Einerseits richtig, andererseits wird ein Abseits oft auch gerne erst in der Zeitlupe zum Abseits.
Und wenn man die technischen Hilfsmittel hat, dann soll man sie halt auch nutzen.
Wenn sich der Gegner den Knöchel bricht ist es relativ egal ob er das in realtime oder in Zeitlupe tut. Und es geht eben darum so ein Vergehen entsprechend zu ahnden. Wenn es dazu der Zeitlupe bedarf - bitte. Sehe hier durchaus einen Mehrwert, das Foul wird ja nicht weniger schlimm nur weil es in realer Wahrnehmung nicht so schlimm aussieht.
Obacht!
Axel Hellmann von der Eintracht hat einmal ordentlich gegen den VAR ausgeteilt:
Schön, dass die Probleme und Fehler dieses Systems auch so langsam mal bei den Verantwortlichen ankommen.
Ich möchte noch ergänzen, dass diese Millimeterentscheidungen beim Abseits ebenfalls Quatsch sind. Nicht nur sind die technisch fragwürdig („Wann wird das Bild angehalten?“), sondern es wird dort auch in einem Detailgrad gemessen, den die Spieler selbst in der Realität gar nicht wahrnehmen oder gar beeinflussen können. Auswirkungen auf den nachfolgenden Bewegungsablauf hat so extrem knappes Abseits keinen. Das nachträglich abzupfeifen bietet keinen Mehrwehrt im Sinne eines fairen sportlichen Wettbewerbs.
Die Millimeterentscheidungen wird es aber immer geben. Wenn man eine „Im Zweifel für den Stürmer“-Zone einführen würde, gäbe es an den Grenzen ja immer noch die Millimeterentscheidungen. Nur auf die Linienrichter zu setzen birgt auch die Gefahr einer Fehlentscheidung. Man könnte eine Challenge einführen, für den Fall, dass man die Entscheidung des Linienrichters anzweifelt, aber es bleibt die Frage wie oft man challengen darf. Dann könnte man noch sagen „Im Zweifel immer ein Tor“ oder „Im Zweifel nie ein Tor“. Eine für alle Seiten zufriedenstellende, gut umsetzbare und praktikable Lösung wird es nicht geben.
Wenn ein Stürmer so weit vorne steht, dass er auch an der Grenze einer möglichen Toleranz agiert, geht er bewusst das Risiko ein (vorausgesetzt, dass die Toleranz groß genug ist). Wenn wir aber darüber diskutieren, ob der dicke Zeh des Stürmers vor der Nasenspitze des Verteidigers war, ist es einfach nur reiner Zufall, ob Abseits oder nicht, da das für die Spieler unkontrollierbar ist.
Wenn es sich im Spiel für den Stürmer so „anfühlt“, dass er neben dem Verteidiger und somit auf gleicher Höhe ist, dann darf es kein Abseits sein. Wenn er versucht, die Toleranz auszunutzen, dann muss er auch einen Schritt weiter vorne sein und das merkt man als Spieler - vor allem auf diesem Niveau. Kein Spieler merkt aber wo seine Nasenspitze im Vergleich zu der des Gegners ist.
Ohne VAR wurden solche sehr knappen Dinger nicht gepfiffen, weil der Linienrichter das auch nicht sehen kann. Mit VAR werden Abseitsstellungen gefunden, die eig. gar keine sportliche Relevanz haben.
Dann kann den VAR für Abseits aber auch komplett abgeschafft werden. Wenn der Linienrichter Abseits anzeigt, ist es Abseits und wenn er es nicht anzeigt, dann nicht. Finde ich grundsätzlich auch nicht schlimm, man muss es nur kommunizieren. Fehlentscheidungen gleichen sich natürlicherweise dann auch aus.
Die Entscheidung zum Handelfmeter für Frankfurt finde ich wieder mal grundfalsch. Der BVB-Spieler (ich glaube Wolf) spreizt den Arm ab, ja: weil man das so macht, wenn man schiessen möchte! Dann wird ihm da aus kürzester Entfernung die Hand vom Ball touchiert und es wird nach VAR und Schiedsrichter am Bildschirm (!) noch auf Elfmeter entschieden.
