Ja, es ist ein Horrortrip, der gerade erst begonnen hat. Es gibt allerdings auch ein großes ABER: es gibt immer Gegenkräfte, die solch ein Wahnsinniger und seine Gefolgschaft nicht kontrollieren können. Das mag er anders einschätzen, es ist dennoch so. Der Schaden, den er einstweilen anrichtet und weiterhin anrichten wird, ist dessen ungeachtet unermesslich.
Ich durchforste jeden Tag das Netz nach diesen Gegenkräften. Auf der individuellen Ebene gibt es schon Zehntausende. Es wird Zeit, dass sie sich organisieren und zusammenschließen.
Never ever give up hope!
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Morgendliches Update von Trumps Roll-Back - wie immer unvollständig
ad 1) Sein Büttel Vance wird bevollmächtigt, die US-Geschichte umzuschreiben.
Trumps Erlass mit dem Namen „Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte“ weist Vizepräsident J.D. Vance an, alles, was er als „unangemessen“ erachtet, aus der Smithsonian Institution, einschließlich ihrer Museen, Bildungs- und Forschungszentren und des National Zoos, zu entfernen.
Hier die Details des Erlasses:
Und hier mehr zur Einschätzung der Vorgeschichte und der Hintergründe:
ad 2) Zur Annexion Grönlands schickt er seinen Büttel auf die US-Militärbase Pittufik - und postet auf X ein Propaganda-Video, das Leni Riefenstahl blass vor Neid gemacht hätte.
https://x.com/realDonaldTrump/status/1905689237749727368
Die Sprachlichkeit von Vance und Trump am Donnerstag lässt keinerlei Zweifel am expansionistischen Plan der US-Administration:
Trump: „Wir werden so weit gehen, wie wir gehen müssen. Wir brauchen Grönland. Und die Welt ist darauf angewiesen, dass wir Grönland haben. Auch Dänemark. Dänemark muss uns Grönland überlassen.“
Vance: „Wir glauben nicht, dass militärische Gewalt jemals notwendig sein wird. Wir sind überzeugt, dass dies sinnvoll ist, und da wir die Menschen in Grönland als rational und gut einschätzen, glauben wir, dass wir einen Deal im Stil von Donald Trump abschließen können, um sowohl die Sicherheit dieses Territoriums als auch der Vereinigten Staaten von Amerika zu gewährleisten.“
Ähnlich wurde 1938 auch bei der Zerschlagung der Tschechei vorgegangen: Das Münchener Abkommen (der sog. Anschluss Sudetendeutschlands) wurde ohne Beteiligung der ČSR zwischen dem Deutschen Reich, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien geschlossen.
Analog will Trump hier Dänemark in die Knie zwingen, dann spielen die knapp 57.000 Grönländer:innen keine Rolle mehr.
Warum will Trump Grönland heim ins US-Reich holen? Er verkauft das als Schutz für die Sicherheit der freien Welt vor China und x Russland. Aber um militärische Kontrolle könne es Trump dagegen kaum gehen, berichtet die Tagesschau und zitiert den Forscher und Grönland-Experte Ulrik Pram Gad: „Die USA und Dänemark haben seit 1951 ein Abkommen, das Grönland 2004 unterschrieben hat“, sagt der Wissenschaftler. „Vereinfacht gesagt gibt es den USA das Recht, das grönländische Territorium zur eigenen Verteidigung zu nutzen, wie sie wollen. Deshalb ist es etwas schwer zu verstehen, was Trump in diesem Zusammenhang eigentlich braucht.“
Für ein detaillierteres Verständnis der möglichen Motive schreibt der WDR
„Bodenschätze, Schifffahrtsrouten, Militärbasen sind Gründe für das Interesse. Auch die Eitelkeit von Trump könnte einer sein.“
Die Landmasse Grönlands umfasst das 6fache Deutschland:
Der Clou an der Angelegenheit mMn ist aber: Trump hat die Unterstützung des russischen Zaren.
Noch einmal zum Verständnis: Trump lässt Putin bei der Annexion der Ukraine freie Hand, wenn die Waffen schweigen.
Dafür lässt Putin seinen neuen Boyfriend Grönland übernehmen.
Ähnlich wurde 39 Polen aufgeteilt: „Du kriegst den Osten, ich den Westen.“
So ergibt endlich auch Trumps Ukraine-Kurs einen Sinn.
