Ein Hoch auf unterschiedliche Geschmäcker. Ich fühle es einfach nicht, aber das Leben wäre schrecklich eintönig, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten. Selbst der Idealist Kant legte für ästhetische Urteile schwächere Zustimmungserfordernisse als für Erkenntnisurteile an: Wir sollten zum gleichen Urteil gelangen, aber wenn es uns nicht gelingt, liegt nicht notwendig einer von uns objektiv falsch.
Die Szenen mit dem Split-Screen fand ich ziemlich gewitzt, zugegeben.
Ja, diese Antwort habe ich erwartet, und so würde ich Dich auch einschätzen. Umgekehrt liegst Du nicht falsch mit der Annahme, dass ich einen eher konventionellen Filmgeschmack habe. Ich mag kohärente, straff erzählte Geschichten mit einer spannenden Handlung und nachvollziehbar motivierten und agierenden Charakteren. Auf avantgardistische, expressionistische oder anderweitig exzentrische Ausflüge in andere erzählerische oder ästhetische Dimensionen kann ich hingegen verzichten. Das geht sogar so weit, dass es mich manchmal stört, wenn ein Film mit einer Szene aus der Zukunft beginnt und dann um mehrere Stunden oder Tage zurückspringt, um die eigentliche Geschichte zu erzählen.
„Whatever works“ ist als Unterscheidungskriterium hingegen nicht sinnvoll, denn das ist ja ein Effekt und keine Ursache. Klar, ich mag auch alle Filme, die für mich „worken“ – aber warum „worken“ sie denn? Also muss ich wieder über Dinge wie Story, Kamera oder Plot reden.
Oh nein. Mit Vampiren und, noch viel schlimmer, Zombies kann ich nicht viel anfangen. Zombies sind für mich tatsächlich so gut wie ein Ausschlusskriterium. Vampirgeschichten gegenüber bin ich ein bisschen aufgeschlossener.
An den Vampiren lag es aber nicht, dass mir Sinners nicht gefallen hat.
Das würde ich für mich sogar auch in Anspruch nehmen, zumindest ein bisschen, es sei denn, ich weiß schon vorher, dass der Film ein Feuerwerk des Expressionismus abbrennt: Szenen mit verfälschten Farben oder surrealen Soundeinlagen, phantastische Zwischenspiele, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, plötzliche Tanz- oder Gesangseinlagen, eine absichtlich konfuse Handlung, das Brechen der vierten Wand, fiebertraumartige Bildsequenzen – das ist nicht mein Geschmack.
Grundsätzlich stimme ich Dir zu. Spielfilme sind fiktionale Werke, die fiktionale Geschichten erzählen. Einen historischen Wahrheitsanspruch an ein fiktionales Werk anzulegen, ist ein Kategorienfehler.
Allerdings sind in dieser Hinsicht nicht alle Spielfilme gleich. Niemand würde von einem Zombiefilm oder einem Heist-Movie, in dem irgendeine Bank überfallen wird, historische Korrektheit erwarten oder verlangen. Das sind Werke reiner Fiktion. Aber bei einem Sklavenfilm, der sich als Sklavenfilm auf eine reale Epoche der amerikanischen Geschichte bezieht, sieht das anders aus.
Dein ursprünglicher Punkt war ja, dass Du Dir die von Brad Pitt gespielt die Figur aus dem Film weggewünscht hättest, Zitat, „weil es dann doch wieder den guten Weißen braucht, um den armen Schwarzen zu retten.“ Du siehst darin ein Stereotyp, dass Du nicht gerne durch Wiederholung bestärkt sehen würdest.
Angenommen, die Hautfarben in dem Film Twelve Years A Slave wären vertauscht. Alle Sklaven wären weiß und würden von weißen Schauspielern gespielt und alle weißen Ausbeuter wären schwarz und würden von schwarzen Schauspielern gespielt. Plötzlich würden weiße Sklaven auf grausamste Weise von schwarzen Sklavenhaltern ausgebeutet, entmenschlicht und erniedrigt. Würdest Du sagen, „okay, ja gut, komische Entscheidung des Regisseurs, aber ist halt ein fiktionales Werk“, oder würdest Du von einem epochalen Skandal und einer untragbaren Verdrehung der Wirklichkeit sprechen?
Dieselbe Regung, die Dich in dieser Hinsicht historische Korrektheit von einem fiktionalen Werk einfordern lässt, sollte Dich auch bezüglich der Figur von Brad Pitt historische Korrektheit einfordern lassen. Historische Korrektheit in ein- und demselben Werk ist entweder wichtig oder sie ist nicht wichtig. Sie ist nicht teilweise wichtig. Historische Korrektheit in einem Film, von dem man geschichtliche Korrektheit verlangt, nur soweit einzufordern, wie es dem eigenen Präferenzen-Set entspricht und vielleicht auch so weit abzuändern, dass sie dem eigenen Präferenzen-Set entspricht, ist der Weg in den geschichtspolitischen Untergang. Wenn historische Faktizität in Werken, die historisch richtig sein sollten, zur Verfügungsmasse geschichtspolitischer Deutungskämpfe wird, wenn die Hautfarbe Deiner Sklaven im Amerika des frühen 19. Jahrhunderts eine andere ist als für Deinen Nachbarn, ist geschichtliche Wahrheit an sich verloren.
Wenn die Sklaven in Twelve Years A Slave auch weiß und die Ausbeuter schwarz sein dürften, darf auch die Figur von Brad Pitt fehlen. Ansonsten bitte nicht.
Deinem späteren Argument, dass diese Figur besser nicht von Brad Pitt hätte gespielt werden sollen, weil es eine Randfigur durch die Statur des Schauspielers stark mit unterstellten positiven Qualitäten auflädt, die historisch möglicherweise nicht korrekt sind, stimme ich zu.
Danke für Deine Empfehlungen für andere Sklaven-Filme. Von den empfohlenen Filmen habe ich noch keinen gesehen. Sind notiert.
Ääh… nein. Laaaangweilig. 