Habe jetzt auf die schnelle nicht anderes gefunden, aber ich dachte Mintzlaff ist nicht mehr bei Leipzig tätig, sondern hat jetzt einen neuen Posten bei Red Bull? Bin von daher etwas verwundert, dass er hier noch mitmischt.
Wikipedia:
Mitte November 2022 trat Oliver Mintzlaff kurz nach dem Tod von Dietrich Mateschitz als Vorstandsvorsitzender des e. V. sowie vorsitzender Geschäftsführer der GmbH zurück und wurde Vorsitzender der Geschäftsführung von Red Bull.
Meine Meinung dazu: dass der europäische Spitzenfußball (vor allem in der Championsleague) dafür gesorgt hat, dass die gesetzten Großvereine finanziell relativ zu anderen eher bevorteilt werden, steht für mich selbst außer Frage. Aus Sicht des FCB alleine kann man diese Entwicklung natürlich befürworten. Im Sinne eines ausgeglicheneren Wettbewerbs ist es wohl eher nicht.
Eine sehr schwierige Abwägungsfrage, finde ich. „Fair“ wäre vielleicht - sehr theoretisch - eine Gleichverteilung der Gelder auf alle Teilnehmer. Andererseits hat sich ein Klub wie Bayern den internationalen Status hart erarbeitet verglichen mit anderen Konkurrenten, die deutlich mehr Geld zur Verfügung hatten.
Ich habe da keine Lösung, sehe aber schon das Problem - die Schere geht weiter auseinander.
Falls ich die Nachfrage richtig verstehe (wenn nicht, dann Entschuldigung) : vor allem in der CL, aber auch in der BL. In der CL sind die großen Namen gesetzt, die sich über Jahre einen Vorteil herausgespielt haben. In der BL ist es wohl ohne Zweifel so, dass Bayern dominiert.
Geld ist natürlich nicht alles, und das ist auch gut so. Es hilft aber ungemein. Und der momentane CL-Verteilungsschlüssel ist sicher nicht zu ungunsten der Großklubs. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Schere wieder etwas näher zusammenkommt momentan.
Ich wünsche mir selbstredend auch Erfolge des FCB - aber ich selbst sehe, dass es immer wieder auf die gleichen Gegner hinausläuft. Und diese Gegner werden wie der FCB immer stärker im Vergleich zur Konkurrenz. Wollen wir das wirklich?
In der Tat schwierig.
Wobei ich da bezüglich der CL ein etwas differenzierte Haltung habe, die nicht unbedingt das allgemeine Klima widerspiegelt:
Ich finde nämlich, dass die CL wesentlich ausgeglichener ist als gemeinhin angenommen. Ich bemesse das daran, dass ich ganz ehrlich der Meinung bin, dass vor Beginn einer Spielzeit wenigstens 10 Vereine die ehrliche Ambition haben dürfen, im Idealfalle die CL gewinnen zu können. Wenn man das dem Teilnehmerfeld gegenüberstellt, finde ich das eine geradezu hohe Zahl bei einer vermeintlichen Ungleichheit.
Natürlich liegt das zuvorderst am K.-O.-System, aber auch daran, dass man ab einer gewissen Anzahl an verfügbaren guten oder überdurchschnittlichen Spielern nicht mehr viel besser werden kann - außer durch sehr gute und innovative Arbeit, etwa des Coaches oder Kaderplaners. Womit wiederum durchaus große finanzielle Vorsprünge wettgemacht werden können, und was etwa in der BuLi über Jahre halt einfach keiner geschafft hat, um näher an Bayern ranzurücken. Wohingegen sogenannte kleine Vereine wiederholt zeigen, dass selbige gute Arbeit zuverlässig die vermeintlich entscheidenden finanziellen Vorteile großer Vereine wie dem HSV oder Hertha oder Schalke locker wettmacht. Und international finde ich da auch immer wieder gute Beispiele.
Investoren alleine sind keine Lösung - ich hoffe, da sind wir uns einig. Da kommt es sehr auf den passenden Investor an.
Zu der Aussage, dass es typisch deutsch sei, etwas zu fordern, ohne etwas zu leisten: der Vorsprung, den Bayern heute hat, kann kaum jemand in der BL einholen. Freiburg und Union leisten sehr, sehr gute Arbeit seit ein paar Jahren, sind aber Lichtjahre von Bayern entfernt.
Mir geht es nicht darum, Bayerns Leistung schlechtzureden, ganz im Gegenteil. Aber wie sollen denn die anderen Klubs aufholen können?
Chelsea macht gerade vor, wie man Unsummen versenken kann - wie gesagt: Geld ist nicht alles, und das ist gut so. Aber Freiburg z. B. leistet seit Jahren sehr gute Arbeit, die werden, auch wenn sie Jahre so weitermachen, nicht in Bayernnähe geraten, denke ich.