Auch die Grünen haben jetzt einen Vorschlag zum Thema Pflichtjahr.
Kernpunkte:
- für alle zwischen 18 und 67 (Geschlecht egal, auch für nichtdeutsche Staatsbürger)
- wer schon Zivildienst oder Wehrdienst absolviert hat oder in bestimmten Bereichen ehrenamtlich gearbeitet hat, ist ausgenommen
- breites Feld an Möglichkeiten
- am Stück oder zeitlich aufgeteilt zu absolvieren
Debatte über Wehrpflicht: Grüne schlagen verpflichtenden „Freiheitsdienst“ vor | STERN.de
Klingt grundsätzlich interessant, wie ich finde.
Kommt meiner Vorstellung sehr nahe.
Ich bin allerdings für 12 Monate.
Bei der Verpflichtung von Männern und Frauen gleichermaßen muss allerdings die Diskussion über die biografische Benachteiligung von Frauen durch Schwangerschaften und Mutterschaft geführt werden.
Ich finde, bei all den Sorgenfalten über Bayerns Verletzungs-Dusel ist’s jetzt mal Zeit für ein, zwei sonntägliche Schmunzler:
Wenn Du vorhast, einmal Pressesprecher:in zu werden - keine Sorge, die Quali-Latte liegt nicht allzu hoch:
Und für alle US-Amerikaner, die sich ernsthaft Sorgen um ihr Land machen: hier ist der Ratschlag von Ronny Chieng aus der „today show“:
„Look into your heart…“
Schwierig. Zumal es ja die Möglichkeit gibt, dass jede Frau durch das Elterngeld (auch wenn es in manchen Fällen sehr niedrig ist) für mindestens 1 Jahr pro Kind finanziell durch den Staat unterstützt wird. Oder würdest du pauschal jede Mutter von einem Dienst ausnehmen?
… deutlich erhöhen, wäre doch schon mal ein Anfang.
Und ja, mit diesem Argument wurde früher begründet, warum Frauen keinen Wehrdienst leisten.
Andere Möglichkeiten für eine Besser-Stellung von Müttern - Vorteile bei der Berufswahl, Ausbildung, im Studium.
Natürlich dramatische Verbesserung der KiTa-Strukturen in Deutschland.
Ich glaube ja. Zumindest mit einer ähnlichen Regelung wie beim BAföG - solange, wie die Kinder die Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben, keine Dienstpflicht.
Als mein erster Gedanke dazu…
Klingt für mich nach „gilt auch rückwirkend“
Na ob das nicht eher Wählerstimmen kostet?
Ich denke, wir dürfen ziemlich sicher davon ausgehen, dass die US-Milliardäre um Elon Musk die US-Wirtschaft nicht absichtlich in eine Rezession treiben (wollen). Bei allen außer Musk scheitert das schon daran, dass sie keinen exekutiven Einfluss und damit Zugang zu den Hebeln haben, mit denen das möglich wäre. Und obwohl es Musk selbst egal zu sein scheint, ob Amerika in eine Rezession rutscht, während er andere politische Ziele verfolgt, halte ich es für höchst unwahrscheinlich, dass er gezielt auf eine Rezession hinarbeitet:
- Musks Unternehmen machen einen nicht unerheblichen Teil ihres Geschäfts in Amerika, eine Rezession würde ihm also direkt wirtschaftlich schaden. Warum sollte er das wollen?
- Dass es Musks Plan sein könnte, andere Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen, um sie dann billig aufzukaufen, scheint mir schon deshalb schwer vorstellbar, weil Musk selbst durch die Politik der Trump-Administration seit Dezember letzten Jahres rund 125 Milliarden Dollar seines eigenen Vermögens – und damit auch an Möglichkeiten, andere Unternehmen aufzukaufen – verloren hat. Würde Musk einen so dummen Plan aushecken? Oder anders gefragt: Wenn jemand einen Plan macht, die US-Wirtschaft gezielt in eine Rezession zu stürzen, um dann angeschlagene Unternehmen billig aufkaufen zu können, würde er dann nicht dafür sorgen, dass seine eigenen Unternehmen als Finanzierungsbasis für seine geplanten Übernahmen von der wirtschaftlichen Dezimierung des Landes eher verschont bleiben, aber jedenfalls nicht stärker darunter leiden als seine potentiellen Übernahmeziele (was hier wahrscheinlich passiert ist)?
