WM-Boykott: Dreesen, der FC Bayern und die Angst vor dem Präzedenzfall

Ich empfinde diesen Beitrag als kränkend. Er suggeriert Unehrlichkeit.

Ich erachte das Thema als sehr interessant und einer eingehenden lebhaften Diskussion als würdig. Leider nicht mit Diskutanten die mir Unehrlichkeit unterstellen.

Die Frage nach roten Linien wäre für mich eine diskussionwürdige.

Mal nur einen Punkt herausgegriffen
Mindestgarantien für Sicherheit, Nichtdiskriminierung, Einreise- und Schutzprotokolle sowie funktionierender Beschwerdemechanismus.

Das wäre ein Thema mit dem man Druck auf Fifa und Veranstalter ausüben könnte.
Die Fifa hat zwar einen zentralen Beschwerdekanal, aber es fehlen bindende Garantien ob Beschwerden tatsächlich zu Abhilfe führen würden.

Hier sollte Druck ausgeübt werden. Amnesty, Mediempartner evt. Sponsoren die ein Reputationsrisiko zu befürchten haben, sollten hier Druck ausüben.

Niemand sollte Angst haben in die USA zu fliegen, wenn er einfach die Spiele verfolgen möchte, Teil einer Mannschaftsdelgation ist oder über die WM berichtet. Das gilt für jede Großveranstaltung.

Ein zentraler Punkt wie ich finde.

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Ich glaube die FIFA hat ein Interesse daran, dass die WM eine gute Publicity hat und alles sicher, klimaneutral und so weiter wirkt. Das sorgt dann dafür, dass die WM verfolgt wird und auch Tickets verkauft werden. Aber ob es in Wahrheit sicher, klimaneutral und so weiter ist, ist egal, solange es eben niemand mitbekommt. Es müsste also eine unabhängige Überprüfung geben und die ist schwer zu erreichen.

Das Wort klimaneutral wurde ja durch Sustainability Strategy ersetzt.
Die Stadien erfüllen wohl hohe Umweltauflagen. Sonst ist es eher mau was das Thema angeht.

Das ist realpolitisch allzu verständlich.

nein - es ist wie immer feige, rückgratlos, opportunistisch, geldgeil und verwerflich - ein Boykott ist mehr als überfällig und hätte schon vor Jahren durchgezogen werden müssen!

die Aussagen der üblichen Verdächtigen sind wie immer vor allem eins:
peinlich!

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Wie stellt ihr euch so nen Boykott eigentlich realistisch vor?

Nehmen wir an der DFB sagt: „Unsere N11 nimmt nicht an der WM teil“

Die werden bis auf die Unterhose von der FIFA verklagt! Der FIFA würde ich sogar einen Ausschluss für zukünftige Weltmeisterschaften zutrauen

ja und?
Haltung ist erst Haltung, wenn sie auch mal weh tut - alles andere ist willfähriges Pillepalle!

Deine Haltung und deine Einstellung in allen Ehren (und das mein ich absolut ehrlich und ohne Häme) aber wie stellst du dir die Zukunft des deutschen Fußball vor wenn der DFB pleite ist?
Die haben auch eine Verantwortung ihren Mitarbeiten gegenüber.
Den deutschen Fußball gefährden für eine „Ideologie“ klingt nicht sonderlich intelligent

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Und was die Nationalspieler dazu sagen (Selbst Leon G.)? Schleißlich ist das (noch) nur alle 4 Jahre… (ich traue denen zu, das zu ändern…). Ob Kimmich und Co noch so viele andere Wm´s spielen werden?

Entscheiden sich evtl. Jugendspieler gegen den DFB- und spielen in anderen national Teams (zb Türkei etc).

Hier noch was von der Sportschau dazu- auch zu möglichen Folgen:

Ganz ehrlich, ich bin bei der gesamten Diskussion um einen Boykott sehr, sehr zwiegespalten.

Für einen Boykott sprechen für mich z.B. die politische Lage in den USA (Einreisebedingungen und das Vorgehen von ICE), die Ticketpreise (wer kann sich das eigentlich noch leisten?) und die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck - letzteres gilt für alle WMs, denke ich, und wird für die beiden nächsten WMs nicht besser…

Andererseits ist eine Fußball-WM eine wunderbare Möglichkeit, Menschen sowohl lokal als auch aus der ganzen Welt zusammenzubringen. Ähnlich wie Olympia, wo ja auch durchaus berechtigte Kritik an vielen Punkten ausgeübt werden kann, aber dann zwischenmenschlich (auf Sportlerseite oder bei Zuschauern) viel Gutes passieren kann.