Ich würde niemals behaupten, dass das alles ein einfaches Thema ist - aber die Gesamtentwicklung empfinde ich selbst nicht als unbedingt positiv. Mag jeder anders sehen, alles gut.
Das ist sicher eine der Möglichkeiten, mit Investoren aus Russland, Saudi Arabien, Katar und Abu Dhabi aufzuschließen. Und dann beginnt das schwierige Feld, mit wem man sich da zusammentut. Wie gesagt: alles sehr komplex. Und spätestens hier endet die naive Vorstellung, dass Sport mit Politik nichts zu tun haben könnte.
Da sind mir persönlich Vereine wie Real Madrid deutlich lieber.
Letztlich zementiert der momentane Modus bestehende Verhältnisse. Die ECA hat ein gewisses Interesse daran, dass es so bleibt. Die neue Vereinigung möchte etwas ändern. Grundsätzlich finde ich die Existenz von verschiedenen Meinungen erst mal gut (egal, womit man sympathisiert) : es gibt eine Reibung, aus der man sich weiterentwickeln kann.
Die Frage ist eher: Was ist die Alternative? Meiner Meinung nach wurde längst die Entscheidung gefällt, dass es eine Art Super League geben wird. Das Thema ist durch. Die einzig spannende Frage ist, wie diese aussehen wird. In den letzten 10 Jahren gab es da einen großen Machtkampf im Weltfußball. Am Ende hat sich die ECA durchgesetzt, welche zusammen mit der UEFA die CL weiter in Richtung Super League ausbauen möchte.
Für den Fußball-Romantiker ist das vielleicht das geringste Übel, da es in der CL immer noch das Konzept von Auf- und Abstieg gibt (durch Nicht-Qualifikation) und immer noch Überraschungsteams mal einen Lauf haben können.
Wenn man sich die Siegerlisten ansieht, kann man da klar widersprechen. Porto 2004 war das letzte Siegerteam, das nicht zur finanziellen Elite gehört hat. Diese Elite besteht aber aus weniger als 10 Teams. Sie hat sich über diese knapp 20 Jahre in ihrer Zusammensetzung zwar verändert, aber es hat nie wieder ein Underdog geschafft, die CL zu gewinnen.
Dazu kommt, dass nicht jedes Team dieser Elite jedes Jahr um den CL-Titel spielt. United z.B. hat es schon seit Ewigkeiten nicht mehr ernsthaft probiert. Aktuell haben wir sogar eine besondere Situation, weil mit Chelsea und Liverpool zwei dieser Teams komplett fehlen. Eventuell steigt Arsenal jetzt in diese Gruppe auf und man muss abwarten, ob Barca sich wieder sammeln kann. Daneben gibt es mit City, Real, PSG und Bayern aber nur vier Klubs mit ernsthaften Siegchancen. Im Best Case also 6 Klubs.
Wenn man dann noch wie letzteres Jahr das Pech hat, dass diese Klubs alle in die selbe Turnierhälfte gelost werden, steht der Sieger eben schon vor dem Finale fest.
Es sind aber auch nicht nur die Siegerteams. Die Vielfalt in den KO-Runden wurde über die Zeit auch kontinuierlich geringer. Es wurde immer seltener, dass ein Underdog mal weit kommt (z.B. Ajax vor einigen Jahren). Der Wettbewerb beginnt mittlerweile erst mit den letzten acht Teams im Viertelfinale. Von diesen acht haben dann meist nur vier oder fünf eine realistische Chance auf den Titel. Selbst die vier Top-Teams des letzten Jahres kann man auch nochmal deutlich in zwei Gruppen unterteilen: 1. Real & City, 2. Bayern & PSG. Dahinter kommt dann lange nichts.
Die CL ist nichts völlig anderes. Sie ist zwar kein „closed shop“, aber nahezu. Klubs wie der FC Bayern haben eine ewige Teilnahmegarantie. Klubs, die regelmäßig teilnehmen, bekommen das meiste Geld. Mit dem Geld können sie sicherstellen, auch das nächste Mal wieder dabei zu sein. Dass wir mal nur 5. In der Bundesliga werden ist nahezu ausgeschlossen. Und selbst für dieses Szenario wollte man ja die Wildcards einführen damit unser Klub endgültig garantiert CL spielt. Letzteres haben sie dann doch nicht durchgedrückt (bzw nur in abgeschwächter Form), ist aber vermutlich nur eine Frage der Zeit.
Es ist also nicht völlig ausgeschlossen. Es ist die Realität. Jetzt schon.
