Schiedsrichter - Respekt, Fingerspitzengefühl & Regeln

Machen sie ja jetzt schon via Zeichensprache: klopfen auf die Hand bedeutet Handspiel, klopfen auf den Knöchel bedeutet Foul, die Linie bedeutet Abseits…und das sieht man auch auf den Stadionscreens

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Das Sprechen ist halt nochmal deutlicher

Bei Schiedsrichtern ist eben der nächste Kommunikationsschritt über klopfen auf die Hand:
„unnatürliche Stützhand in der Grätschbewegung ersichtlich auf Einstellung schräg links Hintertorkamera 4“ also das was sie sich wechselseitig aufs Ohr sagen. Ob das ein Mehrwert ist, der bei den Zuschauern zu einem „ach dann ist es klar“ führt darf bezweifelt werden.
Aber mir würde es gefallen, dann müssten sie ihre komischen Erklärungen mal live und ohne Dr Jochen Drees Filter vortragen.

Im Stadion ist vor allem das Problem, dass die Zuschauer die Wiederholung nicht sehen. Der Schiedsrichter kann ja im Grunde alles behaupten, niemand auf den Rängen weiß, ob da etwas dran ist. Bei Abseits z.B. könnte man einfach das Standbild der Abseitslinie auf die Leinwand legen. Dann weiß jeder, was los ist. Die Spieler würden das dann vermutlich auch leichter akzeptieren.

Ich kann verstehen, dass man die Bilder nicht im Detail zeigen will, um nicht noch mehr Druck aufzubauen. Aber so rein sachliche Dinge, wie die Abseitslinie, könnte man schon zeigen.

Ich fände Abseits mit Linie auf den Bildschirmen zu erkären super, aber die Frage ist, wie gut das technisch möglich ist. Im Fernsehen dauert es ja meistens auch ein paar Minuten bis die Abseitslinie gezeigt werden kann und wenn man dann 5 Minuten nach der eigentlichen Szene erst das Bild auf den Stadion-Bildschirm sehen kann, weiß ich nicht wie viele das überhaupt noch interssiert und ob das nicht für noch mehr Verwirrung sorgt.

„Die Europäische Fußball-Union (Uefa) führt nach den positiven Eindrücken von der EM die neue Kapitänsregel in all ihren Klubwettbewerben ein.“

Sehr gute Entscheidung.

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Ich schreib das gleich mal hier rein, um den Platz in den anderen Threads nicht zu verschwenden:

Anthony Taylors Leistung heute kann ich mir nur so erklären, dass er Sympathien für die Tories hat und demzufolge sich besser hätte besaufen sollen anstatt auf dem Fußballplatz zu sein.

Wobei ich fair sein will und nicht nur an den klarsten Elfer der letzten 3 Jahre denke, sondern auch an eine höchst, hm, interessante Zweikampfbewertung, und zwar das ganze Spiel über. Dass Toni Kroos sein letztes Spiel zu Ende spielen durfte - bemerkenswert. Die Flut an gelben Karten war auch cool, so schön verteilt, dass man ohne Feldverweis auskam, obwohl einzelne Fouls schon teilweise sehr hässlich waren, zugegebenermaßen anfangs vor allem von uns. Als es dann doch nicht mehr anders ging und Carvajal sich opferte, wäre glatt Rot die korrekte Wahl gewesen statt die Ampelkarte: Das war ja kein Zupfen oder Halten, das war eher ein versuchter Anschlag völlig ohne Chance auf den Ball. Eine Marginalie, klar.

Um noch auf die Kommentare im anderen Thread einzugehen:
Tatsächlich ist es ein noch größeres Ärgernis, wenn du eine schlechte Leistung des Schiris hast, aber dann noch die elenden, mitleiderregenden Erklärungsversuche der Schiri-Experten im Studio mit anhören musst.
Was Manuel Gräfe betrifft:
Seine persönliche Motivation lasse ich mal dahingestellt, ich beurteile seinen Klartext schlicht nach dem Inhalt - und da hat er für mich immer wieder Punkte und Mehrwert, 100mal mehr als das Gesabbel der Funktionärskaste.

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Und ich wünsche mir, dass die Regel nach und nach noch deutlich strenger ausgelegt wird.

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Vielleicht war Füllkrug davor im Abseits und deswegen hat sich der VAR nicht eingeschaltet? Ansonsten habe ich auch keine Erklärung…

Dachte auch in den ersten Minuten das er eine harte Linie durchziehen möchte, aber leider war es mal so mal so. Die gelben Karten hätten gefühlt auch 5 andere Spieler bekommen können.

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…und noch ein Nachtrag zur (Nicht-)Elfer-Szene:
Julian hat was sehr Schlaues gesagt dazu, was den ganzen Bürokraten-Fuzzis im Schiedsrichterwesen nie einleuchten wird, aber im Sinne des Fußballs wäre:
Die Intention der Aktion muss mit einbezogen werden. Ginge Jamals Schuss also in Richtung Eckfahne und eine Hand blockt, will keiner dafür nen Elfer haben. Oder, vergleichbar, bei einer Flanke, die sehr, sehr, sehr vielleicht zu einem Torabschluss führt, der sehr, sehr vielleicht aufs Tor geht, streift eine verteidigende Abwehrhand den Ball - auch dafür sollte es keinen Elfer geben.
Wenn aber der Musiala-Schuss in Richtung Toreck unterwegs ist und von einer Hand geblockt wird, die sich abgespreizt vom Körper befindet, muss es eigentlich Elfer geben.

