Die deutsche Dominanz im Eiskanal, speziell beim Bob ist wirklich beeindruckend. Echt stark - und evtl. auch ein Vorbild für andere Sportarten - ist dabei, dass man es geschafft hat, auf einen Tiefpunkt einen wahren Höhenflug folgen zu lassen.
Bob und Deutschland war bei Olympia in diesem Jahrtausend eigentlich immer eine Erfolgsgeschichte. Allerdings konnten auch andere Nationen mithalten und sogar Olympiasiege feiern und dass es mehrere deutsche Medaillen pro Einzeldisziplin gab, war schon gar nicht die Regel. Dann kam der absolute Tiefpunkt Sotschi 2014. Eigentlich unvorstellbar, aber das deutsche Bobteam ging komplett leer aus und konnte keine einzige Medaille gewinnen.
Mit einem neuen Bundestrainer, der laut gestriger Reporter-Aussagen alles auf den Kopf stellte, ging es seitdem steil bergauf. 2018 holte man 4 Medaillen, 2022 waren es 7 und 2026 wird das Ergebnis wahrscheinlich noch einmal getoppt werden (aktuell sind es schon 6 Medaillen und im Viererbob dürften wahrscheinlich noch einmal mindestens 2 dazu kommen).
Natürlich kann man Sportarten untereinander schwer vergleichen, aber gerade bei einstigen Paradedisziplinen wie Biathlon und Eisschnelllauf erscheint es mir so, dass es nicht schaden könnte, wenn hier Dinge grundlegend verändert werden.
Beim Biathlon hat sich zuletzt ja auch Johannes Thingnes Bö ziemlich kritisch geäußert und den Deutschen dringend geraten, einige Dinge zu überdenken und den Blick auf andere Länder zu richten (v.a. auf Norwegen und Frankreich). Auf jeden Fall erscheint mir die Nachwuchsausbildung etwas seltsam. Eine meiner Schülerinnen ist aktuell im Schülercup deutschlandweit unter den besten in ihrer Altersklasse U15 und könnte nach ihrem Vorjahressieg bei U14 den Titel auch dieses Jahr wieder verteidigen. Das für mich Bizarre daran ist, dass selbst in dieser Altersklasse noch nicht mit Waffe auf dem Rücken gelaufen wird. Wenn man schon aus Sicherheitsaspekten darauf verzichtet, würde es mMn zumindest Sinn machen, wenn mit einem nichtgeladenen Gewehr gelaufen werden müsste, um Bewegungsabläufe zu automatisieren. Dass auch 15jährige noch mit Luftgewehr schießen auf Ziele, die entsprechend weniger weit entfernt sind, macht es mMn auch nicht besser. Mit 16 kommt dann plötzlich der große Wechsel und man muss mit Kleinkaliberwaffe auf dem Rücken laufen und auf die “normalen” Scheiben schießen. Ich denke, dass diese Umstellung zu spät erfolgt und sehe darin auch einen Grund dafür, dass die Lücke immer größer wird.
Dass es möglicherweise auf absehbare Zeit nicht mehr gelingen wird, Jahrhunderttalente wie Neuner oder Dahlmeier hervorzubringen, ist dabei mMn gar nicht das Problem. Diese beiden haben dominiert, wie das nur selten vorkommt. Es gab allerdings neben den beiden immer noch eine Reihe von Athletinnen und Athleten, die jederzeit ganz vorne mitlaufen konnten. Bei den Damen hatte man z.B. mit Kati Wilhelm, Andrea Henkel und Martina Glagow und später Franziska Preuß Athletinnen, die immer im erweiterten Favoritenkreis waren. Bei den Herren war das ebenso der Fall, egal ob Sven Fischer, Ricco Groß, Michael Greis, Arnd Peiffer, Erik Lesser etc. Auch zu deren Glanzzeiten gab es gerade im Herren-Biathlon nicht immer ein Quartett, dass nur aus absoluten Spitzenläufern bestand. So kamen z.B. bei den Staffeln mit Peter Sendel, Michael Rösch und Daniel Böhm auch immer mal Athleten zum Einsatz, die zu ihrer Zeit sicherlich nicht zur absoluten Weltspitze gehörten und trotzdem war die Staffel auf dem Podium quasi gesetzt. Aktuell ist es so, dass Deutschland mMn ausschließlich über Athleten verfügt, die maximal das Niveau dieser 4. Läufer haben und deswegen ist die Ausbeute ziemlich mager.