„Was soll Nagelsmann tun? Die Scheiße zum laufen bringen oder seinen Hut nehmen.“
Er hat es einstweilen wieder zum laufen gebracht, also ist im Moment alles gut.
Wie er das macht ist mir grundsätzlich egal.
Solange der Fußball nach Fußball ausschaut und die Ergebnisse passen, ist der Trainer mein Freund
Das Selbstzitat mag kein Nonplusultra an Eleganz darstellen; macht nichts. Hier finde ich es ausnahmsweise mal angebracht. Direkt nach dem Augsburg-Spiel schrieb ich - gegen die allgemeine Stimmung hier (auch Deine) - unter anderem:
„Hat Nagelsmann womöglich, wie damals Ancelotti, die Leader gegen sich aufgebracht oder erweist er sich als trotzig und beratungsresistent? Weder aus den Statements von Müller und Neuer noch aus denen von Salihamidzic höre ich das heraus. Ist aber vielleicht Gefahr im Verzuge, etwa in Form einer fraglich werdenden CL-Quali wie einst bei van Gaal? Wohl kaum, in diesem frühen Stadium der Saison. Die Chefetage wäre folglich gut beraten - so jedenfalls mein Eindruck -, jetzt nicht die Nerven zu verlieren und stattdessen zu schauen, wie man dem Trainer den Rücken stärken kann.“
Schön, dass die Dinge sich in diese Richtung zu entwickeln scheinen.
Mir ist das alles zu viel Spekulation. Also etwa, dass Nagelsmann über seinen Schatten springen musste, das die Spieler an ihm gezweifelt hätten etc.
Das können wir von außen doch alles nicht wissen, und was in Bild und anderen Qualitätsmedien fabuliert wird, sollte man ohnehin ignorieren.
Umgekehrt hoffe ich doch sehr, dass bezüglich Spielkonzept da nicht der Alleinherrscher Nagelsmann in seinem Büro sitzt, sich was ausdenkt und dann versucht, der Mannschaft aufzuzwingen; sondern dass er mit seinem Trainer- und Analysten-Team, der Mannschaft und dem Vorstand regelmäßig Ideen und Probleme diskutiert und man dann einigermaßen im Konsens handelt.
Du versuchst mich ja nun nicht gerade zum erstenmal zu spiegeln, was ich durchaus auch als indirekte Form von Anerkennung betrachte. Aber auch hier gilt: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Mein Rat: dran bleiben! Üben, üben, üben … Mit 918 zu sprechen: das wird.
Was zumindest bisher auch ein wichtiger Punkt ist, dass die Vereinsspitze in diesem Punkt anscheinend eine geschlossene Meinung vertritt. Soweit man das mal von außen feststellen kann.
Das gute/böse alte Spiel zwischen Uli und Kalle „beschädigst du meinen Trainer, beschädige ich deinen Trainer“ wird öffentlich bisher nicht aufgeführt.
Zuletzt bekam dies noch Niko Kovac zu spüren. Den wollte Hoeneß noch „bis aufs Blut verteidigen“, während Rummenigge keine Gelegenheit ausließ, ihn über ein Jahr lang sturmreif zu schießen.
Genau so. Nur wird diese Spekulation hier von manchen sogar als „Fakt“ dargestellt, aber das ist ein leidiges anderes Thema. Ich würde auch mal mindestens eine Gegenthese zu „Nagelsmann hat sich von seinen Ideen verabschiedet“ hier reinwerfen, die auch viel besser zur massiven Unterstützung der Chefetage passt: Nämlich, dass es nach Lewandowskis Abgang, der auf verschiedene Weise erstmal ein massives Vakuum hinterlassen hat, und mit Neuzugängen, die den FCB noch kennenlernen mussten, einfach ein Entwicklungsprozess war/ist, den diejenigen, die näher dran sind als wir Ferndiagnostiker hier, die nicht einmal Experten sondern nur interessierte Laien sind (isso), als positiv und aussichtsreich angesehen haben und deshalb ruhig blieben. Warum hier immer wieder anderes als „gesichert“ kolportiert wird, ist mir schleierhaft. Gerade weil ja JN flexibel und experimentierfreudig ist, kann doch das, was jetzt gespielt wird, auch genau einer seiner vielen Ideen/Konzepte sein und nicht etwas, was er „gezwungenermaßen“ jetzt umsetzt mit der Gefahr, dass er dann wieder mit den „Experimenten“ anfängt. Just my 2 cents, aber aus meiner Sicht mindestens ebenso wahrscheinlich wie das andere Narrativ.
