Definitiv. Bei Gendern ging es mir total so. Anfangs skeptisch, inzwischen sehe ich das sehr positiv. Auch wenn ich es selbst noch nicht „gelernt“ habe.
Ein Like von mir für @Brille ich bekomme Angst ![]()
Aber ernsthaft… das
daraus sogar ein separater Thread entsteht ![]()
Und sogar überaus friedlich. Das Wort des Anstoßes werde ich zwar nicht komplett aus dem Wortschatz verbannen aber vielleicht doch tendenziell eher Dummkopf benutzen
Das Wort zum Feiertag, lieber MiaSanFCB: „…aber vielleicht doch tendenziell eher…“ ![]()
Ich steh aufm Schlauch… ![]()
Was möchtest Du mir mitteilen?
Dass ich deine Antwort einfach klasse finde!
Das klingt ein wenig so, als würde es sich widersprechen, idealistisch zu sein und gleichzeitig viel auf Logik und Rationalität zu halten.
Ich sehe es so, dass es sich hierbei schlicht um verschiedene Kategorien handelt, die aber gut einher gehen können.
@Alex hat jedes Recht, logische Herleitungen zu erfragen oder danach zu suchen. Ein Kategorienfehler wäre es, Fragen der Sensibilität ausschließlich durch diese Brille zu sehen. In gewissem Sinne wäre @Alex, insistierte er auf eine logische oder streng rationale Begründung für eine Änderung von Sprachmustern als einzig akzeptablen Weg, sogar der idealistischere Protagonist von beiden. Wohingegen @justin’s Ansatz, auch wenn er fordernder klingt, lebende Sprache a priori als laufenden Prozess wahrnimmt, der sich stetig zu verbessern (und damit: zu verändern) weiß.
Wo ich tendenziell bei @Alex bin, ist die Annahme, bei Nicht-Beachtung der geforderten/erbetenen Sprache in „den Ruch moralischer Rückständigkeit“ zu kommen. Dem ist theoretisch so. Nur sehe ich das keineswegs so kritisch wie er. Und ich würde widersprechen, dass es deswegen umso bessere Begründungen braucht, wenn „besser“ lediglich bedeutete, stringent und rational unangreifbare Argumente zu verwenden. Wie wir gesehen haben, ist es da offenbar schwer, zusammenzukommen - einige haben überzeugende Argumente wahrgenommen, die anderen aber so gar nicht einleuchten wollten.
Letzten Endes ist eine Frage wie die behandelte eben vor allem auch eine Frage der Moral. Nun kann man auch Moral, philosophisch gesehen, höchst rational und stringent behandeln, nachzulesen etwa bei Markus Gabriel, der sich durchaus in der Lage sieht, moralische Sachverhalte mit absoluten Kriterien wie wahr oder falsch zu versehen. Für die „normale“ Bevölkerung ist so etwas erstmal eine Herausforderung, tendenziell nimmt man moralische Fragen gern als höchst subjektiv wahr.
Ich selbst tendiere zur Auffassung Gabriels (die ich jetzt leider nicht mal kurz umschreiben kann, schließlich braucht er ein ganzes Buch, um das zu erklären), sehe es aber lediglich als Baustein, um entsprechende Sensibilitäten zu etablieren.
Auch hier stimme ich @Alex zu:
Diese normative Kraft ist selbstverständlich Teil des Plans, könnte man sagen. Nur sehe ich das wieder, wie oben schon, keineswegs negativ. Und es schärft auch in vermeintlich kleinen Beispielen die Macht, die Sprache hat.
Um einmal ein ganz anderes Beispiel zu bringen:
Nach der deutschen Niederlage im zweiten Weltkrieg machten sich die Alliierten daran, die Deutschen zu „entnazifizieren“. Und legten dabei neben vielen praktischen und politischen Mitteln viel Wert auf die Sprache, denn eines ist klar: so eine jahrelange Prägung schaltet man nicht einfach per Knopfdruck ab. Durch den Bann gegenüber bestimmten Wörtern oder Sprachmustern hoffte man, die Deutschen Richtung liberaler demokratischer Vorstellungen zu lenken, weg von Autoritarismus oder Schlimmerem.