Zu Deinen anderen Punkten möchte ich gezielt einen anderen Blick wagen und eine Gegenposition einnehmen. Ich versuche es in Stichpunkten:
dass sich das Vermögen der reichsten Männer der Welt um 60% erhöht, während die Welt eine Pandemie durchleidet, Millionen ihre Jobs verlieren und die Kaufkraft des Durchschnittsverdieners in derselben Zeit sinkt
Bist Du Dir bewusst, dass Du Dich hier einer populistischen Rhetorik bedienst, die, typisch populistisch…
- … eine künstliche Dichotomie zwischen zwei Seiten, einer „bösen“ und einer „guten“, hier den „Milliardären“ (böse) und den „Millionen, die ihre Jobs verlieren“ (gut) aufbaust,
- … den Sprecher und mit ihm implizit auch das Publikum, an das er sich wendet, auf der Seite der Guten verortet, die von den Bösen ausgebeutet, übervorteilt, ausgenutzt, belogen, betrogen, verkauft etc. werden,
- … sich dabei unzulässiger Vereinfachungen bedient und sich wenig um die sachliche Richtigkeit des Dargestellten kümmert (haben etwa Millionen von Menschen ihre Jobs wegen des wachsenden Reichtums von Milliardären verloren?), und
- … durch die Darstellung des massiven Unrechts, das die Bösen (die Milliardäre) an den Guten (uns, den arbeitslos Gewordenen, den Durchschnittsverdienern) begehen, bei den Adressaten bewusst möglichst starke negative Emotionen wie Empörung, Wut, Neid, Hass usw. hervorrufen will?
Zur Sache selbst: In Amerika gibt es mehrere hundert Milliardäre. Diejenigen, deren Vermögen während der Pandemie am stärksten gewachsen sind, sind die Eigentümer der Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen während der Pandemie besonders gefragt waren: Cloud-Dienste (z. B. Amazon), Video-Streaming (z. B. Google), Videospiele, Lieferdienste, Telekommunikation (z. B. Zoom) etc.
Die Vermögen der Inhaber dieser Unternehmen sind während der Pandemie besonders stark gewachsen, weil sie Produkte und Dienstleistungen verkauft haben, die die Menschen besonders gerne haben wollten oder brauchten.
Die Vermögenszuwächse dieser Menschen sind damit nicht Ausdruck irgendeiner moralisch anheischigen Aneignung von Geld und Reichtum auf Kosten anderer, wie Deine Darstellung unterschwellig suggeriert, sondern das Ergebnis dessen, dass ihre Unternehmen Produkte hergestellt haben, die viele Menschen wertvoll fanden und kaufen wollten.
Unsere Wirtschaftsordnung basiert auf Privateigentum und dem Recht, daraus Nutzen für sich zu ziehen, Vertragsfreiheit und dem Tausch von Leistung und Gegenleistung auf Märkten zum beiderseitigen Vorteil (in diesem Fall z. B. Geld an Unternehmen im Eigentum von Milliardären gegen die Bereitstellung von Online-Diensten, die den pandemiebedingten Aufenthalt zu Hause versüßen oder vereinfachen).
In einer solchen Wirtschaftsordnung ist der Reichtum einer Person bzw. das Wachstum dieses Reichtums nicht notwendigerweise Ausdruck einer moralisch anstößigen Selbstbereicherung dieser Person auf Kosten anderer und damit etwas, das es zu bekämpfen gilt, sondern Ausdruck der Fähigkeit dieser Person, Güter und Dienstleistungen zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten, die anderen Menschen einen Nutzen bringen, für den sie bereit ist, einen Teil ihres eigenen Reichtums in Form von Geld in einem Tauschgeschäft zum gegenseitigen Nutzen abzugeben. Niemand wird gezwungen, die Produkte und Dienstleistungen von Amazon, Google, Tesla etc. zu konsumieren! Dass es trotzdem passiert, ist Ausdruck dessen, dass diese Produkte den Konsumenten einen Mehrwert bieten.
Dass in unseren Gesellschaften Menschen zu Milliardären und noch reicher werden können, ist also kein Zeichen eines Defizits oder Problems, sondern gerade des Erfolgs unserer Gesellschaften, die Bedürfnisse der Menschen, die in ihnen leben, effektiv zu identifizieren und zu befriedigen, sprich zu einem guten Leben für ihre Mitglieder zu sorgen. Denn die die Quelle des Reichtums der Milliardäre ist die Entwicklung und der Verkauf erfolgreicher Produkte und Dienstleistungen, die die Bedürfnisse von Menschen befriedigen.