Die Ironie besteht ja auch darin, dass es in Vor-VAR-Zeiten, und bevor die Handregel die letzten Jahre so verschlimmbessert wurde, also, sagen wir vor 10, 20 Jahren, für diese Szenen hundert-prozentig einen Elfer gegeben hätte. Dafür haben wir heutzutage Dutzende Hand-Elfer, die keine sind oder keiner haben wollen sollte - weil sie keinerlei oder nur sehr geringe Torerfolgschance verhindert haben.

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Absolute Zustimmung bzgl. der Art des Fouls. Es ist für mich auch eine klare rote Karte. Eine Marginalie ist die Entscheidung allgemein nicht, denn Carvajal wäre im Fall eines Finaleinzugs dabei und dürfte die Fußballwelt erneut mit seiner Anwesenheit beglücken, während er im Fall einer roten Karte bei diesem Turnier nicht mehr gespielt hätte, was die absolut logische Konsequenz gewesen wäre.

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Ich schiebe es mal hier rüber, um den EM-Thread nicht zu nerven.

Mit dem Argument der einheitlichen Linie verstehe ich das.

Ich finde genau hier liegen die wichtigen Punkte. Die einzige Alternative zu diesem „in Kauf nehmen“ wäre, alles zu unternehmen, um einen Kontakt des Balles mit der Hand auszuschliessen (weil man es ja sonst in Kauf nehmen würde).
Das heisst, der Verteidiger muss mit angelegten Armen rennen und springen. Das kann doch nicht im Sinne des Fussballs sein (und mit Sicherheit auch nicht im Sinne der Erfinder der Regeln)!

Es hat sich nur wegen der erbärmlichen und sportfremden Auslegung durchgesetzt, kann aber ohnehin nur von Verteidigern praktiziert werden, die schon vor dem Flankengeber stehen. Alle, die gerade noch angelaufen kommen, oder mit dem Flankengeber mitlaufen, können ihre Arme gar nicht angelegen. Das geht einfach nicht (zumindest nicht mit mehr als halber Geschwindigkeit).

Blocken klingt mir hier zu aktiv. Natürlich darf kein Ball aktiv geblockt werden. Auf die Szene gestern bezogen: sagst Du, der Spieler darf einfach nicht so schnell zwischen Angreifer und eigenes Tor rennen, wenn er es nicht rechtzeitig schafft, die Arme komplett an den Körper zu legen?

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Vielen, vielen Dank!!! :100: :pray:t2:

Total einverstanden. Wie gesagt, mein wichtigster Fokus wäre neben der Entscheidung im Sinne des Fußballs eine einheitliche Linie. Bezogen auf die Szene mit Cucurella jedoch würde ich folgendes zu bedenken geben:
Laut Bibiana Steinhaus wird hier der feste Stand mit beiden Beinen auf dem Boden begünstigend für den Spanier ausgelegt. Er rennt oder springt in dieser Szene halt nicht, sondern stellt sich - freilich völlig in Ordnung - dem Schuss in den Weg. Und natürlich versucht er, was man im Standbild sehr klar sieht, seine Körperfläche so groß wie möglich zu machen: Er steht recht schief, sagen wir so. Gleichzeitig kippt er ein wenig nach links, demzufolge spreizt sich der linke Arm auch ein wenig links raus: Natürliche Körperhaltung, könnte man sagen.
Ein weiterer Aspekt, der pro Cucurella ausgelegt wird: die kurze Entfernung. Hier bin ich anderer Meinung. „Kurz“ ist natürlich auf einem Fußballplatz relativ, bei Szenen im Strafraum sowieso. Aber hier steht Cucurella immerhin etwa zweieinhalb Meter von Jamal weg. „Kurz“ würde ich eher bei einer Entfernung von einem oder einem halben Meter sagen.

Es bleibt bei so einer Szene immer ein Graubereich, soviel ist völlig klar. Ich würde Cucurella natürlich nicht unterstellen, dass er die Hand da absichtlich rausstreckt, das würde den Fall ja eh klar machen. Das Nagelsmann-Argument mit dem Zielbereich des Abschlusses finde ich in so einem Fall jedenfalls sehr hilfreich, die Paragraphenreiter sollten sich überlegen, das ins Regelwerk aufzunehmen, einfach weil es den klassischen Satz „der kriegt einen Elfer für nichts“, also nicht mal einer Torchance, vielleicht überflüssig machen würde. Denn eines ist doch klar:
Jamal wurde mit der Hand Cucurellas eine klare Torchance genommen. Womöglich regelkonform, womöglich nicht. Also Ermessensspielraum. Und damit auch ziemliche Willkür. Und im Ergebnis:
Keine einheitliche Linie.