Mit diesem Beispiel will ich natürlich keine Vergleiche ziehen, nur das Prinzipielle aufzeigen. Und die Reaktionen vieler User hier, die im konkreten Fall die Aufregung nicht verstehen, aber gleichwohl ihre Sprachmuster bereitwillig hinterfragen, ist ein Musterbeispiel, wie klein das Samenkorn sein kann, das man in Sprache pflanzt. Die Wirkung, was man erntet, kann sehr, sehr mächtig sein.
Das empfand ich bisher so ähnlich, gemäß Definition (hier zB DWDS) scheint das aber eher weniger zuzutreffen:
Idiot, der
Bedeutungsübersicht
- [Schimpfwort] unfähige, nicht mitdenkende Person; Dummkopf
- [veraltet, abwertend, diskriminierend] bildungsunfähige, geistig eingeschränkte Person
Gleichzeitig lieferst Du hier für mich den perfekt Ersatz:
Ignorant, der
Bedeutung
[bildungssprachlich, abwertend] Person, die nur über ein geringes Wissen (auf einem bestimmten Gebiet, zu einem bestimmten Thema) verfügt und dieses bewusst nicht vermehren möchte
Das finde ich triffts doch meistens wirklich viel besser - man will nicht die grundsätzliche Intelligenz in Frage stellen, sondern eher den Willen sie einzusetzen…
Sehr bedenkenswerte Überlegungen. Mit dem Wermutstropfen, dass in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft die Entnazifizierung extrem negativ bewertet wurde.
Danke für diesen aus meiner Sicht sehr wertvollen Beitrag, lieber @umut. Es ist in der Tat ein gewaltiger Unterschied, ob ich - wie hier in einem Forum - nur geschriebene Wörter wahrnehme oder mich in einer direkten Diskussion von Mensch zu Mensch befinde. In der geschriebenen Diskussion kann jedes einzelne Wort (und mehr hat man ja nicht im Forum) auf die Waagschale gelegt werden - man hat Zeit, u. U. auch lange darüber nachzudenken, wie man einen Beitrag bewertet/einschätzt, und ebenso lange beliebig Zeit, über eigene Formulierungen nachzudenken. Das Schreiben alleine zwingt einen zu einer gewissen „Langsamkeit“ mit der Möglichkeit, etwas umzuformulieren und sich selbst zu „editieren“. Das sieht in direkter Konversation ganz anders aus, und dazu kommen vor allem non-verbale Botschaften über Mimik, Körpersprache, direktes Gegenüber von Angesicht zu Angesicht mit meinem Diskussionspartner etc. - das ist alles nicht gegeben in einer Forumsdiskussion. Von daher möchte ich an dieser Stelle einmal ein - aus meiner Sicht - schon lange sehr dringend angebrachtes Kompliment aussprechen an die gesamte Community insgesamt überhaupt und natürlich auch an die Diskutanten hier in diesem Thread:
Trotz aller Schwierigkeiten und Einschränkungen, die eine rein geschriebene Konversation mit sich bringt, ist dies hier ein Forum, in dem in der Regel sehr wohlformuliert, überlegt und auch ausgewogen diskutiert wird. Dass man nicht immer einer Meinung ist und manchmal auch heiß und kontrovers diskutiert wird wie z. B. teils hier - für mich völlig verständlich und liegt in der Natur der Sache.
Für ein Internetforum - insbesondere in heutigen Zeiten - haben hier viele Diskussionen ein sehr hohes Niveau. Von meiner Seite daher ein großes Danke dafür!
