Kann mich zumindest nicht erinnern, dass mir dies bei anderen Stadien so aufgefallen wäre. Andere Clubs handeln das allerdings auch so, dass man eine Mindestanzahl von Spielen sehen muss, um die Dauerkarte zu behalten.
Passt aber auch zu den geringen Zahlen der Auswärtsfans von RaBa Leipzig.
Das ist möglicherweise richtig, aber irrelevant. Ich habe versucht, Dir zu verdeutlichen, dass und warum die Internationalisierungsbemühungen der DFL nicht anhand ihrer Auswirkungen auf die Platzierung der Bundesliga in der UEFA-Fünfjahreswertung bewertet werden kann und dass deswegen Deine ganze Argumentation gegen die Internationalisierung, die auf dem Angriff dieses Punkts beruht, müßig ist. Habe ich es geschafft, diesen Punkt rüberzubringen?
Was die Bewertung der Qualität der Internationalisierungsbemühungen der DFL angeht, mangelt es mir dafür an Einblick und Insiderwissen, aber womöglich hast Du mit allem, was Du sagst, recht. Ich möchte Dir gar nicht widersprechen.
Okay, das interpretiere ich so, dass Du eher auf der Seite derer bist, die die Bundesliga zu einem überzeugenden Produkt für das heimische Publikum machen wollen, das, was @Georg die „Gesundschrumpfen“-Strategie nennt.
Denn eines ist ziemlich klar: Mit einer Ausrichtung, die die Bedürfnisse des heimischen Marktes ins Zentrum stellt - 50+1, keine Übernahme durch Investoren, niedrige Ticketpreise, niedrige TV-Gebühren, traditionelle Anstoßzeiten, Zugänglichkeit der Profimannschaften für Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs - gibt man gleichzeitig finanziell und medial Boden im Kampf um internationale Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ligen, die ihre Angebote stringenter auf die Bedürfnisse eines internationalen Marktes trimmen, preis. Entweder, oder. (Keine Wertung, ich stelle das nur fest. Eine „Heimat first“-Strategie ist genauso ehrenwert wie eine „Internationaler Player“-Strategie.)
Genau das! Wer solch eine Verzwergung ernsthaft möchte, hat wohl noch nie Spiele der österreichischen Operettenliga gesehen, bzw. sehen müssen. Bis auf 2-3 Spiele pro Saison sind das Grottenkicks vor halbleeren Rängen. In genau diese Richtung würde sich eine Bundesliga ohne die international attraktiven Topspieler entwickeln.
Sehen wir uns doch mal die ganzen „Traditionsvereine“ an, die ja nicht für sich, auch nicht für ihre Angestellten spielen, sondern ausschließlich für ihre Fans, ihre Region, ihre Stadt und wenn möglich noch für eine soziale Orientierung (wer das Ironieschild nicht findet, bitte sehr: )
Wenn man natürlich zufrieden ist, Alemannia Aachen gegen den Chemnitzer FC zu sehen, dann bitte, nur zu.
Aber dann sollen die ganzen „Traditionsvereine“ das unter sich ausmachen und den Rest der Bundesliga nicht weiter ausbremsen.
Der letzte dieser Vereine, der nachhaltig (!) sportlichen Erfolg hat, ist der SC Freiburg und das ist jetzt wie lange her, das die in die Bundesliga aufgestanden sind? 30 Jahre? Sowas?
Vereine wie St. Pauli und Konsorten profitieren gerne von der Strahlkraft der Bundesliga (die sie immer noch hat), aber sie wollen ja nichts mit denen zu tun haben, die seit Jahrzehnten dafür sorgen, das man in Europa und in der Welt oben mitspielt (und damit diese Strahlkraft auch erhält).
Nach dem Motter: Das Wasser hätte ich gerne, aber nass werden will ich nicht.
Da präsentiert man lieber ein plakatives Feindbild, damit man ja nicht in die Bredouille kommt erklären zu müssen, warum man es selber nicht schafft, längerfristig Spitzenfußball zu spielen.
Ähnliches gilt für Vereine, ohne die man sich die Bundeliga gar nicht vorstellen kann (siehe obiges Schild…)
Also sowas wie den HSV. Oder Schalke. Kaiserslautern. Für die Fans der entsprechenden Vereine traurig aber da seh ich mir lieber Tempofußball von Leverkusen, Leipzig, Manchester oder Real an, als Vereine, die kurz vor dem Tertiär mal für ein paar Jahre gut waren.
Und genau das ärgert mich so maßlos. Vereine wie Leverkusen, Bayern, Leipzig oder Dortmund (da musste ich mich jetzt echt überwinden) werden ausgebremst und als Entschuldigung für die eigene Unfähigkeit (entweder im kaufmännischen und/oder sportlichen Bereich) benutzt. Und das alles unter dem Vorwand der „Tradition“.
Ich gehe eine Wette ein.
