(Fußball- und andere) Filme

Ehrlich gesagt, ich würde es unbedingt vermeiden, irgendeinen Algorithmus darüber entscheiden zu lassen.

Ich selber bin ja einer der wenigen verbliebenen Print-Leser. Meine bevorzugten Quellen sind dabei die DEADLINE (deadline-magazin.de), die den Bereich Horror/Action/Thriller/Genre abdeckt, und vor allem epd Film (epd-film.de), die das gesamte cineastische Spektrum im Blick haben - meines Erachtens die beste deutsche Filmzeitschrift.

Außerdem bin ich, wie ab und an erwähnt, in der Community des Fantasyfilmfests (f3a.net) unterwegs (da ist die Filmauswahl vor allem, aber nicht ausschließlich, auf Genre-Filme ausgerichtet), da bekommt man sehr viel mit. Einzelnen Akteuren folge ich auch gern mal auf ofdb.de und lese in dieser Filmdatenbank die neuesten Reviews. Ich kenne den ein oder anderen Autoren vom FFF und weiß, wer einen Filmgeschmack hat, der meinem nahekommt oder zu meinem passt. Da reden wir von Leuten, die selbst aus meiner Perspektive echte Film-Nerds sind, die schauen sich im Jahr 300-600 Filme an. (Und dazu noch Serien. :wink: )

Und dann beobachte ich noch das Treiben meiner bevorzugten Kritiker, bei denen ich weiß, dass sie nicht spoilern, aber mit Expertise über Filme schreiben - etwa Georg Seeßlen oder Fritz Göttler.:slightly_smiling_face:

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Ich würde, Sinn oder Unsinn aller Rankings mit einbezogen (aber Spaß machen sie immer), zumindest eine Unterscheidung vornehmen: nämlich die leading men - und alle anderen. Bei Ersteren fiele meine Wahl letztlich auf Pacino, aber das ist dann nur noch ein persönliches Geschmäckle. Wobei: interessant ist es schon, wenn man den seltenen Fall eines gemeinsamen Leinwandauftritts hat - wie beim von @Faenger genannten HEAT von Michael Mann. Okay, vielleicht war die Rolle von Pacino die dankbarere - aber ich persönlich finde, da spielt Pacino De Niro ein wenig an die Wand. Nicht ganz so extrem wie Nicolas Cage Travolta in FACE/OFF an die Wand spielt, aber doch.

Nur wenn wir so unfassbare Charakterdarsteller wie Philip Seymour Hoffman oder Robert Duvall mit-ranken wollen, die sehr, sehr oft Nebenrollen spielen, dann wird’s kompliziert. Ich wüsste nicht, wie man ein noch besserer Schauspieler sein soll als Seymour Hoffman. Heute, früher, in Zukunft. Nur generell macht auch die Aufteilung zumindest in die jeweilige Generation schon auch Sinn, seil sich die Stile schließlich auch verändern, auch je nach der zeitgenössischen Technik - wer weiß schon, ob sich die ganzen Method Actors vom Schlage De Niro, Pacino, Day-Lewis usw. nicht gelangweilt hätten, wären sie dauernd nur vor der Green Screen gestanden…

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Ja, das macht Spaß mit den persönlichen Vorlieben. :wink:

Pacino ist natürlich auch überragend. Gerade erst wieder die beiden Paten Filme gesehen. Da war er phantastisch. Finde, dass sein Alterswerk nicht mit de Niro mithalten kann. Zudem hat der mehr „Klassiker“ auf der Habenseite.

Mit der Einteilung in leading und supporting hast Du völlig Recht. Seymour Hoffman nennst Du einen prägnanten. Was der aus der überdrehten Rolle bei „ und dann kam Polly“ gemacht hat…:heart_eyes:

Und dann natürlich Christoph Waltz. Sein Landa gehört mit zum besten was im Kino abgeliefert wurde. Tarentino war schon kurz davor, den Film abzusagen…

Also eine schöne Spielerei, mehr nicht.

PS: aber @cheffe De Niro ist natürlich der Beste! :winking_face_with_tongue::wink:

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Cool, @Alex, das solltest Du öfters machen…!

Jetzt muss ich natürlich unbedingt auch noch ein bisschen meinen Senf zu Deinen Anmerkungen hinzugeben.