… was man, und da schließt sich der Kreis zur Sprachsensibilität, sehr deutlich an dem in vielen Familien - und besonders von den Vätern - gepflegten Umgangston ablesen kann. Wer, wie ich, in den 60ern, 70ern großgeworden ist, wird viele Beispiele für die nach wie vor populären Ausdrücke aus dem „Wörterbuch des Unmenschen“ (Sternberger, Storz, Süskind) kennen.
@cheffe, vielen Dank für Deine verbindenden Worte. Ich schätze Dich für Deine Fähigkeit, nach Brücken zwischen Positionen zu suchen und diese auch immer wieder zu finden.
Noch ein abschließendes Wort und dann gebe ich auch gerne Ruhe.
Ich suche insbesondere bei politischen Haltungen, Meinungen, Einstellungen oder Positionen gar nicht immer nach logischen Herleitungen. Wenn jemand sagt:
- Cheffe ist ein Mensch.
- Alle Menschen sind sterblich.
- Cheffe ist nicht sterblich.
dann würde ich anmahnen, dass dieses Aussagensystem inkonsistent ist, weil es einen Widerspruch enthält. „Cheffe ist nicht sterblich“ steht im Widerspruch zu den beiden vorausgehenden Formeln.
Aber ich würde nicht zwingend (!) anmahnen, dass jemand die Prämissen setzt, dass Cheffe ein Mensch sei und dass alle Menschen sterblich seien.
Politische Positionen oder Meinungen bewegen sich oft auf dieser Ebene von Prämissen. Jemand ist beispielsweise gegen Abtreibungen. Wenn er sonst nichts sagt oder bei seinen Äußerungen implizite Voraussetzungen macht, die dieser Meinung logisch entgegenstehen (so dass seine politische Haltung insgesamt inkonsistent ist), dann habe ich dagegen logisch nichts einzuwenden. Auf dieser Ebene von Prämissen hat Politik ein starkes „voluntaristisches“ Element. Abtreibungen bis zur Geburt, ja oder nein; offene Grenzen, ja oder nein; Atomkraft, ja oder nein – und so weiter und so weiter. Es gibt bei solchen Fragen kein logisch zwingendes „Richtig“ oder „Falsch“. Es sind individuelle Wertentscheidungen, die logisch bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, völlig illusorisch wäre. Was es gibt, sind Widersprüche und Inkonsistenzen, wenn jemand beispielsweise CO2-arme Energieerzeugung befürwortet, aber Kernenergie ablehnt. Hier wäre zumindest eine Nachfrage angebracht, weil die beiden Positionen auf den ersten Blick einander widersprechen (gegriffenes Beispiel, es lassen sich leicht gute Begründungen finden).
In dem hier diskutierten Fall finde ich es nur inkonsistent, wenn jemand das Wort „Idiot“ nicht mehr verwenden will, weil es ableistisch sei, d. h. Menschen mit verminderter intellektueller Kompetenz diskriminiere, aber gleichzeitig bereit ist, das Wort „Dummkopf“ oder „Blödmann“ weiterzuverwenden. Das geht logisch nicht zusammen. Dieselbe ableistische Prämisse, die „Idiot“ untauglich macht, macht auch „Dummkopf“, „Blödmann“ etc. untauglich (und übrigens auch alle anderen Schimpfworte, die auf körperliche Defizite abstellen, wie etwa Blindheit, Taubheit, eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, Kurzwüchsigkeit etc.). Jemand, der aus ableistischen Gründen nur „Idiot“ ausschließt, aber nicht „Dummkopf“, muss sich die Frage gefallen lassen, warum eigentlich. Warum beispielsweise nicht umgekehrt? Oder warum nicht „Blödmann“?
Etwas anderes ist es, wenn jemand „Idiot“ nicht mehr verwenden möchte, weil es irgendwann einmal in der Medizin eine klinische Diagnose für geistig schwer behinderte Menschen war. Das überzeugt mich zwar auch nicht, weil mir bei heutiger Benutzung die geschädigte Partei fehlt, aber wenn jemand das Wort heute aus subjektivem Pietätsgefühl gegenüber wem oder was auch immer nicht mehr äußern möchte, bitte. Diese Haltung ist jedenfalls anders als beim ableistischen Argument, das nicht gleichzeitig alle anderen Schimpfworte, die auf körperliche Defizite abstellen, ebenfalls ausschließt, nicht offensichtlich in sich widersprüchlich.