Wären die Milliardäre während der Pandemie weniger reich geworden, hätte dies bedeutet, dass sie weniger gute oder attraktive Produkte hergestellt hätten, die wir weniger gekauft oder von denen wir weniger profitiert hätten, und dass wir als Gesellschaften ein entsprechend geringeres Wohlstandsniveau gehabt hätten. Hätten wir das gewollt? Wäre das für uns besser gewesen? Wäre das für die Gesellschaft insgesamt besser gewesen? Hätten wir lieber eine Welt ohne Milliardäre, aber auch ohne Netflix, Google, Amazon oder Zoom?
Wenn man keine Milliardäre will, oder zumindest keine Vermögenszuwächse von Milliardären in Krisenzeiten, während gleichzeitig viele andere Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, dann muss man entsprechend hohe Steuern auf hohe Einkommen oder situative Sondersteuern auf Gewinne einführen. Wenn man nicht einmal die Möglichkeit von Milliardären will, muss man eine andere Wirtschaftsordnung schaffen, die ohne Privateigentum und das Recht, es zum eigenen Vorteil zu nutzen, auskommt, wie es z. B. in den historischen sozialistischen Staaten des Ostblocks der Fall war.
Beides kann man fordern, muss sich aber der Risiken für den Wohlstand und die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaften bewusst sein. Wie viel Jahre später als Amerika hätte die Sowjetunion Google, Netflix, Zoom und den Tesla entwickelt (wenn überhaupt)? Wie viel weniger Innovation, Risikobereitschaft, Selbstausbeutung erfolgshungriger Erfinder und Wagniskapital hätten wir, wenn es eine 100-Prozent-Steuer auf sämtliche Einkommen und Vermögen oberhalb einer Milliarde Euro gäbe? Wie sind privates Unternehmertum und Unternehmenswachstum überhaupt möglich, wenn Kapitalakkumulation von Individuen über eine Milliarde Euro hinaus praktisch unmöglich ist?
dass wir in Deutschland keine Vermögensteuer haben, die Unternehmens- Besteuerung seit der Wende halbiert wurde, und die Körperschaftsteuer bei pauschal 25% gedeckelt ist, während die Lohnsteuer bis zu 46% ansteigt.
Diese Aussage suggeriert: „Oh, Unternehmer zahlen nur 25 Prozent Steuern auf ihr Einkommen, aber normale Arbeitnehmer bis zu 46 Prozent. Das ist ungerecht.“
Tatsächlich wäre das auch ungerecht, wenn es denn so wäre. Die Körperschaftsteuer, die übrigens 15 und nicht 25 Prozent beträgt, ist eine Steuer auf den Unternehmensgewinn von Kapitalgesellschaften. Nur was vom Vorsteuergewinn eines Unternehmens nach Zahlung der Körperschaftsteuer (und der Gewerbesteuer) als Nachsteuergewinn übrig bleibt, kann an die Gesellschafter ausgeschüttet werden, die diesen Betrag als Einkommen dann noch einmal mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer versteuern müssen. Im Ergebnis verbleiben einem Gesellschafter, der sich den gesamten Gewinn seines Unternehmens auszahlen lässt, knapp 50 Prozent des Vorsteuergewinns als Netto-Einkommen. Das ist sogar etwas weniger als bei einem voll abhängig Beschäftigten, dessen Grenzsteuersatz inklusive Solidaritätszuschlag übrigens bei rund 47,5 und nicht bei 46 Prozent liegt.
(Woher hast Du diese Zahlen?)
Lange Rede, kurzer Sinn: Unternehmenssteuern plus Kapitalertragsteuer auf ausgeschüttete Gewinne bedeuten eine fast ebenso hohe steuerliche Belastung auf Einkommen für den Nutznießer, wie sie im Bereich des Spitzensteuersatzes der Einkommensteuer anfällt. So wirklich ungerecht im Sinne von, die einen bezahlen so wenig und die anderen so viel, erscheint mir das nicht.
dass die Gewinne, die Unternehmen in Deutschland erzielen, nicht auch hier versteuert werden.