Mit einer einfachen Antwort tue ich mich daher eher schwer. Es ist sehr kompliziert, denke ich. Und in diesem Spannungsfeld bewegen sich auch (aus meiner Sicht) die Kommentare hier.

Und abschließend aus meiner Sicht: letzten Endes muss jede/r selbst entscheiden, wie er mit diesem Spannungsfeld umgeht. Ich verstehe privaten Boykott ebenso wie eine gewisse Faszination für das Event an sich. Ob man von offizieller Seite boykottieren soll? Die Frage ist mindestens ebenso kompliziert wie die, die ich mir als einfacher Fan stelle. Ich habe - so ehrlich bin ich - keine perfekte Lösung.

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Privater Boykott ist ja völlig ok. Soll auch diskutiert werden… aber eine komplette Fussballnation in „Gefahr“ zu bringen wegen eines Verbandsboykott einer WM in den USA?! Absolut indiskutabel!

Vielleicht boykottiert ja der Iran die WM?
Oder die USA lassen die Iraner nicht Land?
Oder Teile des WM Kaders des Irans kehrt nicht zurück.
Hier ist m.E. der größte Zündstoff der zu einrm Boykott oder zu einer auf den Fußball überschwappenden Krise führen könnte.

Es gehört mMn eine klare Linie bei jedem Verband gezogen, die festlegt, welche Kriterien gelten müssen, damit jemandem überhaupt eine WM zugesprochen wird. Dann muss es klare Kriterien geben, die festlegen, wann jemandem ein Turnier entzogen werden kann, denn die Situation in einem Land kann sich natürlich auch nach der Vergabe noch gravierend verändern. Und es gehört auch genau festgelegt, wann ein Land von der Teilnahme an einem Turnier bzw. an Spielen innerhalb dieses Verbands ausgeschlossen gehört.

Diese Kriterien müssen bindend für alle Mitglieder gelten und dürfen dann auch nicht willkürlich interpretiert werden, denn hier hat man sonst wirklich einen undurchdringlichen Dschungel an Ansichten.

@ChrisCullen stellt berechtigte Fragen zum Iran. Eine Frage fehlt mir hier aber: ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn man so ein Land nicht ausschließt? Da wurden innerhalb kürzester Zeit wahrscheinlich eine fünfstellige Anzahl an Menschen kaltblütig ermordet, nur weil sie protestierten. Gegenüber den Revolutionsgarden ist ICE salopp gesagt eine Friedenstruppe. Warum darf so ein Land überhaupt eine Mannschaft zu einer WM schicken? Das ist aber wie gesagt nur eine Meinung. Jemand anderes wird die Meinung vertreten, dass alles, was im eigenen Land passiert, keine Auswirkungen auf die Teilnahme haben darf, sondern nur Kriege gegen andere Länder einen Ausschluss rechtfertigen. Und wieder andere werden sagen, warum dann Annexionen kein Ausschlussgrund waren. Von daher gibt es für mich nur eine Lösung:

Bei einem FIFA-Kongress muss ein Gesetzwerk verabschiedet werden, das all diese Dinge regelt.

Und wenn dieses Gesetzwerk verabschiedet ist (eine Mehrheit für irgendetwas wird sich schon finden, da es ja anders als bei der UNO kein Vetorecht gibt), dann muss jeder Verband für sich überprüfen, ob man diesem Verband weiterhin angehören will oder nicht.

  • entweder man ist bereit, den eigenen moralischen Kompass dem Kommerz bzw. dem Mehrheitswillen der FIFA-Mitglieder zu unterwerfen

oder:

  • man ist dann so konsequent, dass man aus der FIFA austritt und einen eigenen Verband gründet, dem Länder aus der ganzen Welt beitreten können, wenn sie die Statuten akzeptieren

Die europäischen Verbände sollten mMn dieses Mal noch mitziehen und dann unmittelbar nach der WM eine Verabschiedung eines Wertekodex innerhalb der FIFA fordern. Bei einer zu erwartenden Niederlage für die europäischen Positionen, sollten sie dann eine UEFA 2.0 gründen, die bewusst die Konfrontation sucht.