Danke an alle für die lehrreiche Diskussion.
Es ist sehr spannend diese Diskussionen zu verfolgen. V.a. geht es ja auch darum, dass man die eigene Meinung Mal auch schärfen oder an der einen oder anderen Stelle justieren kann.
Wir sollten grundsätzlich auch allen zugestehen, „falsche“ Positionen zu vertreten, da jede Diskussion nachhallt und teils Jahr später merkt man, dass frühere Ansichten gar nicht mehr relevant sind.
Ich bin mir sicher, dass wir alle diese Erfahrungen gemacht haben.
Jetzt aber zurück zur eigentlichen Diskussion.
Ich habe ja die mündliche und die schriftliche Ebene schon kurz genannt. Wenn jemand im mündlichen Kontext „Idiot“ vermeidet, dann ist das schon gar nicht mehr Sensibilität sondern Bewusstheit. Gerade mündlich würde ich daher nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.
Nehmen wir zudem das Wort toll.
Nutzt jeder von uns. Die eigentliche Bedeutung „verrückt“ hören wir maximal bei Eltern mit Kleinkindern „das ist mir jetzt aber zu doll“. Ich nutze „toll“ täglich aber sicher 10-20x.
Wer jetzt noch das I-Wort benutzt, ist voll beh. … äh, geistig herausgefordert. ![]()
Ich möchte einen Teil der gestrigen Diskussion zu Boateng bzw. das was mich unter anderem daran bewegt hat in diesen Thread überführen…
denn losgelöst von der Thematik verstehe ich durchaus, dass mein Stil bzw. die Art der Wortwahl und Formulierung bei bestimmten Themenkomplexen auf Widerstand stößt… ich bin ja kein stumpfer Holzklotz…
deshalb würde mich unter der Überschrift
Sprache & Worte als Schutz & Waffe
interessieren, ob ihr Themen habt, wo ihr „nicht an euch halten könnt“, was die Gründe dafür sind und wie ihr damit umgeht oder einen anderen Umgang gelernt habt.
alle von uns haben Themen für die sie positiv brennen und mit Begeisterung ellenlange Elogen halten können (bei mir wäre das sicher die Musik, bei anderen der Film, Literatur oder unser Frauenteam…) - und genau so haben wohl alle irgendwelche Triggerthemen, bei denen sie buchstäblich in Sekundenbruchteilen aus dem Sattel gehen…
die Frage ist dann ja - vor allem beim geschriebenen Wort, wo Gestik & Mimik vollkommen abgänglich sind - wie gelingt es Worte dennoch so zu wählen, dass sie unmissverständlich und gleichermaßen mitnehmend sind…
also weniger das Thema:
welche Worte wähle ich - sondern wie wähle ich sie…
ich will es eigentlich allgemein halten und nicht so sehr personalisieren aber zum besseren Verständnis und als Beispiel:
ihr kennt wohl die meisten Themen, die bei mir in diese Triggerkategorie fallen…
entweder habe ich sie selbst erleiden müssen oder war als Privatperson im engeren Kreis oder im beruflichen Kontext Zeuge - eben von MIssbrauch, Gewalt, Rassissmus, Sexismus usw. - und ich musste gleichzeitig die Ohnmacht (mit)erleben, die man erfahren kann, wenn man sich dagegen zu Wehr setzen will (offizielle Stellen schlagen sich auf Täterseite - Gerichtsurteile bestrafen die Opfer - die Gesellschaft solidarisiert sich mit den Tätern - die Folgen bleiben den Opfern ein Leben lang)…
also:
wie gelingt es euch in solchen Momenten Sprache und Worte NICHT (nur) als Schutz & Waffe zu verwenden sondern auch als verbindendes Mittel oder zumindest so, dass sie eure Gegenüber nicht sofort ausschalten und man bei aller Klarheit dennoch Überzeugungsarbeit leisten kann? und was macht ihr, wenn das nicht gelingt? wo soll man denn die Grenze ziehen um nicht das Gefühl zu haben, sie selbst und seine Werte zu verraten?