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Ist denn nicht gerade diese Auslegung von Steinhaus vollkommen weltfremd ?

Wie @Ibiza oben zurecht schrieb kann ein Handspiel in vollem Lauf doch viel leichter und schneller passieren als ein Handspiel im Stand. Kein normaler Spieler würde einen Sprint mit angelegten Armen durchstehen. Insofern spräche ein Handspiel mit beiden Beinen fest auf dem Boden, doch eher für Absicht als eines aus dem vollen Lauf heraus, oder?

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Das Thema heisst doch „Schiedsrichter“ und nicht „Handspiel“.
Deshalb erlaube ich mir einen neuen Beitrag:
Mein Eindruck: Die Schiedsrichter und v.a. Linienrichter sind m. Erachtens mittlerweile entmündigt, wertlos, lächerlich gemacht.
Ein Angriffsspieler ist DEUTLICHST im Abseits und der arme Kerl an der Aussenlinie darf sein Fähnchen erst dann heben, wenn die ganze Situation mehr oder weniger vorbei und bereinigt ist.
Oder hab ich da was falsch verstanden?
Was meint Ihr?

Im Prinzip ja. Da müsste man dann wieder über die genaue Definition von „Absicht“ sprechen. Ich bleibe dabei, dass Cucurella natürlich nicht Absicht anwendet, indem er den Ball wie ein Torhüter bewusst abwehrt. Sondern im Sinne von billigend in Kauf nehmend, da die Hand nicht zum Ball geht, vielmehr der Ball zur Hand.
@AchWas hat ja absolut Recht, dass man sich keine Elfer wünschen sollte, die der Tatsache Rechnung tragen, dass der Mensch nun mal Gliedmaßen hat und die als Feldspieler nicht abschraubt.
In einfache Fußballsprache übersetzt:
Natürlich muss man versuchen können, einen Schuss mit seinem Körper zu blocken. Falls dir dabei aber der Ball an die Hand geht, solltest du Sorge tragen, dass diese Hand nicht allzu weit vom Körper absteht - du bist ja nicht der Torwart.
Momentan haben wir die kuriose Situation, dass ein Tor, das du schießt, aberkannt wird, wenn nur der kleinste Teil deines kleinen Fingers den Ball streift. Aber der blockende Verteidiger a la Cucurella darf (zumindest am vergangenen Freitag) ne faktische Torwartparade machen.

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Bei dieser Auslegung würde ich mitgehen. Dann wäre unser Elfmeter gegen die Dänen keiner gewesen, nachdem Andersen seinen Arm ja nicht in vollem Lauf anlegen kann.

zurecht, wenn konsequent so gepfiffen würde.

Momentan haben wir kid’s mistakes und abgestreckte Arme, die nicht geahndet werden und auf der anderen Seite Elfmeter, die bei Kontakt im vollen Lauf gegeben werden.

Momentan wird die Handregel je nach Verband und Schiri offensichtlich unterschiedlich ausgelegt. So macht das keinen Spaß mehr.

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Diese Entmündigung gibt es z.b. bei Elfmeterszenen zum Beispiel schon. Bei Abseits ist es eben so, dass man dem Angreifer die Chance geben möchte, dass er möglicherweise doch nicht im Abseits war. Also quasi im Zweifel für den Angreifer. Am Ende muss der Schiedsrichter aber auch nicht auf den Linienrichter reagieren. Er darf abpfeifen, aber er darf die Szene auch weiterlaufen lassen.

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Ich denke, die Unklarheit ist hauptsächlich ein Kommunikationsproblem. Die FIFA-Regeln haben diese schwammigen Formulierungen mit der natürlichen Handbewegung. Die UEFA hat eine eigene angepasste Regelauslegung, die offizielle Kommunikation dieser ist jedoch auch nicht viel klarer als die der FIFA.

In der Praxis der UEFA-Wettbewerbe ist letztendlich zu beobachten, dass grundsätzlich jedes Handspiel, bei dem die Hand nicht am Körper ist, abgepfiffen wird. Und das ist ja eigentlich sehr einfach zu verstehen und bietet auch keinen Diskussionsspielraum. Deswegen war das gegen Dänemark ein Elfmeter und deswegen war das auch gegen Spanien ein Elfmeter.

Wenn dann aber natürlich der kicker ankommt und die FIFA-Regeln zitiert, oder ein Patrick Ittrich, der noch nie ein UEFA-Spiel gepfiffen hat, mit der Auslegung der DFL argumentiert, dann stiftet das natürlich ordentlich Verwirrung. Dass die Ehefrau von Howard Webb, also dem Chef der englischen Schiedsrichter auch noch dessen Schützling verteidigt und sich dafür noch eine weitere Variante aus den Haaren zieht, hilft natürlich auch nicht. Dann stehen am Ende vier verschiedene Versionen im Raum und der Zuschauer ist verwirrt.

Also es gibt dann:

  • FIFA
  • UEFA auf dem Papier
  • UEFA auf dem Feld
  • DFL

Und für jede dieser Varianten findet man jemanden, der diese als Argumentationsgrundlage nutzt.

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