Wo habe ich das geschrieben?
Das ist eine vollkommen vom Thema ablenkende Frage, wenn wir hier gerade Forschungsergebnisse zu dieser Thematik diskutieren. Deswegen habe ich sie an der Stelle auch nicht beantwortet.
Da sie Dir aber offenbar am Herzen liegt, kann ich Dir versichern: ich kenne so einige, auch sehr persönlich. Unter anderem hat vor Jahren meine damalige Partnerin binnen kurzem einen 180-Grad-Schwenk zur AfD vorgenommen und mir heftige Vorhaltungen wegen meines fatalen Gutmenschentums gemacht. In diesem Zusammenhang empfehle ich gerne noch einmal das ausgezeichnete Buch „Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache“ des nicht nur von mir, sondern z.B. auch von @willythegreat sehr geschätzten Ahmad Mansour.
Wollen wir das jetzt mit demokratischen Mitteln angehen, oder schwebt den Leuten da was anderes vor?
Weil, demokratisch gibt’s ein paar Regeln einzuhalten, es ist ein bisserl anstrengender und nicht so mit einem Handstreich machbar.
Aber sicher. Nichts anderes.
Ich denke es braucht nicht viel. Kleine Kurskorrekturen bei den brennenden Themen, eine klare Richtung mit Regeln und Grenzen, dann bekommst viele AfD-Wähler wieder eingefangen.
Das sollte mit demokratischen Mitteln alles möglich sein.
Die Studien zeigen im Gegenteil, dass es sich in sehr vielen Fällen - außer natürlich bei Deinen Bekannten - nicht um klassische Protestwähler handelt.
Danke für den Buchtipp, werde es mir aber nicht zu Gemüte führen.
Migration und Integration sind Themen die mich schon mein ganzes Leben begleiten. Ich denke das reicht zur Meinungsbildung.
Mit ähnlichen Worten hat meine Freundin sich damals auch geweigert, das Buch zu lesen. Im Gegensatz zu mir: ich hatte gehofft, damit unseren Diskussionen, die sich im Kreise drehten, etwas mehr Substanz zu verleihen. Mansour sieht vieles sehr kritisch auf der Seite der Migranten und liefert interessante Informationen, u.a. zum Einfluss der Familien, insbesondere der Patriarchen in den Heimatländern. Meine Partnerin hatte sich aber von dritter Seite darüber unterrichten lassen, dass Mansour nicht hart genug gegenüber den Migranten argumentiere, und wies daher die Lektüre als Zumutung zurück.
Ich habe täglich mit Migranten zu tun, sowohl gut als auch schlecht integrierten. Die Gespräche mit denen sind aufschlussreich genug für mich. Kann aber jeder gerne anders halten.
FunFact: von diesen Migranten wählen auch einige Afd. Warum auch immer.
Ein bekanntes Phänomen, sei es in Marseille, Miami oder Marzahn: es gibt Migranten, die froh sind, es geschafft zu haben. Sie sehen aber keinen Vorteil darin, wenn andere es ihnen nachtun.
Wenn diese Studien recht behalten, dann sind wir wohl verloren.
Ich hoffe aber dass meine Einschätzung zutrifft.
Mir sind diese Diskussionen zu Migration und Fremdenfeindlichkeit manchmal zu sehr sichtbare Spitze des Eisberges, aber spannend und lohnenswert zu ergründen, ist doch auch gerade in Hinblick auf den Osten, was unter der Wasseroberfläche liegt.
Der britische Historiker James Hawes ordnet folgendermaßen ein:
Ebenfalls aus Historikersicht beschreibt Christina Morina „ ein unterschiedliches Staatsverständnis in Ost und West“.
So habe ich dies interpretiert. Welchen anderen Bedeutungszusammenhang sollte es sonst haben?
