Ich würde mit einem kompakten Zentrum spielen:
Havertz wird da wohl noch reinkommen. Für Bischof oder Woltemade.
Klar, warum nicht? Dann lieber für Bischof: Ich bin ein großer Fan der „echten“ 9.
Hummels ins Tor? ![]()
Havertz bildet mit Kimmich, Wirtz, Musiala, Ter Stegen unser Arsenal an Weltklasse-Spielern. Wenn gesund, MUSS der auf dem Platz stehen.
Ich hab dann nichts gegen eine „echte“ Neun, wenn man denn eine hat, die ein gewisses Niveau verkörpert. Aber die haben wir nicht, nicht mal im Ansatz, bei allem Respekt vor Kleindienst/Fülle.
Deswegen sehe ich Havertz mit leichten Bauchschmerzen auf der (falschen) Neun. Und dahinter will ich soviel spielerische Klasse wie möglich, das heißt Pavlo, Stiller und vielleicht sogar Bischof. Kein Gore, kein Andrich, kein Ü30.
Und wenn’s offensiver sein darf, soll Havertz auf die 10 und der Drei-Meter-Nick vorne rein.
Aber jedenfalls haben wir die zwei Spiele komplett versaubeutelt, um sowas zumindest mal anzuteasern. Weil Julian von dieser vermaledeiten Dreier-Kette nicht lassen will. Die ich, wenn überhaupt, nur sehen will, wenn Rüdiger/Schlotterbeck/Tah alle gleichzeitig fit und in Form sind.
Mach hier bitte kein Tiramisu Shaming. Ich liebe es, auch wenn ich schon satt bin…
Typisches „Bayern Spiel“, Chancen über Chancen, die Tore macht der Gegner.
Der langjährige NPD-Finanzier Dr. Oetker ist Mannschaftsarzt??? ![]()
Auch nach den besagten ersten 5 Minuten?
Dann ist doch das Glas halb voll - und nicht halb leer - oder ?
Den Füllstand des Glases wollte ich damit weder negativ, noch positiv bewerten.
Lediglich hat es mich an einige unserer Spiele erinnert, die „so ähnlich“ abliefen.
Spiele, die man nicht hätte verlieren müssen.
Das mit den dämlichen Prozentangaben ist mathematisch völliger Blödsinn und geht mir schon seit Jahren auf die Nerven.
Mannschaft A (die oft „Deutschland“ heißt…) verliert deutlich gegen Mannschaft B, Punkt! Fußball ist ein Ergebnissport.
Und dann kommt der Trainer des unterlegenen Teams und gibt in seiner „Analyse“ zum besten, dass seine Jungs „noch nicht bei 100%“ gewesen seien.
Oder man hört, Spieler ABC habe deswegen zwei Gegentore verschuldet, weil ihm heute „die letzten 5%“ seines „EIGENTLICHEN“ Leistungsvermögens gefehlt hätten usw. Klingt auf den ersten Blick ebenso „wissenschaftlich“ wie es mathematisch Unsinn ist.
WANN war z.B. unsere Nationalmannschaft jemals bei jenen ominösen „100%“, und wie will man das messen?
Wenn Nagelsmann z.B. seine gestrige Niederlage gegen Frankreich damit „begründet“, seine Spieler hätten halt noch nicht 100% ihres „wahren“ Potentials ausgeschöpft (was ja wohl bedeuten soll: WENN sie ihre 100% gezeigt hätten, dann hätten sie Frankreich besiegt), dann könnte der französische Trainer ebenso gut antworten, dass Frankreich gestern selber auch nur „70%“ seines wirklichen Leistungsvermögens auf den Platz gebracht hat und dass diese 70% halt locker gereicht haben, um Deutschland zu schlagen (wie ja auch Kimmich sagt: die Franzosen wirkten so, als ob sie gar nicht unbedingt gewinnen wollten, aber sie HABEN gewonnen).
Und dass, WENN Deutschland sich seinem potentiellen Leistungsvermögen von 100% angenähert hätte, Frankreich das seine von 70 auf 90% aufgestockt und dann immer noch gewonnen hätte.
Wenn unsere NM in den meisten wichtigen Spielen der letzten Jahre immer so um 70-80% ihres „wahren“ Leistungsvermögens gezeigt hat, dann würde ich das Niveau unseres Spiels auch in diesen Regionen ansiedeln.
