Wenn die Lobeshymnen der Minister zu stereotyp ausfallen - haben die denn vergessen, wem sie den Job und das alles zu verdanken haben?!? -, kann das definitiv etwas Ermüdendes haben.
Das klingt zwar ziemlich positiv. Ich vermute aber, dass es beim Thema Pyro keine Einigung geben wird, weil das Argument der hohen Sicherheit in diesem Punkt zwar auf wackeligen Füßen steht, die Fanszene Pyrotechnik aber für unverzichtbar zu halten scheint. Wenn Neuendorf bei den Schritten, die zu gehen man bereit sein müsse, in diese Richtung denkt, dürfte ihm eine klare Abfuhr blühen.
Pyro ist eher nachrangig - es geht eher um Kollektivstrafen, Vorverurteilungen, Gesichtserkennung etc. ohne Rechtsgrundlage…
das sind gesellschaftlich drängende Themen…
Pyro wirst du nie in den Griff bekommen…
Das ist mir schon klar. Und bei den zentralen Themen zeichnet sich ja erfreulicherweise ab, dass die IMK zurückrudern wird.
Wenn Neuendorf aber so im Artikel zitiert wird, schließe ich daraus, dass nach seiner Einschätzung auch eine Gegenleistung erbracht werden muss. Da fällt mir dann prompt das ewig strittige Thema Pyro ein. Versteht sich, dass deren Verfechter da keinen Zentimeter preiszugeben bereit sind.
Wieso nicht. Ausreichend Stadionverbote, dann sind die Zündler irgendwann draußen oder trauen sich nicht mehr.
Immer diese Forderungen nach Stadionverboten, was genau diese bringen zeigen sie, seit es diese gibt.
Hierzu mal folgender mMn interessanter Kommentar der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte:
Wegen mir auch andere Strafen gegen die Zündler. Hauptsache Strafen, die ihnen so weh tun, dass sie es lassen.
Aktuelles Statement der Fanabteilung von Mainz 05:
„Doch viele Menschen mit SV sind eben nur aus den Stadien verbannt, bleiben aber aufgrund der sozialen Bindung im Umfeld erhalten. So hatten die Angreifer auf den Polizisten am Mainzer Hauptbahnhof nach derzeitigen Informationen bereits Stadionverbot und waren deshalb nicht mit den anderen Fans auf dem Weg nach Frankfurt. Probleme werden also höchstens verlagert, aber selten gelöst.“
Ein Interview mit dem Präsident von Union Berlin aus dem Jahr 2012:
„Ich habe das Gefühl, dass die Diskussion stark auf der medialen Berichterstattung der vergangenen Monate basiert. Es gab in Köln die schwarze Nebelwand, es gab den Vorfall von Karlsruhe, es gab den Platzsturm in Düsseldorf. Alle drei Ereignisse waren inakzeptabel, aber trotzdem hätte man sie differenziert betrachten müssen. Das geschah aber nicht, weder in den Medien noch in der Politik. Ich wünschte mir, dass das Innenministerium mal mit Fakten argumentieren würde. Tatsächlich ist es so, dass der überwiegende Teil aller Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Fußball außerhalb der Stadien stattfindet. Ich bin auch dafür, dass man sich an Regeln halten muss. Doch vor allem plädiere ich für präventive Maßnahmen, für mehr finanzielle Mittel für Fanbetreuung durch die Vereine, für eine differenzierte Behandlung der Vereine und Szenen. Davon höre ich aber nichts. Nur durch die harte Hand innerhalb der Stadien oder im Fußball im Allgemeinen lösen wir die Probleme jedenfalls nicht, wir verlagern sie nur.“
Ich bringe hier nun bewusst zwei Beispiele, in denen sich mMn Personen oder Instiutionen zu Wort melden, denen man hier vermutlich übergreifend zuhört.
Welches Strafmaß kommt dir bei einer Ordnungswidrigkeit so in den Sinn?
Dann darf ma das zünden von Pyro in einem Stadion eben nicht wie eine Ordnungswidrigkeit behandeln
Was schwebt dir da so vor?
Direkt erschießen? ![]()
Abschieben wird schwierig, sind schon überdurchschnittlich viele deutsche Kartoffeln da am Werk.
Ich glaube nicht, dass Konfrontation und noch härteres Strafmaß zur Besserung führen werden. Im Gegenteil. Ich persönlich bin kein so großer Fan von Pyrotechnik. Weder an Silvester, noch im Stadion, noch woanders. Ich halte Pyrotechnik sogar für etwas, das nahezu ganz verboten werden sollte.
