In den USA gibt es schon seit geraumer Zeit in Militärkreisen und darüber hinaus Planspiele und Überlegungen, dass man Grönland dem eigenen Territorium einverleibt. Erste Pläne hierzu stammen aus dem 19. Jahrhundert. 1917 kauften die USA Dänemark einige Karibik-Inseln ab, weil man die Gefahr sah, dass sich der Kriegsfeind Deutschland möglicherweise im Falle eines Sieges im 1. Weltkrieg auch Dänemark und somit dessen Kolonien einverleiben könnte und man dann jemanden in der Nachbarschaft hätte, den man da eigentlich nicht haben möchte. Es ist für mich klar, dass man damals sicher auch mit dem Gedanken spielte, Grönland ebenfalls zu erwerben. Wahrscheinlich wurde der Plan im frühen 20. Jahrhundert auch deswegen nicht verfolgt, weil der Gedanke daran, dass das Eis immer weiter schmilzt und darunter noch andere verborgene Rohstoffe liegen, neue Schifffahrtsrouten entstehen und irgendwann Raketen mit mehreren 1000 Kilometern Reichweite gebaut werden können, den Menschen wie Science Fiction vorkam. Nach der dänischen Besetzung durch Nazi-Deutschland 1940 wurde das Land übrigens vom dänischen Botschafter in den USA im Auftrag des Königs (allerdings ohne Genehmigung und sogar gegen den Willen der Regierung) der Souveränität der USA übergeben. Nach dem 2. Weltkrieg wollte Truman Dänemark Grönland abkaufen, was die Dänen ablehnten. Durch die Gründung der NATO sah man dann wohl auch keine unbedingte Notwendigkeit mehr, etwas zu ändern, weil das Gebiet ja zu einem NATO-Verbündeten gehörte und man die Erlaubnis erhielt, selbst Truppen dort zu stationieren. Die Idee eines Besitzes von Grönland war deswegen aber nicht komplett aus dem Ideenkatalog von Sicherheitsexperten verschwunden. Ich könnte mir vorstellen, dass sie jedes Mal, wenn neue Präsidenten ins Weiße Haus einzogen, auch wieder zumindest kurz angesprochen wurde und dann wahrscheinlich schnell als nicht umsetzbar bzw. nicht unbedingt nötig wieder beiseite gelegt wurde. Beim aktuellen Präsidenten stieß man damit allerdings nicht auf taube Ohren und konnte ihn davon überzeugen, dass es eine Idee ist, für deren Umsetzung es sich lohnt, sogar einen Konflikt zu riskieren. Die Bedenken, dass sich Russland und v.a. China in Grönland einkaufen könnten, sind nicht erfunden.
Dass Militärs ganz anders denken als Zivilisten und die Sicherheit des eigenen Landes vor alles andere stellen, ist unbestreitbar. Schön zu sehen war das übrigens bei der Kuba-Krise. Wenn es nach den US-Militärs gegangen wäre, hätte man Kuba nach Entdeckung der sowjetischen Atomraketen dem Erdboden gleichgemacht, nur um zu verhindern, dass dort einsatzbereite Atomraketen existieren, die US-Territorium treffen könnten. Die zu erwartende Gegenreaktion der Sowjets hätte Europa möglicherweise dem Erdboden gleichmachen können, aber das wäre den amerikanischen Militärs ein akzeptabler Preis für die Sicherung des eigenen Territoriums gewesen. Damals war mit Kennedy gottseidank ein Präsident im Amt, der einen anderen Weg wählte. Jetzt hat man mit Trump jemanden, der nach anderen Prinzipien handelt und deswegen die Vorteile, die sich für die USA ergeben, falls man Grönland besitzt, für gewichtiger ansieht als alle Nachteile, die dieses Vorgehen mit sich bringen wird.
Einen lesenswerten Überblick zum US-Interesse an Grönland liefert die Bundeszentrale für politische Bildung.
Das soll im Übrigen Trumps Vorgehen nicht verteidigen, sondern nur zeigen, dass das Interesse der USA an Grönland schon lange vor Trump bestand.