Ich finde diese Frage total schwierig zu beantworten und kann mir nicht vorstellen, jemals in der Öffentlichkeit eine ehrliche Antwort von den Verantwortlichen zu bekommen.
Ich kaufe denen schon auch ab, dass da ein guter Wille dabei ist, eine Fußballschule in Rwanda zu bauen und den Kids vor Ort eine Perspektive mehr zu ermöglichen. Und man muss ihnen sicher auch zu Gute halten, dass es keine Lösung sein kann, alle Beziehungen und Gespräche zu kappen und den Blick auf den globalen Süden komplett zu vergessen. Schließlich sind wir, ob wir wollen oder nicht, mit unserer Kolonialgeschichte und auch mit den neo-kolonialen Strukturen heute mit dem globalen Süden und besonders Rwanda verbunden. Unternehmen wie VW sind dort auch mit drin, die haben aber wohl auch so lustige Dinge gemacht, wie Uiguren für sie in Zwangsarbeitslagern produzieren zu lassen und von den Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg brauchen wir garnicht anfangen.
Menschen, die in mächtigsten Positionen in den großen Wirtschaftsunternehmen sitzen (auch wenn bei Bayern ab und zu eine formelle Mitgliederversammlung im Verein dazwischen funkt, bei der aber meines Wissens noch nie radikal Dinge aus der Mitgliederschaft heraus verändert wurden), sind am Ende eigentlich nur den Investoren und Anteilseignern rechenschaftspflichtig. Und da kommen sie vielleicht eher in Bedrängnis, wenn sie einen finanziell aussichtsreichen Sponsorendeal ausschlagen, der in der Summe das Unternehmen und damit die Profite ins Positive entwickeln und nebenbei vielleicht auch den Fans schöneren Fußball liefern, als ihre Entscheidungen nach ethischen Werten auszurichten.
Besonders im Fußball ist der Leistungsdruck ja auf allen Seiten mit der Größte, den du dir vorstellen kannst. Umso wichtiger, dass es in einer solchen Situation Druck von allen Seiten gibt und es unmisserständlich klar wird, wo die Grenzen der Profitmaximierung sein müssen. Auch wenn es natürlich nicht schön ist, wenn Druck zu machen die einzige Antwort ist auf eine Situation mit bereits zu viel Druck. Mir fällt aber leider auch kein anderer Weg raus aus dieser Aufmerksamkeitsökonomie ein.