Moral & Fussball

Nachdem mir nach kursorischem Überfliegen aller hier existierenden Threads nix passendes ein/aufgefallen mal neuer Thread für speziell solche moralische Themen im Fußball allgemein

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Zeigt für mich vorallem mal wieder wie extrem es werden kann bei den „Moralwächtern“:

Wenn man selbst den DFB so massiv/scharf angreifen muss - obwohl der DFB ja vom allgemeinen Tenor her bei der letzten WM wenn dann so übertrieben einen auf „Moralapostel“ gemacht hat, dass es wohl zumindest mitgespielt hat bei der erneuten Blamage in der Vorrunde auszuscheiden…

…tja wie soll man es solchen Leuten dann jemals recht machen lol…

Ich zitiere der Einfachheit halber mal aus Wikipedia:

" Als soziales Wesen erfährt der Mensch von Geburt an im Normalfall Liebe, die Bereitschaft zum Verzicht und zur Fürsorge. Ohne diese Eigenschaften wäre ein dauerhaftes Zusammenleben in Gemeinschaften nicht möglich. Sie haben sich im Laufe der Evolution entwickelt und die Veranlagung dazu liegt demnach in den Genen. Der Biologe Hans Mohr drückt es folgendermaßen aus: „Wir brauchen moralisches Verhalten nicht zu lernen – es ist eine angeborene Disposition, die uns befähigt, das moralisch Richtige zu treffen.“[4] Die konkreten Moralvorstellungen eines Menschen sind jedoch kulturell überprägt: Sie äußern sich etwa in der „goldenen Regel“, in religiösen Handlungsvorschriften (etwa die Zehn Gebote im Judentum und Christentum, die Fünf Silas im Buddhismus oder die Traumzeit-Mythologie der australischen Aborigines[5]) oder in den Rechtsnormen der modernen Staaten. Trotz der moralischen Veranlagung können Erziehung und ideologische Manipulation selbst destruktive Verhaltensweisen zum angeblich „Guten“ erheben, die den eingangs genannten Eigenschaften komplett widersprechen."

Viel mehr möchte ich dazu gar nicht schreiben - der Begriff der Moral alleine ist schon sehr schwierig philosophisch zu erfassen. In einem (nahezu) ungezügeltem kapitalistischem Kleinsystem wie dem Profifußball von so etwas wie" Moral" zu reden, scheint mir persönlich wirklich absurd. Das darf selbstredend jeder gerne anders sehen.

„Als soziales Wesen erfährt der Mensch von Geburt an im Normalfall Liebe, die Bereitschaft zum Verzicht und zur Fürsorge“

In Deutschland, das ich in der Hinsicht im Ländervergleich nahe dem „best case“ sehen würde, mag das vielleicht gerade noch der „Normalfall“ sein.

In Ländern, in denen es aber zb. mit den Menschenrechten nicht so weit her ist (von nem „outdoor prison“ a la Gazastreifen gar nicht zu reden) fürchte ich ist das IM SCHNITT auch schon nicht mehr der Fall.

Nicht dass es „schlechtere Menschen“ wären sondern weil in so einem Umfeld es wesentlich schwerer sein sollte den Kindern ein behagliches und „wohlbeschütztes“ Zuhause zu schaffen…

Mit allen Konsequenzen, die sowas (von Leuten mit psycholgischen Background zB. habe ich schon mehrfach was in die Richtung gehört „post stress Traumatas im eigentlichen Wortsinne gibt es im Gazastreifen kaum weil der unfassbar traumatisierende Stress dort im Grunde ein reiner Dauerzustand ist und nie aufhört“) dann im weiteren Leben nach sich zieht…

Behaglich und wohlbeschützt ist halt relativ: bei uns ist es das Einfamilienhaus mit gutem Einkommen, in ärmeren Ländern weniger. Denkst du wirklich, dass die Menschen in ärmeren Ländern nicht das Bestreben haben, ihre Kinder sicher und unter den gegebenen bestmöglichen Bedingungen (die sich massiv von unseren unterscheiden) aufzuziehen und zu fördern? Natürlich sind die Bedingungen ungleich schwerer - der Kompass bleibt der gleiche. Das ist ja das, was „Moral“ ausmacht.

