentümer finanziell aufgehen kann. Momentan ist das sicherlich noch der Fall, aber wer kann garantieren, dass der Fußball auch über die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre noch ein solcher Wachstumsmarkt bleibt, dass es immer genügend interessierte Folgeinvestoren gibt, die die nötigen Aufschläge zu bezahlen bereit sind? Insbesondere, wenn die Folgeinvestoren merken, dass der Fußball mit jedem weiteren einsteigenden Investor sich immer mehr dem von mir skizzierten Rattenrennen annähert, in dem operativ gar kein Geld mehr zu verdienen ist.

Korrekt, aber stell dir vor, ALLE Vereine haben einen quality investor und ALLE Vereine sind hervorragend gemanaged - dann kommt es zu diesem Rattenrennen, in dem die einzige Möglichkeit sich von der Konkurrenz abzusetzen ist, noch mehr Geld als sie zu investieren. Vergiss nicht, dein Ziel war ja explizit mehr Wettbewerb.

Die Premier League liefert mit ihrem Wettbewerb an der Spitze im übrigen eigentlich ziemlich gutes Anschauungsmaterial dafür, wie ein solches Rattenrennen in seiner Endstufe aussehen könnte. Der Wettbewerb unter den Top 5, 6, 7 ist ja jetzt schon ein reiner Finanzwettbewerb, in dem der mit den tiefsten Taschen gewinnt. Jetzt kommt Newcastle mit Saudi-Arabien hinzu. Ein weiterer Verein mit nun effektiv unendlichen finanziellen Möglichkeiten, der theoretisch die Möglichkeit hat, die Top 5, 6, 7, mittelfristig zu einer Top 6, 7, 8 auszudehnen. Und den Fall Newcastle kannst du dann durchdeklinieren. Wenn sich irgendwann 20 Investoren für alle Clubs der PL gefunden haben werden, die je über praktisch unendliche finanzielle Möglichkeiten verfügen, dann wird von Platz 1 bis Platz 20 der gesamte Wettbewerb rein über die Frage entschieden, wer mehr Geld ausgibt.

… und deshalb stimme ich diesem Befund von dir auch völlig zu. Ein Wettbewerb, der offen sein, aber nicht in einem Rattenrennen enden soll, in dem alle Vereine operativ Geld verlieren, weil sie gezwungen sind, immer und immer mehr zu investieren nur um ihre gegenwärtige Position halten zu können, ist nur möglich, wenn es klare, verständliche, allgemeine, gleiche und durchsetzbare Regeln für alle Vereine gibt, die den Ausgaben Grenzen nach oben setzen. (Aber, du hast Recht, das haben wir schon tausendmal diskutiert. And yet, it never gets old… :wink:).

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass ein wirklich offener Wettbewerb mit dauerhaft mindestens ähnlichen Gewinnchancen für alle Teilnehmer eigentlich am besten im amerikanischen Franchise-System umgesetzt wird. Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin kein Verfechter der Idee eines Franchise-Systems im europäischen Fußball, aber es hat eine gewisse systematische Eleganz, die mir in ihrer Wirksamkeit und logischen Stringenz einfach Respekt abnötigt.

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@918: Das verstehe ich noch nicht. Sollen die Clubs in zwei Ligen parallel konkurrieren? Domestic und Europa? Und wie willst du das mit dem Auf- und Abstieg machen? Soll es möglich sein, dass beispielsweise ein gerade abgestiegener deutscher Erst- und jetzt Zweitligist gleichzeitig in der höchsten Profi-Europa-League-Klasse spielt, wenn er aus der nicht abgestiegen ist?

Zur Exit-Strategie:
€2-2,75bn Gewinn nach 13 Jahren bei einem initialen Investment von €1,1bn entspricht einer CAGR (jährliche Wachstumsrate) von 4,7-7,3%.

Soo pralle ist das dann auch wieder nicht, oder? Jedes bessere ETF-Index-Investment schlägt das. Von Immobilien ganz zu schweigen. Returns dieser Höhe kann man über denselben Zeitraum auch mit weit weniger Risiko verdienen bzw. bei gleichem Risiko einen deutlich höheren Return erzielen. Vom operativen Aufwand ganz zu schweigen.

@918: Alles richtig, aber damit bleibt nur der Schluss übrig, dass rein aus Investmentperspektive die Investition in einen Fußballverein insgesamt kein besonders vernünftiges Investment ist:

A) Es ist zu riskant, denn es gleicht mehr einer Wette mit Endfälligkeit, bei der man zwischendurch immer wieder Geld nachlegen muss in der riskanten Hoffnung, am Ende den großen Preis zu gewinnen, etwa wie bei einem Pokerspiel (nur dass im Unterschied zum Poker zudem auch die Höhe des Potts am Ende nicht garantiert höher ist als die Summe der eigenen Einsätze).

B) Es wirft zu wenig Rendite ab im Verhältnis zum Risiko. Index-Fonds oder Qualitätsimmobilien schlagen das locker.

