Krieg in der Ukraine & sein Einfluss auf den Sport

Momentan ist das Problem ja nicht, dass es zu wenig an diplomatischen Bemühungen gegeben hätte. Sondern dass diese leider nicht fruchteten. Deshalb muss man nun - bei aller berechtigten Selbstkritik - nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und alle bisher geleisteten Anstrengungen verurteilen. Das Gebot der Stunde heißt aber, Putin klar die Grenzen aufzuzeigen, ohne unnötig zu eskalieren.

Jetzt ist nicht die Zeit, um über irgendwann zu sprechen, jetzt ist die Zeit, um über Jetzt zu sprechen

Russland hat einen Krieg gestartet. Viele Länder der Welt sind mit dieser Aggression nicht einverstanden. Sie wollen jedoch nicht aktiv mit eigenen Soldaten in diesen Krieg eingreifen, also wählen sie andere Vorgehensweisen, z.B. Waffenlieferungen und/ oder Sanktionen, die auch das Privatleben betreffen. Wie bei jeder Handlung, die etwas mit Krieg zu tun hat, betreffen auch diese Maßnahmen nicht nur die eigentlich Schuldigen, sondern auch viele andere Personen, die diesen Krieg in vielen Fällen sogar genauso ablehnen, wie diejenigen, die die Sanktionen verhängen. In dem Sinne sehe ich Sanktionen und ihre Folgen von der Logik her betrachtet nicht anders als das, was man im Kriegsjargon oftmals zynisch als Kollateralschäden bezeichnet. Man wählt eine Maßnahme, von der man denkt, dass sie hilft, die eigenen Ziele durchzusetzen, und nimmt dabei in Kauf, dass diese Maßnahme auch Personen betrifft, die eigentlich nichts dafür können.
Das Folgende mag sich vielleicht etwas unverhältnismäßig anhören, aber es sind beides Folgen dieser Vorgehensweise: Der Ausschluss von russischen Sportlern würde genau auf der gleichen logischen Basis wie der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki im 2. Weltkrieg erfolgen. Im Sommer 1945 wollten die Amerikaner den Krieg gegen Japan nach jahrelangen Kämpfen im Pazifikraum möglichst schnell beenden und dabei keine groß angelegte Invasion auf die japanischen Hauptinseln starten, die tausende US-Soldaten getötet hätte. Deshalb entschied man sich für den Abwurf der Bomben, um den Gegner in die Knie zu zwingen. Zum Erreichen des Ziels war den Verantwortlichen auch der hunderttausendfache Tod von unbeteiligten Zivilisten recht. Mit den schon jetzt verhängten Sanktionen und denen die noch kommen werden erhofft man sich ein Einlenken der russischen Führung. Dafür nimmt man ebenfalls in Kauf, dass unbeteiligte Personen darunter zu leiden haben. In diesem Fall sind die Konsequenzen für ausgeschlossene russische Sportler natürlich weit weniger schlimm als für die Menschen in Hiroshima und Nagasaki. Das Prinzip bleibt aber das gleiche: du bist Bürger des Feindes und wirst deshalb bestraft.
Darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein, aber es läuft in der Geschichte eben eigentlich immer so, dass man als Bürger eines Landes damit rechnen muss, dass man für die Verfehlungen seiner Regierung büßen muss, egal ob man mit der jeweiligen Politik einverstanden ist oder nicht.

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Bin gegen einen sportlichen Boykott Russlands. Die Sportler werden in Geiselhaft genommen und sollen ein Zeichen setzten, bei Sachen, die Sportler gar nicht beeinflussen können. Von mir als Arbeitnehmer verlangt auch keiner ein Zeichen zu setzten und zu streiken, weil mein Arbeitgeber auch an Russen verkauft.
Auch wirtschaftliche Sanktionen treffen in erster Linie das russische Volk. Über diesen Weg etwas erreichen zu wollen und einer eh schon armen Bevölkerung das Leben noch schwerer zu machen, ist menschenverachtend und bedeutet nichts anderes, als das auf anderer Ebene, auf die wir keinen Einfluss haben, ein Krieg als ok eingestuft wird. Der Krieg ist das Ergebnis von Entscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen wurden. Welche auch immer das waren? Hätte man keinen Krieg gewollt, wären diese Entscheidungen jedenfalls anders getroffen worden.
Wie immer wird uns ein Schauspiel präsentiert, welches auf dem Rücken der „normalen“ Menschen ausgetragen wird. Egal wie informiert oder desinformiert man ist: Würde über Krieg/Frieden per Volksentscheid entschieden, gäbe es vermutlich keine Kriege. Für mich bedeutet das, dass der „normale“ Mensch so gut wie keinen Einfluss nehmen kann.

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Nein, dem kann ich nicht zustimmen. Es gibt vielmehr Sportler wie Lewandowski oder die im nachfolgenden Beispiel genannten ukrainischen Fechter, die sich weigern, gegen russische Sportler anzutreten. In dieser Konstellation kann es dann aus nachvollziehbaren Gründen den Sportverbänden, die generell nicht das geringste Interesse an einem Ausschluss russischer Sportler haben, geboten scheinen, diesen dennoch anzuordnen. Das sind aber keine Entscheidungen der Politik und insofern auch nicht von ihr verursachte Kollateralschäden.

Aus der Dlf Audiothek | Sport am Sonntag | Ukrainischer Fechter – „Heute ist es die Ukraine. Morgen könnte es schon ganz Europa sein“ https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=dira_DLF_2cb6a8cc

und übermorgen die ganze Welt, oder was?