ich bin gespannt ![]()
Ich denke, an der Stelle zeigt sich jenseits der Sprache eine grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweise an das Forum: du hast bei vielen Themen eine feste Überzeugung und möchtest andere Teilnehmer überzeugen, auf deine Meinung einzuschwenken.
Mir geht dieser pädagogische Eros komplett ab, ich formuliere halt meine aktuelle Einschätzung zu einem Thema und stelle sie dann hier öffentlich zur Diskussion - durchaus auch, um über die Antworten meine Argumentation zu schärfen oder dazuzulernen.
Da bin ich dann sachlich vorgetragenen Argumenten zugänglich, unabhängig von der Wortwahl, wogegen emotionale Tiraden, wie du sie bevorzugst, bei mir eine Abwehrhaltung hervorrufen.
besonders interessiert bin ich da z.B. an den Meinungen von @cheffe, @jep, @justin, @Gratschifter, @patricksaint, @Cosray8d, @ChrisCullen, @Mehmet68, @Lukenwolf1970 und @JOP - weil ich ihre Art der Kommunikation sehr schätze oder sie manchmal ähnlich impulsiv sein können… der eine so, der andere so…
![]()
Zustimmung. Spasti, Mongo beziehen sich auf eine konkrete Diagnose, Idiot ist eine populärsprachliche Umschreibung für Menschen mit unangepasstem Verhalten, unabhängig davon, ob dieses Verhalten eine medizinische oder charakterliche Ursache hat.
@Justin: Ich würde Dir dringenst eine aufmerksame Lektüre der Philosophischen Untersuchungen von Ludwig Wittgenstein empfehlen, denn: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“ (PU 43)
Weder in Frankreich, noch in England oder Deutschland hat eine Präskription von Sprache je funktioniert. Sprache ist eine Konvention und wird immer wieder neu verhandelt. Kurz:
Du wirst ganz sicher nicht festlegen, ob das Wort „Idiot“ ableistisch ist oder nicht.
Also, ich bin ja überrascht, dass das Thema Sprachsensibilität ausgerechnet von Dir kommt. Aber vielleicht bist ja Du genau der Richtige, weil Du ja gerne mal über das Ziel hinausschießt.
Das tue ich auch. Einer der Gründe, warum ich hier „schreibendes“ Mitglied dieser Community bin, ist der, dass ich dieses Forum als eine Art Übungsplatz sehe, zumal ich mich hier sehr wohl fühle und die meisten hier, auch wenn ich sie nicht persönlich kenne, sympathisch finde, auch Dich, wenn wir auch oft nicht übereinstimmen.
Ich finde, es darf durchaus mal hitzig werden. Ich schäme mich aber auch nicht, einen Beitrag von mir zu löschen, wenn er unpassend war.
Ich hoffe, Du „liest“ meinen Beitrag als Dir gegenüber wohlwollend : - )
Grundsätzlich: Es gibt drei ontologische Grunddispositionen des Menschen:
sein
tun
haben
Eine Beleidung des „Seins“, also der körperlichen oder kognitiven Disposition (also männlich, weiblich, trans, groß, klein, dünn, dick, über- oder unterdurschnittlich intelligent usw.) sollten von jeder Beleidung ausgeschlossen werden; diese sind ja auch - Gott sei Dank - strafbar.
Was aber durchaus benannt werden darf, ist das „Tun“, also das „Verhalten“.
