WM-Boykott: Dreesen, der FC Bayern und die Angst vor dem Präzedenzfall

Veröffentlicht unter: WM-Boykott: FC Bayern und Dreesen fürchten Präzedenzfall

Beim FC Bayern und DFB will man nicht über einen möglichen WM-Boykott in den USA reden. Mit teils fadenscheinigen Argumenten. Die politische Lage in den USA hat sich seit Donald Trumps Wiederwahl sichtbar verschärft. Innenpolitisch wie außenpolitisch bewegt sich das Land in Richtung Autoritarismus, politische Gewalt wird zunehmend normalisiert. KEINEN ARTIKEL MEHR VERPASSEN – JETZT UNSEREN WHATSAPP-KANAL ABONNIEREN! Vor diesem Hintergrund stellte St.-Pauli-Präsident und DFB-Vizepräsident Oke Göttlich die Frage, ob über einen Boykott durch den DFB diskutiert werden müsse. Hochrangige Fußballfunktionäre wie DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Multi-Funktionär Hans-Joachim Watzke und DFB-Geschäftsführer Sport Andreas Rettig versuchten die Debatte einzufangen, bevor sie aufkochte:…

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Also Weltmeisterschaften bitte nur noch in Europa weil bei uns gibt’s die einzig echten Demokratien, die einzig echte Freiheit und nur die europäischen Ansichten sind akzeptabel für die Welt! Natürlich dürfen dann nur hier sportliche Großereignisse stattfinden

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Aber auch nicht überall in Europa :index_pointing_up:
Ungarn, Italien und Co. gehen auch nicht.

Dass man bestehende System Weltfußball nicht erschüttern will, ist verständlich und nachvollziehbar aus der Sicht des FCBs und des DFBs. Aber das heißt nicht, dass man als Zuschauer mitmachen muss. Ich werde wie bereits geschrieben, die WM nicht schauen und bin zufrieden damit, denn ich muss das nur mit mir selbst ausmachen. Nach der WM in Qatar ist das auch gar nicht schwer, wo ich sowieso nicht viel Fußball geschaut habe.

Also jeder darf selber entscheiden.

Ach verdammt… na gut dann eben nur noch in Deutschland. Aber dann nur wenn Infantino nicht mehr Präsident ist :wink:

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Warum geht Italien nicht?

Zu dem Artikel habe ich mir mal meine Gedanken gemacht. Nicht nur aufgrund des Artikels, sondern weil ich hier ja für meine Argumente schwer angegegangen wurde. Das hat mich auch beschäftigt hat die letzten 2 Tage. Darum etwas mehr zu diesem Thema von mir.

Was mich ein wenig an dem Artikel handwerklich stört ist dass sich der Text an ein paar Stellen stark mit Deutung (Europa beugt sich, plump wie effektiv) abarbeitet, ohne das wirklich zu belegen. Finde das etwas polemisch (aber vielleicht soll es das auch sein).

Bei historischen Beispielen wird der Begriff Boykott sehr großzügig verwendet. Da wäre eine sauberere Trennung zwischen Nicht-Teilnahme/Absage und politischem Boykott hilfreich, wenn man schon mit Präzedenzfällen argumentiert.

Vor allem aber und das ist was mich beschäftigt, der Artikel endet mit „selbst wenn die Diskussion akademisch bleibt: sie gehört geführt etc. Das ist der Punkt den ich zu Beginn angesprochen habe. Sehr interessant, dass auch der Artikel hier stoppt.

Da bin ich grundsätzlich dabei. Jedoch bleibt er dann den entscheidenden Teil schuldig:

Was genau soll denn diskutiert werden, und nach welchen Kriterien?

Konkret wären aus meiner Sicht mindestens ein paar Punkte zu klären. Denn wir sehen ja anhand der Reaktionen (wo kann man denn überhaupt noch solche Turniere resp. Großveranstaltungen abhalten Frage) dass hier akuter Diskussionsbedarf herrscht, wenn dabei etwas herauskommen soll.

Was gibt es denn für Rote Linien die einen Boykott rechtfertigen? Welche Entwicklungen wären so schwerwiegend, dass ein Boykott in Frage käme? Vor allem wer definiert das, damit es nicht willkürlich oder nur selektiv wird?

Was soll ein Boykott erreichen? (Policy-Change, Schutzgarantien, Signalwirkung) – und woran misst man Erfolg?

