Ich habe mir schon öfter den Spaß gemacht, ein spezielles Tarantino-Ranking zu machen. Bis ich merkte, dass die Liste jedes Mal anders aussah. Offenbar bin ich nicht in der Lage, da eine gewisse Linie zu finden, wie ich seine 9 Meisterwerke vernünftig bewerten soll.
Denn das sind sie allesamt, und ich liebe sie alle. Für mich ist Tarantino ein absoluter Solitär und im Grunde unvergleichlich. Dass er nicht nur die besten Dialoge schreibt oder verschachtelt erzählen kann oder Gewalt so unterhaltsam aussehen lässt wie niemand sonst, hat er meines Erachtens nachgewiesen.
Mittlerweile behelfe ich mir mit zwei verschiedenen Listen:
Die eine ist für die persönliche, subjektive Sicht, die andere versucht zumindest ansatzweise Objektivität vorzutäuschen…
LISTE 1 (subjektiv)
KILL BILL
INGLORIOUS BASTERDS
JACKIE BROWN
DEATH PROOF
RESERVOIR DOGS
PULP FICTION
DJANGO UNCHAINED
ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD
THE HATEFUL EIGHT
LISTE 2 (objektiv)
INGLORIOUS BASTERDS
PULP FICTION
RESERVOIR DOGS
ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD
JACKIE BROWN
DJANGO UNCHAINED
KILL BILL
THE HATEFUL EIGHT
DEATH PROOF
Anmerkung:
Der Meister himself wertet die beiden Teile von KILL BILL bekanntermaßen als ein Film. Was ihm seine 10-Filme-Regel als Karriereziel ermöglicht.
Und außerdem würde ich stark vermuten, dass er selbst die BASTERDS als sein Meisterwerk ansieht - abzulesen an der Schluss-Szene…
Für mich ist Pulp Fiction sein bester und Death Proof sein langweiligster Film. Zu Death Proof gehört ja noch Planet Terror, die sich das Budget teilten. Der war ganz lustig.
Pulp Fiction kam ja trotz Reservoir Dogs aus dem Nichts: Zeitsprünge, Twists, Travolta-Comeback, Soundtrack plus Tanzszene, Dialoge, Blutbäder als Comedy… so etwas in Gänze Innovatives habe ich in einem(!) Film kaum je gesehen. Einer meiner nicht sehr zahlreichen 10 Punkte-Filme und daher auch meine Nummer 1.
Alle anderen Filme, bis auf den wirklich grenzwertigen Death Proof, finde ich hervorragend. Kill Bill vielleicht etwas besser, als die anderen. Die Basterds darf man halt nicht allzu ernst nehmen, dann funktioniert der Streifen auch top. Hervorragend neben Waltz war ja auch Diane Kruger. Großes Minus dafür, dass Lea Seydoux so früh sterben muss.
Ganz leicht fällt für mich Once upon a time ab: Zu viele Selbstzitate, insgesamt arg routiniert inszeniert. Ein bisschen vergleichbar mit Scorseses Spätwerk, das ja oben von Euch diskutiert worden ist. Pitt und de Caprio überzeugen mich da auch nicht ganz.
Aber wie gesagt: Ich mag sie alle sehr, mit kleinen Unterschieden. Tarantino ist einer der ganz großen Cineasten des Filmbusiness’.
DEATH PROOF ist sogar mein Geheimfavorit. Ich kann verstehen, wenn man damit nicht viel anfangen kann, aber für einen alten Grindhouse-Nerd wie mich ist der eine Offenbarung. Und wie Tarantino mit dem Exploitation-Genre spielt…! Die Farbwechsel etwa, die Risse im Film - und was für göttliche Frauenfiguren der Mann schreibt. Sowieso dreht er die Genre-Regeln um, indem er die Mädels triumphieren lässt. Die Hauptrolle vergibt er an die von mir eh zutiefst verehrte Zoe Bell, die in Kill Bill Uma Thurmans Stunt-Double war. Hier darf sie mal so richtig zeigen, was sie kann. Und die Szene, in der Kim, Zoe und Abernathy im Diner sitzen und sich ellenlang über den Dodge Challenger aus FLUCHTPUNKT SAN FRANCISCO unterhalten, ist pure Magie. Bestünde der Film ausschließlich aus den drei Mädels, die wo auch immer ein Gespräch über was auch immer führen, ich würde das sehen wollen. Und die Schluss-Szene, als sie Kurt Russell fertigmachen, das Bild einfriert und Chick Habit (Gainsbourg!) als Schluss-Song erklingt, hat mich so glücklich wie selten aus dem Kino wanken lassen…
Wer Exploitation, B-Movies und Trash mit Stil mag, kommt an DEATH PROOF eigentlich nicht vorbei.
nach Ottfried Preußler nun Beatrix Potter - ein wahrlich zauberhafter Einstieg ins Wochenende - da ficht mich der schmuddelige nass-kalte Winter vor der Tür nicht an…
Das der Film stark nachlässt würde ich nicht unterschreiben. Ich bin ein großer Tarantino-Fan und kann mir seine Filme immer wieder ansehen (Jacky Brown, Deathproof und ONCE upon a time in Hollywood nicht ganz so häufig). Insbesondere die Dialoge von Tarantino finde ich grandios, ein Beispiel hierfür ist natürlich der Beginn bei den Bastards! Auch die Musikauswahl finde ich hier wieder grandios.