Das kann man fordern, das wird in der Wissenschaft auch diskutiert, aber dann müsste man es konsequenterweise auch für alle anderen Staaten fordern, und das wäre für ein Exportland wie Deutschland mit Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Gewinne in ihrem Auslandsgeschäft erwirtschaften, möglicherweise mit finanziellen Einbußen für den deutschen Staat in Form geringerer Unternehmenssteuereinnahmen verbunden. Wäre das wünschenswert?
EDIT: Interessantes Fachbuchkapitel zum Thema (für Connoisseure).
Du triffst wie fast immer mit Deinen Punkten ziemlich ins Schwarze, @Alex.
Allerdings erweckst Du den Eindruck, als wären @Gratschifter’s Aussagen Ausdruck einer grundsätzlichen Verurteilung unseres Wirtschaftssystems und ein Plädoyer für eine Hinwendung zu, womöglich, gar planwirtschaftlichen, sozialistischen, kommunistischen etc. Vorstellungen.
Als solche habe ich die Einwürfe nicht gelesen - trotz mancher Simplifizierungen oder kleiner Polemiken, mit denen wir hier in der Kürze von Zeit/Platz arbeiten. Auch Du tust das übrigens, zugegeben weniger als wir anderen. Aber wenn Du den gesellschaftlichen Vorteil der Entstehung hoher individueller Vermögen, die sich der Produktion gesellschaftlich gewollter/gebrauchter Güter verdankt, ansprichst, ist das ebenso eine Simplifizierung oder mindestens unvollständig, denn es dürfte wohl kaum Zweifel geben, dass sich eine Anhäufung von Vermögen auch genau dem verdanken kann (und oft genug tut), indem man genau davon profitiert, was Leute wie @Gratschifter nicht müde werden anzuprangern, nämlich:
Betrug, Ausbeutung (von Menschen wie von Mutter Erde) etc.
Hier das Zitat dazu.
Ja, auch - aber eben bei weitem nicht nur.
Ich glaube, was Leute wie @Gratschifter (er korrigiere mich gern) oder ich wollen, ist nicht ein grundsätzlich anderes Wirtschaftssystem als das, was nachweislich mehr allgemeinen Wohlstand als jedes andere bisher hervorgebracht hat. Aber was wir sehen, ist eben auch, dass die behaupteten Trickle-Down-Effekte so nicht mehr funktionieren und sich Parameter des komplexen Geldflusses auf eine Art und Weise entwickelt haben, dass sie den gesellschaftlichen Frieden gefährden.
Und da haben wir das psychologisch-soziologische Massiv noch gar nicht angetastet, wenn wir die heutzutage bekanntesten, mächtigsten und einflussreichsten Milliardäre mal einer genauen Betrachtung unterziehen hinsichtlich ihrer Motive und Wirkung.
Oder, um es anders zu formulieren:
Ein Grundkurs Kapitalismus ist sicher hilfreich. Aber brauchen wir den wirklich, um die Frage stellen zu dürfen, wie man mit den zahlreichen Ungerechtigkeiten umgehen will, die daraus entstehen, und die massive Schäden hervorrufen - zum Vorteil einiger Weniger mit zweifelhaften Zukunftsvorstellungen?
Oh ja, @Alex, des bin ich mir durchaus bewusst. Ein bisschen Populismus, satirische Zuspitzung und rhetorische Verkürzung finde ich zulässig - wie Du das auch tust, nur nicht so offensichtlich.
Du reduzierst bewusst meinen Post auf einen populistischen Versuch, indem Du ihm unterstellst, simplifizierend, faktenverdrehend und emotional manipulativ und aufstachelnd zu sein.
Simplifizierung der Zusammenhänge - klar. Dies Forum ist weder eine wissenschaftliche Abhandlung zum Steuerrecht (obwohl ich es sehr spannend fände, hier mit dir in einen Exkurs zum Thema Steuergerechtigkeit in den USA und Deutschland zu gehen) noch eine Dissertation über Vor- und Nachteile kapitalistischer Gesellschaftssysteme.