WHEN HARRY MET SALLY

Findest Du wirklich, in diesem Film passiert gar nichts? Also, ich finde schon, natürlich nur, wenn man sich einen Film lang Zeit nimmt, um herauszufinden, ob und wie und wann zwei zusammenkommen, die eigentlich zusammengehören. Aber meine Güte, WIE der Film das tut! Mit leichter Hand inszeniert, großartige Dialoge, super Timing, Weltklasse-Humor und Zeitkolorit. Das ist sehr subjektiv, aber ich sehe HARRY UND SALLY um Welten vor Starvehikeln wie NOTTING HILL.

Dass wir die Dialoge so unterschiedlich wahrnehmen, ist lustig. Versteh mich richtig, ich höre mir auch lieber Dialoge von Tarantino an, aber wenn schon RomCom, dann bitte so… Fandest Du ihn nicht wenigstens sau-lustig? Allein schon die Szene mit Rob Reiners Mum Estelle.

(BLOOD AND) SINNERS

Da hast Du ja vielleicht schon gelesen, dass der bei mir in den Jahres-Top-Ten gelandet ist. Du hast mit Deiner Analyse natürlich Recht, dass der Film in (mindestens) zwei Teile zerfällt. Allerdings finde ich gerade das so gut. SINNERS steht natürlich auf den Schultern eines FROM DUSK TILL DAWN, aber ich als Genre-Freund habe das sehr genossen. Zumal Ryan Coogler noch einen draufsetzt, nämlich mit der Sequenz, in der er mal kurz in zehn Minuten die gesamte schwarze Musikgeschichte verdichtet, was dem Film eine unheimlich transzendente Atmosphäre verleiht. Und ein Ausstattungsmonster ist er auch noch!

TWELVE YEARS A SLAVE

Und da bin ich jetzt der Kritiker: das ist sicher ein guter, solider Film. Aber ich war doch etwas enttäuscht. Ich fand ihn sehr, sehr formelhaft, um es sanft zu umschreiben. Und die Rolle von Brad Pitt (der ja co-produziert hat) sogar ärgerlich, weil es dann doch wieder den guten Weißen braucht, um den armen Schwarzen zu retten.

Sicher, das ist alles sehr ergreifend. Aber da hab ich schon viel bessere und ehrlichere, auch schmerzvoller Filme über Sklaverei gesehen.

BLACK BAG/ A HOUSE OF DYNAMITE/ PRISONERS

Da sind wir komplett beieinander! Speziell gratuliere ich (:wink: ) zu Deinem Faible für Denis Villeneuve (ARRIVAL, was für ein Film!)…

Ja, und was die frischen Scorsese-Werke betrifft, da bin ich zwischen @Faenger und Dir, aber etwas näher bei @Faenger. Ich fand die beiden richtig gut, aber Längen entfernt von früheren Meisterstücken, und auch ein wenig selbst-zitierend. Und die künstlich verjüngte IRISHMAN-Version gewisser Schauspieler fand ich etwas befremdlich.

Wann kommen die nächsten 15…?:grinning_face:

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Aaah ja, Missverständnis. Sorry, wenn ich mich ungenau ausgedrückt hatte: Automatisierte Empfehlungen von Filmen kommen für mich gar nicht infrage. Da ist viel zu viel Schrott dabei, gerade auf moviepilot.

Mir ging es nur darum, die besten Streamingangebote für diejenigen Filme zu finden, auf die ich Lust habe, nachdem ich die Filme im Kino fast immer verpasse.

Sea of Love würde mir spontan noch einfallen, da spielen die Barkin und Pacino nett miteinander.

Die beiden sind natürlich nah beieinander. De Niro werde ich schon für Once upon a time in America immer lieben, später wurde er mir ein bisschen zu sehr mainstream.

Alec Guinness ist mir zwischenzeitlich noch eingefallen. Er war nie der klassische Held in großen Blockbustern, aber ein großer Mime. Dito übrigens Christopher Lee und Henry Fonda.

Alle drei oberste Schublade mbMn.

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Alles herausragende Schauspieler, die ihr hier als top einschätzt.
Aber mein persönlicher Favorit ist Tom Hanks. Dem kaufe ich jede Rolle ab, egal wie unterschiedlich die Personen, die er verkörpert, auch sein mögen.

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Es gibt ja auch ein paar Schauspielerinnen. :wink:
Ellen Barkin (mit Dennis Quaid) in „The Big Easy“. Ganz feiner Film.
Leider war ihre Karriere dann auf großer Bühne doch recht kurzlebig.