Die anhaltende Tendenz, der Absicht so wenig Gewicht zu geben bei der Beurteilung von Handspielen finde ich im low-scoring-game Fussball - um es vorsichtig zu sagen - unangemessen. ![]()
Das sehe ich genauso. Gerade die „Fußspitzen“-Abseitse führen da völlig in die Irre: im Sprint ist halt mal ein Fuß weit vorne, später der andere, dazwischen aber sind auch mal beide in etwa unter dem Körperschwerpunkt. Wenn man jetzt bei Aufnahme des Bildes (Frames) den Angreifer in der Fußposition weit vorne erwischt, den Abwehrspieler in der Mittenposition, dann sieht es nach Abseits aus, einen halben Schritt später wäre es dagegen keins.
So etwas als Abseits zu pfeifen, ist schlicht und einfach nicht mehr im Sinne der Regel, die ja für „gleiche Höhe“ seit langem kein Abseits mehr vorsieht - und die Körperschwerpunkte wären in der geschilderten Situation ja auf gleicher Höhe.
Man kommt in dieses Dilemma nur durch den VAR, denn nach dem 12. Standbild mit eingelegter Linie hat sich der Eindruck verfestigt, dass ein Körperteil weiter vorn und somit Abseits war, auch wenn darauf in Live-Geschwindigkeit niemand käme.
Ist ja bei Hand nicht anders: da dreht sich ein Spieler heutzutage vom Ball weg, wird aus 2m an den Ellbogen geschossen, wo man in Live-Geschwindigkeit nie auf die Idee käme, das sei „Absicht“ gewesen; nach genügend vielen Zeitlupen gewinnt man dann aber doch den Eindruck, dass die Körperfläche durch eine „unnatürliche“ Armhaltung vergrößert war … und dem Schiri bleibt nichts übrig als zu pfeifen, weil ihm der Shitstorm ansonsten sicher wäre.
Dieser Typ von reinen „Zeitlupen-Entscheidungen“, die erst durch den verlangsamten Bewegungsablauf strawürdig erscheinen, macht auch aus meiner Sicht den Fußball in keiner Weise „gerechter“.
Man könnte sagen, dass jedes Handpiel im Strafraum strafbar ist, dafür gibt es aber nicht Elfmeter sondern indirekten Freistoß.
Könnte man machen, aber wenn die Absicht endlich richtig gewichtet würde, wäre gar keine Regeländerung nötig.
Beim Handspiel muss (aktuell) meiner Meinung nach zwingend danach entschieden werden, ob die Körperfläche vergrößert ist. Denn der VAR kann in seiner jetzigen Form nur funktionieren, wenn er nach Regeln agiert, die eine nahezu 100% Quote ermöglichen.
Ob der Arm angelegt ist, oder nicht, kann man sicher entscheiden. Ob die Bewegung „natürlich“ war, hat immer einen Ermessensspielraum. Wenn man den VAR einsetzt, muss man nach der eindeutig bewertbaren Auslegung gehen. Dann erreicht man „Gerechtigkeit“ oder „Fairness“ durch den VAR, weil alle Situationen die selbe, objektive Bewertungsgrundlage haben.
Es hat jedoch nicht zwingend einen sportlichen Mehrwehrt. Theoretische Korrektheit wird hier über den sportlichen Wettbewerb gestellt.
Im aktuellen Stand? Definitiv. Vielleicht kann man Abseits eines Tages tatsächlich automatisiert mit einer gewissen Toleranz entscheiden. Aber aktuell ist es nur eine Verschlimmbesserung.
Ggf. könnte man noch sagen, dass der VAR hier nur eingreift, wenn ein Angreifer krass im Abseits steht (ab x Metern) und der Linienrichter schläft. Aber diese Zeitlupenuntersuchung führt zu nichts.
Das blöde ist halt, dass diese Verantwortlichen sich auch nur zu Wort melden, wenn sie die Leidtragenden sind. Evtl. Vorteile nimmt man dann gerne mit.
In dem Fall den Hellmann anprangert, hat der VAR absolut korrekt funktioniert und Schröder hinausgeschickt.
Dass der nach dem ersten Elfer nicht mehr die Eier hatte einen zweiten, ausgerechnet gegen den BVB, zu geben? Das war die Crux an der Sache.
Menschlich verständlich. Wir wissen alle was sie mit dem gemacht hätten.
Aber für die Schiedsrichterei ein Fiasko.
