Das ist ein mbMn viel zu wenig diskutierter Punkt - Englands Fußball war bei der EM zweimal überzeugend - beim 4:0 gegen ein enttäuschendes Holland und beim 6:1 gegen Wales. Alles andere war Glück in letzter Minute, viel viel Glück im Elfmeterschießen.
Es gab bei der EM ein taktisch, technisch, fußballerisch und individuell überragendes Team - doch die Fußballgöttin lebt 2025 in London und nicht in Barcelona.
4:0 gegen Holland, 6:1 gegen Österreich, das konnte Wück auch, als es mal gut lief. Dafür jetzt Sarina Wiegmann in den Fußball-Olymp zu loben und das deutsche Team zum Außenseiter zu deklassieren, ist mir deutlich zu weit drüber.
Nix gegen Three Lionesses - aber weder gegen Schweden noch gegen Spanien war es der Sieg eines überlegenen Spielansatzes oder Teams.
Was hat England geliefert: Flanken über Flanken von Kelly und Hemp - das, was in Deutschland als einfallsloses, taktisches Armutszeugnis bewertet wird.
Dass England mit Schweden und Spanien auf zwei Teams traf, die noch schlechter Elfmeterschießen konnten - ist das eine titelwürdige Leistung??
Ich hab genau ein Elfmeterschießen gesehen, dass qualitativ EM-Niveau hatte - das war Deutschland-Frankreich.
Über die Schwächen unseres Teams ist viel geredet worden - in den meisten Punkten sind wir uns einig: zu einseitige Ausrichtung, zu frühe und ausschließliche Verlagerung des Spiels auf die Flügel - dadurch zu leicht ausrechen- und neutralisierbar. Im MF und auf der 10 zu schwach im Spielaufbau: KurzPassspiel kaum vorhanden, viel zu häufig der Versuch mit langen Bällen auf eine vereinsamte Giovanna Hoffmann. Das alles war so vorhersehbar und ausrechenbar wie das Wetter in Bremen im November.
Aber imo war der größte Fehler von Wück, dass er nach der harten Kritik nach dem Schweden-Spiel eingeknickt ist und seinen Spielansatz komplett über den Haufen geworfen hat. Die gesamte Vorbereitung inkl. Gruppenphase beruhte auf einem 4:2:3:1, das imo vielversprechende Ansätze hatte. Ich lass mir 20 hervorragende Minuten gegen Schweden nicht wegreden.
Als das unerfahrene und hinten völlig auseinandergerissene Team mit 10 Leuten gegen Schweden eingebrochen war (und von der Bank keinerlei Unterstützung erhielt), kam Wück gegen Frankreich mit dieser 4:1:2:3-Nummer - die allerdings mit dem verfügbaren Personal auf dem Platz nix anderes war als ein 5:4:1 gegen den Ball. Und so leid es mir tut: Minge, Senẞ, Nüsken gegen den Ball heroisch fightend. Aber mit Ball…
Sowohl gegen Frankreich als auch gegen Spanien wurde das MF bis zur 30-Meter-Linie den Gegnerinnen überlassen. Das ist tödlich gegen spielstarke Gegnerinnen - eine Einladung zum „Macht’s euch bequem, wir beschränken uns auf s Blocken und Rausbolzen. Und wenn wir mal den Ball haben, dann starten wir Klara und Jule an der Mittellinie - irgendwann werden die mal durchkommen.“ Da muss ich Fritzi Kromp leider Recht geben, die Strategie der KO-Phase ham wir so in der C-Jugend gegen übermächtige Gegner in der Niederrheinliga gespielt: Alle Mann annen Sechzehner, und wenn wir mal den Ball hatten, dann lang damit den Flügel runter.
Noch bitterer fand ich die langen Bälle auf Hoffmann (meist von Berger), wenn im Umkreis von 30 Metern kenne deutsche Spielerin auftauchte. Das war wirklich nicht europameisterlich.
Ein weiteres Problem an der Wückschen Fußball-Verhinderungs-Strategie ab Viertelfinale war vor allem: Bühl und Brand haben sich aufgerieben in Defensivarbeit, weil die gegnerischen AV so weit aufschieben konnten. Fußball funktioniert genau umgekehrt! Unsere Außen müssen die gegnerische Verteidigung in deren Hälfte drücken und beschäftigen - was nicht geht, wenn ich sie neu Ballbesitz Gegnerin hinter die eigene Mittellinie zurückziehe.
Was gegen Holland und Österreich in der Vorbereitung erfolgreich war, war ein hohes Pressing, Überfall-artiges Umschaltspiel und Rotation im Halbraum vorm Sechzehner. Diesem Fußball hatte ich zugetraut, ein Wörtchen mitzureden bei der Titelvergabe.
Was ich Wück absolut nicht verzeihen kann, ist, dass er sich von der vernichtenden Kritik nach dem Schweden-Spiel hat verunsichern - und zu einem brutalen Taktik-über-Bord hat verleiten lassen. (Neben seiner völlig vercoachten zweiten Hälfte gegen Schweden.) Dieses Team kann keinen Buspark-Fußball. Und genau das hat Wück der Mannschaft ab Frankreich aufgedrückt.
Sehr sehr schade.
Ja, Feiern können die Engländerinnen wie kein zweites Team!
Aber mit England ist nicht das beste Team der EM Europameisterin geworden. Da hätten Schweden, Frankreich und vor allem Spanien den Pott weit eher verdient gehabt. Selbst Italien war gegen England zwei Minuten vom Halbfinale entfernt - und das, obwohl sie wesentlich weniger individuelle Qualität auf dem Platz hatten als Wiegmann s Truppe. Mit dem Glück der Engländerinnen hätte die Schweiz gegen Spanien im VF es ins Elfmeterschießen geschafft….
Insofern Fritzy: Ja, der fußballerische Ansatz Deutschlands in der KO-Runde hätte keinen Titel verdient gehabt. Aber „spielerisch trennen Welten Spanien und Deutschland“?
Dieselbe Diskussion gabs in München nach dem Lyon-Aus in der UWCL. Ich gehöre zur Barcala-Fraktion: Mit der richtigen Einstellung, einer offensiv-pressing-orientierten Ballbesitz-Taktik (und einem gesunden Kader) ist der Abstand zu Barca und Lyon nicht so groß, wie er gern gemacht wird.
Selbiges würde ich eingeschränkt im Hinblick auf die N11 postulieren. Allerdings mit großen Zweifeln: denk ich an Wücki in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.