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Hier gleich mal 2 Filmempfehlungen mit Mads Mikkelsen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

Therapie für Wikinger:

Eine der besten schwarzen Komödien, die ich je gesehen habe.

Und Dust Bunny:

Den konnte ich in einer Sneak erleben und war begeistert.

Ein perfekter Gateway (also Einstiegs-) Horrorfilm mit einer brillianten Kameraführung, Humor und einem sehr guten Cast (insbesondere die Schauspielerin von dem Mädchen).

(Übrigens vom gleichen Regisseur wie der Hannibal-Serie aber definitiv nicht so makaber)

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Soeben eine Karte für DUST BUNNY geholt…

Läuft vor regulärem Kinostart im Rahmen der FFF White Nights, hatte ihn schon auf dem Schirm. Jetzt freu ich mich umso mehr drauf! Besonders auch auf Sigourney Weaver, ich höre, die hat ein paar besonders extravagante Szenen…

Und was die Wikinger-Therapie betrifft:

Anders-Thomas-Jensen-Filme sind ein sicherer Brüller. Und Mikkelsen ist wirklich irre (allein die Frisur). Fand ihn zwar nicht ganz so gut wie ADAM’S APPLES, aber auch super!

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Ich existiere in Phasen.

Zeitkolorit, ja, eindeutig. Aber großartige Dialoge? Weltklasse-Humor? Ich habe den Film erst vor zwei Wochen gesehen. Ist mir nicht aufgefallen. Geschmäcker, I suppose.

Könntest Du mir netterweise einen oder zwei großartige Dialoge und eine oder zwei Szenen mit Weltklasse-Humor nennen? Ich würde unsere Geschmäcker gerne abgleichen. (Aber nur, wenn Du dich noch erinnern kannst. Ich möchte Dich nicht dazu zwingen, den Film extra meinetwegen noch einmal ansehen zu müssen.)

Das mag ja alles sein. Aber dies sind alles abstrakte Meta-Aspekte. Für mich muss ein Film vor allem in den filmischen Kerndisziplinen überzeugen, damit ich ihn mag: Plot, Charaktere, Thema, Story, Atmosphäre sowie deren Integration zu einem kohärenten Ganzen. Wenn in einem Film, der eigentlich in den 1930er Jahren spielt, plötzlich neben der Handlung stehende, fiebertraumartige Szenen auftauchen, in denen elektrische Gitarren aus den 70ern und Rap-Musik aus den 2010er Jahren verhandelt werden, dann nützt mir das wenig, wenn der Film in seinen filmischen Kerndisziplinen schwach ist. Du kannst doch nicht diese Story gut finden? Die ist doch völlig random. Hochgradig albern. Aber auch hier gilt: Geschmäcker, I suppose.

Ja, der „weiße Ritter“ hätte nicht von Brad Pitt gespielt werden müssen, der den Film produziert hat, aber wenn es doch so war? Die Geschichte beruht auf der Biografie eines Sklaven. Die Figur ist nicht ausgedacht. Diesen weißen Retter gab es wirklich. Hättest Du gerne, dass man historische Wahrheiten verfälscht, damit die Welt besser zu Deinen Vorstellung davon passt, wie sie sein sollte?

Ich noch nicht. Kannst Du mir einen guten empfehlen?

Angenommen, die beiden Filme wären genau die Filme, die sie heute sind: gleiche Handlung, gleiche Charaktere, gleiche schauspielerische Leistung, gleiche Musik, gleiche Kamera, gleiches Tempo, gleiche Länge – alles gleich. Der einzige Unterschied ist, dass der Regisseur nicht Martin Scorsese und die Schauspieler nicht Robert de Niro, Al Pacino, Harvey Keitel usw. heißen. Die Gesichter auf der Leinwand wären andere, ansonsten wäre alles exakt so wie jetzt. Würdest Du die beiden Filme immer noch gut finden?

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Allein der Schlussdialog ist schon großartig geschrieben.

Die Szene im Stadion, wo Harry sein Leid klagt und genau in diesem Moment La Ola machen muss.

Die Dialoge im Split Screen, in denen telefoniert wird.

Naja, und die Orgasmus Szene erwähne ich nur der Vollständigkeit halber.