Und die Prognose „Ja, WENN wir erst bei 100% angelangt sind, dann…“ wirkt irgendwie metaphysisch und irrational, weil die geforderten „100%“ ja nur ein IDEAL darstellen und sowieso kaum jemals erreicht werden.
Und, wie gesagt, WENN wir nahe an unseren 100% gespielt hätten, hätte der Gegner vermutlich auch noch 10% SEINES „wirklichen“ Leistungsvermögens oben drauf gelegt.
Es ist in etwa so, wie wenn ein Schüler in Klassenarbeiten eine „Eins“, zweimal eine „Zwei“, dreimal eine „Drei“ und einmal eine „Vier“ schreibt.
Und der Vater des Schülers (sprich: Nagelsmann…) kommt dann daher und sagt: „Ja, die Eins entsprach halt dem tatsächlichen Leistungsvermögen meines kleines hochbegabten Genies, und die schlechteren Noten zeigen nur, dass er in diesen Klassenarbeiten sein eigentliches Potential nicht voll ausgeschöpft hat“.
Die Spielergebnisse beim Fußball und die Noten der Klassenarbeiten bilden die nüchterne REALITÄT ab, während das Appellieren an das „eigentliche“ Leistungsoptimum nur ein sehr selten erreichtes Ideal darstellt, also ein Wunschdenken ist.
Und Deutschland spielt nun mal seit Jahren auf einem Niveau zwischen den Schulnoten „Zwei“ und „Vier“. Da ist es dann wenig hilfreich zu behaupten: „wenn wir erst bei unseren 100% sind, dann werden wir Weltmeister“.
Zumal man bei dieser Argumentation ja auch die potentiellen Steigerungsmöglichkeiten unserer jeweiligen Gegner außer acht lässt.
Also dass, WENN man denn bei dieser kruden Mathematik bleiben will, unsere potentiellen WM-Gegner ja auch noch nicht bei IHREN „100%“ sind.
Mbappé könnte ja z.B. behaupten, dass er gestern selber auch erst 74% von dem gezeigt hat, was er EIGENTLICH drauf hat.
Ich finde deshalb, dass man diese „Prozent-Argumentation“ bei der Analyse von verlorenen Spielen sein lassen sollte, denn der Erklärungswert von solchen eh nicht messbaren Prozentangaben tendiert gegen Null.
NOCH bescheuerter finde ich das ebenfalls oft gebrauchte „Abrufen“ eines imaginären Potentials, also z.B. „Sané hat gestern wieder mal nur 75% seines EIGENTLICHEN Potentials abgerufen“.
Mal abgesehen von der Frage „Bei wie vielen Spielen der letzten Jahre hat Sané denn jene 100% abgerufen, die er angeblich eigentlich drauf hat?“ finde ich dieses „Abrufen“ ziemlich drollig. So, als ob die imaginären „100%“ ein Fixum wären, von dem ich je nach Spiel und Situation mehr oder weniger Prozent „abrufe“.
Ich z.B. rufe, rufe und rufe an jedem einzelnen Arbeitstag („Mondrianus-Potential, ich rufe Dich!“…), aber mehr als 70% meines TATSÄCHLICHEN Leistungsvermögens stellen sich trotz meines ständigen lauten Rufens einfach nicht ein
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Annual Reminder, dass „falsche Neun“ eigentlich* einen taktischen Ansatz bezeichnet und nicht einen Spielertypen.
Wer sich dazu einlesen will, findet bei Spielverlagerung dutzende Artikel, nicht zuletzt vom heutigen Co-Trainer des FC Bayern. Die falsche Neun wird dort in aller Kürze wie folgt definiert:
„Eine Falsche 9 ist ein Spieler, der nominell als einzige Spitze spielt, sich aber immer wieder fallen lässt, um Überzahl, Raum und eine Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff zu schaffen, womit er die gegnerische Defensive vor ein Dilemma stellt. Folgen die Verteidiger der Falschen 9, so entblößen sie ihre Defensive, halten sie ihre Position, haben sie niemanden zu decken – was auch psychisch beeinträchtigen kann – und der Gegner an anderen Orten eine Überzahl, häufig im Mittelfeld.“
Anders gesagt: Auch Harry Kane spielt situativ regelmäßig als falsche Neun. Und Lionel Messi als richtige.
*Es gibt natürlich eine hohe Korrelation zwischen Spielertyp und taktischer Rolle, und mit Messi als Prototyp der modernen falschen Neun ist die Verwirrung nachvollziehbar.
