WM-Boykott: Dreesen, der FC Bayern und die Angst vor dem Präzedenzfall

Ist es. Ich bin nur pessimistisch. Einigen wir uns darauf, dass ich die USA noch für eine Demokratie halte, sofern sie in der Lage sind, faire Wahlen durchzuführen.

Ansonsten nicht.

Da faire Wahlen das Grundgerüst jeder Demokratie sind, hätte sich das Thema dann schon erledigt. Was man aber jetzt schon sagen kann: verschiedene Maßnahmen der Trump-Administration hätten bei uns die Gerichte kassiert, aus guten Gründen. Er handelt jetzt schon nachweislich gegen die amerikanische Verfassung, mehrfach. Insofern kann ich auch jetzt schon sagen, mit der Gewaltenteilung und damit einem weiteren wesentlichen demokratischen Baustein ist es nicht mehr weit her.

Aber Du hast natürlich Recht:

Formal kann man meine Formulierung diskutieren. Ich stehe halt auf dem Standpunkt, dass ich kein Land als Demokratie verstehe, das einen Präsidenten hat, der kein Demokrat ist. Viele der Maßnahmen, die bereits getroffen wurden, lassen sich übrigens selbst durch faire Wahlen nicht mehr reparieren. Aber das würde jetzt zu sehr Off-Topic.

Ich verstehe deinen Pessimismus und die Sorge absolut. Gerade bei fairen Wahlen und Gewaltenteilung bin ich auch sehr wachsam.

Ich würde nur aufpassen mit „keine Demokratie, wenn der Präsident kein Demokrat ist“: Für mich hängt es am Ende eher an den Institutionen (Wahlen, Gerichte, Checks & Balances) als an der Person.
Für mich ist es eine Demokratie unter massivem Druck. Im Rückbau, und der Kipppunkt ist genau die Frage, ob Wahlen und Gewaltenteilung faktisch noch funktionieren.

Auch das stimmt. Eigentlich. Normalerweise. Ich frage mich nur genau das: ob die Checks and Balances noch funktionieren. Wir werden sehen. Vielleicht lässt sich ja der Boss auf Seiten der Demokraten aufstellen :slightly_smiling_face: . Er scheint ja der Einzige zu sein, der den Mund aufbekommt (okay, außer Gaga, aber die ist im Bible Belt nicht wählbar…)

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Ich glaube an die USA. An dieses widersprüchliche Land, das sich schon öfter an den Abgrund manövriert hat – und dann doch wieder zurückgefunden hat. Bürgerkrieg, Krisen, Spaltung, Machtmissbrauch: Sie haben es erlebt. Und sie haben es überlebt.

Ja, da sitzt gerade ein Feind demokratischer Normen im Weißen Haus. Aber ich setze darauf, dass die besseren Kräfte am Ende stärker sind. Gerichte, Staaten, Zivilgesellschaft, Leute, die den Mund aufmachen. Amerika ist manchmal am besten, wenn es am meisten geprüft wird.

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Ein schönes Schlusswort. Ich schließe mich an. :slightly_smiling_face:

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Das Schlimme ist, dass inzwischen alle vier Jahre ähnliche Diskussionen vor einer Fußball WM stattfinden aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Und das nicht zum Selbstzweck, sie sind bitter nötig. Die mittelfristigen Aussichten der FIFA und dessen Turnierveranstalter scheinen leider nicht in einem helleren Licht.

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Das wäre jetzt unter einem normalen US Präsidenten wahrscheinlich kein Thema gewesen.
In 4 Jahren zum Jubiläumsturnier ist es vielleicht besser. An die übernächste mag ich gar nicht denken :see_no_evil_monkey:.

Marokko strotzt nicht gerade von Pressefreiheit. Minderheiten werden verfolgt, Menschenrechte eingeschränkt.
Und Argentinien entwickelt sich zuletzt auch nicht gerade in die richtige Richtung.

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Zudem ist in vier die WM ja eigentlich nur so aufgeteilt, damit sie 2034 in Saudi-Arabien stattfinden kann. Und für das Klima ist sie katastrophal.

