Die Frage ist ja auch ob er überhaupt nochmal Vereinstrainer nach Liverpool wird. Ich kann mir auch vorstellen er nimmt sich eine Auszeit und wird zum Abschluss der Karriere noch irgendwo Nationaltrainer. Vielleicht sogar in Deutschland.
Klopp bei Bayern? ![]()
Sowas könnt Ihr Euch vorstellen, im Ernst? Nach all dem, was über die Jahre gelaufen ist? Glaubt Ihr im Ernst, er möchte einen „Judas“/„Verräter“-shitstorm provozieren? Hab jetzt nicht noch „Heuchler“ geschrieben, denn das ist er in meinen Augen sowieso.
Würde jedenfalls mein Talent zum double-think/double-speak enorm strapazieren.
Der muss persona non grata bleiben (würde im Übrigen wohl, um seinen eigenen „Mythos“ zu schützen, das sowieso nicht tun. Geld hat er schon genug, Optionen auch, und notfalls gibt es da bestimmt noch den ein oder anderen Werbespot.)
Seitdem er für bayerisches Weißbier (!) Werbung macht, in seiner Zeit beim BVB sicherlich undenkbar, traue ich ihm alles zu! Ich glaube, sein „Mythos“ würde einem Engagement beim FCB nicht im Weg stehen. Eher schon die Sichtweise vieler FCB Fans, die du ganz gut zusammenfasst! ![]()
Kloppo ist doch geiler Shit - keine Ahnung was ihr alle habt!
Mit „guter Zusammenfassung“ meinst du bestimmt das von mir mitgelieferte Emoticon?! ![]()
Klopp würde auch für Glyphosat, Handgranaten oder Crystal Meth Werbung machen, wenn’s erlaubt wäre…
Bei Neuer sind wir ja leider eingeknickt. ![]()
Aber das Gute ist doch: der Erfolg heilt - gemeinsam mit der Zeit - viele Wunden.
Die wirkliche Heuchelei besteht ja darin, bei Protagonisten gegnerischer Teams strengere Maßstäbe anzulegen als beim eigenen. Wie etwa in Köln, wo man es Marco Reus noch heute hörbar übelnimmt, dass er bis 2012 (!) in Gladbach spielte.
Wenigstens sind die Zeiten vorbei, in denen es ganz offiziell Landesverrat war, ins Ausland zu gehen. Wie bei Beckenbauer, der nach seinem Wechsel zu Cosmos New York nicht mehr für die N11 spielen durfte, obwohl die ihn dringend gebraucht hätte.
Das führt jetzt ein wenig über den Fußball hinaus, aber nur kurz: jenseits der fachlichen Qualifikation, die ich ihm bestimmt nicht abspreche, stört es mich, dass er, wie alle mit öffentlichem autoritärem Gehabe (Trump, Bolsonaro etc.) jenseits der Inhalte mit seinem Gebaren, was charakteristischerweise auch gern ins Narzisstisch- Mimosenhafte abkippt, nur allzu bekannte Instinkte anspricht, wie sie halt bei allen autoritär Disponierten vorhanden sind, und damit auch gut ankommt: Sehnsucht nach dem starken Mann, der auch Aggressivität legitimiert, Sehnsucht nach Führung, nach jemandem, der herrschsüchtig und selbstverliebt ist, kratzen und mobben und beißen kann, nach jemandem, der die eigenen Unsicherheits- und Minderwertigkeitsgefühle cachiert/kompensiert. Bei Klopp findet das nur in einem zum Glück recht harmlosen Kontext, dem Profifußball, statt, aber die gleichen Mechanismen greifen auch in anderen Feldern, z.B. der Politik. Das ist mir - wie ich glaube, mit guten Gründen - nunmal sehr suspekt.
So wie Du es allgemein formulierst, stimme ich ohne weiteres zu; das gilt auch für die Beispiele aus der Politik. Aber wird das JK wirklich gerecht? Wie er es geschafft hat, die Menschen in Liverpool für sich einzunehmen, darin erkenne ich - zugegebenermaßen aus der Entfernung - keinen Trump- oder Bolsonaro-Verschnitt. Aber vielleicht habe ich mich auch nur nicht intensiv genug mit seiner schillernden Persönlichkeit befasst.