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sich gegen Faschismus, Autokratie und Diktatur zu stellen ist keine Ideologie sondern Menschenpflicht!

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Aber das ist doch Quatsch… Man hat doch schon die UEFA. Was will die dann für nen Wettbewerb austragen? Die WM für arme? Kein anderer Kontinentalverband würde sich denen anschließen!
Da wären wir wieder beim Eurozentrismus. Wie die Amis die sich bei Kontinentalen Meisterschaften als Weltmeister fühlen :rofl:

Bei der Copa America hat die USA mMn bereits gezeigt, dass sie Probleme haben ein großes Turnier auszurichten.

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Kann man ja gerne machen aber warum sollen wir unsere Strukturen dafür in Gefahr bringen? Die USA hat 340 Mio Einwohner… eine Demokratie… bekomm die das nicht selber in den Griff?

Dann ist das aber schon ein größerer „Imageschaden“ als wenn der DFB die WM boykottiert :man_shrugging:

Übrigens ist Russland immer noch ausgeschlossen von WM. Aber Israel oder Iran nicht. Da muss man ehrlicherweise auch schon etwas Doppelmoral unterstellen.

Wenn ich den Artikel nochmal lese, wird da kein Boykott gefordert, sondern eine Debatte darüber.

Ich bin @Georg sehr dankbar und finde, er hat das sehr sachlich aufgearbeitet. Nachdem er die hochgradig peinlichen Äußerungen der Offiziellen entlarvt hat, tut er nichts weiter als genau das: eine Diskussion anzustoßen. Ohne Polemik und mit deutlich realpolitischem Bezug.

Die Polemik liefert dann die in Teilen die Kurve, sorry, wenn ich das so deutlich sagen muss.

Das hat niemand gefordert und der Tonfall ist leider sehr typisch. Sobald jemand auch nur ansatzweise humanistische, moralische und/oder rechtsstaatliche Prinzipien ins Spiel bringt, kommen die Verharmloser und Relativierer aus ihren Löchern. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum das einen so triggern kann, zumal wenn man in Europa, in Deutschland gar, lebt und von all diesen Dingen profitiert.

Es geht auch nicht darum, dass alle unsere, ich zitiere, Ansichten haben sollen/müssen. Darum geht es auch im Artikel nicht. Es sei denn, man hält die Tatsache, dass in den USA die Regierung mittels den marodierenden ICE-Truppen ihre eigenen Bürger abknallt, für eine Ansicht und nicht für das, was es ist: staatlich legitimierten Mord.

Ich finde auch, dass die Debatte sich zu stark darauf fixiert, ob es nicht Wahnsinn sei, dass Deutschland die WM boykottiert. Wir sind uns doch alle einig, dass dies im Alleingang nicht passieren wird. Ebenso, dass eine übereinstimmende Aktion des gesamten Europa sehr unwahrscheinlich ist. Und trotzdem geht es um eine Debatte darum, so wie in jeder progressiven und freien Gesellschaft über gesellschaftliche Dinge debattiert werden sollte, unabhängig davon, wie hoch eine direkte Einflussnahme sein mag. @ChrisCullen hat das in seinem Post ja aufgegriffen und die passenden Fragen gestellt. Leider ist kaum einer darauf eingestiegen.

Und natürlich könnte die Fußballgemeinde zumindest insofern Druck machen, als sie klare Forderungen an die amerikanische Regierung stellt. Etwa bezüglich der Ein- und Ausreisebedingungen. Es kann halt nicht angehen, dass Fans aus aller Welt gewisse Prozeduren über sich ergehen lassen müssen, nur weil sie die falsche Hautfarbe oder einen falschen Pass haben.

Ein Boykott ist natürlich immer das letzte Mittel, nicht das erste. Aber würde man wirklich eine WM in einem Land stattfinden lassen, in dem Bürgerkriegs-ähnliche Zustände herrschen? (Wer das zumindest momentan noch für eine Übertreibung hält - nun, wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln.) Man könnte Trump auch schlicht mal die Frage stellen, wie das in einzelnen Bundesstaaten so läuft, wenn Fans aus aller Herren Länder auf ICE-Truppen prallen oder ob er gedenkt, deren Terror bis dahin oder währenddessen stillzulegen. Und so weiter.