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Argentinien wird nur ein Spiel ausrichten.
Marokko. Tja, die werden schon Standards einhalten müssen zur WM.
Die Kräfteverhältnisse sind da etwas anders gelagert.

Ich bin gewiß kein Fan davon, wie sich die USA derzeit sowohl innen- als auch außenpolitisch darstellen. Aber da gibt es IMO schon noch gewisse Unterschiede zwischen einem der drei kommenden WM-Ausrichter und den Ausrichtern davor.

Ansonsten möchte ich mal nachfragen: Wurde nach dem zweiten Weltkrieg eigentlich schon jemals eine WM von einzelnen Staaten boykottiert? Die FIFA vergibt ihre Turniere ja durchaus eratischer als das IOC. Aber soweit ich mich zurückerinnern kann waren es doch Olympiaden, die schon öfters mal boykottiert wurden. Und die sind allein schon deshalb anders, weil dort eigentlich die ganze Welt mitmacht und nicht nur ein paar Nationen (gut, dank der FIFA schon wieder mehr), die sich qualifiziert haben.

Danke für den anregenden Artikel, @Georg, den ich mit Interesse gelesen habe.

Ich finde die Forderung nach einem Boykott der WM legitim und ich finde auch die Forderung legitim, dass man über einen Boykott diskutieren können muss. Deine Analyse hat für mich aber eine entscheidende Unzulänglichkeit: Du analysierst das Problem des Boykotts als ein Problem innerhalb des Systems des Fußballs. Du diskutierst die Gründe, Rechtfertigungen und möglichen Konsequenzen für den Fußball.

Zitat aus dem Text:

Das Motiv für die Ablehnung ist nachvollziehbar. Die Spitze des deutschen Fußballs will keinen WM-Boykott mit all seinen Folgen. Zu wichtig ist die Eroberung des lukrativen US-Sportmarkts. Und zu gefährlich ist das Risiko eines Präzedenzfalls: Auf den ersten großen Boykott der Neuzeit könnten schnell Forderungen nach weiteren folgen. Länderspiele in China? Champions-League-Spiele in Budapest? Dreesen und Co. scheuen den Dammbruch und weitere Boykottforderungen. Der FC Bayern erinnert an sein Verhalten rund um kritische Sponsoren.

[…]

Statt frühzeitig an möglichen Druckmitteln zu arbeiten, saßen die größten Verbände Europas das Geschehen aus – in der Hoffnung, es würde schon nicht so schlimm werden. Denn kurz vor Turnierstart lässt sich wie schon vor der Katar-WM leicht mit fehlender Zeit und gespielter Überraschung argumentieren.

Die entscheidenden Akteure sind Akteure aus dem Fußball, die handeln oder auch nicht auf Basis von Gründen aus dem Fußball in Hinsicht auf mögliche Konsequenzen für den Fußball.

Dabei ist ist völlig klar, dass sich der Boykott nicht gegen die FIFA richten würde, sondern gegen die USA bzw. die aktuelle Regierung der USA. Er wäre kein Statement etwa gegen eine von der FIFA geduldete Dopingpraxis im USMNT, sondern gegen die aktuelle politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten.

Der Boykott wäre kein Boykott aus sportlichen Gründen, mit sportlichen Zielen (Eingreifen der FIFA gegen das Doping im USMNT), sondern ein politischer mit politischen Zielen bzw. einer politischen Botschaft, und als solcher würde er in den USA auch verstanden werden.

Weil der Boykott ein politischer wäre, ist eine Analyse, die ihn auf seine sportlichen Konsequenzen hin untersucht und die Abwägung der Gründe dafür und dagegen lediglich durch die Brille des Fußballs und für den Fußball analysiert, wenigstens zu kurz gesprungen, wenn nicht sogar komplett am eigentlichen Problem vorbeianalysiert.