Und dann komme ich wieder zum Profifußball zurück: hochbezahlte Millionäre, nicht selten im Falle der PL durch Staatsfonds wie von Katar oder Saudi-Arabien bezahlt. Der englische Fan in Newcastle tanzt auf den Straßen, dass sein Verein wettbewerbsfähig wird. Das, was dahintersteht, ist „Moral“ (fehlende in diesem Fall). Verzicht, Genügsamkeit, Sorge für Mitmenschen.

Seien wir einfach ehrlich, auch als FCB-Fans: in diesem Geschäft bleibt Moral schnell auf der Strecke.

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Das Bestreben spreche ich ihnen (siehe "keine „schlechteren Menschen“) absolut null ab.

Aber siehe dem Extrembeispiel Gazastreifen: umso schwerer die Bedingungen umso schwerer sollte das in der Realität sein dann auch tatsächlich umzusetzen…

Und auch abseits von Extrembeispielen - alleine schon die Zeit und Muse sich damit auseinanderzusetzen wie man den Kindern das bestmögliche Umfeld zu schaffen: Alleine das wird in einem Land wie D im Schnitt wesentlich leichter fallen als in Ländern wo die Leute alleine schon schwer kämpfen müssen um absolute Grundbedürfnisse a la ein vernünftiges Wohnumfeld oder gar die tägliche Ernährung sicherzustellen. Letzteres ist in D zB. selbst für einen Hartz4 Empfänger natürlich nicht perfekt sichergestellt, klar - aber in vielen Ländern der Welt tut man sich sicher selbst als normaler Arbeitnehmer wohl schon wesentlich schwerer auf diesen Stand noch sehr weitab vom Optimum überhaupt Mal zu kommen…

Fest steht natürlich: Moral kann man sich nur leisten, wenn man lebt. Brechts Zitat „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ zielt ja genau daraufhin ab.

Und wieder komme ich auf den Profifußball zurück, weil du ja mit dem Threadthema die Verknüpfung bildest: das ist eben für mich (und ich betone, für mich) jenseits der Moral. Ich akzeptiere es momentan (noch) - weil ich zu sehr FCB-Fan bin. Noch. Viel fehlt aus meiner Sicht nicht mehr, sich angewidert abzuwenden.

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Hmm, widersprechen sich die beiden Aussagen „jenseits der Moral“ und grob „kurz vor dem sich Abwenden“ nicht ziemlich? Zumindest für mich auf den ersten Blick…

Weil ja, um die Frage wie entscheidend für einen selbst die Moral im Allgemeinen und im Fußball im Speziellen sollte es im dem Thread wohl in der Tat unter anderem zentral gehen. Drum dann doch mal noch ein weiteres „Nachbohren“ meinerseits…

Für mich persönlich würde ich für die beiden Fragestellungen aber mal klar antworten - in den meisten Lebensbereichen ziemlich wichtig, beim Fußball aber in der Tat schwer die Widersprüche zu sonst zu vereinen.

Ich würde es aber zumindest so sehen, dass ich von meinem Verein zumindest eine sehr kritische Auseinandersetzung mit moralischen Fragen sehen will. Und das ist für mich beim FCB dann doch wieder sehr klar - im Schnitt mehr als den meisten anderen Top5/10 Clubs in Europa würde ich behaupten? - der Fall in meiner Einschätzung…

Sehe ich genauso :smirk: - sehe es als einen Ausdruck dessen an, wie zwiespältig ich so einiges im Profifußball betrachte. Was mich dabei hält ist das, was auf dem Rasen dann passiert…