Die Wahrnehmung in England ist durchaus geteilt, aber die Strukturen, wie sie soziologisch für Liverpool gelten, sind denen von Klopps fanbase in Dt. nicht so unähnlich. Er ist ein geschickter Populist und weiß, welche Stereotypen gut ankommen. Auch da Personenkult bis zur Heiligsprechung.
Ein in der Tat wenig erfreuliches Phänomen. Wenigstens in dieser Hinsicht sind wir mit Nagelsmann absolut im grünen Bereich.
Bei einer gewissen Vehemenz der Ablehnung kommt bei mir halt Skepsis auf. Neuer ist das beste Beispiel. Nach elf mega erfolgreichen Jahren kommt einem das „Koan Neuer“-Theater nur noch absurd vor, obwohl es damals doch scheinbar gute Gründe gab: seine frühere Zugehörigkeit zur Schalker Ultra-Szene, seine lästerliche Imitation von Kahns Eckfahnenjubel, und so weiter.
Und anders herum: hätte Franck Ribéry sich seine (vorsichtig formuliert) Eskapaden als Spieler beispielsweise des BVB geleistet, dann hätte man ihn bei uns womöglich in etwas weniger mildem Licht gesehen.
Bitte nicht falsch verstehen: all das ist nur menschlich und muss überhaupt nicht verurteilt werden. Aber dass das eigene Urteil immer sehr subjektive Anteile hat, auch wenn man sich um Objektivität bemüht, ist natürlich auch keine bahnbrechende Neuigkeit.
Nichts für ungut, aber Klopp in eine Reihe mit Trump und Bolsonaro zu stellen, halte ich schon für sehr abenteuerlich. Die beiden letztgenannten torpedieren demokratische Strukturen eines ganzen Staates. Klopp ist Fußballtrainer, und er betont auch sehr wohl oft, dass nicht nur er, sondern ein gesamtes Team hinter den Erfolgen steht und er sich auch durchaus dabei reinreden lässt. Die psychologische Fernanalyse (eigene Unsicherheitsgefühle cachieren) halte ich - sagen wir mal - für gewagt. Klopp besitzt ohne Zweifel eine starke Persönlichkeit, und er ist auch auf seinen Stationen sehr populär gewesen. Das macht ihn nicht zu einem Populisten in dem genannten Vergleichsrahmen.
Ich denke auch, dass Klopp bei Bayern nicht wirklich funktionieren würde, eben aufgrund der starken Persönlichkeit, die sich mit anderen starken Persönlichkeiten hier reiben würde ohne Ende. Fachlich hat er eine Menge drauf.
Das war bewusst provokant, und ich schrieb auch: jenseits der Inhalte.
Die psychologische Fernanalyse (eigene Unsicherheitsgefühle cachieren) halte ich - sagen wir mal - für gewagt
Das ist ja keine psychologische Fernanalyse von Klopp, sondern eher eine Diagnose massenpsychologischer/soziologischer Dynamiken, die längst etabliert sind.
Meiner Meinung nach konnte man an dem Beispiel Klopp den Mechanismus, der da am Walten ist, sehr gut in Reinkultur beobachten, gerade weil er politikfern (im engeren Sinn) wahrnehmbar wird. Klopp weiß schon genau, was er sagen muss, aber er ist der Popularisierer der unkontrollierten Affekte, er hat sehr dazu beigetragen, das salonfähig zu machen und er weiß, was er sagen muss, um bei den Massen gut anzukommen. Von wegen „authentisch“. Vergessen wir mal nicht, für wen er arbeitet: einen amerikanischen SportKONZERN, der ja dann letzlich in geradezu emphatischer Weise die Kommerzialisierung/Kommodifizierung des Sportes repräsentiert, der Klopp angeblich als solcher - und eben frei von den „modernen Kapitalisierungsbestrebungen“ - so am Herzen liegt und den er bewahren will. Interessant auch, dass man ihm die diversen Werbetätigkeiten kaum krumm nimmt, was nicht in allen vergleichbaren Fällen so ist.
