Nagelsmann: Entlassung kam zu früh

Was willst du da für eine angebliche Aussage rausgelesen haben?

Schon Otto Rehhagel hat nach seiner Entlassung 1996 verkündet, dass Bayern mit ihm auf der Bank noch Meister geworden wäre und den UEFA-Cup geholt hätte. Man kann ihn nicht mit 100% Sicherheit widerlegen. 10 Punkte aus den letzten 4 Spielen hätten im Nachhinein gereicht. Beckenbauer holte in der Liga nur 4. Wer weiß, was Otto geschafft hätte?
Als Ancelotti entlassen wurde, hatte Bayern eine Bilanz von 13 Punkten aus 6 Spielen. Schalke wurde in dieser Saison mit 63 Punkten Tabellenzweiter. Der Punkteschnitt von 2,17 Punkten, den Bayern unter Ancelotti bis zu dessen Entlassung holte, hätte also locker für die Meisterschaft gereicht. Somit kann man auch Ancelotti nicht widersprechen, wenn er sagt, er hätte die Bayern schon wieder in Spur gebracht und möglicherweise sogar zum CL-Sieg führen können.
Es ist eben selten eindeutig zu sagen, ob ein Trainerwechsel wirklich sinnvoll war, oder ob der alte Trainer es nicht auch so oder sogar besser hinbekommen hätte, vor allem wenn es um einen Klub wie Bayern geht. Denn bei Bayern hat jeder Trainer beinahe zwangsläufig seine Topspiele bzw. Titel vorzuweisen. Sogar Kovac kann mit dem 5:0 im Titelduell gegen den BVB, dem furiosen 5:1- Sieg gegen Frankfurt zum Saisonfinale, dem souveränen 3:0 über RB Leipzig im Pokalfinale oder sogar in seinem 2. Jahr mit dem 7:2 in Tottenham Argumente liefern, dass seine Vorstellung von Fußball durchaus erfolgreich und spektakulär sein konnte.
Natürlich hat auch Nagelsmann einiges auf der Habenseite anzubieten. Daraus irgendwie schlusszufolgern, dass es mit oder ohne ihn jetzt besser laufen würde, ist aber reine Spekulation.
Fakt ist, dass einige Dinge im Argen lagen, für die er nicht alleine verantwortlich ist, die sich aber auch nicht einfach wegreden lassen bzw. mit fehlender Erfahrung einfach aussitzen lassen.

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Na diese:

Keine seriöse Aussage, weil schlicht niemand weiß, wie wir mit Nagelsmann gegen Freiburg und City gespielt hätten.

Ich zweifle stark an, dass mit Nagelsmann die Saison besser gelaufen wäre.

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Ist doch egal wie wir mit Nagelsmann gegen die gespielt hätten, der ist nicht mehr da. Der reine sportliche Erfolg ist bisher nicht schlechter als letzte Saison. Zumal theoretisch eine minimale Restchance auf ein weiterkommen gegen City besteht. Wenn man noch den spielerischen Aufwärtstrend nimmt, der in den vier bisherigen Spielen erkennbar war, hat man mit dem Trainerwechsel sportlich nichts falsch gemacht.

Um das in dieser Absolutheit zu behaupten, bräuchte man eine Glaskugel.
Hätten wir mit Nagelsmann gegen Freiburg und City gewonnen, wäre der Trainerwechsel sportlich gesehen eine Vollkatastrophe.
Du betreibst Kaffeesatzleserei und verkaufst pure Spekulation als Fakt.

Mir ging es ja nicht um die Vergleichbarkeit von Terzic und Nagelsmann, sondern ob man eine Saison mit einem Trainer der zum Saisonende abgelöst wird, noch eine gute Restsaison spielen kann.

Mir ist jetzt aber immer noch nicht klar, warum es dann richtig war, Nagelsmann jetzt zu entlassen und nicht zum Saisonende? Du kannst nicht beides haben: Entweder wir mussten Nagelsmann jetzt entlassen, um die Saison zu retten oder die Saison ist eh gelaufen, da kann Tuchel nichts mehr richten.