Das einzige Faktum, das ich nach der Lektüre deiner Antwort verdreht habe, ist die falsche Angabe der Körperschaftssteuer. Dank dir für die Richtigstellung; ich hatte tatsächlich die Steuersätze von Körperschafts-und Kapitalertragssteuer verwechselt. (siehe unten)
Die emotionale Aufstachelung - hmm - neben meiner stillen Freude, dass sie offenbar deine Wut („Empörung, Wut, Neid, Hass“) hervorgebracht hat, stehe ich dazu. Es ist in meinen Augen kein Zeichen von politischer, moralischer oder argumentativer Reife, ungerechten Zuständen ggü. stets gelassen und ruhig zu bleiben. Mir zu unterstellen, ich wolle bewusst Hass befördern mittels sprachlicher Manipulation - nun ja, da bleibt auch mein Auge nicht mehr trocken (mein Mund hingegen schon). Offenbar traust Du Deinen Mitleser:innen nicht allzu viel intellektuelle Selbständigkeit zu, wenn Du befürchtest, dass sie der populistischen Rattenfängerei des Agitators ins Netz gehen. Eine Parallele mit AfD-Agitation oder der Rhetorik eines Goebbels brauchst Du gar nicht mehr auszusprechen - das ist nach Deiner Einleitung auch zwischen den Zeilen klar geworden.
Dein Aufhänger, dass ich zu den Verschwörungstheoretikern gehöre, die MuskTrump eine absichtliche Rezessionsverschärfung, ist faktisch falsch.
Ich habe exakt das Gegenteil geschrieben. Sinngemäß: „Es ist mir piepegal, ob wir denen Absicht nachweisen oder nicht.“ Du zitierst das sogar. Um dich dann aufzumachen, wortreich genau diese Verschwörungstheorie zu widerlegen, die ich weder vertreten noch gutgeheißen habe. Das halte ich für rhetorisch manipulativ. Und ich fürchte, Du machst das bewusst.
Auch wenn ich diese idiotische Verschwörungstheorie nie vertreten habe - eines hab ich mich beim Lesen deiner Argumentation schon gefragt:
Wenn jemand wie Musk, der sichtbar an den exekutiven Hebeln der Macht sitzt (im Ggs. zu Zuckerberg, Bezos, Thiel, die im Hinterzimmer bleiben) - wenn jemand wie Musk in Kauf nimmt, erst mal über 100 Mrd. über Bord zu werfen, was, bitte, ist sein Motiv dabei? Christliche Nächstenliebe etwa, Altruismus oder selbstlose Liebe zu seinem Vaterland? Glaubst Du im Ernst, Elon würde unvernünftig, irrational in Bezug auf sein Vermögen handeln? Das hingegen glaube ich nicht.
Mann erschafft kein Vermögen von über 400 Mrd. mit unvernünftigem Verhalten.
Ich weiß von Musks Vermögensverlust, seitdem diese 125Mrd auf Instagram viral gingen - das war vor drei Wochen. Laut Forbes besaß er im Januar 423 Mrd. Ende März sind es laut Statista 342 Mrd., laut Forbes hingegen 328 Mrd. Ja, ich habe nicht darauf hingewiesen.
Ob Größenwahn oder Gleichgültigkeit die psychologische Triebfeder von Musks Handeln ist, ist mir genauso piepegal wie die von dir widerlegte Verschwörungstheorie, die ich nie vertreten habe.
Entscheidend ist für mich bei der ganzen Debatte um Milliardäre ein einziger Punkt:
Es ist für einen einzelnen Menschen schei…egal, ob er 420 oder 320 Mrd. besitzt. Für den Einkauf reichts immer noch. Entscheidend ist: Was bleibt nach Steuern?
Im Thema effektive Steuerbelastung kann ich dir nicht das Wasser reichen.
Aber Schulmathematik beherrsche ich.
Entscheidend is‘, watt unterm Strich übrig bleibt.
Wenn ich 68.480 € jährlich verdiene, greift der Spitzensteuersatz von 42%. Bleiben mir 39.720 - sind 3.310 monatlich. Nich üppig mit 2 Kindern und Urlaub. Aber geht.
Ab 68.480 Jahres-EK steigt die Steuer nicht mehr weiter.
Also bleiben bei 100Tsd Jahres-EK 58.000 nach Steuern - 4.830 monatlich. Kann man schon von leben.
Bei 275Tsd Jahres-EK bleiben 159.500 nach Steuern - 13.290 monatlich. Da is schon mal ne Jahreskarte beim FCB drin.
Wenn ich 277.826 € e per anno verdiene, greift endlich die sog. Reichensteuer. Alles oberhalb dieser Grenze wird dann mit 45% versteuert. Der Einfachheit ignorieren wir diese 3% Differenz (ich kann nur Schulmathe) und rechnen einfach mit 45% Steuer.
500 Tsd. PA - bleiben 290 Tsd - 24.160 monatlich.
1 Million PA - bleiben 580 Tsd - 48.320 monatlich.
Uswusf.