Die an sich legitime und interessante Boykottfrage des Artikels hätte daraufhin erörtert werden sollen, ob der deutsche Gesetzgeber oder die deutsche Bundesregierung zu wenig mutig, zu abhängig oder zu langsam seien, ob Merz, Wadephul oder die Regierungsfraktionen zu mutlos seien, ob die möglichen Konsequenzen eines Boykotts für Deutschland zu ertragen und zu rechtfertigen seien, wenn die USA (und nicht die FIFA) darauf reagiert.

Was Dreesen und Neuendorf zu dem Vorschlag sagen, warum sie dafür oder dagegen sind und welche Konsequenzen ein Boykott für den DFB und den Weltfußball hätte, ist sicher auch interessant, aber für die Beurteilung der Frage, ob der DFB (= Deutschland) die WM boykottieren sollte, eher zweitrangig.

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Ich würde sagen, dass jedes Land, das in der Lage ist, eine WM auszurichten, in diesen Punkten auch gewisse Mindestandards erfüllen kann. Bei aller Kritik zur WM in Katar: Ein Sicherheitsrisiko für Zuschauer und Sportler gab es da nicht. Es würde mich auch nicht überraschen, wenn die ICE im Sommer mal für ein paar Wochen zurückgepfiffen wird, damit sich die USA als weltoffenes und gastfreundliches Land präsentieren kann. Ich sehe in diesen Punkten daher kein Differenzierungsmerkmal.

Ansonsten hatte ich oben bereits einen Ansatz für eine rote Linie beschrieben. Da ist jedoch niemand drauf eingegangen: Der Austragungsort sollte aus sportlichen Gründen gewählt, nicht an den meistbietenden verkauft werden und die FIFA selbst sollte Abstand zu den politischen Akteuren des Gastgeberlandes halten, statt sich wie Infantino sogar als Trump-Jünger zu inszenieren. Also keine WM an Katar verkaufen, einfach nur, weil die Geld haben und keinen FIFA-Friedenspreis an Trump überreichen oder diesen zum eigentlichen Mittelpunkt der Veranstaltung machen.

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Grundsätzlich hätte ich ja Interesse an dieser Diskussion.

Aufgrund der persönlichen Beleidigungen und da ich hier kein Wort des Bedauerns noch eine Entschuldigung erhalten habe, werde ich die Diskussion mit Dir unter diesen Umständen nicht weiterführen. Das ist es mir nicht wert.

Dass du mir das ersparst, ist in gegenseitigem Interesse. :slight_smile:

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Die Argumente und Meinungen haben wir ja jetzt zumindest ausgetauscht. Das müssen wir dann auch erstmal nicht weiter ausführen.

Jetzt muss man mMn einfach weiter die Situation in den USA beobachten und dann gegebenfalls neu bewerten.

Boykottierst du aktiv die WM oder interessiert sie dich einfach nicht, wenn ich mal so direkt fragen darf?

Ich schaue schon sehr lange keine Länderspiele mehr. Die Nationalmannschaft hat mich nie sonderlich interessiert, aber seit einigen Jahren – und mit mehr Wissen über die Abläufe – kann ich mir das Ganze einfach nicht mehr geben. Wenn ich doch mal ein Spiel schaue, etwa beim Grillen bei Freunden, kann ich die Hintergründe nicht ausblenden, und es macht mir einfach keinen Spaß.

Für mich stellt sich die Frage nach einem persönlichen Boykott daher gar nicht.

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Der Plan ist die WM einfach nicht zu verfolgen. Ich werde Ergebnisse und so weiter schon mitbekommen, aber Spiele will ich nicht aktiv schauen in dieser Situation.

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Gestern wurde der Jalisco-Kartell Boss in Mexiko getötet und das Chaos ist in Mexiko losgebrochen. Damit ist auch Mexiko als Austragungsland der WM nicht gut geeignet, wenn sich die Situation nicht merklich beruhigt.

Passt jetzt nicht ganz zum Thema-WM-Boykott, aber es gibt bisher noch keinen richtigen WM-Thread, also schreibe ich es hier rein.

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