Was die Sache mit Scorsese betrifft: das ist mir zu theoretisch. Die Leistung von Regisseur und Schauspielern ist so, wie sie ist. So, wie Du sie jetzt siehst. Und kann auch nur von diesen genau so erbracht werden.

Was Du damit unterstellst ist, dass man die Fanbrille aufhat.

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Gut möglich, aber gerade hier - auf MSR - wäre es eine ziemlich zahnlose Unterstellung. :wink:

Auf die Überlegung als solche wäre ich jetzt auch nicht unbedingt gekommen, aber ein gänzlich uninteressantes Gedankenspiel ist es auch wieder nicht. Vermutlich würde einem irgendetwas, das Zucken einer Augenbraue o.ä., fehlen. Man kennt dieses Phänomen ja auch von sehr gut gecoverten Lieblingssongs. So schön, wie es einmal war, kann es nie mehr werden. Außer in der konservierten Wiederholung.

Aber was folgt daraus? Mir stellt sich da z.B. die Frage nach der künstlerischen Kreativität. Wollen wir sie als Rezipienten überhaupt, wenn wir uns doch so sehr nach der Wiederholung des liebgewonnenen Vertrauten sehnen? Eine herausragende Orchestermusikerin erzählte neulich von der Herausforderung, vor die der aktuelle Dirigent einmal seinen prominenten Klangkörper stellte: ein ohnehin schon schwieriges Werk in 14 aufeinander folgenden Konzerten jedesmal anders zu spielen. Sie sagte, anfangs hätte sie gedacht: “das packe ich nicht”. Ein Zuhörer, der mehr als eine der Aufführungen verfolgt, würde, sofern er ein Ohr dafür hat, vielleicht auch diese Unterschiede bemerken. Ob es ihm gefiele? Jedenfalls wäre er gefordert, und das kann ja nicht verkehrt sein.

Wie sich die Motive “Neues probieren” und “Liebe zum Vertrauten” die Waage halten können, erlebe ich als Mitglied eines Laienensembles, wenn wir neben der Einstudierung des aktuellen Konzertprogramms alljährlich Bachs Weihnachtsoratorium proben. Einerseits fühle ich mich in dem Werk nach mehreren Auftritten wie zu Hause, andererseits wird jedes Jahr an anderen gesanglichen Details gefeilt, und frühere Absprachen werden z.T. über Bord geworfen oder wenigstens abgeschwächt. Ein gutes Gegengift gegen die Erstarrung in Routine, was im besten Fall vom Publikum als lebendig wahrgenommen wird.

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Das finde ich in der extremen Ausprägung eine zu verkopfte Herangehensweise. Ich weiß ja nun nicht, um welches Werk es geht, aber dass es 14 verschiedene Interpretationen gibt, von denen jede einzelne auch musikalisch Sinn macht, kann ich mir schwer vorstellen. Und dann hast du dem Publikum in einigen Fällen etwas nicht Stimmiges präsentiert, das ist ja dann in gewissem Sinne fast schon Betrug am Kunden…

Stimmt, aber so war es wohl nicht. Es wird sich um Feinheiten gehandelt haben, die das Orchester weit mehr als das Publikum gefordert haben.

Danke für die ausführliche Reaktion, @Alex, das macht Spaß…!

Keine Angst, ich könnte ihn mehr oder weniger mitsprechen :wink: . Aber ich verweise der Einfachheit halber auf @Faenger’s Beitrag, dem ich mich schlicht anschließe. Nur noch soviel: der Satz “…Ich möchte genau das, was sie hatte” ist für mich einer der witzigsten und intelligentesten, die je in Komödien gesagt wurden.

Ich tue mir tatsächlich schwer mit dem Begriff Kerndisziplinen. Und Kohärenz. Natürlich verstehe ich, was Du meinst. Mein persönlicher Zugang zu Filmen ist aber, sagen wir, höchst flexibel. Whatever works, um mit Woody Allen zu sprechen. Zumal ich aufgrund meines breiten Geschmacks soviel auch experimentelle Werke gesehen habe, ob es nun Erzählstruktur, Genre-übergreifende Sachen, Bildsprache etc. betrifft, und dabei nicht selten völlig begeistert war ob des Ergebnisses. Grade in den letzten Jahren sind einige Dinge, wie man Filme eigentlich “gewohnt” war, durch erfolgreiche Independent-Produktionen auf den Prüfstand gekommen und wandern sukzessive in den Mainstream ein. Also: es ist wahrscheinlich so, dass ich viel weniger auf etwas wie Kohärenz achte wie Du.

