Was es auf jeden Fall gäbe, wären sehr hitzige Diskussionen hier im Forum. ![]()
Und da sehen wir, dass die Frage, was man einem Spieler zugestehen kann und wo rote Linien überschritten werden, auch immer stark von subjektiven Empfindungen abhängt.
Bis wieweit ist man bereit, jemandes Fehlverhalten noch als akzeptabel zu tolerieren und ab wann reden wir von einem unentschuldbaren Verhalten, das ggf. sogar eine Weiterbeschäftigung in Frage stellen sollte?
Und dann kommt beim Fußball noch die Komponente „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“ zum Tragen, denn es wird sicherlich nicht selten vorkommen, dass ein Fußballfan einem Fußballspieler, der auf dem Feld seine Leistung bringt, ein Fehlverhalten, das man womöglich bei einem Freund oder einem Familienmitglied nicht tolerieren würde, eher durchgehen lässt, weil dieser Fußballer ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft und ein Garant für Erfolg ist und man als Fan ja will, dass sein Verein möglichst erfolgreich ist.
In gewissem Sinne bewegen wir uns in diesem Bereich in Gefilden, die dem Sponsoringbereich nicht unähnlich sind. Auch hier ist es im Endeffekt ein Verhandeln mit dem eigenen Gewissen, welche Geldgeber gerade noch akzeptabel sind und wo Grenzen überschritten werden.
Das „Gute“ daran ist, dass man sich als Fußballfan - so schwer es auch sein mag - im Zweifelsfall von seinem Verein abwenden kann, wenn dessen Vorgehensweise von den eigenen Vorstellungen zu stark abweicht. Da tut sich ein Arbeitnehmer im Zweifelsfall deutlich schwerer, wenn ihm die Richtlinien des Arbeitgebers nicht passen, er aber das Gehalt braucht, um ein Haus abzubezahlen etc.
Und ich meine - wie in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft auch - eine immer stärkere Polarisierung wahrzunehmen, wenn es darum geht, welche Werte ein Verein unbedingt wahren muss.
Man kann der Südkurve, um die es ja ursprünglich ging, vieles vorwerfen. Aber das passiert dort nicht. Zumindest nicht in der heutigen Konstellation. Ich empfinde sie da als weitestgehend sehr konsequent. Man wird immer Dinge finden, an denen man herumpicken kann und „Doppelmoral“ unterstellen kann. Wahr ist: Unser aller Leben besteht aus Doppelmoral im engeren Sinne. Selbst die konsequentesten Menschen der Welt sind irgendwo angreifbar, wenn man es darauf anlegt. Aber der sportliche Erfolg ist für die Kurve nicht um jeden Preis das wichtigste. Für „Fans“ als weiter definierten Begriff magst du aber Recht haben.
Ich würde hier noch etwas präzisieren: selbst in der „Kurve“ wirst du zu vielen Themen unterschiedliche Meinungen finden. Bei denen, die in der Kurve den Ton angeben, hast du definitiv recht, dass sie den sportlichen Erfolg nicht über alles stellen.
Ja, eine homogene Masse gibt es ja nicht mal bei unserem Rund 20-köpfigen Miasanrot-Team und das ist auch gut so. Aber grundsätzlich geht es ja darum, was nach außen vermittelt wird und da schätze ich die Linie der Kurve schon als so konsequent ein, wie man in dem Fall eben konsequent sein kann.
Ich wage sogar zu behaupten, dass es etliche Leute in der Kurve gibt, die sich für Fußball nur absolut am Rande interessieren, sondern diese nur als Plattform nutzen um ihre Meinung zu allen möglichen Themen kundzutun.
Gegen Bremen war ich im Stadion, ganze acht mal wurde in der Kurve ein Banner hochgezogen um gegen irgendwas zu protestieren.
Was ich mich auch Frage? Gehen die Leute davon aus, dass alle ihrer Meinung sind und sie für alle in der Süd sprechen? Oder gibt es da vorher Umfragen?
Es gibt doch in der Kurve bestimmt Menschen, die zum Thema Boateng anderer Ansicht sind. Die werden da einfach mit vereinnahmt
Da sagst du was Wahres und sehr wichtiges.
Die Frage ist eben wie wir damit umgehen. Durch diese starke Polarisierung sind die Positionen immer unversöhnlicher.
Diese Plakate gestern waren unversöhnlich. Sie verlangen nicht Reue. Sie brandmarken.
Was wollen wir als Gesellschaft. Wollen wir anklagen und ausschließen? Oder wollen wir, dass wir unseren Umgang mit Gewalt mit Frauen reflektieren und verändern?
Der gute und sehr schätzenswerte @patricksaint würde jetzt wahrscheinlich argumentieren dass es diesen Aufschrei und diese harsche Wortwahl braucht. Ich persönlich hege da Zweifel ob es der Sache wirklich hilft.
