Vielleicht ist ja auch einfach das Angebot an hochtalentierten und ehrgeizigen Fußballern mit deutschem Pass zunehmend geringer … nicht nur dass die Zahl der Kinder generell zurückgeht, auch der Anteil derer, die sich in Fußball- (oder generell Sport-) Vereinen aktiv betätigen, nimmt ja auch seit langem kontinuierlich ab.
Da wäre es nur logisch, dass sich auch in den Nachwuchs-Leistungszentren zunehmend Jugendliche finden, die entweder nicht das ganz große Talent mitbringen oder - was mir wichtiger zu sein scheint - die nicht bereit sind, täglich viele Stunden hart an sich zu arbeiten, um immer noch besser zu werden. Schlicht und einfach, weil die Chance, am Ende Profi zu werden, auch bei den Jungs in NLZ noch sehr gering ist. Wozu auch die Vereine beitragen, die im Zweifel dann lieber das größere Talent aus dem Ausland verpflichten oder einen schon fertigen Spieler, der keinen deutschen Pass hat.
Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Menschenrechte spielen da keine Rolle? ![]()
Hauptsache billig.
Ich bin sprachlos.
Leider nicht.
(20 Zeichen)
Mehr fällt dir dazu nicht ein? Respekt
Stimmt, Saudi Arabien war das Land, das die Journalisten zerstückeln läßt und Krieg gegen den Jemen führt - und in das wir jetzt wieder Waffen liefern. Gut, dass Habeck da keinen Knicks gemacht hat. Sorry, der musste einfach sein. Ich krieg mich bei all der moralistischen Verlogenheit in unserem Land momentan leider nicht ein.
Ich damit sagen: diese ganzen Diskussionen um eine One Love Binde, ist voll für die Katz, solange die wirklichen Schweinereien offensichtlich keine große Rolle spielen.
Das ist eine These, die nicht deinem Normalniveau entspricht, werter und geschätzter Alex. ![]()
Wenn in Indien unter katastrophalen Umweltstandards und Arbeitsbedingungen unsaubere Medikamente(!) produziert werden, deren Reste in offenen Gewässern und der Luft landen, dürfte das wohl einer Bankrotterklärung nahe kommen.
@charly: Was möchtest du mir damit sagen? Habeck ist doch nach Katar gefahren, oder?
Auch interessant:
Oje, nach der Logik könnte man ja auch die Katar-Sache etwas lockerer sehen:
Für den einzelnen Hinterbliebenen eines toten Stadion-Bauarbeiters ist das natürlich schlimm und dann liegen dir die NGOs in den Ohren, das verstehe ich, aber architektonisch habe ich nichts dagegen einzuwenden. ![]()
Darum ging es mir nicht, sondern um die Absurdität der Diskussion um Dinge wie die One Love Binde, wenn die eigentlichen Probleme medial viel zu wenig thematisiert werden.
@Mehmet68: Ich habe mir die Großzügigkeit erlaubt, von praktischen Problemen zu abstrahieren und im Grundsätzlichen zu argumentieren. Du weißt doch, wie das mit solchen luftigen Theoretikern wie mir immer ist: denken in Modellen, argumentieren im Abstrakten, da haben praktische Randbedingungen oft wenig Platz. ![]()
Dann sag das doch auch.
(Fast) off topic, aber interessant: Was immer wieder interessant ist, im Kulturwesen, wo immer sehr auf wokeness und Haltung insistiert wird, gibt es einen interessanten weißen Fleck: Die Architekten, die die Stadien entwarfen, oder Museen, oder auch alles andere, das im Nahen Osten gebaut wird, sind praktisch von jeder Kritik ausgenommen (in der taz wurde es thematisiert). Auch Künstler stellen sehr gerne dort aus. Kulturschaffende sind teilweise extrem flexibel.
Glaube, das Problem ist vielschichtig. Zumindest im lokalen Umfeld kann ich nicht erkennen, dass die Fußballvereine Nachwuchsprobleme haben. Und der Top-Verein (komme nicht aus München) schafft es auch genügend z. B. 10jährige (und älter) zu begeistern, die 4x die Woche trainieren und das Wochende bei Spielen / Turnieren verbringen. Aber auch hier ist es wie beim Bayern Campus, bis „nach oben“ schaffen es nur sehr sehr wenige. Liegt das nur an den Spielern, oder auch an deren Ausbildung?