Gegenfrage: wann ist eine Story “gut”? Eine Story ist eine Story. Ich kann aus einer banalen Liebesgeschichte einen Klassiker machen oder aus einem komplexen, anspruchsvollen Stoff einen sturzöden Langweiler. So oder so: Ich gebe jedem Film, oder besser: jeder Story eine Chance. Wobei das mit den Geschmäckern trotzdem zutrifft: bei Filmen, in denen Vampire oder ähnliches auftauchen, bin ich schonmal grundsätzlich dabei. Ich liebe Vampire!

Letzteres sage ich mal spontan nicht, aber denke sofort an Tarantino, der in mehreren Werken (die BASTERDS oder ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD) genau das tut - und ich fand’s super.

Film ist Film. Wenn ich Wert auf historische Genauigkeit lege, kucke ich Dokumentarfilme. Ansonsten gilt auch hier für mich: whatever works. Freilich, in sehr ernsthaften Werken (13 DAYS etwa) erwarte ich schon einen korrekten Umgang. Und auch bei 12 YEARS A SLAVE könnte man so rangehen. Ich weiß, dass es die Rolle des “weißen Retters” tatsächlich gab. Ich finde nur, man hätte sie nicht mit Brad Pitt besetzen sollen. Pitt ist leading man und klassicher Sympathieträger auf der Leinwand, fast überlebensgroß. Und genau das bewirkt, was ich oben beschrieben habe. Besetz die Rolle mit einem unauffälligen Weißen, der vielleicht nicht mal von vornherein wie der good guy wirkt, und alles ist okay und historisch bestimmt nicht weniger korrekt, man würde dann sagen, wow, was für ein Glück für den Schwarzen, aber man würde nicht automatisch den großen weißen Retter sehen, den ein Brad Pitt nunmal darstellt. Ist subjektiv, ich weiß.

Um einen Film mit vergleichbarem Ansatz zu wählen:

AMISTAD von Spielberg finde ich besser. (Nochmal zur Erinnerung, 12 YEARS ist kein schlechter Film.) Ich glaube, das ist er deswegen, weil Spielberg eben der begabtere Regisseur ist als McQueen.

ANTEBELLUM von Bush/Renz und der tollen Janelle Monae in der Hauptrolle ist ein ungewöhnlicher Ansatz (speziell im zweiten Teil des Films) und stark unterschätzt, wie ich finde.

BIRTH OF A NATION von Nate Parker ist ein gewaltiges Werk, leider (oder berechtigt, das mag jeder für sich entscheiden) ist der weitgehend ignoriert worden nach den privaten Vorwürfen gegen den Regisseur.

Aber vor allem bleibt einem Quentin-Fan-Boy wie mir natürlich nur, auf DJANGO UNCHAINED zu verweisen. Für mich der ultimative Film zum Thema Sklaverei. Kathartisch, brutal, ungeschönt, historisch fragwürdig (egal), subversiv, authentisch wie manipulativ, so oder so: der letztgültige Kommentar zum Thema.

Ähm… Nein. Denn dann wären sie eben nicht so gut :slightly_smiling_face: . Wie @Faenger sagt: niemand dreht wie Scorsese und spielt wie Pacino. Was nicht bedeutet, dass ich eine schlechtere Performance als gewohnt nicht mehr wahrnehme, nur weil der Name draufsteht. Deswegen sagen wir ja: kommt nicht an die alten Klassiker ran. Aber ist immer noch um Längen besser als der normale Standard, den wir aus Hollywood kennenlernen dürfen.

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ach Madame Binoche - du wundervolle Schauspielikone :black_heart:

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Ich lass mal mein Serienjahr Revue passieren, indem ich verschiedene “Auszeichnungen” verteile:

Beständigste Serie: Slow Horses (Staffel 5)

Smart, spannend und unterhaltsam. Im Spy oder Krimi-Genre, die seit Jahren unangefochtene Nr.1. Staffel um Staffel müssen die ausrangierten - und nur widerwillig miteinander auskommenden - Agenten vom “Slough House” ihren MI5-Kollegen den Arsch retten. Angeführt vom genialen “Ekelpaket” Jackson Lamb (Gary Oldman).

