Zum Karriereende von Jérôme Boateng: Das Thema, das chronisch zu kurz kommt

ich schrieb doch - ganz allgemein…
egal wo diese Diskussion aufgemacht wird - allgemein nehmen Männer Boateng und Co. überwältigend oft in Schutz! das war nicht auf dich persönlich bezogen :slight_smile:

und wie geschrieben - wenn man sich einmal mit allen verfügbaren Infos zu seinem speziellen Fall aber auch zu Lindemann oder zu Profisportlern und Promis auseinandersetzt - ja, dass ist es sicher, dass er nicht versehentlich in seine Freudin gestolpert ist… und Lindemann unter der Bühne nicht gehäkelt hat… und und und…

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Richtig, wenn es nur das wäre…

Hatte mich damals auch eingelesen in die Correctiv Recherchen und was da über die Geschichten mit seiner Ex rauskam, die sich im Anschluss umgebracht hat:

Nix justiziables offensichtlich aber alles leider sehr sehr unappetitlich…

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Sollte er damit aber nicht erst anfangen bevor ihm „verziehen“ wird oder zumindest etwas in die Richtung gehen? Das schon angesprochene Foto zeigt doch mMn sogar das Gegenteil.

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Habe ich gelesen, wobei ich nicht sehe, was man aus „Männern im Profifussball im Allgemeinen“ nun über Boateng lernen kann? Weil es da noch andere Gewalttäter zu geben scheint, muss er auf jeden Fall schuldig sein? Die Argumentationslinie in der Correctiv-Recherche ist mir zu tendenziös, das macht mich skeptisch.

Ich halte sehr viel von unserem Rechtsgrundsatz „in dubio pro reo“ - wenn man Dinge nicht gerichtsfest beweisen kann, tut man gut daran, nicht aufgrund des Anscheins zu einer eigenen (Vor-) Verurteilung zu kommen. Schlicht, weil man durch den heutzutage unvermeidlichen öffentlichen Pranger auf diese Weise immer wieder mal einem Unschuldigen sein Leben zerstören kann.

Mir geht es dabei eigentlich nicht um Boateng, sondern ums Prinzip. JB war nie eine besonders helle Kerze auf der Torte, ich traue ihm ohne weiteres zu, dass er seine Frauen geschlagen und psychisch drangsaliert hat, und ich will ihn eigentlich auch nicht wieder beim FC Bayern sehen, schon allein wegen der unvermeidlichen negativen Publicity.
Aber aus grundsätzlichen Erwägungen geht es mir gegen den Strich, jemand in Bausch und Bogen zu verdammen, solange ein Promille Wahrscheinlichkeit besteht, dass er in Wahrheit nur eine geringe Teilschuld am Geschehen hatte.

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Das Foto kenne ich nicht, aber wie gerade geschrieben, geht es mir auch nicht um Boateng als Person, sondern ums Grundsätzliche.

Also wenn wir über Reue sprechen, müssen wir ganz klar folgende Dinge festhalten:

  • Gemeinsame Schmutzkampagne mit Springer
  • Dieses Foto mit Lindemann, das auf den Angehörigen von Lenhardt nochmal schön herumtrampelt
  • Komplett unreflektierte Interviews
  • Boateng inszenierte die Beendigung der Ermittlungen als Freispruch, de facto war es aber kein Freispruch, sondern die Geschädigte starb und eine Zeugin tauchte plötzlich unter.
  • Boateng wurde in einem anderen Fall schuldig gesprochen, was Körperverletzung angeht. Auch wenn es „nur“ eine Verwarnung ist.

Ich finde den Fall nach allem, was Recherchen gezeigt haben, recht klar. Nicht klar genug für die Gerichte, die zu Recht (kein Wortspiel intendiert) hohe Maßstäbe bei einer Verurteilung ansetzen müssen. Und sicher ist es in diesen Machtstrukturen auch nahezu unmöglich, Dinge justiziabel zu beweisen, was halt letztlich dazu führt, dass Männer sich immer gegenseitig decken können und das auch tun.