Nur, wenn man annimmt, dass es mit Nagelsmann besser gelaufen wäre. Das ist aber unseriös spekulativ. Die Zahlen geben bisher keine sportliche Verschlechterung her. Also kann man seriös behaupten, dass man sportlich nichts falsch gemacht hat. Das könnte man nur, wenn die Zahlen das auch hergeben.

Oder man sagt, dass man Nagelsmann nicht zutraut stabil zu werden und man diesbezüglich sein Vertrauen in Tuchel setzt. Es gibt schon noch was zwischen Saison retten und sportlich gelaufen. Wenn Tuchel die Mannschaft festigt, hat man es doch richtig gemacht, auch im Hinblick auf nächste Saison.

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Darum habe ich im Konjunktiv formuliert.
„Mit Nagelsmann wäre es besser gelaufen“ wäre genau so unseriös wie „Mit der Trainerentlassung hat man sportlich nichts falsch gemacht“.

Wir haben gestern in einer Partie mehr Gegentore kassiert, als in der kompletten CL-Saison.
Ist schon eine deutliche Verschlechterung, wenn du dich schon an Zahlen hochziehen willst.

Dieser Gedankentrick funktioniert aber nur, wenn du dich ausschließlich auf letzte Saison beziehst.
Wenn du das machst, dann darfst du aber Nagelsmann erst recht nicht entlassen. Denn er war ja in in 2 von 3 Wettbewerben erfolgreicher als im Vorjahr.

Es ist jetzt nicht gerade ein Kompliment für Tuchel, wenn du ihm nicht mal zutraust, auf Basis einer WM freien Sommervorbereitung eine Mannschaft zu festigen, sondern er dafür noch die halbe BL-Rückrunde und ein Ausscheiden in Pokal und CL benötigt.

Am Ende zählt das Erreichte und da stehen wir bisher nicht schlechter da als letzte Saison. Für mich ist spielerisch ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar. Tuchel ist in meiner Wahrnehmung seit Guardiola und Flick (und die hatten Kadertechnisch bessere Voraussetzungen) der überzeugendste Trainer und das nach so wenigen Spielen und einer Übernahme in einer laufenden Saison. Nagelsmann hatte seine Chance, aber im Nachhinein kann man feststellen, dass wir zu früh für ihn kamen.
Der Zeitpunkt war überraschend und einigermaßen spektakulär, aber die Verantwortlichen haben für mich bei anderen Themen deutlich mehr Anlass zur Kritik geboten als mit diesem Trainerwechsel.

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Die Frage, ob Nagelsmann mehr erreicht hätte, wird nie zu beantworten sein. Fakt ist: Die sportliche Führung des FCB hat entschieden, dass es mit Nagelsmann nicht weitergeht. Meiner sehr persönlichen Meinung nach vor allem deshalb, weil Tuchel (der schon quasi im Flieger nach Tottenham saß) sonst erneut weg gewesen wäre, aber wie gesagt - nur meine Meinung.

Ich kann sowohl der Argumentation „Nagelsmann hätte es verdient gehabt weiterzumachen“ als auch der Argumentation „so konnte es nicht weitergehen“ etwas abgewinnen. Messen lassen muss sich nun die sportliche Führung vor allem an der nächsten Saison, auch was die Kaderzusammenstellung dann angeht. Bisher waren die reinen Ergebnisse sicherlich nicht das, was man sich vom Wechsel versprochen hat - und ist mit dem Wechsel auch ein gewisses Risiko eingegangen, auch wenn ich durchaus Veränderungen in der Spielweise feststelle, die ich gut finde. Langfristig hat wohl keiner die Glaskugel - auch Brazzo und Kahn nicht. Wir werden sehen.

Macht deine Behauptung nicht seriöser.

Die Meinung kann man durchaus vertreten.

[quote=„Andy, post:98, topic:2868, full:true“]

Dieser Gedankentrick funktioniert aber nur, wenn du dich ausschließlich auf letzte Saison beziehst.
Wenn du das machst, dann darfst du aber Nagelsmann erst recht nicht entlassen. Denn er war ja in in 2 von 3 Wettbewerben erfolgreicher als im Vorjahr.

in welchen denn?