Einfach als lustige Nebenbemerkung, dass es im Schwabenland schon so ist ohne AfD und völlig unabhängig von Hautfarbe, Nationalität oder Religion. Du kannst der blauäugigste und blondeste deutsche der Welt sein und wirst argwöhnisch begutachtet als Neuankömmling.
Es unterstützt ja noch deine These ![]()
Ich bin mir sicher, dass sie durch straighte Politik wieder in die Mitte zurück geholt werden können, wo sie ja vorher auch angesiedelt waren.
Ich habe zwar deine Antwort auf die vier leicht schnippischen Fragen von @ChrisCullen gelesen. Aber ich wüsste es doch gern etwas genauer:
- Welche Punkte soll die „straighte Politik“, die Du mehrfach einforderst, konkret angehen?
- zu welchen Themen sollen welche politischen Maßnahmen ergriffen werden, um der AfD die politische Luft abzulassen?
Ich denke es braucht nicht viel. Kleine Kurskorrekturen bei den brennenden Themen, eine klare Richtung mit Regeln und Grenzen, dann bekommst viele AfD-Wähler wieder eingefangen.
Das sollte mit demokratischen Mitteln alles möglich sein.
- Welches sind die brennenden Themen?
- Regeln und Grenzen wofür konkret?
Zwei lesenswerte Artikel mit interessanten Thesen, danke dafür! Als Christina Morina für ihr Buch den Deutschen Sachbuchpreis 2024 verliehen bekam, habe ich hier darüber informiert. Ich verlinke Information und WDR-Gespräch mit der Autorin nochmal. (12 Minuten, verfügbar bis zum 12.6.)
Deutscher Sachbuchpreis 2024 - soeben verliehen an Christina Morina für „Tausend Aufbrüche“. Im vergangenen Herbst rezensierte Norbert F. Pötzl die Neuerscheinung in der SZ (siehe Link). Das Resümee: „Die Historikerin Christina Morina erzählt fulminant eine Ost- und Westdeutschland vergleichende Demokratiegeschichte seit den 1980er-Jahren. Im Fokus stehen die Bürger und ihr Staatsverständnis - und das erklärt viele ostdeutsche Besonderheiten bis hin zur Anfälligkeit für AfD-Verlockungen.“ „Dab…
Einfach als lustige Nebenbemerkung, dass es im Schwabenland schon so ist ohne AfD und völlig unabhängig von Hautfarbe, Nationalität oder Religion. Du kannst der blauäugigste und blondeste deutsche der Welt sein und wirst argwöhnisch begutachtet als Neuankömmling.
Es unterstützt ja noch deine These
Mit Verlaub - hast du auch eine Studie zu dieser „argwöhnischen Begutachtung“ vorzuweisen, oder ist es eher dein „Bauchgefühl“ aus einer persönlichen Situation heraus? Stuttgart hat einen Bevölkerungsanteil mit 44 Prozent Migrationshintergrund, und die Stadt profitiert durchaus davon, ich zitiere hier von der Webseite der Stadt Stuttgart:
„Stuttgart verzeichnet jedes Jahr bis zu 20.000 Neuankömmlinge aus aller Welt. Damit sie sich schnell zurechtfinden, bietet die Stadt für jeden Bedarf eigene Beratungs‐ und Betreuungsangebote. Die meisten kommen, weil die Job‐Chancen in und um Stuttgart größer sind als in ihrer Heimat. Oder, weil ihre Angehörigen bereits in der Landeshauptstadt Fuß gefasst haben. Unter dem Strich wächst die Bevölkerung dadurch Jahr für Jahr um 6.000 bis 8.000 Personen. Knapp die Hälfte dieser Neubürgerinnen und Neubürger stammt aus anderen EU‐Ländern. Wegen des Fachkräftemangels in der Region wurden zuletzt vor allem Erzieherinnen und Erzieher, Pflegekräfte und Ingenieurinnen und Ingenieure gezielt angeworben. Junge Inder und Chinesen kommen in erster Linie, um in Stuttgart zu studieren. Die dritte große Gruppe der ausländischen Zuwanderer sucht in Stuttgart Schutz vor Krieg, Not und Vertreibung. Die Bedürfnisse dieser Neubürger‐Gruppen unterscheiden sich. Deshalb macht ihnen Stuttgart unterschiedliche Angebote.“
Ich persönlich denke, dass es sehr, sehr große Unterschiede zwischen dem eher städtischen und dem eher ländlichen Raum gibt, was eine Willkommenskultur und Akzeptanz angeht (gilt auch hier bei uns in NRW). Der sehr ländliche Raum ist eher geprägt vom z. B. Schützenverein, freiwilliger Feuerwehr und viel Vereinstum (auch sportlich). Dann fällt es Neubürgern teils schwer, sich einzufinden in diese gefestigte Struktur. In der Stadt lebt man eher in der „großen Masse“, und da finden sich dann auch teils sicherlich Viertel, die sehr stark alleine aus wirtschaftlichen Gründen (Bezahlbarkeit der Miete) von einem hohen Migrationsanteil geprägt sind, keine Frage (auch hier bei uns in Krefeld zum Beispiel).