**Außerdem ist Sprache lebendig. Wenn im Deutschland der 2020er jene Mittelstürmer als „falsche Neun“ bezeichnet werden, die keine kopfballstarken 1,90m großen Wandspieler sind, dann soll mir das auch recht sein.
Edit: Schwenk zur Nationalmannschaft und konkreten Debatte vergessen: Kai Havertz kann völlig problemlos als klassische Neun spielen, die überwiegend die Mittelstürmerposition besetzt.
Alles beides sehr richtig gedisst! ![]()
Als dritte Analyse für die Tonne fällt mir noch das unsägliche „wir sind noch in der Entwicklung“ ein. Also immer, wenn es schlecht läuft.
Bei manchen Teams mag das stimmen, keine Frage. Es wird aber bei Niederlagen oft gebetsmühlenartig gebracht und hat mit der realen Situation nichts zu tun.
Dazu würde ich gerne mal eine kritische Analyse lesen: MbMn passt JNs Spielidee nicht zu unseren Spielern, hatte ich weiter oben ja schon geschrieben.
Ich verstehe ja, dass er versucht, die seiner Meinung nach besten und passendsten Spieler aufzustellen. Aber ein Zweiermittelfeld aus Gore und Groß ist dann doch eher Wunschdenken, als ein ernst zu nehmendes Zentrum.
Wie spielen nochmal Frankreich, Portugal und Spanien? Alle stehen deutlich kompakter als wir, wobei die Spanier sich aufgrund ihrer spielerischen Möglichkeiten deutlich variabler postieren können. Der offensivere Ansatz von JN ohne echtes ZM wird mbMn nicht in der N11 funktionieren.
Wie gesagt, eine professionelle Analyse dazu fände ich sehr hilfreich.
Ich teile deine Kritik inhaltlich komplett.
Allerdings sehe ich das Problem nicht bei der Mathematik, sondern bei der Messlatte. Das beginnt schon bei der grundlegenden Frage, wie man die Leistung eines Spielers überhaupt objektiv messen will … so viele Daten es auch heute gibt, das sind doch entweder reine Fleißkärtchen oder ex-post Bewertungen von Zufallsereignissen (Toren). Die Korrelation zwischen allen gemessenen Parametern und dem Spielergebnis ist doch weit weg von eindeutig.
Und dazu kommt das von dir schon angesprochene Hauptproblem: selbst wenn man nun also die Leistung eines Spielers oder einer Mannschaft objektiv messen könnte (was nicht geht), was definiert denn dann die Referenz, also die 100%?
Ein einzelnes Spiel (welches?), der Mittelwert aus mehreren, ggf. einer ganzen Saison? Sind 100% das Mittel aus allen Spielen oder das aus wenigen Topleistungen ??
Fragen über Fragen …
Täusche ich mich oder kommt bei JN der Taktiknerd mit ständigen Formationswechseln wieder mehr zum Vorschein. Irgendwie erinnert er mich immer mehr an unseren JN
Ja und entsprechend sind auch die Ergebnisse. In 2023 hat er viel rumexperimentiert und recht peinliche Ergebnisse eingefahren. In 2024 hat er pragmatisch gespielt und das beste Jahr der DFB-Elf seit einiger Zeit erreicht. Jetzt in 2025 fängt er wieder mit den Experimenten an und schon läuft es nicht mehr.
Mann, das war aber nötig, dass Du in Sachen Leistungsmathematik mal Druck ablässt! ![]()
Ist Dir vollends gelungen - ich bin zu 95 % überzeugt.
Der einsame Rufer im Walde halt…
Ich hatte viel Freude bei den Vorstellungen eines rufenden @Mondrianus
- am Morgen beim Rasieren vorm Spiegel
- hinterm Steuer im Stau aufm Weg zur Arbeit
- vorm Betreten des Gebäudes (und alle Kolleg: innen um dich rum runzeln die Augenbrauen - „der schon wieder“)
- im Aufzug - Minuten vorm Personalgespräch („wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ - „zu 90 % auf Ihrem Stuhl“)
- vor der Frage um Gehaltserhöhung: „ich bringe jeden Tag 70% meines TATSÄCHLICHEN Leistungsvermögens - die aber mit 100%iger Zuverlässigkeit. Da habe ich doch TATSÄCHLICH Anspruch auf mehr Gehalt… sagen wir 5% wie die Bundestagsabgeordneten? Die sind schließlich auch zu 70 % eigentlich nie da.“
Da war einer mit @Alex im Mathe-Leistungskurs - Schwerpunkt Stochastische Varianz.
