Das stimmt nur zum Teil. Denn hier ging es nicht um Social-Media-Frust, sondern der Auslöser war ein konkreter Kommentar und letztlich auch die Reaktionen darauf. Ich halte diese Kritik für berechtigt und auch auf dich beispielsweise bezogen.
Denn nein, das war keine Sané-Häme, sondern Teil einer Problemanalyse, zu der ein vergleichendes Beispiel herangezogen wurde. Wenn wir in die Sprachanalyse gehen, ist „Sané-Häme“ keinesfalls der angemessene Ausdruck. Bei dir stört es mich vielleicht weniger, weil ich bei dir eine flapsige Art festmache und dein Kommentar insgesamt ausgewogener war, aber was bedeutet denn „Sané-Häme“ konkret? Letztlich, dass der arme Díaz mit dem viel zu schwachen Sané verglichen wird, auf dem hier im Forum ja ohnehin schon seit Jahren verbal „rumgeprügelt“ wurde. Ich finde es falsch, den Vergleich so aufzufassen. Ich finde es falsch, Díaz jetzt schon derart über Sané zu stellen, dass ein Vergleich plötzlich als unwürdig erscheint. Denn das verkennt, was Sané bei aller berechtigten Kritik geleistet hat und wird dieser Zeit nicht gerecht. Und mit diesem Teil der Kritik dürfen sich gern ALLE angesprochen fühlen, die sich an dem Vergleich stören. Da finde ich es in Ordnung, auch das Wort „man“ zu benutzen.
Ich bin Teil dieser gesamten Online-Welt und auch hier stehe ich dazu, dass wir uns alle viel zu sehr an den Dingen aufhängen, die uns stören. Der Unterschied zwischen einem Artikel und einem vierzeiligen Kommentar, der diesen (aus meiner Sicht) unangemessen kritisiert, ist, dass die eine Seite sich um eine sachliche Einordnung und Analyse bemüht hat. Mit viel Aufwand. Und dann stört es mich, wenn Einzelne das derart abwerten und dafür noch die Anerkennung bekommen – sei es per Like oder per ähnlicher Antwort. Jetzt frage ich dich: Wie käme das denn bei dir an, wenn ich auf eine deiner längeren Ausführungen zu den Spielen hier sowas antworte: „Das ist ja wirklich absoluter Unsinn, sorry, das kannst du ja nur behaupten, weil du ein absoluter Fanboy bist.“
Würde dich das kalt lassen? Fändest du das in Ordnung? Jetzt stell dir vor, neun Leute liken diesen Beitrag. Zwei reagieren in eine ähnliche Richtung, aber angemessener und niemand sagt, dass das vielleicht eine Nummer zu unangemessen ist, also keiner springt dir an die Seite.
Natürlich habe ich dann schnell das Gefühl, dass es eben nicht nur ein Einzelner ist, sondern dass es vier, fünf, sechs oder mehr Leute sind, die das unterstützen. Deshalb gibt es dann eben auch mal eine etwas allgemeinere Antwort. Das bedeutet zeitgleich aber nicht, dass meine ersten Antworten angemessen waren, das habe ich bereits gesagt, dass das nicht in Ordnung war.
Manchmal wäre es trotzdem schön, wenn es gedanklich eine Rolle spielen würde, was dahinter steht. Und wenn ich gesamte Online-Welt schreibe und mich mitmeine, dann nehme ich diesen Kritikpunkt natürlich an:
Nicht so oft. Das stimmt. Im Podcast gehe ich hin und wieder auf einzelne Punkte ein und benenne sie dann auch namentlich, wenn ich sie gut finde. Meine Repliken lassen ein „ich sehe deinen Punkt“ oder „das finde ich richtig“ oder was auch immer oft vermissen, da stimme ich dir dennoch zu.
Das stimmt so einfach nicht. Wir bekommen Lob und es geht mir überhaupt nicht darum, mehr Lob einzufordern, das ist Quatsch. Aber „haufenweise Leute“ und „ständig“ sind absolute Übertreibungen und das entspricht nicht der Realität.