C) Es ist zu arbeitsaufwendig im Verhältnis zur erzielbaren Rendite. Ein passiver Index-Fond etwa wirft die gleiche Rendite ab bei einem Aufwand von Null. Bei einem Fußballverein muss man aktiv managen, und zwar nicht zu wenig.

Ich glaube, man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass die Investoren im Profifußball rein monetäre Interessen verfolgen bzw. auf der Suche nach der monetär lukrativsten Verwendung für ihr Geld sind. Ich glaube sogar, dass dieses Motiv vielleicht mit Ausnahme der Amerikaner um Glazer, Henry und Co. sogar eine eher untergeordnete bis gar keine Rolle spielt. Den anderen geht es mE wahrscheinlich eher um soziales Kapital wie gesellschaftliche Anerkennung und Glanz oder sogar persönliche Sicherheit, wie im Fall von Abramovich, politisches Kapital, wie im Fall von Katar und Abu Dhabi, oder vielleicht sogar sportliches Kapital, wie im Falle Chinas, das in den nächsten 20 bis 30 Jahren selbst eine WM ausrichten will, bei der die chinesische Nationalmannschaft wenigstens halbwegs kompetitiv mitspielen können soll.

Ich hätte an dieser Stelle noch eine Frage zur JHV: Warum war es den Oberen so wichtig, dass man weitere 5%(?) der Anteile am Verein veräussern kann ohne die Zustimmung der Mitglieder zu haben? Meinem Empfinden nach wurde ja fast schon gebettelt, dass man diesen Freiraum unbedingt benötigt um schnell handeln zu können. Jedoch fällt mir kein Szenario ein (mit nicht verschwindend geringer Wahrscheinlichkeit) bei dem der FC Bayern innerhalb eines Jahres Anteile abtreten muss um weiter zu existieren. Mir ist klar, dass man natürlich am liebsten ohne die Mitglieder entscheidet, aber die Art und Weise wie darum gebeten wurde, hat mich doch so überrascht, dass ich meine vielleicht etwas zu übersehen in dieser Thematik

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Bayern kann nach meiner groben Rechnung bis zu 30 Millionen minus machen. (Saison 21/22) Kommt darauf an wie die Zuschauerzahlen bis Ende der Saison sich entwickeln + wie weit Bayern in der Champions League kommt . Pokal aus war finanziell auch nicht gut . Aber das Festgeldkonto hat ja noch stand Sommer 2021 rund 200 Millionen € . Die veräuserung der 5% der Anteile braucht man um in der großen Spur zu bleiben . Und der Weg muß in den nächsten Jahren noch größer werden , um bei den Top Big Playern auch weiter dabei zu bleiben . :slightly_smiling_face:

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Für gewisse Entscheide benötigt man eine Dreiviertelmehrheit (=75%). Derzeit sind je 8,33% an die drei Premiumpartner verkauft. Wenn nun noch mehr Anteile ohne Zustimmung des eingetragenen Verein verkauft werden könnten, könnte diesem die Dreiviertelmehrheit verunmöglicht werden

Erklärt sich vielleicht auch rein psychologisch mit der Verlustaversion.
Der Vorstand hat aktuell das Recht dazu und alles was man hat gibt man nur sehr ungern auf. Auch wenn man es vielleicht gar nicht benötigt.
Hätte man das Recht bisher nicht, würde man sich im Gegenzug wohl nicht so sehr dafür verkämpfen, da keine akute Notwendigkeit besteht.

Lieber @Johan, willkommen hier im Forum. Wir freuen uns immer über neue Kommentatoren. Du stellst eine gute Frage, auf die ich auch keine konkrete Antwort habe, zu der ich aber sozusagen offiziell als Vertreter des MSR-Blogs auch meinen Senf geben möchte.

Zunächst möchte ich aber ein Missverständnis aufklären: Wie @anon54756526 schreibt, benötigt man für manche Aktionen, wie etwa eine Satzungsänderung, laut Gesetz sowohl bei Vereinen als auch Aktiengesellschaften standardmäßig eine Dreiviertelmehrheit. Für Vereine ist dies in § 33 BGB geregelt, für Aktiengesellschaften in § 179 AktG.

Allerdings bezieht sich zum einen dieses Dreiviertel-Erfordernis in der gesetzlichen Standardfassung auf drei Viertel der bei der MV/JHV anwesenden Mitglieder/Aktionäre und nicht aller Mitglieder bzw. Aktionäre insgesamt; und zum zweiten kann sowohl beim Verein als auch der Aktiengesellschaft satzungsmäßig sowohl von dem Dreiviertel-Erfordernis als auch der Bestimmung des Quorums abgewichen werden. Man kann also beispielsweise in der Satzung festlegen, dass eine Satzungsänderung nur mit der Zustimmung von zwei Drittel (oder der Hälfte oder, oder) der anwesenden (oder aller Mitglieder) erfolgen kann.

