Wie gesagt. Ich empfehle “Exit Racism”. Sehr gutes Buch. Seitdem habe ich eine andere Beziehung zum Thema “Rassismus”. Denn vorher habe ich auch oft gesagt: Boah, muss man gleich mit so einem schwerwiegenden Vorwurf um die Ecke kommen?
Seit ich in ein Umfeld gezogen bin, in dem ich mehr Kontakt mit Schwarzen Menschen habe und seit ich mich mehr mit all den Themen beschäftigt habe (was nicht heißt, dass du das nicht tust, bitte nicht missverstehen), habe ich einfach eine andere Meinung. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle rassistische Verhaltensmuster in uns tragen. Das macht uns nicht zu Rassist*innen per se. Aber die Akzeptanz halte ich für elemantar wichtig, um diese über viele Jahrhunderte hinweg eingetrichterten Muster aufzubrechen. Das gelang hierzulande eine Zeit lang schon mal besser, als es jetzt wieder der Fall ist.
Aber wenn ich mir die Kommentarspalten zu diesem Thema anschaue, dann ist das ernüchternd. Ihr könnt natürlich alle für euch selbst beurteilen, ob ihr euch dieser Kritik annehmen wollt oder nicht. Das steht jedem und jeder frei. Ich habe sie damals für mich angenommen und ich merke trotzdem, dass ich immer wieder Dinge tue, sage oder schreibe, von denen ich schlicht nicht wusste, dass sie problematisch sind. Dann lerne ich daraus, bitte im Zweifelsfall um Verzeihung und man kann im Normalfall weiter zusammen leben.
Ich versuche mich da auch gern in die Perspektive Betroffener hineinzuversetzen. Was denken die wohl, wenn Weiße unter sich entscheiden, was rassistisch ist und was nicht?
Niemand sagt, dass du keine Meinung zum Thema Schweinsteiger haben darfst und ich akzeptiere deine, wenn du darin keinen Rassismus siehst. Aber du widersprichst dir auch etwas selbst, wenn du einerseits all die Kritikpunkte akzeptierst, dann aber beim Thema Rassismus plötzlich Halt machst. Ich halte das tatsächlich für eine Überreaktion vieler Weißer Menschen und die ist total nachvollziehbar.
Niemand von uns will ein Rassist sein und wenn uns das vorgeworfen wird, fühlen wir uns schlecht und in unserem Weltbild verletzt. Der erste Reflex ist: Das kann gar nicht sein. Ich doch nicht. Alles verständlich. Aber der Schritt zurück ist oft sinnvoll.
Und deshalb würde ich Schweinsteiger auch nicht als Rassist bezeichnen. Habe ich ja auch nicht getan. Aber eine Aussage kann auch unwissentlich und unbeabsichtigt rassistisch sein und rassistische Denkmuster replizieren. Das passiert uns allen häufiger, als wir es wahr haben wollen. Deshalb stempel ich ihn aber nicht ab und deshalb schließe ich auch keine Türen. Das sehe ich nicht so.