Ich denke schon, dass eine Änderung der Regel gegen Ende des Spiels zu mehr Härte führen würde. Der Spieler würde auch bei 50:50 Entscheidungen ob er jetzt reingrätscht oder nicht eher die riskantere Variante wählen. Die Folgen wären nicht so schlimm.
Ich möchte noch den umgekehrten Aspekt ins Spiel bringen: wenn ein Spieler im nächsten Spiel (oder mehreren) ausgeschlossen wird, ist das unter Umständen ein Vorteil für ein Team, das mit dem ursächlichen Foul gar nichts zu tun hat.
Beispiel: ein Top-IV (sagen wir Upa) begeht kurz vor Spielende ein grobes Foul, der Gegner verletzt sich dabei schwer, rote Karte; Bayern gewinnt das Spiel trotzdem. D.h., die Geschädigten haben nichts von einer Sperre, aber der nächste Gegner ist evtl. der lachende Dritte …
Die Bestrafung des Spielers und die abschreckende Wirkung für Spieler und Mannschaft steht im Fokus. Der Nebeneffekt ist nicht so gewichtig im Vergleich.
Mich überrascht gar nix mehr. Die Trumps und Infantinos dieser Welt schämen sich ja gar nicht mehr, die tragen ihre Korruption offen zur Schau. Und so richtig neu ist das Thema auch nicht. Bei diesem seltsamen etwas älteren portugiesischen Kicker wurde eine Sperre auch so reduziert, dass er bei der WM teilnehmen kann. Fand ich damals schon zum kotzen. Cristianos Ronaldos Sperre auf Bewährung - keine Überraschung | sportschau.de
Gegenbeispiel: Urugay gegen Ghana, WM 2010, letzte Minute. Suarez blockt den Ball (der zu 100% im Tor gelandet wäre mit der Hand. Der fällige Elfmeter wird verschossen.
Soll so ein Spieler im nächsten Spiel wieder mitmachen dürfen?
Gibt aber halt auch andere Szenarien. Notbremsen in der Schlussphase haben halt dann einfach kaum mehr negative Konsequenzen. Da ist der Benefit einer roten Karten dann noch viel höher.
In K.O-Spielen mit Hin- und Rückspiel vllt sogar noch extremer. Du trittst den Starspieler des Gegners in der 85. Minute rücksichtlos um, ohne Konsequenzen fürs Rückspiel.
Die Regel gibt es nunmal im Fussball und sie gibt es in anderen Sportarten auch. (z.B. Rugby, Eishockey) . Manchmal ist es ungerecht, manchmal nicht. Ich halte nichts davon die Regeln noch mehr zu verkomplizieren, d.h. bei der einen Art von roten Karten keine Folgesperre, bei anderen Arten eine Folgesperre von X Spielen.
Man sieht ja beim VAR bzw. Handspielregelung, dass der Versuch mehr Gerechtigkeit durch mehr und kleinteiligere Regeln eindeutig gescheitert ist. Bzw. müssen solche Gerechtigkeitsversuche m.E. beim Fussball auch scheitern, da das Spiel einfach komplex ist und Szenen/Zweikampfsituation eben nicht vergleichbar sind.
Da würde ich jetzt sagen: Wenn der gefoulte Spieler 3 Monate verletzt ausfällt und 3 weitere Monate nicht bei 100% ist, dann profitieren davon sogar eine ganze Menge unbeteiligter Teams.
Zudem eine Strafe ja keinen Schadensersatz darstellen soll. Das sollte nicht vermischt werden.
Die Restspielzeit spielt immer eine Rolle bei der Einschätzung “ziehe ich jetzt eine Notbremse, und mein Team schafft es die restlichen 5min/40min/80min die Führung über die Zeit zu bringen?”. Das kannst du halt auch nicht trivial ändern. Sowas wie “rote Karten nach der 80. Minute bringen ein Spiel Sperre mehr” oder sowas, ist halt auch irgendwie Quatsch.