Im Grunde müsste Schröder jetzt erstmal auf die Arme-Sünder-Bank zum Abkühlen.
So eine Leistung sollte nicht ohne Konsequenzen bleiben.
dann gibt es in 99% keinen Elfmeter, denn wer, außer er steht auf der Linie und verhindert ein klares Tor, spielt denn sonst „absichtlich“ den Ball mit der Hand und riskiert damit ein fast sicheres Tor???
Besser fände ich die Lösung, Handspiele nach deren Auswirkung stärker zu gewichten: Nimmt der Ball eine vollkommen andere, von der ursprünglich zielgerichtet auf das Tor oder einen Angreifer abweichenden Richtung: Elfmeter. Wird der Ball kaum abgefälscht oder wäre eh ins Aus, aus dem 16er oder zum Gegner geflogen: Indirekter Freistoß. Das Problem dabei ist natürlich, dass es weiter Interpretationsspielraum und damit Diskussions bedarf gibt. Aber die hast du bei „Absicht“ ja auch per Definition. Man müsste den Spieler ja strenggenommen fragen, um eine Absicht herauszufinden. (finde den Fehler)
Dass es viel zu viele Handelfmeter gibt, ist ja genau der Punkt. ![]()
Wahrscheinlich müsste man auch ein absichtliches Vergrößern der Körperfläche mit rein nehmen. Im Moment wird aber jede noch so natürliche Lauf- oder Sprungbewegung der Arme als strafwürdiges Vergrößern ausgelegt.
Ich denke, eine Absicht lässt sich schon ganz gut erkennen, wenn man selber Fussball spielt oder gespielt hat. Und die Schiedsrichter können das auch, aber die vorgegebene Auslegung wünscht das im Moment halt leider nicht.
Ich finde den VAR bei Abseits in Ordnung. So hätten wir damals gegen Real vermutlich nicht verloren. Die sehr knappen Entscheidungen nehme ich in Kauf. Insgesamt finde ich es gerechter als früher, wo teils klare Abseitspositionen nicht erkannt wurden.
Mit Absicht so wie Suarez bei der WM 2010 spielt ja äußerst selten ein Spieler Hand. Meistens ist man etwas unaufmerksam die und hat die Hand nicht ganz unter Kontrolle. Daher finde ich Absicht alleine nicht so gut als Bewertungskriterium. Vergrößerung der Körperfläche ist da objektiver. Dabei sollte man aber auch den größeren Kontext beachten. Hat das Handspiel des Spielers der verteidigenden Mannschaft einen Vorteil erbracht (z.B. der Spieler konnte nur durch die Benutzen des Arms den Ball unter Kontrolle bringen oder einen Schuss blocken) oder nicht? Wenn nicht sollte es eigentlich auch kein Handspiel sein, denn man hatte auch keinen unfairen Vorteil.
Wird wahrscheinlich technisch schwer machbar sein, aber evtl sollte es Handelfmeter nur geben, wenn ein Schuss aufs Tor geblockt wird.
Oder einfach das ganze System an ne KI abgeben, komplett den Schiri abschaffen, unfairer als jetzt wird es dadurch auch nicht werden…
Was ist mit den Fouls, wenn einer fast schon den Strafraum verlässt? Jonas Hoffmann by the way…
Wäre ja das Äquivalent dazu.
Eigentlich ist die Regel bzgl. Strafstößen doch eh schon eine total willkürliche Auslegung, denn wie oft hört man denn den Satz: „Es war schon ein Foul, aber für einen Elfmeter zu wenig.“ Das entspricht eigentlich nicht dem Regelwerk.
Von daher wäre es mMn schon sinnvoll, den Elfmeter als eine besondere Form der Bestrafung einzuführen und klar festzulegen, dass nur Fouls, die eine klare Torchance verhindern bzw. nur Handspiele, die einen Abschluss mit voller Absicht abblocken, zum Elfmeter führen. Die restlichen Vergehen im Strafraum werden mit Freistoß geahndet.
Ist ja das gleiche wie mit „Also in nem Finale kann man sowas doch nicht pfeifen“. Sowas darf niemals ne Rolle spielen bei der Bewertung eines Fouls oder Handspiels.
Finde die Idee eigentlich gar nicht schlecht, aber natürlich gibt es da auch wieder Spielraum, den wird es aber immer geben.