Ich bin mir sehr sicher, würde man einen Spieler von St. Pauli oder Düsseldorf fragen, ob er lieber gegen Wehen Wiesbaden spielt oder gegen … sagen wir, Ajax Amsterdam oder die Glasgow Rangers (dafür aber auf 50+1 (als Beispiel) verzichten müsste)… ich habe da einen Verdacht, wie die Antwort ausfallen würde.
Die Dinge, die ich beschrieben haben, gehören weder exklusiv zur Gesundschrumpfen-, noch zur Wachstumsstrategie. Die sind für alle Optionen essentiell. Du hattest das Thema angesprochen, dass man sich auf die Zukunft vorbereiten sollte. Das sehe ich auch so und das ist auch nötig, um überhaupt eine dieser Optionen wählen zu können.
Wenn wir die jungen Fans nicht mehr zum Fußball bekommen und den Breitensport nicht auf die Reihe bekommen, wird ein Gesundschrumpfen nicht funktionieren, da es dann nichts gibt, wohin man schrumpfen kann. Man wird dann auch nicht wachsen können, weil nichts da ist, das wachsen kann.
Für beide Optionen wäre es aktuell deutlich sinnvoller sich um die Nachwuchsarbeit und den Breitensport zu kümmern - oder auch das Schiedsrichterwesen - als auf einen Investoreneffekt zu zocken.
Bzgl. den beiden vorgeschlagen Strategien: Beide werden mir da etwas zu extrem dargestellt, beide haben aber auch gravierende Fallstricke.
Dass ein Fokus auf den nationalen Markt mit internationaler Bedeutungslosigkeit einhergeht, muss so definitiv nicht sein. Unser Klub ist mit 50+1, geringem Fernsehgeld und noch relativ übersichtlichen Ticketpreisen in den Top 3 der Welt, in dem er den Klub zu einer Marke ausgebaut hat und selbständig Geld erwirtschaftet.
Klubs wie Dortmund, Schalke oder der HSV könnten das auch und damit dauerhaft in den Top 16 sein, wenn sie gute Arbeit machen würden - auch ohne Einnahmen aus der Auslandsvermarktung. Die Probleme sind da aktuell ganz andere als das liebe Geld. Mehr Geld auf Inkompetenz zu werfen, macht einen nicht besser.
Es wird gerne angenommen, dass die anderen Ligen extrem wachsen werden. Da frage ich mich dann: Woher soll dieses Wachstum kommen? Die nationalen Märkte sind komplett gesättigt, sogar eher am schrumpfen - die TV-Verträge rückgängig. Und international hat man das Problem, dass @Georg angesprochen hat: Es gibt keinen Platz für 4-5 große europäischen Ligen im Kampf um die globalen TV-Gelder. Wenn nicht jemand irgendwo auf der Welt eine besondere Beziehung zu Deutschland hat, warum sollte er sich dann nicht lieber die Premiere League oder die Champions League angucken? Kann die Bundesliga diese Wettbewerbe mit einer Wachstumsstrategie realistisch schlagen?
Dazu kommt dann noch der sportliche Umstand, dass die europäischen Plätze pro Liga begrenzt sind. Auch in England können höchstens 44 Spieler in einer CL Stammelf stehen. Wo sollen die anderen alle spielen? Davon müssen zwangsläufig einige nach Deutschland kommen. Es können auch nicht alle deutschen Talente nach England wechseln, da gibt es nur endlich viele Kaderplätze. Ich sehe daher nicht, wieso das Niveau plötzlich so massiv abnehmen sollte.
Man sollte sich bei dem ganzen aber natürlich auch nicht der Illusion hingeben, dass wir bald wieder eine Bundesliga haben, wo alle Tickets 20€ kosten und nur Traditionsteams mitspielen. 50+1 wurde durch Red Bull, Hopp und co. längst ausgehebelt. Die Bundesliga ist national ein Milliarden-Business und wird das auch bleiben. Die Spieler werden weiterhin fürstliche Gehälter verdienen. Es wird keine Rückkehr in die „guten alten Zeiten“ geben.
Gleichzeitig muss man aber auch ehrlich sagen, der große Fallstrick für alle Optionen ist der FC Bayern. National ist eine Liga, bei der es nur um den 2. Platz geht, uninteressant. International haben wir wieder das Thema, dass viele den FC Bayern dann vermutlich lieber in der CL angucken. Diese Problematik gilt mittlerweile für so gut wie alle Ligen, egal wie groß oder klein.
Ich glaube daher persönlich, dass der europäische Fußball früher oder später auf eine Super League hinausläuft. Ich bin hier der Meinung, dass man auf europäischer Ebene die Wachstumsstrategie gehen muss. Irgendetwas in der Art:
wird kommen (müssen). Und wenn die Ligen sich nicht darum kümmern, wird es irgendein Privatinvestor tun.