Ein Beispiel: Wenn ich schreibe „X ist ein Idiot“, dann ist das eine Beleidigung, wenn ich aber schreibe, „Die Aussagen von X bezüglich des Themas „Y“ sind idiotisch“, ist das zwar unhöflich, aber keine Beleidigung im strengen Sinn.
Nun kommen wir zum „haben“: Trägt jemand eine karierte Golfhose, darf ich diese als hässlich bezeichnen : - )
Mehr dazu später.
PS: „Ontologische Grunddispositionen“ … na ja, weißer Schimmel : - ) … aber ich lass das jetzt mal so stehen.
Ich habe da ehrlich gesagt kein Rezept. Das ist etwas, das sich über viele Jahre entwickelt – mit sich selbst, mit den eigenen Erfahrungen.
Am Ende geht es nicht darum, alles im Griff zu haben, sondern darum, zuzulassen.
Bei mir sind es Jahrzehnte voller guter und schlechter Erfahrungen, innerer und äußerer Kämpfe, Lernen und auch Scheitern.
Gerade dieses Scheitern ist wichtig.
Für mich heißt das: Ich verrate meine Werte nicht, wenn ich mich in einer Diskussion versöhnlich bleibe
Manchmal ist gerade das die eigentliche Stärke. Die eigenen Überzeugungen klar zu haben und trotzdem Worte zu finden, die nicht sofort alles abblocken, sondern die Möglichkeit für Verbindung offenlassen.
Was ich vielleicht gelernt habe ist, dass ich weiß, dass ich nichts weiß.
Meine Vorgehensweise (oder meine Versuche diesbezüglich, ob das gelingt müssen andere beurteilen) würde ich ähnlich wie @gerhard beschreiben: ich versuche, meinen eigenen Standpunkt möglichst sachlich darzulegen, nicht selten mit bewusster Ich-Formulierung wie „ich denke“ etc., dabei - wenn es sich anbietet - auch in einer Diskussion verbindende Elemente zu betonen, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist (geht natürlich nicht immer). Wenn man dann am Ende der Diskussion ohne Einigkeit herausgeht, ist das für mich überhaupt kein Problem, solange man sachlich argumentiert und nicht persönlich wird. Dass andere Menschen andere Wertevorstellungen haben als ich, finde ich gut (die Welt wäre sonst sehr langweilig).
Übrigens ein nicht unwichtiger Punkt für mich: ich versuche zumindest, auf Beiträge, die ich für mich vielleicht als schwierig oder sehr diskutabel ansehe, nicht umgehend zu antworten, sondern mir ganz bewusst erst einmal etwas Zeit zu lassen und etwas nachzudenken und abzuwägen. Es wurde ja schon mal hier angerissen: nicht selten sieht man Beiträge, die mit der persönlichen Wertevorstellung nicht übereinstimmen und man direkt den Impuls verspürt, zu widersprechen - sich etwas Zeit lassen für eine Antwort fällt dann manchmal schwer, halte ich aber wie gesagt für wichtig.
Ich habe übrigens dabei eine kleine „Marotte“: ich schreibe dabei fast alle Texte für das Forum erst einmal in einen Texteditor, aus zwei Gründen: zum einen ist mir das Antwortfeld einfach zu klein (auf meinem Tablet, auf dem ich meist etwas schreibe), zum anderen werde ich so gezwungen, vor dem Abschicken erst einmal kurz meine Formulierungen durchzulesen, alles zu kopieren, einzufügen und dann im Forum abzuschicken - klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, aber dies alleine zwingt mich noch mal kurz dazu, den eigenen Beitrag zu reflektieren.
Sehr vieles ist - denke ich - aber vor allem eine Charakter- oder Typfrage: bis ich persönlich bei einem Thema wirklich „steil“ gehe, muss in der Regel schon einiges passieren: ich halte mich eher für den sachlichen Typ, andere sind einfach impulsiver (ohne Wertung, was besser oder schlechter ist, wir alle sind einfach verschieden).