Und, noch was: Was wurden hier schon Abgesänge auf JN gehalten. Wie wurde Xavi („seht nur, wie schnell der ein System etabliert hat, der hatte auch nicht mehr Zeit…“) hier gefeiert. Und jetzt, klar, auch eine Momentaufnahme, verneigt sich der vor unserem FCB („wir sind nicht konkurrenzfähig“), die spanische (!) Presse schreibt, der FCB ist „Lichtjahre entfernt“… Würde mir so wünschen, dass das auch mal in die diversen Köpfe hier einsickert.
Man sucht ja immer nach Mustern und wenn es im Zufälligen ist.
Aber in dem Fall kann man die „Wende“ jetzt rückblickend ziemlich genau in der LS-Pause verorten. Was auch immer da getan, gesprochen o.ä. wurde, seitdem gibt es einen klaren Aufwärtstrend.
Und wenn man jetzt die Trendlinie im zeitlichen Ablauf genauer erkennen kann, ist dann auch auf einmal die Schwächephase am Schluss in Dortmund nicht mehr das Symptom der Krise, sondern ein unbedeutender Ausreißer in einem größeren Flow.
Das habe ich mir auch gedacht. Überhaupt ist unsere Saison (nochmal besonders im Direktvergleich mit Barca) bisher ein Paradebeispiel für die Schnelllebigkeit des Fussballgeschäfts bzw. die Kurzfristigkeit als Maßstab seiner Wahrnehmung und Bewertung. Selbst alten Hasen, mit jahrhunderterlanger Zuschauer-Erfahrung (wie sie hier, nach allem, was ich so herauszulesen meine, ja nicht selten anzutreffen sind und wo ich mich selber einschliesse), die es also besser wissen müssten, passiert es, dass sie Mannschaften, Trainer, Spieler anhand des jeweils letzten Spiels - oder sagen wir der letzten 3 Spiele - abschliessend bewerten.
Nach dem ersten Saisonspiel, dem Sieg gegen Frankfurt, standen wir gefühlt schon als Meister fest. Mané passt sogar besser zu uns als Lewandowski, jetzt kommen endlich alle gut zur Entfaltung etc. Barca spielt im ersten Ligaspiel 0:0, da gibt es schon die erste Häme in diese Richtung.
Wenige Spiele später steht Lewandowski bei knapp 10 Saisontoren und bei uns ist Ergebniskrise. Na logisch: es war ein Riesenfehler ihn zu verscherbeln (und nicht gegen seinen Willen zum Weiterspielen bei uns zu verpflichten). Wie konnten wir nur gedacht haben, dass es irgendwann auch ohne ihn gehen muss! Bei Barca hingegen alles toll - an denen sollten wir uns mal ein Beispiel nehmen.
Die Wendung zum Stand heute ist dann noch mal genauso eklatant.
Ich kriege es oft auch nicht gut hin, das große Ganze mit dem Abstand, den es bräuchte, zu bewerten. Deswegen möchte ich das auch gar nicht zu sehr kritisieren. Aber so trivial es klingt - manchmal hilft bei mir tatsächlich schon der Hinweis auf jenen Abstand, und vieles relativiert sich. Deshalb - so gerne ich die detaillierten Analysen und Meinungen über jedes einzelne Spiel auch lesen mag - danke auch für die vereinzelten Stimmen die mehr Abstand und mehr Gelassenheit empfehlen
Gut resümiert! Wenn man diesen Faden noch etwas weiterspinnt, mag man sich ja kaum vorstellen, was da in dieser Saison womöglich noch für emotionale und analytische Achterbahnfahrten auf uns zukommen, gerade auch angesichts der bevorstehenden WM-Pause und der Ungewissheit, wie es danach weitergeht. Es bleibt jedenfalls spannend.
Da stimme ich doch 918 mal nahezu vorbehaltlos zu.
Es geht nicht um ein oder zwei schlechte Spiele, sondern um die Gesamtsituation seit einem Jahr. Und da ging der Trend nur noch nach unten.
Das Nagelsmann mit der Mannschaft die Kurve bekommen hat, nimmt ihm bestimmt keiner übel.
Ungeachtet der spaßigen Formulierung: in diesem Fall waren wohl Vorstände und Präsidium gemeint. Oder wuppt 918 das alles mittlerweile in Personalunion („wer bin ich, und wenn ja, wie viele“)?
Stimmt, mit dem Zweiten lesen Sie besser
Ich las es als „Front gegen Nagelsmann“. Und diese gibt es zumindest in dieser militärisch angehauchten Ausdrucksweise wohl nur hier im Forum und dort relativ geballt
Euer Disput ist streckenweise immerhin recht unterhaltsam, und so werdet Ihr gelegentlich sogar mit B-Noten von Alex geadelt. Fast schon beneidenswert …