Die Frage, die sich die verschwindende Mittelschicht stellt (von denen unten ganz zu schweigen), ist simpel:
Wie hoch muss ein Monatseinkommen sein, damit es als ausreichend gedeckelt wird?
5 Tsd.? 10 Tsd.? Ab wann wird es grotesk?
80% der Deutschen verdienen jährlich unter 50.000 vor Steuern.
Über 500.000 verdienen 0,16% der Deutschen, über 1 Mio. 0,07%. (Statista-Zahlen aus 2019).
80 % der Deutschen kommen monatlich mit weniger als 2.420 € aus. Das ist zuwenig.
Das ist meine Haltung zur Steuergerechtigkeit in Deutschland.
Die in Deutschland seit 1997 ausgesetzte Vermögensteuer auf Privatvermögen ist mMn ein sozialer Skandal. Zur Erinnerung: das Bundesverfassungsgericht mahnte damals die ungerechte Bewertung von Grundbesitz an und forderte die Regierung auf, dies zu ändern. Das BVerfG hat NIE die Aufhebung der Vermögensteuer legitimiert. Seit 28 Jahren (!!!) nun ist das den wechselseitig Regierenden CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen schnurz wie piepe. Wir haben wichtigeres zu tun. Den öffentlichen Kassen entgehen jährlich geschätzte 20 Mrd. - bei einem moderaten Steuersatz von 1%. Aber wir haben ja Sondervermögen - da brauchen wir datt gar nich.
Deinen Diskurs in der Folge zum Thema „Ham die Milliardäre ihren Reichtum verdient, ist Milliardärstum gerecht und sinnvoll“ finde ich spannend. Diesen Diskurs führe ich gerne mit dir weiter.
Ob hier allerdings, wie Du postulierst, das Bestreben der Handelnden vorrangig ist, „für ein gutes Leben ihrer Mitglieder zu sorgen“, - Sorry, aber das Monatseinkommen von 80% dieser Mitglieder spricht eine andere Sprache.
Zur Frage, was eigentlich die intrinsische Motivation der Milliardäre (0,003 % der Bevölkerung - egal, ob in den USA oder in Deutschland) ist, zitierte Georg Schramm gerne Warren Buffett:
Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Es ist der Milliardär, der hier von Klassenkampf spricht, nicht der populistische @Gratschifter.
In vielen Punkten bin ich bei Dir. Ich vermute allerdings, dass @Alex Deine „Piepegal-Aussage“ nicht als Distanzierung verstanden hat. Ich habe sie ursprünglich jedenfalls nicht so verstanden, sondern eher als neutral im Sinne von „kann sein, kann auch nicht sein, mir egal“. So gesehen kann man die Plausibilität der Annahme schon mal unter die Lupe nehmen und in bekannter Alexscher Manier durchdeklinieren.
Im weiteren möchte er „gezielt einen anderen Blick wagen und eine Gegenposition einnehmen.“ Das ist Alex’ zentraler Ansatz in vielen Debatten: bei - aus seiner Sicht - zu großer Einigkeit über eine Sichtweise einen konträren Standpunkt einzunehmen, damit es lebendig bleibt. Das muss man nicht persönlich nehmen. An seinem ähnlichen Motiven geschuldeten Versuch, Verständnis für die Motive von AfD-Wählern zu entwickeln, hat sich hier so mancher - inklusive meiner Person - abgearbeitet. Bei dem einen oder anderen wurde es emotional, so dass Alex sich, mit einigem Missvergnügen, veranlasst sah, sich ausdrücklich von diesem Saftladen zu distanzieren. Der Text fiel gesalzen aus (eine schärfere Distanzierung habe ich hier nicht gelesen), er war angereichert mit Genervtheit davon, dass das überhaupt nötig war.
Dies nur als Hinweis für Dich, wie Du Widerspruch von Alex auch auffassen kannst, wenn Du magst.
Danke für deine hilfreiche Erklärung.
Und falls es u.a. @Alex Motivation war, den advocatus diaboli in der Musk-Debatte zu übernehmen, dann war das nicht nur wichtig, sondern auch erfolgreich: Schließlich hat er mich dazu gebracht, mich über eine Stunde mit einer Antwort, der Milliardärs-Thematik und meiner eigenen Position zu beschäftigen. Nicht nur dafür schätze ich @Alex Einlassung!