Vielleicht auch die Frage, nach Alternativen? Welche Hebel sind realistischer Mindeststandards, Sponsorendruck, klare Schutzkonzepte etc.?

Wenn es nur gemeinsam wirkt (ich glaube das ist unbestritten) wie baut man diese Allianz konkret?

Und die Frage, wenn es denn zum Schluss überhaupt treffen würde, so ein Boykott. Die FIFA, die Politik oder primär Fans und Spieler?

Leider habe ich davon auch hier in der Diskussion nichts gelesen. Ich lese von Nazivergleichen und schlimmeren Dingen. Danach ist die Diskussion, wenn man sich sachlich führen will schnell beendet.

Moralische Etiketten (wie sie hier zu lesen waren) helfen aus meiner Sicht nicht weiter. Es bräuchte konkrete Forderungen, Kriterien und Mechanismen. Sonst bleibt es schnell bei Haltung – Die ist ist grundsätzlich völlig in Ordnung, aber genau wenn es lediglich um Haltung geht, wird es m.E. tatsächlich akademisch.

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Die Frage lässt sich mbMn einfach beantworten: Trump wird sich für einen Boykott nicht interessieren - es sei denn, die Top 5-Verbände aus Europa würden geschlossen auftreten. Und selbst dann würde er seine Politik nicht ändern.

Italien 1934, Argentinien 1978, Russland 2018, Katar 2022… es gab schon einige Turniere in politisch fragwürdigen Gastgeberländern. Solange die FIFA am Ruder bleibt, wird sich daran nichts ändern.

Tendenziell sehen wir weltweit eine Rückkehr zu alten, überwunden geglaubten imperialistischen Mustern. Insofern wird die Zahl moralisch einwandfreier Länder tendenziell weiter abnehmen. Die FIFA wird darauf ebenso wenig Rücksicht nehmen, wie die Formel 1, die ATP, das IOC etcetc.

Insofern habe ich großes Verständnis für die Diskussion und das mit den USA verbundene Unwohlsein. Ändern wird sich aber gar nichts, Boykottdiskussionen hin oder her.

Also ich glaube, dass es ähnlich laufen wird wie vor der WM in Qatar. Viel Diskussionen, aber nichts weltbewegendes, das Turnier findet statt und nach zwei Monaten ist das Thema gegessen. Von den sportlichen Akteuren wird man sicherlich versuchen die Diskussionen noch mehr abzuschirmen und so Sport und Politik möglichst zu trennen. Deswegen ist es mMn am Ende aber auch egal ob und was man diskutiert. Denn die WM wird stattfinden, vielleicht verbessert sich die Situation bis dahin oder vielleicht auch nicht. Die meisten Fans (nicht gegen dich gerichtet @ChrisCullen) , die die WM schauen, sind sowieso davon überzeugt, dass Politik nichts mit Sport zu tun hat und würden auch kein Problem darin sehen im aktuellen Russland oder Nordkorea eine WM zu veranstalten. Mit diesen Leuten zu diskutieren macht auch keinen Sinn, ähnlich wie mit Neo-Nazis, da wird keiner seine Meinung ändern.

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Interessante Aussagen sind das schon…Hut ab.

Woher kommt deine Annahme, dass die Mehrheit der Fußballinteressierten mit einer WM in Russland und Nordkorea kein Problem hätten?

Und der Vergleich mit Neo-Nazis ist mMn auch ziemlich daneben…

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Ich würde bei dem Satz widersprechen. Das ist mir zu pauschal.

Ich glaube eher viele Fans sehen sehr wohl, dass FIFA/WM politisch und wirtschaftlich aufgeladen sind. Sie ziehen nur einen pragmatischen Schluss daraus. Mein Einfluss ist begrenzt, und darum konzentriere ich ich auf den sportlichen Kern. Das ist eher Prioritätensetzung, vielleicht Resignation. Aber das ist anders als Deine These.

Auch die Zuspitzung „mit denen zu diskutieren bringt nichts, wie mit Neo-Nazis“ halte ich für überzogen. Zwischen der Sichtweise "ich schaue die WM trotz Kritik“ und extremistischer Ideologie liegen für mich Welten. Mit solchen Vergleichen macht man die Debatte eher kaputt.

Dass es am Ende vermutlich läuft wie vor Katar (viel Debatte, Turnier findet statt, danach ebbt’s ab) ist wahrscheinlich.