Das ist deine Interpretation, dass habe ich inhaltlich nicht gesagt.

Wie klein ist denn der FC Bayern dann bitte, dass wir es nicht schaffen, Tuchel zur neuen Saison zu verpflichten? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass Tuchel Brazzo die Pistole auf die Brust gesetzt hat und auf einen sofortigen Vertragsbeginn bestanden hat.
Unabhängig davon ist plötzliche Beschäftigung und Kontaktaufnahme mit Tuchel nach einer Niederlage in Leverkusen ein weiteres Argument auf meiner Liste, dass wir es mit absoluten Stümpern in der Führung ohne jegliche Strategie zu tun haben. Ich zitiere hier mal aus einer Kolumne von Alexander Steudel:

Brazzo feuerte in der Länderspielpause Trainer Julian Nagelsmann, weil Thomas Tuchel auf dem Markt war. Das versetzte Fußball-Deutschland und damit auch mich in einen Schockzustand. Nagelsmann hatte nämlich in den fünfeinhalb Monaten zuvor ganze zwei Spiele verloren.

Aber er hatte dabei, meine Theorie, vielleicht ein bisschen zu schlau dahergeredet. Zumindest Brazzo verstand nicht alles. Und als Tuchel (den er vermutlich bald auch nicht mehr verstehen wird) frei war, musste Hoeneß-Erfindung Salihamidzic nicht mehr lange überlegen: Wenn der beste Trainer der Welt auf dem Markt ist, dachte Brazzo, und du den aktuellen Trainer nicht verstehst, dann ist doch alles klar. Dann musst du einfach zugreifen.

Erst danach passierte aber das eigentlich Verrückte: Oliver Kahn, der Chef der Bayern, nickte auch noch freundlich. Und da war er passiert, der seltsamste und am wenigsten nachvollziehbare Trainerwechsel in der Geschichte des Rekordmeisters. Nagelsmann ging, Tuchel kam.

Thomas Tuchel ist ein sensationeller Trainer. Aber auch er ist kein Zauberer. Was Brazzo mitten in der wichtigsten Phase der Saison, in der sich die Bayern normalerweise zum Angriff auf drei Titel formieren, angerichtet hat, kann niemand mehr aufräumen. Gestern im Spiel bei Manchester City haben wir es mit eigenen Augen gesehen: Die Mannschaft ist in Teilen verunsichert, obendrein womöglich enttäuscht und nachhaltig verdattert. Sie ist aus dem Takt geraten.

Denke gar nicht mal, dass Tuchel da die Pistole auf die Brust gesetzt hat - ihm wurde der Job freiwillig zur sofortigen Übernahme angeboten aus Angst davor, dass er woanders unterschreibt.

Pokal-Viertelfinale statt Zweite Runde. CL 8 von 8 Spielen gewonnen, statt 7 von 8 Spielen?

Ich find den Artikel nicht so schlecht.

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Darauf will ich ja hinaus. Tuchel war seit September 2022 auf dem Markt. Man hat ihn, was man so liest und hört, zum ersten Mal kontaktiert nach dem Leverkusen Spiel. Man wollte nicht wissen, was sein Ideen sind oder was sein Plan ist. Nein, man wollte nur schnell den vermeintlich besten Ersatz für Nagelsmann, der aktuell verfügbar war. Und dabei habe ich überhaupt nichts gegen Tuchel. Das Einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist, dass er dieses Kasperle-Theater mitmacht. Aber wahrscheinlich darfst du als Trainer nicht so wählerisch sein. Und wenn schon die Familie in München wohnt, tun die paar Millionen auch nicht weh.
Und wenn Tuchel in knapp 2 Jahren zweimal in Folge verliert, wird dann wieder gewechselt?! Weil Klopp dann frei ist?

Dieses Management wird nicht in der Lage sein, langfristig erfolgreich sein.