Ebenso scheint man mti Blick auf die Nationalmannschaft fast nur noch (offensive) Mittelfeldspieler „zu produzieren“. Das war vor Jahren mal unsere Schwachstelle, aber mittlerweile fehlt es dafür auf fast allen anderen Positionen.
Glaube um das Jahr 2000 herum (die „Ribbeck-Ära“) hat man doch glaube ich Anstrengungen beim DFB unternommen, um die Nachwuchsförderung zu verbessern, vermutlich auch mit Hinblick auf 2006. Für 2024 ist es wohl zu spät, aber m. E. sollte man nach der WM die Ausbildungsprozesse für Spieler und Trainer wohl mal wieder auf den Prüfstein stellen.
Respekt, wie Du Dich in der Debatte engagierst. Beim Lesen der vielen - häufig gut argumentierenden - Beiträge springt natürlich ins Auge, dass es für fast jede Position ähnlich viele Pros wie Contras gibt. Ich will da nun nicht noch etwas Eigenes draufpacken, so viel Neues habe ich auch nicht. Allerdings finde ich, dass wir mal wieder mit einem Dilemma konfrontiert sind, das durch den sehr kategorischen Satz „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ ausgedrückt wird, hier exemplarisch in der Frage der Billigproduktion in Indien angespielt; aber auch für die ganze Debatte zu Qatar, Russland, Klima etc. gültig. Häufig wenn der Vorwurf der Verlogenheit (nicht immer völlig aus der Luft gegriffen) erhoben wird, schwingt ebenfalls die Frage mit, ob man mit den Problemen dieser Welt eigentlich angemessen umgehen kann. Auf einer abendlichen Autofahrt hörte ich zufällig vor einigen Monaten dieses nicht nur informative, sondern mich auch bestens unterhaltende Feature zu der Frage, ob Adornos Postulat denn überhaupt zutrifft und wenn ja, welche praktischen Konsequenzen dies für das eigene Leben hat. Grandios, auf was für Ideen die Leute kommen, bei eingebauter beachtlicher Fallhöhe selbstverständlich.
Aus der Dlf Audiothek | Freistil | Theodor W. Adorno im Praxistest – Das richtige Leben im falschen Theodor W. Adorno im Praxistest - Das richtige Leben im falschen
Danke! Höre es mir gerade an.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob uns Texte aus der Spätmoderne wirklich weiterhelfen können ![]()
Klar, reine Textexegese wäre heute nicht mehr relevant. Das Dilemma als solches besteht aber weiter. Und wie Menschen sich heute dazu stellen, finde ich interessant. Ob’s weiterhilft? Keine Ahnung. Dümmer wird man jedenfalls nicht davon; vielleicht etwas gelassener.
Adornos Kühlschranktür-Einlassung hatten wir mal in einer Diskussion über Türen, dieser Satz klingelt mir heute noch in den Ohren. Köstlich.
Das lass ich einfach unkommentiert da:
Selbst als ein Journalist der «New York Times» Vergleiche zu Xhakas Vater und dessen Kampf für Menschenrechte in Ex-Jugoslawien zieht, schweigt der Captain und verweist auf den Nati-Medienchef. Eine Ersatz-Geste, wie es die Deutschen gemacht haben, schliesst er aus. «Ich glaube nicht, dass wir als Schweiz etwas machen müssen. Fussball hat jetzt Priorität Nummer eins», so der 30-Jährige. Schliesslich wolle man in Katar mit der Nati sportlich «Geschichte schreiben».
Eden Hazard hat sich, nach der deutschen Mund-zu-Geste gefragt, ähnlich geäußert:
„Ja, aber dann haben sie das Spiel verloren. Sie wären besser dran gewesen, wenn sie es nicht getan und gewonnen hätten. Wir sind hier, um Fußball zu spielen, ich bin nicht hier, um eine politische Botschaft zu senden, dafür gibt es Leute, die besser geeignet sind. Wir wollen uns auf den Fußball konzentrieren.“
Erstaunlich die ganzen Stimmen aktuell. Bekommen diese Spieler/Mannschaften in ihrer Heimat auch so einen Shitstorm ab?