Mit dem neuen Format kommt man dann auch dem Wunsch nach, mehr Spiele zwischen Top-Teams zu haben. Außerdem werden solche Konstellationen wie letztes Jahr mit unserer „Todesgruppe“ vermieden. Mehr Spiele → höhere Chance, dass sich Top-Teams durchsetzen. Und wenn nicht, gibt es noch eine Lucky-Looser-Runde als zweite Chance.
Der Wettbewerb wird also dahin umgebaut, dass die Elite möglichst garantiert in die KO-Runden kommen. Denn dann bekommen sie wieder garantiert viel Kohle mit der sie sich wieder garantiert qualifizieren können, usw.
Die einzigen, für die das ganze Thema nicht gilt, sind die Engländer. Die haben auch ohne CL so viel Kohle, dass sie eh in einer Parallelwelt leben. Die CL wird dort mittlerweile von vielen als Pokalwettbewerb für zwischendurch angesehen.
Die kleinen Clubs hatten die Wahl zwischen einer privaten Superleague, bei der die kleinen Clubs gar nichts mehr bekommen und einer CL als Superleague, bei der sie zumindest noch ein kleines Stück vom Kuchen bekommen. Da ist jetzt kein Wunder, dass sie sich für Option 2 entschieden haben.
Warum sollten die Top Clubs das nicht wollen? Das ist eben die Politik hinter dem Machtkampf. Die ECA bietet auch kleineren Clubs Krümmel an, damit sie das Mandat bekommen, die CL umzubauen. Davon profitieren in erster Linie aber die Top-Clubs, da diese garantierte Einnahmen bekommen und ihren Vorsprung zementieren.
Die deutsche Meisterschaft beruht mittlerweile ausschließlich darauf, dass der FC Bayern so viel mehr Geld hat, dass kein anderes Team mehr Meister werden kann (außer wenn der FCB sich selbst ein Bein stellt).
Das selbe gilt für Frankreich mit PSG. In Spanien gibt es immerhin zwei enteilte Klubs, wodurch es ne 50/50 Sache ist. (Gilt übrigens nicht nur für Top-Ligen. Selbst in Rumänien ist es so.)
Gerade das ist optimal für die Top-Clubs: Ein dynamisches Salary-Cap. Damit ist weiter sichergestellt, dass sie mehr ausgeben dürfen als die Kleinen. Aber dadurch, dass es ein Limit gibt, können die Klubs profitabel laufen. Ein Paradies für Investoren.
Wie sieht die realistische Durchlässigkeit für Union denn aus? Wann können die um den CL-Titel spielen?
„Wir alle wissen, wo der Wert geschaffen wird, machen wir uns nichts vor“, sagte Cliff Baty, Finanzchef von Manchester United, bereits 2022 zu den anstehenden Verhandlungen. „Der Grund, warum die Sender so viel Geld zahlen, ist das Produkt Champions League.“ Der Spaltung zwischen groß und klein wollte er sogar etwas Positives abgewinnen. „Die Spaltung gibt uns eine gewisse Sicherheit, die in Bezug auf die Stabilität hilft. Wenn wir das wegnehmen, wird es die Schwankungen erhöhen und es wird für uns schwieriger zu handhaben.“ Der Wunsch der großen Klubs ist also: unternehmerische Sicherheit statt sportliches Risiko."
Viel mehr muss man - denke ich - nicht sagen über die Intention der großen Klubs. Und man kann diese Intention ja sogar nachvollziehen, aber ob es dauerhaft eine gute Lösung für den Sport ist, ist m. E. eine ganz andere Frage.
Ps: Nationalmannschaften sind zumindest bei dieser ganzen Diskussion eh völlig außen vor, denke ich - da gibt es ganz andere Rahmenbedingungen.
Grundsätzlich könnte ich mir vorstellen, dass es in die Richtung geht.
Nicht heute und nicht morgen, vielleicht nicht genauso.
Aber die Tendenz ist klar.
Mehr sportlich relevante Spiele gegen Top-Teams statt Kantersiege gegen kleine Teams. Und Geld. Weil weniger Küchenstücke.
Siehe das Zitat, das @Lukenwolf1970 oben gepostet hat. Kurz: Verlässliches Geld.
Die Hälfte der neuen Startplätze sollte ursprünglich an Top-Teams gehen. Das wurde etwas aufgeweicht, jetzt gehen sie an die Top-Ligen. Die anderen zwei Startplätze gehen an kleinere. Vermutlich als Brotkrumen, damit die ruhig sind.
Der Gedanke, die Jubiläums-WM auf zwei oder drei Kontinenten auszutragen, ist jetzt nicht sooo absurd (siehe die letzte EM).
Merkwürdig ist eher, dass in den drei südamerikanischen Ländern nur je ein Spiel (!) stattfinden soll…