Ein weiterer Hebel ist natürlich das gesamte Geschäftsgebaren der FIFA, aber auch die konsumistischen Entscheidungen jedes einzelnen. Ich persönlich bin da bei @Armaster , dem ich jetzt schon zur stabilen Verweigerung gratuliere. Die WM ist ein Riesengeschäft. Ein Satz wie

…ist bestenfalls zynisch. Oder borniert oder naiv.

Es gibt soviel Dinge, in denen wir von den USA abhängig sind. Was aber den Fußball anbetrifft, ist unsere (europäische) Machtposition mindestens mal gut aufgestellt. Nur mal angenommen, ganz Europa wäre sich einig, dass man nicht in die USA fährt. Soll man das ernsthaft für keinen Hebel halten? Warum schließe ich das von vornherein aus als Druckmittel?

Und was das Werbegeschäft betrifft: natürlich spielt das eine riesige Rolle. Man kann sich ja mal anschauen, wie die Konzernbosse allmählich unruhig werden angesichts der nicht-sportlichen Entscheidungen der Trumpisten. Sollte die WM als sportliches Großereignis an Wert verlieren, würde da NATÜRLICH etwas wegbrechen.

Ich würde, auch wenn ich den Frust teile, gerne präzisieren. Ich bin nicht so naiv, dass ich glauben würde, die Mehrheit aller Bevölkerungen wäre von Menschen wie Oke Göttlich besetzt.

Ich halte es aber auch für fragwürdig, ob die deutliche Mehrheit aus Trump’schen Trotteln (sorry für die Alliteration) besteht.

Das Problem liegt, wie ich vermute, vielmehr darin, dass die sehr, sehr breite Mehrheit nichts davon wissen will, dass man für seine Werte auch mal einstehen muss. Wie @Georg im Artikel schließt: über das hinaus, was man auf (geduldiges) Papier schreibt. Die meisten Menschen wollen möglichst nicht behelligt werden in ihrem kleinen Furz-Leben, solange sie sich ihres Wohlstandes und Wohlseins relativ sicher sind. Und ich sage das auch deswegen so deutlich, weil ich mich da keineswegs ausschließen möchte. Auch ich werde wohl die WM kucken, auch ich möchte in keinen Krieg ziehen oder auf irgendwas verzichten.

Aber zumindest bin ich mir dessen bewusst und hinterfrage mich selbst (und nicht diejenigen, die versuchen, was zum Besseren zu verändern).

Aha. Abgesehen davon, dass eben niemand einem deutschen Alleingang das Wort redet: für Werte einzutreten, etwa dass der Staat nicht seine Bürger ermorden sollte, ist also eine “Ideologie”. Das auswärtige Amt hat übrigens offenbar auch eine “ideologische” Brille auf, denn wie ich höre, empfiehlt man Touristen schon jetzt, bei Reisen in bestimmte Gegenden der USA etwas genauer hinzuschauen, ob die Reise notwendig ist.

Wenn du die USA nach wie vor für eine Demokratie hältst, haben wir schon ein Problem. Lustig ist es übrigens auch: ständig Trumps “America first”-Bullshit zu verteidigen oder zu relativieren, aber dann Stichworte wie “Eurozentrismus” einwerfen.

Europa hat eine zumindest theoretische (wenn es zusammensteht) enorme Machtposition im Fußball. Diese Macht zu verwenden und einzusetzen, ist kein Zentrismus, auch kein irgendwie gearteter Moralismus, sondern schlichte Machtpolitik. Es ist die Sprache der Politik. Fragt sich nur, wofür man sie einsetzt. Ich weiß, es ist für egoistische Zyniker kaum zu ertragen, aber ich finde die @folkfriend’sche Idee ja persönlich super:

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Ich verstehe den Punkt Demokratie unter Druck. Aber keine Demokratie ist eine sehr hart formuliert.
Für mich sind die USA (noch) eine Demokratie, aber eine angespannte, konfliktbeladene, teilweise erodierende Demokratie. Welches Kernmerkmal einer Demokratie wurde denn bereits faktisch aufgehoben?

Der passendere Vergleich ist für mich eher Hoover/Red Scare. Demokratie im Rückbau – durch Angst, Gesinnungslogik und Einschüchterung. Das erodiert Demokratie, ohne sie formal abzuschaffen.