Aber daraus folgt für mich eher, dass man konkret diskutieren muss.
Kriterien, Ziele, Alternativen zum Boykott, Hebel (Sponsoren/Verbände), statt nur Haltung vs. Gegenhaltung.

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Mir ging es darum, dass viele Fans sich nicht um die politische Situation im Gastgeberland scheren. Genauso wie es bei Bayern mit den frageürdigen Sponsoren ist. Oder diese Menschen sind sowieso Fans von Trump. Mit diesen Leuten muss man mMn nicht diskutieren, da sich da keine Erkenntnisse ergeben werden. Die werden die WM so oder so schauen.

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Danke Georg für den Artikel und @ChrisCullen für die Nachfragen - genau diese halte ich für zentral:

  • welche roten Linien gibt es und wie handeln wir sie gemeinsam aus?
  • welche Handlungsmächte und Einflussbereiche haben die Verbände und wir als Fans?
  • was sind unsere Ziele in Verknüpfung mit den beiden anderen Fragen?

→ Nur so denke ich kommen wir hier weiter, wenn diese Punkte offen und inhaltlich diskutiert werden können. Ein schwarz-weiß denken, in dem auf der einen Seite nur die maximal-Forderungen genannt werden und auf der anderen Seite vor Empörung polemisiert wird, bringt uns inhaltlich nichts. Ein Boykott wäre natürlich theoretisch ein Druck-Mittel mehrerer Verbände, eines von vielen.

Einfach nicht anschauen, wie @Armaster das macht klingt erstmal banal. Aber wenn viele Fans das koordiniert machen und dadurch ganze Werbemärkte wegbrechen, kann eine solche Aktion sicher nicht mehr ignoriert werden.

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Ziemlich viel Eurozentrismus hier. Gibt auch noch andere Märkte… und „wegbrechen“ wird da eh nix

Ich finde die aktuelle Situation der Welt zeigt, dass die westlichen Wertvorstellungen und moralischen Grundsätze nicht mehr unbedingt mehrheitstauglich sind. Menschenrechte sind nice to have, aber die Entwicklung geht eher in die Richtung des Rechts des Stärkeren. Zudem nimmt die Individualität in der Gesellschaft immer mehr zu. Es muss erstmal einem selbst gut gehen, bevor man Empathie oder Mitgefühl für andere zeigen kann. Das gilt nicht für alle Menschen, insbesondere nicht in der westlichen Welt, aber die Entwicklung in diese Richtung nimmt seit Jahren zu.

Und wenn die meisten Menschen auf der Welt kein Problem mit der WM in den USA und den Zuständen dort haben, wie schon bei der WM in Qatar, dann finde ich die Diskussion dazu einfach als vergebene Liebesmühe. Die Diskussion von uns verändert nichts, genauso wie zum Beispiel die Diskussion zum russischen Angriffskrieg, da die WM trotz der Diskussionen stattfinden wird und Russland trotz der Diskussionen weiter die Ukraine angreifen wird. Ich mag es zu diskutieren, aber mir ist in der letzten Zeit auch klar geworden, dass die Diskussion schließlich nur die relative Machtlosigkeit aufzeigt und auch einfach die schlimmen Nachrichten meiner psychischen Gesundheit nicht dienlich sind. Ich Versuche nicht vor der Diskussion wegzulaufen, aber ich will für mich und mein Wohlbefinden Grenzen setzen und mich lieber auf das Positive im Leben konzentrieren. Während der WM gehe ich dann zum Beispiel in der Natur spazieren, mich mit Freunden treffen uns Kino. Alles Dinge wo ich Freude habe und nicht über die schlechten Sachen in der Welt nachdenken muss. Ich werde zur Diskussion auch zurückkehren, aber ich merke einfach, dass mir das nicht gut tut und dann will ich mit dem Thema auch nicht weiter beschäftigen.

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Hier ein sehr interessanter Bericht von ESPN, die ein Jahr nach der WM nach Katar gegangen sind und die tatsächlichen Veränderungen differenziert einordnen: One year after 2022 FIFA World Cup, what has changed in Qatar?