Ich halte Dinge wie Resozialisierung, zweite Chancen usw. für extrem wichtig in unserer Gesellschaft. Aber doch nicht in diesem Fall. Es gibt ja gar keinen Anlass dafür, Boateng auch nur einen Schritt entgegenzugehen und zu sagen: Heyyy, dann mach mal dein Praktikum bei uns. Da ist ja quasi nichts gewesen.

Sorry, aber die Geschichte ist auf so vielen Ebenen so abgefuckt (sorry für das Wort), dass es für mich überhaupt gar keinen Grund gibt, ihm die Türen zu öffnen und sich selbst dieses Thema so aufzureißen.

Ich wünschte, potenzielle Opfer bekämen in Deutschland nur die Hälfte des Schutzes und der öffentlichen Rückendeckung wie die Boatengs dieser Welt.

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ich ebenfalls - hier trifft dies in meinen Augen allerdings nicht zu!

das eine (helle Kerze) hat nur wahrlich nichts mit dem anderen (seine Frau geschlagen) zu tun - das schaffen auch hoch intelligente Männer!

hier bewegen wir uns nicht im Promillebereich - und erst Recht nicht bei einer Teilschuld!

muss auf Grund dessen nicht - aber es ist ein weiterer Baustein auf dem Weg seine Schuld und seine Taten sehr eindeutig zu erkennen!

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Schade, dass Kompany genau das getan hat.

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Bestens zusammengefasst , Justin! Danke :folded_hands:!

Und auch von meiner Seite:
Kein Täter, der seine Tat bereut, postet nach der Einstellung des Gerichtsverfahrens ein derart geschmackloses Foto wie das mit Lindemann.
Resozialisierung? In dubio pro reo? Wenn ich sowas wie einen Funken Demut bei Boateng erkennen könnte, dann immer. Aber nach dem Selbstmord des Opfers dieses Foto zu veröffentlichen, ist mit „geschmacklos“ noch viel zu höflich umschrieben.
Das finde ich auch absolut ekelhaft!

Was mich wundert, ist, dass hier kaum Stimmen zu Kompany s Kameradschaftlichem Schulterschluss mit Boateng erscheinen.
Als bisher erklärter Kompany-Fan hat das mein Bild von ihm nachhaltig erschüttert…

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@patricksaint ich würde deine Petition gern als Teil einer News zum Thema im Blog teilen. Ich nehme an, das ist in deinem Interesse?

Und noch ein Hinweis zu deiner Petition: Das 2024 war kein „Freispruch“. Boateng wurde in keinem Gerichtsverfahren freigesprochen. Das ist ganz wichtig. Er hat versucht, das so zu framen. Aber einmal wurde er schuldig gesprochen (mit einem überraschend milden Urteil) und einmal wurde das Verfahren eingestellt und es kam deshalb nicht zur Anklage – aus Mangel an Beweisen bzw. an Zeug*innen. Das ist aber kein Freispruch.

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Danke @Justin! Wichtiger Punkt!

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ich zumindest schrieb an anderer Stelle vor geraumer Zeit (als es erstmalig aufploppte), dass ich hoffe und es mir nur so erklären kann, das Kompany NICHT informiert ist…

denn WENN er es doch ist, dann ist er für mich komplett durch!

aber hierzu habe ich 0,0 Infos…

Wir sind uns grundsätzlich also durchaus einig.

Und ihn jetzt nicht gerade bei Kompany beim FC Bayern hospitieren zu lassen - ist das wirklich schon „in Bausch und Bogen verdammen“?

Wir reden hier halt um eines der populärsten Hospitanz Angebote in ganz Europa und das eben bei einem Verein, dem Themen rund um Moral und Anstand durchaus sehr wichtig sein sollen gemäß der eigenen Bekundungen.

Dass man ihm das jetzt verwehrt heißt noch lange nicht dass er nicht wie jeder andere auch den Trainerschein machen kann und sich langsam in dem Geschäft hocharbeiten.

