Klar, es ging mir um das Problem der fairen Bewertung eines ökonomisch verwertbaren Assets, dessen einziger Wert in dem Einkommen besteht, das es generiert. Das deckt aber natürlich nicht solche Fälle ab, in denen das Asset zusätzlich oder alternativ zu diesem Einkommensstrom einen ideellen oder „idiosynkratischen” Wert für einen bestimmten Betrachter hat, in dessen persönlicher Bewertung der Wert des Assets über den Einkommensstrom, den es generiert, hinausgeht oder damit nichts zu tun hat (zum Beispiel ein einmaliger Formel-1-Wagen für einen bestimmten Sammler oder ein Bild eines bestimmten Künstlers für einen bestimmten Sammler).
Wenn sich das Emirat Katar beispielsweise einen Fußballverein kauft, können wir davon ausgehen, dass der gezahlte Betrag sich nicht an den abdiskontierten zukünftigen Einzahlungsüberschüssen des Vereins orientiert, sondern dass Katar sich damit weitere, nicht-ökonomische Ziele wie Ansehen und politisches Gewicht erkaufen möchte und dementsprechend auch bereit ist, mehr für den Verein zu zahlen, als er bis an sein Lebensende an positiven, auf den heutigen Tag abdiskontierten Zahlungsströmen generiert.
Genau. Umsatzmultiples und andere Bewertungsmethoden, die auf Multiples basieren, sind in manchen Fällen eine adäquate Alternative zur viel komplizierteren DCF-Methode, aber auch hier entspringt der Wert des betrachteten Assets den Erwartungen über zukünftige Einzahlungsüberschüsse (nur eben über den Umweg bis Vergleichs mit anderen Unternehmen derselben „Klasse“).
Ja, denn es ist schlicht unmöglich, den fairen Wert eines Spielers als seinen abdiskontierten Beitrag zum zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg des Fußballvereins, gemessen in Geldeinheiten, auszurechnen. Das liegt unter anderem daran, dass der Wert eines Spielers nicht isoliert von dem Wert der anderen Spieler um ihn herum betrachtet werden kann (Stichwort Synergieeffekte).
Wie sich der faire Wert eines Spielers berechnen ließe, ist eine wirklich spannende Frage. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es quasi-experimentelle Bewertungsmethoden, die mit synthetischen Kontrollgruppen arbeiten. Synthetische Kontrollgruppen kommen zum Einsatz bei Experimenten, wo man zwei Gruppen hat, eine Treatmentgruppe, die ein Treatment bekommt, und eine Kontrollgruppe, die das Treatment nicht bekommt, und deren Ergebnisse dann nach dem Einsatz des Treatments miteinander verglichen werden, um festzustellen, ob und wie das Treatment gewirkt hat.
Synthetische Kontrollgruppen sind künstlich hergestellte Kontrollgruppen, die nicht real existieren, sondern nur auf dem Papier zusammengebastelt sind. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie der Treatment-Gruppe (z. B. einem Verein) möglichst weitgehend ähneln, das Treatment (z. B. einen neuen Stürmer) jedoch nicht erhalten. Wenn dann der neue Stürmer kommt (z. B. Lewandowski beim FC Barcelona), vergleicht man die Ergebnisse der Treatment-Gruppe (des echten FC Barcelona) mit denen der synthetischen Kontrollgruppe (des synthetischen FC Barcelona-„Doppelgängers”, aber ohne Lewandowski, dessen Entwicklung man kontrafaktisch berechnet), beispielsweise nach einem Jahr oder nach fünf Jahren. Anhand der Unterschiede bei den interessanten Statistiken (Tore, Punkte usw.) könnte man den originären Beitrag Lewandowskis zum echten FC Barcelona gegenüber dem synthetischen FC-Barcelona-Doppelgänger ausrechnen.
Wenn sich diese Deltas bei Toren, Punkten usw. zwischen dem echten und dem künstlichen FC Barcelona auch noch in einen ökonomischen Wert umrechnen ließen (noch so ein Problem*), könnte man theoretisch Lewandowskis fairen Wert berechnen.
Das ist alles hochgradig theoretisch und wahrscheinlich nicht sonderlich praxistauglich, aber ein sehr spannende gedankliche Spielerei, finde ich.
*EDIT: oder auch nicht, wenn man sich direkt auf das Delta bei Umsatz und Gewinn konzentriert.