Hast Du verfolgt, wie sehr die Bundesregierung in den letzten Wochen unter internationalen Druck geraten ist wegen ihrer Weigerung, Waffen zu liefern? Da Putin immer wieder deutlich gemacht hat, dass sein Hauptfeind die westlichen Institutionen - EU und NATO - sind, und weil sämtliche Versuche fehlschlugen, ihn auf diplomatischem Wege vom Angriff auf die Ukraine und ihre demokratisch gewählte Regierung abzuhalten, war diese Kritik im Rückblick vielleicht nicht ganz unberechtigt.
Darum geht es m.E. auch nicht. Habe ich schon in mehreren Postings erläutert.
Hier hat bei vielen in letzter Zeit ein Umdenken stattgefunden. Bis vor einer Woche war auch ich gegen Waffenlieferungen. Putins durch nichts gerechtfertigtes brutales Vorgehen gegen das geliebte Brudervolk wirft ein anderes Licht auf dieses Anliegen der Ukraine.
Ich kann deiner Argumentation folgen. Zu 100% zustimmen kann ich dir allerdings nicht. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass beispielsweise der polnische Fußballverband so eine Entscheidung ohne Rücksprache mit der nationalen politischen Führung trifft. Mich würde es umgekehrt sogar nicht einmal wundern, wenn in diesem Fall (so wie auch bei Tschechien, Schweden, England etc.) sogar die Politik die jeweiligen Verbände „in diese Richtung gestoßen hat“. Eine direkte Einflussnahme ist ja nach FIFA-Statuten unter Androhung von Strafen nicht erlaubt, aber gegen eine „Empfehlung“ ist wohl juristisch nichts einzuwenden.
Wenn ein unabhängiger Multimillionär wie Nadal beschließen würde, nicht bei einem Turnier anzutreten, bei dem auch Russen im Teilnehmerfeld sind, dann wäre das wohl ziemlich sicher die von dir angesprochenen individuelle Entscheidung, die dann einen internationalen Sportverband unter Druck setzt. Bei den von dir angeführten Beispielen habe ich persönlich eher das Gefühl, dass die Politik ihre Finger durchaus mit im Spiel hat, wo wir dann wieder bei den von mir angeführten Kollateralschäden wären.
Mehr Waffen hätten dieses Krieg vielleicht verhindert. Die Ukraine sah doch vor einer Woche aus wie ein leichtes Opfer. Deinen Pazifismus in allen Ehren, lieber Berliner, aber der ist wirklich im Moment absolut nicht hilfreich, naiv würde ich sagen; sogar die taz spricht sich für Waffenlieferungen aus - und das will was heißen.
Willst Du zusehen, wie die Ukraine von Russland vergewaltigt (O-Ton Habeck) wird?
Mag sein. Hab mich bei diesem Vergleich an einer Aussage orientiert, die einer meiner Geschichtsprofessoren mal geäußert hat. Er meinte damals, dass die Truman-Doktrin, die allen Ländern Hilfe gegen die Ausbreitung des Kommunismus in Aussicht stellte, großartige Aktionen wie die Luftbrücke zur Versorgung West-Berlins hervorbrachte aber auch zu grausamen Kriegen in Korea und Vietnam mit Millionen von Toten führte.
Das habe ich nicht gesagt und auch nicht gemeint. Waffen beenden nie Kriege, sondern machen sie nur noch schlimmer. Was ist denn mit der viel zitierten Diplomatie? Und wenn jetzt schon eine Friedenspartei für Waffenlieferungen ist, dann „Gute Nacht“.
Hast Du irgendwie das Gefühl, dass Diplomatie was bringt? Was gebracht hat?
Also, nochmal: was würde mit der Ukraine genau jetzt passieren, hätte sie keine Waffen? Was?
Zumindest nicht, wenn Diplomatie zu Appeasement wird. Leidvoll in Europa durchdekliniert vor dem 2. Weltkrieg. Bei allen Unterschieden: manche der Vorgehensweisen Putins erinnern leider stark an Hitler. Und die europäischen Spitzenpolitiker scheinen genau die Lehre, die das Scheitern speziell Chamberlains damals bedeutet, spät, aber hoffentlich nicht zu spät beherzigen zu wollen.
Was soll mit mir los sein? Ich möchte nicht, dass sich Deutschland an einem Krieg beteiligt. Und außerdem möchte ich, dass andere Meinungen hier auch mal akzeptiert werden (war schon beim Corona - Thema nicht der Fall). Und warum haben wir dann an die syrischen Aufständigen keine Waffen geliefert? Dieses ständige belehren von einigen hier regt mich total auf.