Noch kurz zu diesem Thema. Das ist aus meiner Sicht eines das auf wirtschaftlichem Vorteil beruht. Das ist ein Problem, dass sich durchzieht, wenn es um juristische Fälle geht. Hast Du Geld, kannst Du Dir teure gute Anwälte kaufen, kannst Du Zeugen kaufen, Vergleiche kaufen etc.
Das gilt für Profifußballer, Konzerne, vermögende Privatpersonen etc.
Nein, alles kann man sich nicht erkaufen, aber vieles eben schon. Wenn Zeugen lieber das Geld nehmen anstatt auf einen Schuldspruch zu hoffen, zeigt es auch, dass juristische Schuld und moralische Schuld oftmals abweichen.
Das ist halt nun schon wieder so ein Beispiel, wo meine Skepsis als Naturwissenschaftler geweckt wird. Ich habe mich ehrlich gesagt mit dem Fall überhaupt nicht beschäftigt, aber abstrakt gibt es einfach zwei Möglichkeiten:
a) die Vorwürfe stimmen und CR7 hat sich mit viel Geld freigekauft
b) eine junge Dame hat sich in ihn verknallt und nachdem die beiden sich intim betätigt hatten, hat er sie wissen lassen, dass er keine Beziehung mit ihr will; da hat sie die Chance gesehen, sich zu rächen oder wenigstens ein paar Euros mitzunehmen… und er hat lieber gezahlt als es auf einen Prozess, der ihm auf jeden Fall geschadet hätte, ankommen zu lassen.
Wie gesagt, ich habe mich mit dem Fall konkret nie befasst. Aber dass man Möglichkeit b) oft gar nicht mehr diskutieren darf, weil man dann sofort als Verteidiger von Gewalttätern denunziert wird, finde ich eine nicht sachdienliche Verengung der Argumentation, und definitiv bewirkt man damit bei weniger reflektierten Personen in erster Linie eine komplette Ablehnung als Trotzreaktion.
Haltloser Vorwurf, der vor allem Abwertung als Ziel hat. Wie quatschig kann man eine eigene Argumentation überhaupt starten? Ich wage zu behaupten, dass DU einfach nur genervt bist davon, dass Fußball faktisch mehr ist als der rollende Ball. Und das ist dann dein Problem und nicht das anderer.
Nein, gehen sie nicht. Und deshalb sind Banner in der Regel auch mit Kürzeln der Gruppierungen gekennzeichnet. Es ist deren Recht, ihre Meinung kundzutun, es ist dein Recht, dich davon zu distanzieren.
Und selbstverständlich gibt es Diskussionen innerhalb dieser Gruppierungen, weil das soziale Gruppen sind und der Austausch so funktioniert. Selbstverständlich gibt es auch gruppierungsübergreifend Diskussionen darüber, welche Themen gemacht werden und welche nicht. Da setzt sich kein einzelner hin und bestimmt jetzt, was gemacht wird.
Deine Darstellung, hier werde etwas aufgezwängt, ist nicht nur falsch, sondern auch dreist. Die Südkurve als Raum ist nun mal der Raum der aktiven Fanszenen. Auch andere dürfen dort teilnehmen und sich dort positionieren und es hält sie niemand davon ab. Aber dass diese Fans die Position haben, dies als ihren Raum zu benennen hat vielerlei Gründe. Dass sie es sich herausnehmen dürfen, ihre Position dort zu äußern, hat vielerlei Gründe. Dafür müsste man sich aber mit der Geschichte der Fanszene beim FC Bayern auseinandersetzen.
Dein Protestmittel dagegen ist das Aufsuchen der Debatte. Wenn du darin keine Erfolgschancen siehst, kannst du dich auch räumlich davon distanzieren, indem du dich eben nicht dort hinstellst, wo viele anderer Meinung sind als du. Du kannst auch dort sein UND anderer Meinung sein. Dann musst du aber auch genau das aushalten können.
Dann tu das doch bitte erstmal, bevor du dich verrennst. Danke. So sehe ich keinen Sinn in deiner Antwort. Sie verzerrt nämlich die Faktenlage. Das Schweigegeld ist erwiesen und bestätigt.
Bingo. Ein nicht aufzulösendes Problem.
Eine weiteres Banner von gestern, in der Aussage für mich sogar noch wesentlich wichtiger als die beiden anderen.
Da muss ich @Manowar zur Seite springen.
Für viele geht es bei einem Stadionbesuch darum, ein Spiel 11 gegen 11 zu sehen, sich gemeinsam zu freuen, sich über vergebene Chancen zu ärgern und die Schiedsrichterentscheidungen zu kritisieren.
Zu dieser Gruppe gehöre auch ich. Ich mag es die taktische Ausrichtung genauer als im TV zu sehen und die Geschwindigkeit sowie die technischen Fähigkeiten der Spieler hautnah mitzuerleben.
Für mich ist das Fußball.