Wie immer sehr anschaulich von Dir beschrieben! Ich kann komplett verstehen, dass man Death Proof top findet; Rodriguez etwa mag ich im Genre auch.
Mir ist der Film insgesamt einfach zu brutal, Grindhouse hin oder her. Gerade Kurt‘s Metzeleien im Auto sind mir zu pervers.
Du hast bei den Ladies natürlich einen Punkt: Die machen viel Freude.
Zum Glück sind sich die meisten hier bei der Beurteilung ziemlich einig; die Rankings beleuchten ja nur Details.
Für Prime-Kunden vielleicht eine schöne Nachricht: Die Ing. Basterds kann man sich gerade ohne Zusatzkosten gönnen. Habe ich gestern anläßlich dieser schönen Debatte hier gemacht und mich sehr amüsiert.
Beeindruckend, eure Tarrantino-Debatten - thx to @Alex . Mein Quentin- Ranking erspar ich euch - dafür liebe ich …
… umso mehr
Schade, dass aus @Alex Erwähnung von Jim Jarmusch nicht mehr Gesprächsstoff wurde. In meiner Biografie (mit dem Tom Waits Altar im Schlafzimmer) war Jarmusch DIE cineastische Offenbarung mit siebzehn. „I scream - and you scream - we all scream for ice cream” ist in meinem Leben genauso ikonisch und prägend wie „ich will, das, was sie auch hatte“.
Ebenso John Luries „In this case you would say: I look AT the window!” Und Benigni! Und Tom Waits, wenn er sein lächerliches Kinn-Bärtchen kämmt. „Not the shoes! I told you: Not the shoes!”
„Down by Law“ habe ich wahrscheinlich öfter gesehen als jeden anderen Film (und das will bei mir was heißen: ich bin ein Gute Filme Vielfach Seher). Manche Filme habe ich mir damit leider ruiniert – so die Herr der Ringe Trilogie - ich ebenso rückwärts sprechen kann wie Down by Law.
Seit 86 habe ich jeden Jarmusch-Film sofort im Kino gesehen, wenn angelaufen. Jetzt im Februar hat mein letztes Warten dann endlich wieder ein Ende: Wenn „Father Mother Sister Brother“ in Deutschland anläuft. Endlich wieder mit Tom Waits - eine 40jährige Filmklammer um mein Leben!
Pflichte euch beiden unbedingt bei. Jarmusch war DIE Ikone meiner Studentenzeit. Wir haben stundenlang seine Werke studiert und genau wie bei euch sind zahlreiche Wendungen aus den Dialogen in unseren Alltag gesickert…
“Like Popeye says - I aaam what I aaaam. Right?” … könnte ich da noch einfließen lassen . Haben wir bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zitiert.
Ja und wenn wir schon dabei sind:
Mein Jarmusch-Ranking
GHOST DOG
ONLY LOVERS LEFT ALIVE
NIGHT ON EARTH
DOWN BY LAW
BROKEN FLOWERS
THE LIMITS OF CONTROL
STRANGER THAN PARADISE
PATERSON
MYSTERY TRAIN
DEAD MAN
PERMANENT VACATION
COFFEE AND CIGARETTES
YEAR OF THE HORSE
THE DEAD DON’T DIE
Alles Hits, eigentlich finde ich nur Platz 14 etwas schwächer, aber selbst der hat große Momente.
Erwähnenswert noch unbedingt der Wayne-Wang-Doppelpack SMOKE/BLUE IN THE FACE, im letzteren hat Jarmusch einen wirklich für mich legendären Auftritt als Schauspieler. Ich fürchte, die beiden Streifen (ohne Jarmuschs Gesamtwerk als offensichtliches Vorbild so auch nicht vorstellbar) sind nicht der kleinste Grund dafür, warum ich immer noch ein depperter unverbesserlicher überzeugter Raucher bin…
Die Rolle ihrer Karriere - vor Stranger Things vielleicht….
Aber nach wie vor: das Highlight des Filmes ist mbMn (wie immer) Benigni, der mit Sonnenbrille im nächtlichen Rom einen Priester in den Herzinfarkt treibt.
Danke für den Hinweis zu “Perfect Days”. Der Film (von Wim Wenders) ist eine “Ode an die kleinen Dinge.”. Er erzählt auch davon, was man auf der Suche nach einem achtsamen Leben verlieren kann. Aktuell abrufbar in der ARD-Mediathek: Perfect Days - hier anschauen
Bei den beiden Filmen hatte ich irgendwie ein ähnliches Gefühl wie bei den GHIBLI-Filmen oder den Animes “Your Name” oder “Suzume”.
Diese auf den ersten Blick unscheinbaren Protagonisten, die nach einem Sinn in ihrem Leben suchen und das Schöne in der Natur und Umwelt finden hab ich so nur in diesen Filmen erlebt.
Am nächsten kam dem noch mMn in letzter Zeit “Therapie für Wikinger” und “Dustbunny” (beide mit Mads Mikkelsen).
Aber trotzdem sind diese japanischen Filme irgendwie anders.
Für ein paar Tage hat man da immer irgendwie einen positiveren Blick auf das Leben und seine Umwelt.