@anon54756526 und Du gehen, wahrscheinlich versehentlich, fälschlicherweise davon aus, dass es bei den 5% Veräußerungsspielraum um Anteile am e. V. geht. Dies ist nicht der Fall. Die Satzung des FC Bayern München e. V. sieht vor, dass eine Änderung der Vereinssatzung mit Dreiviertelmehrheit der anwesenden Mitglieder durchgeführt werden kann. Es ist hier also vollkommen unerheblich, welche Anteile in wessen Besitz sind. Solange drei Viertel der auf der MV anwesenden Vereinsmitglieder für eine Satzungsänderung stimmen, kann diese auch beschlossen werden.

Worum es hier aber geht, sind 5 % der Anteile des Vereins an der AG. Denn sofern die Satzung der AG, die mir leider nicht vorliegt, kein anderes Quorum bestimmt, bedarf eine Satzungsänderung dieser AG-Satzung der Zustimmung von mindestens drei Vierteln der auf der JHV der AG vertretenen Kapitalanteile. Wenn der e. V. nun weniger als 75% dieser Anteile an der AG hält, kann er nicht mehr eigenmächtig ohne der Zustimmung weiterer Kapitalanteile zu bedürfen bei der JHV Satzungsänderungen an der Satzung der AG beschießen. Dieses Szenario ist genau das, was die Katar-Antragsteller mit ihrem Satzungsänderungsantrag (dem Ergänzungsantrag) verhindern wollten.

Ich hoffe, ich konnte damit die offenkundig hier bei manchen entstandene Konfusion zwischen Anteilen an der AG und Anteilen am e. V. und was das mit den 75% zu tun hat etwas aufklären.

Nun zu deiner eigentlichen Frage: Ein wirklich dringender und wichtiger Grund, warum die Offiziellen des FC Bayern auf der MV so stark und nachdringlich dafür geworben haben, ihnen doch bitte den Spielraum der Veräußerung von weiteren 5% Anteilen an der AG zu lassen - ich teile deinen Eindruck diesbezüglich vollkommen - fällt mir leider auch nicht ein. Der FC Bayern hat keinerlei langfristige Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten (vulgo Schulden) und auch trotz der Pandemie eine immer noch relativ gute gefüllte Kasse. Sollte es dennoch einmal finanziell eng werden, könnte sich der FC Bayern völlig problemlos jederzeit von einer Bank seiner Wahl 100 oder 200 oder auch 300 Millionen Euro leihen, jede Bank dieser Welt würde ihm dies in Anbetracht des wegen des Vereinsvermögens und der gesunden Geschäftsstruktur quasi nicht existenten Kreditrisikos jederzeit ohne mit der Wimper zu zucken bewilligen. Liquiditätsprobleme hat der Club also keine.

Laut der Vereinsbewertung von Forbes hat der FC Bayern aktuell einen Marktwert von ca. vier Milliarden Euro. 5% der Anteile an der AG entsprächen demnach also ungefähr 200 Millionen Euro. Das ist selbst für Fußballvereine eine Menge Geld, mit der der FC Bayern seinen Geschäftsbetrieb auch unter Berücksichtigung der pandemiebedingten Einnahmenverluste noch eine ganze Weile aufrechterhalten könnte. Ich könnte mir also vorstellen, dass sich der FC Bayern die Möglichkeit, diesen Puffer zu aktivieren, sozusagen als Notnagel für eine Zeit bewahren möchte, in der es wirklich hart auf hart kommt, die Pandemie länger dauert als erwartet oder sonstige plötzliche Umstände die Verfügbarkeit schnellen Geldes notwendig machen, ohne in diesem Fall dann gleich zu einer Bank rennen und einen Kredit aufnehmen zu müssen und damit das seit jeher so hochgehaltene und stolze Prinzip der absoluten Schuldenfreiheit ein für alle Mal über Bord werfen zu müssen.

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Pardon, hab eine kleine Fußball Pause eingelegt über den Urlaub. Vielen Dank, das mit den 75% war sehr einleuchtend erklärt. Das Geld, welches die 5% einbringen würde, würde ich viel lieber von Banken leihen, als dafür in einer Notsituation unter Druck (und damit verbunden evtl ein nicht sehr gut passender Käufer & gedrückter Preis für die Prozente) Anteile zu verkaufen. Das präferieren Anteile verkaufen gegenüber Kredit aufnehmen, kann ich mir auch nur mit Stolz auf Schuldenfreiheit erklären, aber wer weiß schon wie letztendlich gehandelt werden würde, falls es denn mal so weit kommen sollte. Danke nochmal für deine Einschätzung

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Stimmt . Die 5% sind in Zukunft mal viel mehr Wert . Corona wird mal zu einer „normalen Grippe“ und dann geht es wieder voran . :+1::slightly_smiling_face:

Perfekte Beispiele dafür, was das von Dir verabscheute 50+1 so alles verhindert.

Wieso der Zynismus? Es beweist einfach, dass grosse Investoren immer ein zweischneidiges Schwert darstellen.

ohne flachs… junk bonds… assets… was ist das?

ich stehe dir ja durchaus meinungstechnisch kritisch gegenüber auch wenn viele beiträge eine hohe substanz haben… aber tatsächlich haust du regelmäßig fach/fremdwörter raus, die schwer zu verstehen sind…

eine griffige übersetzung wärs ab und an hilfreich - danke :blush:

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