Du kriegst es nicht völlig “fair” hin. Die/Der eine oder andere erinnert sich an Suarez’ Handspiel in der 120. Minute bei der WM 2010. Unsportlich klar. Sperre klar. Aber was nützt das Ghana? NB: Ich fand das weniger schlimm, als Henrys Handspiel in der Quali gegen Irland zur selben WM. Immerhin ist bei Suarez alles innerhalb des Regelwerks abgelaufen, bzw. innerhalb des Regelwerks korrekt sanktioniert worden. Die Regel “ein absichtliches Handspiel zur Torverhinderung führt zu Strafstoß und Platzverweis” ist umformuliert eben auch “ein Spieler ‘darf’ seine restliche Spielzeit eintauschen gegen eine Verringerung der Torwahrscheinlichkeit von 100% auf ~75%”. Alles ‘regulär’. Aber in der Diskussion um Sperren und deren Fairness, weiß ich nicht, was du da anders machen willst. Nagut, Basketball hat “goal tending”, könnte man im Prinzip hier auch machen…
Jetzt bin ich etwas vom Thema “Sperren” abgekommen. Naja.
Ich denke, dass niemand hier fordert, dass rote Karten generell keine Sperre nach sich ziehen sollen. Ich persönlich würde nur den Automatismus rote Karte = mindestens ein Spiel Sperre hinterfragen.
Diskussionen bzgl. der Sperre hat man auch mit der alten Regelung noch zur Genüge. Wann bleibt es bei dem einen Spiel? Wann werden es 2 oder 3? Jetzt kommt eben noch die Option gar keine Sperre dazu. Das sollte auch zu schaffen sein.
Übrigens: eine klare Notbremse oder ein absichtliches Handspiel auf der Torlinie in der Schlussphase sind klare Unsportlichkeiten und es gibt deshalb keinen Grund, hier pauschal auf die Sperre zu verzichten.
Wenn ich die Diskussion so verfolge, wird Donald Trump vielleicht doch noch als großer Reformer in die Fußballgeschichte eingehen. ![]()
Die jetzt diskutierten Sportarten haben meist deutlich weniger Spieler am Platz wenn ich beim Basketball einen von 5 vom Platz Stelle ist das schon erheblich im Vergleich zu einer von 11.
Im Fußball ist es so dass die rote Karte eigentlich für grobe Unsportlichkeiten gilt und da greift dann auch ein bisschen der Erziehungs Aspekt. Ich finde das durchaus legitim und in Ordnung.
Und die Allgemeinhaltung der Regel hat den Vorteil, dass es keine Fragen gibt warum wird er nicht gesperrt und der wird gesperrt? Daher alle ein Spiel gesperrt und wenn es sein muss wird eine längere Sperre geprüft passt schon.
Das wichtigste ist aber dass regeln für alle gleich sein müssen egal ob ein orangener Clown aus einer weißen Baustelle anruft oder nicht
Hier stellt sich nur die Frage nach der dreifachen Sanktionierung: Beide Aktionen ziehen ohnehin 1) einen Strafstoß nach sich und sind obendrein nicht ganz so unsportlich, wie rohes Spiel oder eine Tätlichkeit. Sind hier 2) Platzverweis und ggf. 3) zusätzlich auch noch eine längere Sperre wirklich angemessen?
Es ist dann fair wenn es für alle gleich gilt. Die Idee mit goaltending find ich nicht schlecht nur kommt es dann wieder war es Absicht oder nicht. War es handelt oder nicht? Wäre er überhaupt ins Tor gegangen. Aber sonst eigentlich coole Idee wenn ein illegales Handspiel das mögliche Tor verhindert. Dafür statt rot nur gelb. Nur welcher Schiri hat die Eier das zu pfeifen…
Bei einer roten Karte entscheidet immer ein Sportgericht über die zu verhängende Strafe. Das kann die Strafe auch aufheben. Tut es aber nur unter sehr engen Voraussetzungen. Soweit ich weiß, nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen. Bei der Länge der Sperre hat es aber meistens einen Ermessensspielraum und kann da Faktoren wie Zeitpunkt, Schweregrad und Wirkung des Vergehens, doppelte/dreifache Bestrafung (ist aus dem folgenden Frei-/Strafstoß ein Tor erzielt woden?), etc. berücksichtigen.
Man kann hier natürlich den Ermessensspielraum noch flexibler gestalten, aber das schiebt halt mehr Verantwortung an den „grünen Tisch“. Wollen wir das wirklich?