Action-Highlight von 2025: Last Samurai Standing

Ich bin groẞer Verfechter von gut gemachtem Actionkino. Nicht umsonst erachte ich Mad Max: Fury Road für einen der beeindruckendsten Filme des 21. Jahrhunderts. Daher muss ich Last Samurai Standing seinen wohlverdienten Shoutout geben. Was Actionchoreografie betrifft absolut herausragend. Das sind keine Schwertkämpfe, sondern fast schon Schwerttänze. Da nehme ich es den Serienmachern dann auch nicht übel, wenn andere Bereiche ihres Werks nicht die höchsten Ansprüche erfüllen.

Wichtigste Serie des Jahres: Adolescence

Nicht meine Lieblingsserie im vergangenen Jahr, aber das Thema ist halt wirklich brandaktuell und wird durch die hervorragende Inszenierung auch einnehmend dargestellt. Meinem Empfinden nach hatte keine andere Serie im vergangenen Jahr einen solchen Impact. Selbst wenn es nur ein Diskussionsanstoß ist, hat die Umsetzung schon viel erreicht.

Beeindruckendstes Gesamtwerk: Andor (Staffel 2)

Ich habe hier vor einiger Zeit schon einmal von der ersten Staffel geschwärmt und kann nun berichten, dass Tony Gilroy mit der zweiten Staffel ein rundum gelungener Abschluss geglückt ist. Die Parallelen zum aktuellen politischen Klima in den USA sind unübersehbar. Die Storyline in Ghorman ist ein wahrer Geniestreich was Spannungsaufbau und dann Einlösung davon betrifft. Dazu mehrere Monologe, die mir noch lange erhalten bleiben werden. Fast ein Paradox, aber obwohl Andor so untypisch für Star Wars Verhältnisse ist, war Star Wars mMn nie besser.

Meine „Lieblingsserie“ 2025: The Pitt

Aufgrund eines längeren Aufenthalts in Nordamerika bin ich in den Genuss gekommen mir den spirituellen Nachfolger von Emergency Room bereits vor dem Deutschlandstart (folgt mit dem von HBO Max in ein paar Tagen) anschauen zu können. Nahbare und interessante Charaktere treffen in einem authentischen Setting auf mitreißende Plots. Dazu wird im quasi Echtzeitformat in einer Staffel eine Schicht in der Notfallabteilung geschildert. Krankenhausserien sind zumeist maximal Guilty Pleasure. The Pitt dagegen ist „essential viewing“.

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Ein Hoch auf unterschiedliche Geschmäcker. Ich fühle es einfach nicht, aber das Leben wäre schrecklich eintönig, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten. Selbst der Idealist Kant legte für ästhetische Urteile schwächere Zustimmungserfordernisse als für Erkenntnisurteile an: Wir sollten zum gleichen Urteil gelangen, aber wenn es uns nicht gelingt, liegt nicht notwendig einer von uns objektiv falsch.

Die Szenen mit dem Split-Screen fand ich ziemlich gewitzt, zugegeben.

Ja, diese Antwort habe ich erwartet, und so würde ich Dich auch einschätzen. Umgekehrt liegst Du nicht falsch mit der Annahme, dass ich einen eher konventionellen Filmgeschmack habe. Ich mag kohärente, straff erzählte Geschichten mit einer spannenden Handlung und nachvollziehbar motivierten und agierenden Charakteren. Auf avantgardistische, expressionistische oder anderweitig exzentrische Ausflüge in andere erzählerische oder ästhetische Dimensionen kann ich hingegen verzichten. Das geht sogar so weit, dass es mich manchmal stört, wenn ein Film mit einer Szene aus der Zukunft beginnt und dann um mehrere Stunden oder Tage zurückspringt, um die eigentliche Geschichte zu erzählen.

„Whatever works“ ist als Unterscheidungskriterium hingegen nicht sinnvoll, denn das ist ja ein Effekt und keine Ursache. Klar, ich mag auch alle Filme, die für mich „worken“ – aber warum „worken“ sie denn? Also muss ich wieder über Dinge wie Story, Kamera oder Plot reden.

Oh nein. Mit Vampiren und, noch viel schlimmer, Zombies kann ich nicht viel anfangen. Zombies sind für mich tatsächlich so gut wie ein Ausschlusskriterium. Vampirgeschichten gegenüber bin ich ein bisschen aufgeschlossener.