Aber ihm da jetzt etwas zu genehmigen in unserem Verein was sonst so gut wie niemand darf - kann ja jeder mal anfragen ob hospitieren darf bei den Bayern:

Solche großen „Extrawürste“, die denke ich hat er mittlerweile aber sowas von nicht mehr verdient!!!

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Also wenn ich jetzt schon mal angefangen habe den advocatus diavoli zu spielen, dann muss ich auch noch was zu Lindemann loswerden: als damals die Vorwürfe öffentlich wurden, hat meine Frau (über die betroffenen Damen) gesagt: wie kann man denn so blöd sein, zu dem alten häßlichen Lindemann freiwillig hinter die Bühne gehen zu wollen?

Rechtfertigt natürlich in keiner Weise die Taten des Herrn L., aber die betroffenen Frauen hätten dem ganzen auch sehr einfach aus dem Weg gehen können: einfach nach dem Konzert nach Hause oder mit Freunden/innen um die Häuser ziehen …

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Das haben sich sicher viele gedacht, aber man sollte das nicht so aussprechen oder noch schlimmer, im Internet schreiben :smiley:
Dafür wirst Du jetzt wahrscheinlich die volle Breitseite der MSR-Kurve abkriegen :smiley:

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Damit kann ich leben :innocent:

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wow…
jetzt sind wir also bei der klassischen Täter-Opfer-Umkehr angelangt!

und wenn sich eine der Damen (es geht um unzählige Frauen und Mädchen) nackt hinter die Bühne begibt und dort an sich rumspielt, gibt das Lindemann exakt kein einziges Recht auch nur irgendwas zu tun!

diese Aussage erschüttert mich wirklich (leider übrigens nach den typischen Männerreaktionen die klassische Antwirt aus der Damenwelt)!

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ich kann da nichts witziges dran finden!

das ist exakt die Logik:
due gehst um Minirock raus - also bist du selber schuld wenn du vergewaltigt wirst!

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Mal ganz allgemein, weil das konkret hier wie auch sonst oft komplett durcheinander gerät:

Die besonderen Prinzipien des Rechtsstaats, die den Rahmen setzen, innerhalb dessen Gerichte bzw. Richter*innen arbeiten, also was einige hier mit „in dubio pro reo“ usw. ansprechen, legen nicht fest, was Privatpersonen und z.B. Vereine berücksichtigen müssen. Sie sind dafür auch gar nicht gedacht. Das wäre ja auch völlig absurd. Als Privatperson ist es mein gutes Recht, mir eine Meinung über eine andere Person zu bilden und diese in Abgleich etwa mit meinen moralischen Überzeugungen für wahr zu halten. Ich darf mich dann auch dementsprechend verhalten. Und wenn ich als Privatperson zu dem Entschluss komme, jemand habe mit hoher Wahrscheinlichkeit abstoßendes Verhalten gegenüber Frauen getätigt, dann darf ich daraus auch Konsequenzen ziehen. Erst recht, wenn diese Person darauf beharrt, weiterhin in der Weltöffentlichkeit präsent zu sein.
Ich bin dann auch nicht für eine etwaige Resozialisierung verantwortlich, im Gegenteil. Das muss betreffende Person in allererster Linie selbst tun und die Gesellschaft davon überzeugen, dass sie wieder ohne Einschränkungen ein normales Mitglied (sich) zu sein verdient hat. Da geht es um überzeugende Leistung.
Boateng nun scheint mir eine durchgängige Erwartungshaltung an seine Mitmenschen zu stellen. Frauen sollen sich fügen, die Öffentlichkeit soll ihn wahrnehmen und besser noch bejubeln, sein Verhalten soll keine Konsequenzen haben, stattdessen möchte er Sonderrollen einnehmen, wo es nur geht, usw. Die Anspruchshaltung alleine ist schon reichlich unangenehm. Man sollte dem nicht entsprechen und sich freiwillig zu einer Art Bewährungshelfer dieser Person machen.

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