Bei dem Niveau, das manche Schiedsrichter an den Tag legen, würde ich sagen: je mehr Entscheidungen am grünen Tisch, desto besser.
Bei der Willkür, die Schiris in Kombination mit VAR bei Fouls an den Tag legen, muss mMn dringend die Option her, dass es auch ohne Sperre gehen kann.
Ja (20 Platzverweise)
Ernsthaft? Ausgerechnet nach den Vorgängen um Balogun hältst Du es für eine gute Idee, mehr nachträglich am grünen Tisch entscheiden zu lassen?
Weil wir ja davon ausgehen dürfen, dass die Gremien in aller Ruhe so viel unabhängiger und fairer urteilen werden als der Feldschiedsrichter …
Tatsächlich. Der Fall Balogun war ein Skandal und zwar, weil das zuständige Gremium gegen die eigentlichen Regeln gehandelt hat. Wenn es den Fall des Verzichts auf eine Sperre allerdings klar verankert im Regelwerk geben sollte, bin ich der Meinung, dass die Entscheidung des Sportgerichts die bessere von zwei schlechten Optionen ist.
Meine Idee dahinter: Messi und Balogun begingen in etwa die gleichen Vergehen. Messi hatte das Glück, dass ihn der VAR am Leben ließ, Balogun nicht. Die Schiedsrichter waren in beiden Fällen aus dem Spielverlauf her gegen eine rote Karte. Diese Entscheidung einmal pro und einmal gegen den Spieler, sorgte (und das wird immer so sein) dafür, dass Messi das Spiel fortsetzen durfte und Balogun nicht. Das bestehende Regelwerk (wäre es von der FIFA nicht gebrochen bzw. massiv gebeugt worden) hätte dann dafür gesorgt, dass der bestrafte Spieler zusätzlich noch ein weiteres Spiel verpasst.
Fakt ist: was wir bei dieser WM, aber auch bei anderen Wettbewerben (und auch mit Schiedsrichtern aus „großen“ Nationen) in Sachen Schiedsrichterleistungen erleben, erweckt bei mir nicht den Eindruck, dass man der Kombination aus Schiedsrichter und VAR die Entscheidung über so weitreichende Dinge wie Einflussnahme auf das Spiel, das sie pfeifen UND automatische Einflussnahme auf das Folgespiel, überlassen sollte, nur aus Angst, dass Sportgerichte es allgemein noch schlechter machen. Ich denke, dass Sperren allgemein in die Hände von Sportgerichten gelegt werden sollten und diese auch mal auf eine Sperre verzichten können, auch wenn die rote Karte keine Fehlentscheidung war.
Das ist nur meine Meinung. Ich kann auch die Gegenpositionen verstehen. Ändern wird es ohnehin keiner der hier an der Diskussion beteiligten Personen.
Danke für Deine differenzierte Antwort!
Das finde ich alles nachvollziehbar. Ich würde allerdings die Option “keine Sperre” klaren Fehlentscheidungen vorbehalten lassen. Also im Falle Balogun: Das war ein Foul (unglücklich hin oder her), daher ein Spiel Sperre. Dass Messi ungeschoren davon gekommen ist, ist ärgerlich und ungerecht, gehört aber zu den Entscheidungen, die man hinnehmen muss, wenn die Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters auf dem Feld noch irgendeinen Wert haben sollen.
Ich würde auch keine Hoffnung darein setzen, dass nachträgliche Entscheidungen von Sportgerichten für mehr Gerechtigkeit sorgen. Zum einen, weil so viele Entscheidungen im Graubereich sind - das ist im Zuge der Frage, ob der Videobeweis den Fußball gerechter macht, schon ausgiebig diskutiert wurden. Zum anderen eben wegen der Sorge, dass der Einflussnahme aus nichtsportlicher Motivation heraus Tür und Tor geöffnet würde.
Mir geht es generell eher um den Automatismus:
rote Karte (gelb/rote Karte ebenso) heißt, dass man automatisch auch mindestens im nächsten Spiel aussetzen muss (außer es war eine klare Fehlentscheidung). Die Logik dahinter hat sich mir noch nie ganz erschlossen.
Ich wäre da für mehr Differenzierung.