(Und immer noch fallen mir Punkte ein und auf, die eigentlich eine Antwort verdienen! Aber ich schätze, der Rest des MSR-Universums runzelt schon argwöhnisch die Stirn.. nach dem Motto: „bloß nicht noch mehr - s reicht eh schon!“)
Erwischt. Ob an der Verschwörungstheorie etwas dran gewesen sein könnte, werden wir in vier Jahren debattieren. Wenn Musks Vermögen nach Trump dann weniger als 432 Mrd. beträgt (was derzeit hochwahrscheinlich ist), dann hat das Tech-Wunderkind der 10er-Jahre ins Klo gegriffen mit seiner ökonomischen Strategie. Dann war Trump für Elon ein Schei…Investment.
Aber auch nicht erwischt.
Für meine Bewertung von Musks Verhalten in Anbetracht der Trumpzession (er plant seinen Rückzug aus der Trump-Administration - jetzt, wo der Schaden angerichtet ist und die Börseneinbrüche nicht mehr zu leugnen sind) ist es egal, ob ihm 430 oder 330 Mrd bleiben. Jemand, der so viel besitzt, wird mit dem kümmerlichen Rest immer noch so grade über die Runden kommen.
Das meinte ich mit „piepegal“.
Trump als den Präsidenten der Milliardäre zu bezeichnen, ist nicht völlig aus der Luft gegriffen gewesen.
https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-01-21/milliardare-auf-trump-visite-wurden-vielflieger-nach-palm-beach
Ist er‘s heute hingegen noch?
Vor einer Woche kommt die FR übrigens völlig überraschend zum entgegengesetzten Schluss.
Etwas überspitzt zusammengefasst:
Trumps Milliardärs-Supporter, im November noch einhellig begeistert zu Gast bei Orange Donald, geht der A… auf Grundeis. Die FR kommt zum Schluss: „Das, was die Milliardäre bewegt, interessiert ihn nicht mehr wirklich. Wenn der „kleine Mann“ die Superreichen blechen sehen will, dann wird Trump eben genau das liefern. Und zitiert zum Beleg den Investmentbanker Dietrich: „Man könnte eigentlich ein bisschen provokant sagen, dass Trump eben mittlerweile der Arbeiterpartei vorsteht.“
Soviel zur These, wir verbreiteten hier Verschwörungstheorien.
Eigentlich ist Trump ja Kommunist.
(Da war doch was mit Musk und Weidel und Hitler und Kommunist….
Aber DAS geht jetzt eindeutig zu weit!)
Ich finde, nach all dem Ernst heute ist’s höchste Zeit, um mal wieder ein bisschen zu schmunzeln:
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Sehr aufschlussreiches Gespräch während der soeben zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse mit Sebastian Klein, einem Unternehmer, der auf 90 % seines Vermögens zugunsten sozialer bzw. demokratiefördernder Projekte verzichtet, über sein Buch „toxisch reich“.
Aus der Dlf App | Andruck – Das Magazin für Politische Literatur | Sebastian Klein: „toxisch reich“ – Gespräch auf der Leipziger Buchmesse Sebastian Klein: "toxisch reich" - Gespräch auf der Leipziger Buchmesse
Ich danke sehr für den Link, @jep: ich muss gestehen, ich kannte bisher Sebastian Klein noch gar nicht. Das ist eine sehr beeindruckende Einstellung seinerseits. Hut ab!
Ich hätte nie gedacht, dass es mal Konsequenzen in der Politik nach Straftaten gibt aber bei den Franzosen ist halt alles ein bisschen anders.
Lautes schallendes Gelächter in Bremen!!
Good news in mostly bad times.
(Jaja, auch Al Capone kam schlussendlich wegen Steuerhinterziehung in den Knast…)
Auch von mir ein Danke für den Link - hab das Gespräch eben gehört. Und bin beeindruckt.
Die SZ redet Kleins Buch eher schlecht:
Zitat: „Doch das Plädoyer für „Reformen, die allen nützen“, wirkt allein durch die ganz subjektive Erfahrung Kleins wenig glaubhaft, bleibt in vortheoretischen Appellen stecken und kommt politisch eher ahnungslos und ohnmächtig daher.“
Für dieses vernichtende Urteil führt der Artikel keinerlei (!) Argument oder Beleg an.
So klingt Sebastian Klein hingegen im O-Ton:
Bin gespannt, ob eineR von euch das Buch gelesen hat…