Da habe ich die Koan Neuer Fraktion allerdings nie verstanden, um es milde auszudrücken. Der hat nie öffentlich die Mär vom „bösen FCB“ erzählt. Weiß nicht, ob der sich überhaupt mal negativ zum FCB geäußert hat. Dessen einziges „Verbrechen“ war, früher mal Fußballfan gewesen zu sein, oh Gott oh Gott, wie furchtbar.
Zu Klopp: Mir ist er auch wegen einiger Verhaltensweisen und Aussagen unsympathisch, aber das narzisstische Bild, das in der Ferndiagnose oben inkl. Trump Vergleich, gezeichnet wird, kann ich nicht teilen: Zitat: „Menschen mit dieser Störung stellen sich über andere. Konkret versuchen sie, andere zu dominieren und zu kontrollieren sowie deren Leistungen und Errungenschaften klein zu halten oder abzuwerten. „Ein solches Verhalten führt unweigerlich zu Konflikten“, so Prof. [Sabine Herpertz].
Sie zeigen wenig Mitgefühl und Interesse für andere.“ etc
Denke, dass du so nicht erfolgreich bei inzwischen 3 Vereinen eine Mannschaft (und ein Team hinter dem Team) führen kannst. Nach innen agiert er bestimmt anders als wir es als „gegnerische“ Fans wahrnehmen.
Wirklich starke Persönlichkeiten ertragen auch solche in ihrem Umfeld, eben weil sie nicht unter einer narzisstischen Störung leiden. Es wäre eine zentrale Führungsaufgabe, derartige Reibungsverluste zu minimieren.
Starke Persönlichkeit meinte ich diesbezüglich, dass sich ein Jürgen Klopp, insbesondere nach der Erfahrung in Liverpool, wo er recht weite Befugnisse hatte, sich vermutlich schwer tun würde, bei einem FC Bayern anzuheuern, bei dem ihm viel mehr von außen hineingeredet wird. Mit Narzissmus hat das nichts zu tun, denke ich.
Letztlich driften wir hier aber gerade, denke ich, etwas vom eigentlichen Thema ab - hier geht es ja um Nagelsmann.
Auch Nagelsmann zeigt(e?) bisweilen ein gewisses Imponiergehabe an der Seitenlinie - gestern zum Glück nicht, aber manchmal hatte ich schon das Gefühl, er gratuliert sich brustklopfend zu jedem Tor, das wir erzielen, als hätte er selbst getroffen. Das habe ich immer als sehr aufgesetzt empfunden, so, als wärs nur für die Galerie. Überlegt Euch doch mal, wen das ansprechen und welche Affekte das aktivieren soll. Kann ja jeder handhaben, wie er will, ich mag nunmal die Gentlemen lieber.
Der Vergleich bezieht sich auf das „öffentliche autoritäre Gehabe“ und den Populismus, nirgendwo habe ich von narzisstischer Störung bei Klopp gesprochen, diese Tendenzen sind gewiss jeweils in sehr unterschiedlicher Graduierung ausgeprägt.
Was diese Vorliebe anbelangt, bin ich ganz bei Dir. Umso genauer möchte ich differenzieren, ob mir das gegensätzliche Verhalten einfach nur unsympathisch ist (das gilt auch für Klopp) oder darüber hinaus kritisch hinterfragt werden sollte.
Meine etwas provokante These: wäre er bereits erfolgreicher Trainer bei uns, so würde ihm vieles verziehen, was jetzt kritisiert wird. Das meine ich selbstverständlich nicht ad personam, sondern auf die Gesamtheit der FCB-Fanbase bezogen. Und in Dortmund hätte er ein weitaus schlechteres Image als er es dort faktisch besitzt.
ok… krass…
kloppo bringt alle attribute mit, die ein fußballtrainer braucht und er ist eben deshalb erfolgreich, weil er emotional ist und menschen einfangen kann! er war/ist jeweils lange bei seinen vereinen und hinterlässt keine verbrante erde!
man muss ihn ja nicht zwingend mögen und auch über seine eignung für den bayern-spezifischen kosmos darf man disktuieren!
aber vergleiche zu rechtsradikalen verschwörungsspinnern anzustellen, die ganze staaten und kontinente ins elend stürzen und menschenleben opfern um sich selbst zu bereichern grenzt schon irrsinnigen rufmord! und an gefährliche verharmlosung von gefährlichen verbrechern!