In letzter Konsequenz würde das bedeuten, dass russische Sportler auch auf Vereinsebene ausgeschlossen werden müssten.
Ein Verein müsste seine russischen Sportler rausnehmen und sollte er auch ukrainische Sportler beschäftigen, diese weiterspielen lassen, auch wenn diese vielleicht sogar best friends sind.

Was anderes wäre es, wenn ein russischer Sportler nicht antritt, weil er gegen das Vorgehen seines Landes protestieren will. Aber das wäre eine rein persönlichen Entscheidung.

Das ist sicherlich so. Und es ist genau derjenige Grund, aus dem die gegenwärtig so heftig kritisierte deutsche Politik - vor und nach der Bundestagswahl - so lange eine diplomatische Lösung angestrebt hat.

Aber jetzt haben wir ein Dilemma: Putin zeigt uns in aller Klarheit, dass Verhandlungen mit ihm vergebliche Liebesmüh’ sind. Also muss man, wenn man die Menschen in der Ukraine nicht im Stich lassen will, etwas anderes tun. Das sind jetzt in erster Linie die Sanktionen. Die beziehen sich allerdings nicht auf die Sportler. Der Umgang mit diesen ist Sache der Verbände, die selbstverständlich unter anderem die vorhandene oder aber fehlende Bereitschaft der Sportler(innen) anderer Nationen berücksichtigen müssen, gegen Russ(inn)en anzutreten.

Man kann sich nicht darauf verlassen, dass Putin sich mit der Ukraine „begnügt“: das ist gemeint.

Das längerfristige Ziel Putins ist doch Russland in den Grenzen der Sowjetunion. Da würde noch was fehlen. Auch Länder die inzwischen der NATO angehören.

Ich denke China schaut auch genau zu, wie die Welt mit diesem Krieg und dem Aggressor umgeht. Die schielen ja nicht nur mit einem Auge nach Taiwan.

Aber zurück zum Sport. Es ist doch verständlich, dass Sportler aus Polen und anderen Ländern in der aktuellen Lage nicht gegen Russen antreten wollen. Ich finde da nichts verwerfliches daran. Ja, es leiden unschuldige Menschen unter solchen Massnahmen. Aber noch viel mehr leiden doch die Menschen in der Ukraine die angegriffen werden und die um Ihr Leben und das ihrer Familienmitglieder bangen müssen. Sich mit Ihnen solidarisch zu zeigen und Russland auf allen Ebenen zu boykottieren finde ich persönlich richtig.

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass Russland sein Glück herausfordert. Die „westliche Welt“ wird er doch nicht angreifen? So einen Krieg vom Zaun zu brechen, wäre ein Himmelfahrtskommando, vermutlich für alle. Russland wird schon wissen, welche Länder sie militärisch angreifen können und wo man sich wirklich die Finger verbrennt. In der russischen Strategie wurde die Ukraine wohl als angreifbar eingestuft und wie sich zeigt, zurecht.

Und was ist mit den baltischen Republiken? Warum macht die sein Vorgehen wohl so nervös?

Zumindest wirkt eine Fokussierung auf das Leid russischer Sportler (m/w/d), die von Wettbewerben ausgeschlossen werden, etwas sehr einseitig sportfixiert.

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Wie direkt profitiert die ukrainische Bevölkerung von einem Boykott russischer Sportler?

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wird sich zeigen. Das ein Angriff auf diese Länder extremes Sprengstoffpotenzial hat, ist klar. Russland wird schon eine Einschätzung haben, ob so ein Angriff den Bündnisfall ausrufen würde, inkl. Krieg mit der Nato.

Nicht die Bevölkerung. Ukrainische Sportler mögen zur Zeit nicht gegen russische antreten und befürchten, selbst dafür sanktioniert zu werden. Wäre das fairer? Vielleicht, weil sie ja gemäß Wettkampfsordungen o.ä. Regularien verpflichtet sind anzutreten?

Es würde den Bündnisfall auslösen, das weiß Russland. Aber das hindert Putin ja nicht, mit dem Einsatz von Atomwaffen zu drohen. Es ist infolgedessen kein separates Problem der Ukraine.

Erstmal muss er die Ukraine „abwickeln“. Scheint kein Selbstläufer zu werden.

Möglicherweise verstehst Du von derartigen militärstrategischen Dingen mehr als ich. Was aber heißt das nun mit Blick auf das Bedürfnis ukrainischer Sportler(innen), derzeit nicht gegen russische antreten zu müssen? Denn darum ging es doch eigentlich. Meinst Du, sie sollten auf Aussagen à la „Heute ist es die Ukraine. Morgen könnte es schon ganz Europa sein“ verzichten, da noch nicht feststeht, ob Russland wirklich demnächst weitere Länder angreift?

Das schließt ja aber nicht aus, dass man sagt „Dazu möchte ich keine Einschätzung geben“ Wieso fühlen sich die Menschen immer gleich genötigt ein Pro oder Contra Statement abzugeben?

„Krieg ist scheisse! Meine volle Solidarität gilt der Bevölkerung der Ukraine. Alles andere ist nicht mein Thema, dazu möchte ich mich nicht äußern“
Wäre das so schwierig?

Leider Gottes hat die EU gestern beschlossen, der Ukraine mit Waffenlieferungen von 500 Millionen Euro „beizustehen“. Me ist somit nunmehr die ganze EU in diesen verdammten Krieg involviert. Das hätte nicht sein müssen. Nur humanitäre Hilfe hätte gereicht.
Ein Ausschluß von russischen Sportlern und Mannschaften hat mMn überhaupt keinen Einfluss auf Putin und seine Politik.

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