Das ist alles eine durchaus herausfordernde Situation, ohne jeden Zweifel - aber die Konklusion kann ja aus meiner Sicht nicht sein, Menschen per se abzulehnen, weil sie aus einem anderen Kulturkreis stammen. Das Wort „Sozialtourismus“ (welches @ChrisCullen ja vermutlich bewusst in Anführungszeichen gesetzt hat, ist das Unwort des Jahres 2013 gewesen, und unser neuer Bundeskanzler Merz hat es 2022 neu aufgelegt im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, als er ukrainische Flüchtlinge als „Sozialtouristen“ bezeichnet hat (und danach zurückgerudert ist). Wir brauchen keinen AfD-Sprech, wenn es um ausländische Mitbürger geht - wir sind alle Menschen, und Empathie ist eines unserer Kennzeichen als Menschen. Eine grundsätzliche Ablehnung, weil jemand von woanders kommt, ist mit dem Menschenbild, welches unsere Verfassung hergibt, definitiv nicht vereinbar.
Wird eigentlich gelesen was man schreibt bevor jemandem Vorhaltungen gemacht werden???
Da wirst du, wenn du von außerhalb in ein kleines Dorf ziehst
Wenn man sich richtig, richtig, richtig gut auskennt, kann er ihn schon definieren - den gemeinen Schwaben. Allerdings wäre es noch spannend zu wissen ob das auch für den Otto-Normal-Badenser bzw. den 0815-Württemberger gilt.
dass es im Schwabenland
Habe ich durchaus zur Kenntnis genommen, keine Frage. Aber dein „im Schwabenland“ ist halt auch Stuttgart.
Eine grundsätzliche Ablehnung, weil jemand von woanders kommt, ist mit dem Menschenbild, welches unsere Verfassung hergibt, definitiv nicht vereinbar.
Das ist absolut richtig. Jeder Mensch hat das Recht, mit Würde behandelt zu werden. Ich finde allerdings, dass der Zusatz „solange diese Person seine Mitmenschen mit Würde behandelt“ Einzug in unser Denken und Handeln finden sollte (und man sogar darüber nachdenken könnte, das auch ins Grundgesetz aufzunehmen).
Was mMn nur die Lösung sein kann ist Differenzierung und da gehört es einfach auch dazu, endlich auch mal einzugestehen, dass eine Ablehnung von Personen, die das Menschenbild, welches unsere Verfassung hergibt, mit Füßen treten, kein Verstoß gegen Menschlichkeit ist und dass man sich nicht gleich dem Vorwurf ausländerfeindlich zu sein, ausgesetzt sieht, wenn man Ausländer, die die Werte des Grundgesetzes nicht annähernd teilen, so schnell wie möglich außer Landes bringen möchte.