Mein Eindruck ist, dass es im Kontext der USA andere Themen als in Katar zu diskutieren gäbe. ICE und die Einreisekontrollen spielen dabei für mich eine große Rolle - können Menschen aus allen möglichen Ländern in die USA einreisen und müssen sowohl am Flughafen, als auch in den Städten und Stadien absolut nichts befürchten? Wir kennen ja schon die Berichte vom Beginn 2025, als Menschen an Flughäfen festgesetzt wurden wegen Social Media Posts. Die Bilder von den Straßen aus den letzten Wochen und Monaten kennen wir auch und die Lage scheint weiter zu eskalieren. Wie solidarisch können wir mit den nicht-weißen Menschen dort sein? Würde auch uns diese willkürliche Gewalt treffen, wenn wir zu einem WM-Spiel einreisen würden?

Wenn man sich die sinkenden Zustimmungswerte bspw. von Trump anschaut, deuten diese genau auf das Gegenteil hin. Autoritarismus ist ja meist zu gunsten von Wenigen, auf die Kosten von Vielen. Ich würde Mal behaupten den meisten Menschen ist ihre eigene Unversertheit und die ihrer Nachbarn am Ende des Tages doch zumindest ein kleines Anliegen.

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Das hat man ja im Dreesen-Thread gut gesehen. Da kommt dann kaum ein inhaltliches Argument. Wenn man über dieses Thema wirklich sachlich, inhaltlich tiefgehend diskutieren möchte, muss man erstmal bereit sein, den daraus resultierenden Erkenntnissen auch Konsequenzen folgen zu lassen. Ist man das nicht, ist man besser dran, das Thema einfach zu ignorieren und auf sich selbst zu schauen. Und da die allermeisten Menschen das nicht wollen, wird die WM auch wieder ein riesiger Erfolg werden. Man versteht in der heutige Zeit immer mehr, wieso Dinge in der Geschichte der Menschheit passieren konnten, obwohl sie offensichtlich schlecht waren: Die Leute hat es immer erst interessiert, als es schon zu spät war.

Ein guter Anfang wäre mal, wenn der Austragungsort eines Sport-Events primär danach gewählt wird, welches Interesse an dem Sport herrscht und welche Infrastruktur dafür verfügbar ist, statt es einfach an den meistbietenden zu verkaufen. Dann wird man immer noch problematische Fälle wie die WM in Argentinien haben, aber die WM in Qatar wäre dann nicht passiert.

Ebenso sollte der Sport nicht noch selbst aktiv am Sportwashing teilnehmen. Eine WM in Nordamerika kann man sportlich gut begründen. Aber Infantino ist selbst derjenige, der den Sport in den Hintergrund schiebt und diese WM zu einer Zeremonie für Trump macht. Sein Konstrukt für die darauffolgende WM, bei dem er einzelne Spiele auf andere Kontinente legt, damit er dann die Regularien erfüllt hat, um die WM an Saudi-Arabien verkaufen zu können, hatte dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt.

Die selbe Problematik hatte auch das Katar-Sponsoring bei uns. Unser Klub hatte aktiv in der politischen Propaganda Katars mitgewirkt. Man kann Sport und Politik nicht mehr trennen, wenn der Sport selbst die Politik in den Mittelpunkt stellt.

Vermutlich nicht. Das war auch der Clou von 1936. Die schwarzen Amerikaner haben anschließend erzählt, dass sie in Deutschland besser behandelt wurden als in den USA. Es ist gut möglich, dass die ICE da mal für vier Wochen zurückgepfiffen wird, um eine weltoffene USA zu präsentieren und anschließend das Bild zu verbreiten, dass die Behauptungen über die ICE übertrieben seien. So funktioniert Sportwashing eben.

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Probier es mal mit Fußball schauen, konzentrier dich nur auf das Spiel, auf den Kampf der beiden Mannschaften und blende aus in welchem Stadion gespielt wird und in welchem Land dieses steht.
Lass die schlechten Sachen dieser Welt in diesen 90 Minuten draußen.
Dann macht das brutal Spaß und Freude.

Also bei mir funktioniert das.

Wahnsinn. Leider kamen von Dir keine Argumente.

Ich warte immer noch auf die Reformansätze in Katar. :slight_smile:

Manche Menschen haben halt ein Gewissen und können das nicht gezielt für 90 Minuten ausschalten.

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Wenn zB Frankreich gegen Brasilien in einem WM-Viertelfinale spielt, dann ist mir in dem Moment ziemlich egal wo dieses Spiel stattfindet.
Dann sehe ich nur den Fußball.
Aber wenn du das nicht schaffst, dann musst du ausschalten.

Deshalb bist du aber auch kein besserer Mensch als ich.