Und dennoch fände ich den Schritt, die Sanktionen so lange anzuziehen, bis es keiner mehr macht, für falsch. Weil die Realität oft zeigt, dass Eskalation zu weiterer Eskalation führen wird. Der DFB und die DFL nutzen die Bilder, die in Stadien vor allem durch die Fanszenen entstehen, gern, um sich zu vermarkten. Dafür sind die Fans oft gut genug. Die Fankultur in Deutschland ist etwas, auf das Länder wie England durchaus neidisch blicken und sie ist etwas, was hart erkämpft wurde gegen Leute, die sie am liebsten unter ihre Kontrolle bringen wollten. Macht gern das mit den Fähnchen, aber bitte bloß nicht unbequem werden, wenn es um Inhalte geht.
Was also hätte man von noch mehr Kollektivstrafen, noch härteren Sanktionen? Vermutlich noch stärkere Proteste, noch mehr Unruhe und noch mehr Eskalation und im Endeffekt dann irgendwann sterile Stadien. Dann wäre nicht nur der Fußball im Vergleich zu anderen Top-Ligen schwerer zu vermarkten, sondern auch die Atmosphäre endgültig am Boden. Feuer wird nicht durch Feuer gelöscht. Ein Weg, der mehrfach gescheitert ist auf diversen Ebenen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Und auch wenn ich Pyrotechnik nichts, aber auch gar nichts Positives abgewinnen kann, bin ich Realist genug, um zu wissen, dass eine Komplettabschaffung nicht im Rahmen des Möglichen sein wird. Also muss man eben schauen, wo man Kompromisse eingehen kann und wo nicht. Sich an einen Tisch zu setzen halte ich stets für die bessere Lösung als sich aus der Ferne anzubrüllen und mit noch mehr Eskalation zu beschießen.
Doch. Sehr wohl. Gegenfeuer ist ein effektives Mittel, z.B. bei Waldbränden.
Man kann viele Sachen durch härtere Strafen nicht komplett abschaffen, das heißt aber nicht, dass ich sie deshalb dulden und einen Kompromiss finden muss.
Musst Du ja auch nicht. Da sind zum Glück andere gefordert. Kannst Dich also entspannt zurücklehnen und beobachten, wie es weitergeht.
Das heißt aber auch nicht, dass man Fans wie Vieh behandeln muss und das passiert in der Ausführung bereits viel zu häufig. Ich hätte persönlich kein Problem damit, wenn Pyrotechnik ausstirbt, bin aber sehr froh, dass nicht du die Entscheidung darüber triffst, wie man mit dem Thema umgehen sollte.
Weitere Konfrontation dürfte nicht viel bringen, genauso wenig bringt der zwölfundreißigste Fandialog etwas. Darüber wird doch schon seit Jahren diskutiert, ohne dass sich ein Kompromiss ergeben hat, einfach weil sich bei diesem Thema auch keinen Kompromiss finden lassen wird.
Gäbe m.E. eine einfache Lösung, Stehplätze abschaffen und Tickets personalisieren. Da ich neben Pyro auch mit dem monotonen Sing-Sang sowie dem exzessiven Fahnen schwenken in der Kurve nichts anfangen kann, hätte ich damit kein Problem.
Das wäre also in etwa die PL-Variante. Ein bedenkenswertes Argument gegen die dortige Lösung ist die soziale Auslese, die mit der Abschaffung der günstigeren Tickets einhergeht.
Warum so polemisch?
Würde doch reichen das zünden von Pyros im Stadion als Straftat und nicht als Ordnungswidrigkeit einzustufen?!
Das alleine reicht nicht. Straftaten müssen dann auch verfolgt werden, was im Einzelfall durchaus schwierig sein kann. Und die Einordnung als Straftat muss auch systemgerecht, also vergleichbar mit ähnlich „schweren“ Delikten sein.
Das stimmt, finde die dortige spielszenenabhängige Stimmung auch deutlich besser als den monotonen Sing-Sang.
Bzgl. der sozialen Auslese, ja das könnte ein Problem sein, der Verein könnte da aber gegensteuern bzw. so ausgestalten dass es passt.
Die Karten (und insbesondere auch Stehplatzkarten) werden ja bereits jetzt nicht nach dem sozialen Status vergeben. Eigtl. wären ja bspw. Kinder/Familien prädestiniert für die günstigsten Karten, die sieht man aber aus naheliegenden Gründen gerade eben nicht in der Kurve.