Frei nach Keir Starmers Gedanken zu Beginn der letzten Woche sollte auch ein dauerhafter Aufenthalt in Deutschland in meinen Augen kein Recht sondern ein Privileg sein und an bestimmte Verhaltensweisen gekoppelt werden.
Den Weg der Abweisung an den Grenzen halte ich für sehr diskutabel. Die Unfähigkeit des Staates, Personen, die sich nicht an Werte unseres Grundgesetzes halten, außer Landes zu verweisen ist der Hebel, an dem mMn angesetzt werden muss. (und mit dem man mMn auch wieder einige Leute zurück zu den demokratischen Parteien holen könnte). Und hier brauchen wir weder AfD-Sprech noch andere Ausdrucksweisen, sondern Taten.
Zu deinen Ausführungen zu ländlichem Raum und Stadt möchte ich auch noch etwas hinzufügen. Es zieht Migranten aus verschiedensten Gründen vom Land in die Städte. Der wichtigste dürfte wohl die Arbeit sein und dann kommt Diskriminierung. Es kommt in meiner Gegend öfter vor, dass gut integrierte Ausländer (v.a. aus dem Nahen Osten oder Afghanistan) von dort wegwollen, obwohl sie gute Jobs haben. Es ist die Diskriminierung, die sie mittlerweile von 2 Seiten erfahren. Wer die erste Seite ist, das wissen wir zur Genüge und es ist einfach zum Schämen, dass jemand im Jahr 2025 Menschen nur aufgrund ihrer Herkunft beurteilt, obwohl sie sich gut in die Gesellschaft integrieren. Dieses Gesocks traut sich mittlerweile leider wieder, seinen rassistischen Mist öffentlich zu äußern ohne auf großen Widerstand zu stoßen. Wer die zweite Gruppe ist, kriegen die Leute weniger mit (oder wollen es teilweise auch ideologisch bedingt nicht mitbekommen): es sind intolerante Fanatiker aus den Herkunftsländern der Migranten, die in den dörflichen und kleinstädtischen Milieus auf dem Land den Ton angeben und den Druck auf weltoffenere Familien immer weiter erhöhen, bis diese sich gezwungen sehen, in die Anonymität von größeren Städten zu flüchten. Die Vorgehensweise dabei ist ganz einfach: Mädchen werden gemaßregelt, wenn sie kein Kopftuch tragen; zeigen sich die Mädchen zu weltoffen und pflegen zu starken Umgang mit Menschen, die nicht aus ihrem Kulturkreis stammen, wird ein Machtwort gesprochen. Frauen, die in der Arbeitswelt Fuß fassen wollen, werden beschimpft und Männern, die sich integrieren wird ebenfalls oft genug mit Argwohn begegnet.
So etwas sind bei uns leider keine Einzelfälle, allerdings wird das kaum thematisiert.
In der Schule gibt es so etwas wie eine Probezeit. Dahin müssten wir mMn auch in der Migration kommen und zwar nicht nur strikt an Leistung orientiert, sondern vor allem am Verhalten und dem Willen, sich an die Gepflogenheiten des Landes, in dem man sich aufhält, anzupassen.
Ich befürworte viel mehr Investitionen in Infrastruktur und Förderungsmaßnahmen. Ich bin auch dafür, Ausländern viel eher die Möglichkeit zu geben, in Deutschland zu arbeiten und ich bin auch dafür, vielen bedürftigen Menschen (v.a. Frauen, Kindern und älteren Menschen, die die gefährliche Flucht nicht alleine bewerkstelligen können) durch Direktflüge nach Deutschland zu helfen. Ich erwarte aber auch, dass wir endlich den Schritt in Angriff nehmen, jemandem die Tür zu zeigen, wenn er/ sie die gebotenen Chancen nicht nutzt.
Andernorts scheint sich diese Denkweise auch bei Parteien durchzusetzen, die man zweifelsfrei nicht dem rechten Spektrum zuordnen würde, siehe Labour oder seit Jahren schon den dänischen Sozialdemokraten.