Gleichzeitig eröffnet dies aber auch Chancen, die nationalen Ligen darunter wieder deutlich bodenständiger zu machen und hier die Schrumpfstrategie zu fahren. Mit einer Verdichtung der Leistungsspitze in Form internationaler Ligen, könnten sich dahinter nationale Ligen konsolidieren und wieder deutlich bodenständiger/regionaler/traditioneller agieren. Dann würden sich einige der obigen Punkte auflösen.
Irgendwie schon.
Es geht ja darum die jeweilige Liga am Ende finanziell bestmöglich dastehen zu lassen.
Das ist zwar kein Nullsummenspiel, aber die Konkurrenzsituation ist offensichtlich.
22 Fußballer laufen dem Ball hinterher, aber am Ende gewinnt immer CVC.
Ich stimme Dir grundsätzlich zu, dass, mit der rühmlichen Ausnahme des BVB, dessen stets vorbildlicher Jahresabschluss sich bezüglich das Detaillierungsgrads und der Fülle der dargebotenen Informationen im internationalen Vergleich nicht zu verstecken braucht, sowohl die Informativität als auch die Präsentation der Veröffentlichungen der deutschen Clubs und die der DFL ziemlich dürftig sind.
Als jemand, der bereits eine nennenswerte Menge Lebenszeit damit verbracht hat, die Bilanzen von Fußballclubs in verschiedenen Ligen zu durchforsten und durchzuarbeiten, sind die Jahresabschlüsse der Bundesligaclubs im Bundesanzeiger zwar in der Regel für eine grundlegende Bilanzanalyse hinreichend informativ, aber sie strahlen auch die ausgeprägte Angst der publizierenden Clubs davor aus, der Konkurrenz (und einer breiteren Öffentlichkeit) möglicherweise zu viel über die eigenen finanziellen Umstände zu verraten, als wenn es einen Wettbewerbsnachteil bedeutete, wenn ein anderer Club sieht, wie viel Geld man zum Beispiel für die Gehälter seiner Spieler oder den Unterhalt seines Stadions ausgibt.
Da die Fußballclubs der Bundesliga kaum Anstrengungen im Bereich der Investor Relations tätigen müssen, ist ein minimal aufwendiges externes Rechnungswesen zwar rational, aber für mich als Fan, der auf ein ästhetisch durchgängig hochwertig und professionell präsentiertes Fußballprodukt seines Vereins Wert legt und sich zudem für Finanzen und die wirtschaftlichen Aspekte der Fußballbranche interessiert, auch traurig.
Am liebsten würde ich den Verantwortlichen des FC Bayern laut zurufen: Leute, entscheidet Euch doch endlich mal für die Publikation eines optisch ansprechenden und inhaltlich gehaltvollen Jahresabschlusses! Nehmt Euch ein Beispiel an Real, Barça oder sogar dem BVB! Niemand wird zuvor strengste Geheimnisse über Eure finanziellen Umstände lernen, die ihm dann hinterher erlauben, euch in der Bundesliga oder Champions League abzuhängen.
Was hingegen das Material der DFL selbst angeht (nicht das der Clubs), finde ich es hinsichtlich Präsentation und Informationsgehalt im Gegensatz zu Dir angemessen bis gut. Die inzwischen einmal jährlich veröffentlichte Übersicht der Finanzkennzahlen der Clubs präsentiert die wichtigsten wirtschaftlichen Eckdaten der Clubs des jeweils letzten bilanzierten Geschäftsjahres übersichtlich auf einer Seite und der Wirtschaftsreport der DFL ist inhaltlich zwar mager, dafür optisch aber vollkommen im Rahmen dessen, was man von gut gemachter IR eines Unternehmens mit breitem öffentlichen Interesses an seinen Daten erwarten kann, findest Du nicht?
Was das FFP der DFL angeht, verhält es sich soweit ich weiß so, dass die DFL für ihre Lizenzierung die Auflagen des FFP eins zu eins übernommen hat. Das heißt, dass jeder Verein, der eine Lizenz für die jeweils nächste Saison der Bundesliga erhalten möchte, bezüglich seiner Finanzen die aktuell gültigen FFP-Bestimmungen einhalten muss. (Zumindest war das vor einigen Jahren noch so, aber ich zweifle, dass die DFL diesen Regelung zwischenzeitlich geändert hat.)
Ja, das ist doch auch ein schönes Marketinginstrument für den Klub. Da musst du doch nicht nur mit trockenen Zahlen aufwarten.
Da kann man auch als ganzheitliche Jahresbilanz gestalten.
Dort könnte man z.B. auch die diversen sozialen Aktivitäten des Vereins dementsprechend aufbereiten.
Tue Gutes usw.
ich fände es auch super, wenn die Klubs, die ihr Geld durch Missmanagement verbrannt haben dann über Verteilung von TV Geldern, Vermarktungsrechte etc. bestimmen. Das wäre ein großartiger Fortschritt.
Irgendwie würde ich bei dem Bayerngekicke gerne wieder mehr Rugby sehen.
NFL ist diese Saison auch eher zum abgewöhnen (liegt aber vielleicht am intellektuellen Restpostensender RTL)