An den Vampiren lag es aber nicht, dass mir Sinners nicht gefallen hat.

Das würde ich für mich sogar auch in Anspruch nehmen, zumindest ein bisschen, es sei denn, ich weiß schon vorher, dass der Film ein Feuerwerk des Expressionismus abbrennt: Szenen mit verfälschten Farben oder surrealen Soundeinlagen, phantastische Zwischenspiele, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, plötzliche Tanz- oder Gesangseinlagen, eine absichtlich konfuse Handlung, das Brechen der vierten Wand, fiebertraumartige Bildsequenzen – das ist nicht mein Geschmack.

Grundsätzlich stimme ich Dir zu. Spielfilme sind fiktionale Werke, die fiktionale Geschichten erzählen. Einen historischen Wahrheitsanspruch an ein fiktionales Werk anzulegen, ist ein Kategorienfehler.

Allerdings sind in dieser Hinsicht nicht alle Spielfilme gleich. Niemand würde von einem Zombiefilm oder einem Heist-Movie, in dem irgendeine Bank überfallen wird, historische Korrektheit erwarten oder verlangen. Das sind Werke reiner Fiktion. Aber bei einem Sklavenfilm, der sich als Sklavenfilm auf eine reale Epoche der amerikanischen Geschichte bezieht, sieht das anders aus.

Dein ursprünglicher Punkt war ja, dass Du Dir die von Brad Pitt gespielt die Figur aus dem Film weggewünscht hättest, Zitat, „weil es dann doch wieder den guten Weißen braucht, um den armen Schwarzen zu retten.“ Du siehst darin ein Stereotyp, dass Du nicht gerne durch Wiederholung bestärkt sehen würdest.

Angenommen, die Hautfarben in dem Film Twelve Years A Slave wären vertauscht. Alle Sklaven wären weiß und würden von weißen Schauspielern gespielt und alle weißen Ausbeuter wären schwarz und würden von schwarzen Schauspielern gespielt. Plötzlich würden weiße Sklaven auf grausamste Weise von schwarzen Sklavenhaltern ausgebeutet, entmenschlicht und erniedrigt. Würdest Du sagen, „okay, ja gut, komische Entscheidung des Regisseurs, aber ist halt ein fiktionales Werk“, oder würdest Du von einem epochalen Skandal und einer untragbaren Verdrehung der Wirklichkeit sprechen?

Dieselbe Regung, die Dich in dieser Hinsicht historische Korrektheit von einem fiktionalen Werk einfordern lässt, sollte Dich auch bezüglich der Figur von Brad Pitt historische Korrektheit einfordern lassen. Historische Korrektheit in ein- und demselben Werk ist entweder wichtig oder sie ist nicht wichtig. Sie ist nicht teilweise wichtig. Historische Korrektheit in einem Film, von dem man geschichtliche Korrektheit verlangt, nur soweit einzufordern, wie es dem eigenen Präferenzen-Set entspricht und vielleicht auch so weit abzuändern, dass sie dem eigenen Präferenzen-Set entspricht, ist der Weg in den geschichtspolitischen Untergang. Wenn historische Faktizität in Werken, die historisch richtig sein sollten, zur Verfügungsmasse geschichtspolitischer Deutungskämpfe wird, wenn die Hautfarbe Deiner Sklaven im Amerika des frühen 19. Jahrhunderts eine andere ist als für Deinen Nachbarn, ist geschichtliche Wahrheit an sich verloren.

Wenn die Sklaven in Twelve Years A Slave auch weiß und die Ausbeuter schwarz sein dürften, darf auch die Figur von Brad Pitt fehlen. Ansonsten bitte nicht.

Deinem späteren Argument, dass diese Figur besser nicht von Brad Pitt hätte gespielt werden sollen, weil es eine Randfigur durch die Statur des Schauspielers stark mit unterstellten positiven Qualitäten auflädt, die historisch möglicherweise nicht korrekt sind, stimme ich zu.

Danke für Deine Empfehlungen für andere Sklaven-Filme. Von den empfohlenen Filmen habe ich noch keinen gesehen. Sind notiert.

Ääh… nein. Laaaangweilig. :sweat_smile:

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Dein schwarzes Herz hat mich kurzzeitig nervös gemacht. Aber zum Glück ist alles ok bei der Guten. Ich habe auch dutzende Filme mit ihr genossen.