Mit dem Rücken zum Spielfeld zu stehen und 90 Minuten irgendetwas zu grölen, ist es für andere und solange jeder den Eintritt bezahlt hat, kann das jeder halten wie er es will. Da braucht niemand dem anderen irgendwelche Vorhaltungen zu machen.
Das ist doch schön. Das gibt aber niemandem das Recht dazu, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun haben. Es ist die bestmögliche Bühne, um in wichtigen Themen Kritik am Verein zu äußern und ich sowie viele andere sind glücklich darüber, dass es Menschen gibt, die diese Bühne nutzen, um Themen auf den Tisch zu bringen, die sonst niemals da wären. Und dass sie 90 Minuten mit dem Rücken zum Geschehen verbringen würden, ist eine weitere polemische Herabwürdigung.
Wer unkritisches Publikum möchte, muss sich nur ansehen, was in England passiert ist. Ohne das Engagement der Fanszenen sähe es in Deutschland schon längst ähnlich aus. Es verlangt niemand von euch, in jedem Punkt mit ihnen einverstanden zu sein. Aber zu behaupten, sie hätten deshalb kein Interesse am Fußball, sondern nur an Selbstinszenierung ist vor allem eines: Peinlich.
Kommt jetzt drauf an. Ohne die massiven Fanproteste in England gegen die Superleague wäre diese vielleicht schon Realität. Durch diese Proteste war die englische Regierung dann sofort mit im Boot und es nahm seinen Lauf.
Es ist ein anderes Land, eine andere Kultur und eine anders gelagerte Fanszene. Sie hat natürlich viel weniger formale Mitbestimmung. Aber kann sich trotzdem schnell und medienwirksam formieren.
Richtig. Auch England hat eine gewaltige und kritische Fanszene. Mir geht es nicht darum, diese herabzusetzen. Ich konkretisiere deshalb nochmal, danke für den Hinweis. Es geht mir darum, dass diese Fanszenen auf großer Bühne fast gar nicht mehr stattfinden. In den Stadien selbst gibt es kaum noch echte Fankultur, die Preise sind enorm gestiegen, kritische Stimmen finden dort statt, wo sie weniger wiegen. Das kann keiner wollen.
Wir sind da schon auf einer Welle, allein die Meinung anderer als peinlich oder quatschig zu bezeichnen, gefällt mir nicht.
Ich habe inzwischen viele deiner tollen Artikel gelesen und ich bin bei T. Tuchel wenn er sagt „Er kann’s besser“.
Der große Unterschied ist die Mitbestimmung. Die hast du bei uns, da die Klubs den Vereinen gehören (bis auf die bekannten Ausnahmen).
77£ Walkout in Liverpool, Hull City Tigers, Anti Glazer etc.
Nicht wie in Deutschland ständig. Das ist eine Sache der Fankultur. Aber sie ist eben da, wenn es Dinge gibt die nicht gehen. Dann aber gewaltig und mit sehr viel Support auch aus den Medien und auch der Poltik (im Gegensatz in D).
Es ist klar, dass Du oder viele andere sich mit der deutschen Fankultur und mit den Protesten in den Stadien mehr identifizieren. Logisch. Du bist damit aufgewachsen und sozialisiert.
Die Menschen in England ticken aber einfach anders. Das 50+1 Konzept wird zwar teilweise bewundert. Aber sind wir ehrlich, in England gäbe es dafür niemals eine Mehrheit. Das ist nicht die Geschichte des Englischen Fußballs. Dort gehören Klubs seit Beginn den 20. Jahrhunderts Besitzern (z.B. Arsenal oder United). Das ist anders gewachsen.
It’s different.
Das beste Beispiel dafür, dass England anders ist auch die Tatsache, dass Vereine wie Hamburg oder Schalke dort längst untergegangen wären und hier in Deutschland können sie sich über Wasser halten.
Die wären in der League One oder tiefer, dann hätte sie jemand gekauft, viel Geld ausgegeben und sie vielleicht wieder hochgebracht. Das sieht man doch ständig. Gerade Dreyfus mit Sunderland. Diese Geschichten haben aber auch etwas. Sunderland ist doch ein modernes Märchen.
Wenn ich immer mal wieder in der Südkurve bin (nur seitlich zu den Geraden hin, ich will ja schließlich Fußball sehen und kein Fahnenmeer) sehe ich etliche Leute, die wenig bis gar nicht aufs Spielfeld schauen, sondern mit irgendwelchen Aktionen beschäftigt sind. Ist ihr gutes Recht, wer sich eine Eintrittskarte kauft ist ja nicht verpflichtet das Spiel zu beobachten.
Als haltlos würde ich diese Beobachtung daher sicher nicht bezeichnen.
Wieso du gleich wieder persönlich (Du!!!) werden musst, keine Ahnung? Die guten Vorsätze sind anscheinend schon wieder über Bord geworfen.