Ich verstehe deine Kritik an mir und würde das in deiner Position vermutlich ganz genauso sehen.
Aber auch nochmal ganz allgemein: Der Unterschied zwischen den User*innen, die sich hier glücklicherweise die Zeit nehmen, regelmäßig Beiträge zu schreiben und mir, ist, dass ich den ganzen Laden hier am Laufen halten muss. Dass ich den Druck verspüre, möglichst viel und gleichzeitig qualitativ hochwertigen Content zu produzieren und dass es mit „dann mach halt weniger“ nicht getan ist. Denn sobald ich weniger mache, haben wir direkt ein Reichweitenloch für zwei, drei Wochen, aus dem wir erstmal nicht herauskommen.
Ich organisiere Content, ich produziere selbst Content, ich diskutiere intern mit unseren Autor*innen, ich hake nach, wer mich bei welchem Thema unterstützen kann, ich versuche, unseren Socialauftritt zu managen, ich produziere einen Podcast nahezu im Alleingang. Was Vorbereitung, Aufnahmezeit, Produktion in Schnitt und Bearbeitung bedeutet. Selbst im Urlaub habe ich zwei Artikel geschrieben und zwei Folgen Podcast produziert (wenn auch nicht selbst aufgenommen). Ich versuche mich hier im Forum zu beteiligen, weil ich glaube, dass das sinnvoll ist. Und selbst dieser von mir mitverursachte Scheißverlauf hier gibt mir recht darin, weil ich mit Abstand wieder Feedback mitnehmen werde, das mir als Person hilft, in Zukunft Dinge besser zu machen. Und weil ich den Austausch insgesamt auch schätze. Ich beantworte Anfragen, ich suche nach Möglichkeiten, weiter zu wachsen, analysiere Zahlen, Einnahmemöglichkeiten und schaue, dass jeder einzelne Artikel, auch die, die nicht von mir sind, gut auf der Seite aussehen. Sprachlich und optisch. Ich muss mich teilweise um Dinge kümmern wie „Autor X hat Probleme mit der VG Wort“, wovon ich keinen Schimmer habe, also muss ich mich da erstmal einlesen. Ich muss technische Probleme lösen, von denen ich keinen Schimmer habe. Manchmal muss ich sogar rechtliche Fragen klären, weil uns jemand ans Bein pinkeln will.
Und zusätzlich muss ich woanders mein Geld verdienen. Denn das, was Miasanrot einnimmt, bewegt sich monatlich zwischen 1.200 und 1.600 Euro. Brutto. Bedeutet, ich muss für andere Medien arbeiten. Ein Tag mit einer Acht-Stunden-Schicht für Medium X wird dann gern zu einer 14-Stunden-Schicht. Selbst beim Sport „arbeite“ ich oft. Wenn ich drinnen Fahrrad fahre, schaue ich mir beispielsweise Videos an, um meinen Wissensstand in der Analyse nicht zu verlieren und den Überblick zu behalten.
Ja, ich bin manchmal überarbeitet. Und nein, ich will hier kein Mitleid und auch keine Sorgen, mir geht es trotz des Tons, den ich hier gerade anschlage, gut. Ich kenne meinen Körper und meine Psyche gut und ich weiß, was ich aushalten kann und was nicht. Und ich liebe meine Arbeit meistens auch. Aber eben auch nicht immer.
Was ich mir manchmal wünsche, ist etwas Verständnis im Umgang. Ich will keinen Freifahrtschein für Beleidigungen, wie ich sie hier im Thread genutzt habe. Dafür werde ich zu Recht kritisiert. Aber etwas mehr Verständnis dafür, dass es bei mir manchmal durchbrennt und ich dann in Hoeneß’scher Manier zum Rundumschlagsventil greife, wäre manchmal durchaus schön.
Ich weiß um meine Macken und Fehler und ich weiß, dass ich manchmal lieber auf das „X“ drücken sollte, als zu antworten. Vielleicht sogar wieder mit diesem Post, weil ich jetzt schon Angst davor habe, was mich für Antworten erwarten.