Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

Putin kann dann so eine Statue aufstellen

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Falls man den Begriff „Friedensplan“ ernst nimmt, so hat er auch dann, wenn man einzelnen Punkten etwas abgewinnen kann, einen unübersehbaren Geburtsfehler: Trump handelt mit dem Aggressor Putin die Konditionen aus und bescheidet der angegriffenen Ukraine, sie habe sich zu fügen und zwar pronto, wenn sie weitere Nachteile vermeiden wolle. Meine Prognose: so wird das nie und nimmer etwas, das ernsthaft Frieden genannt werden kann. Aber vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft … Das wäre ja auch irgendwie erbaulich, wenn zwei solche Highpotentials trotz aller Widrigkeiten zueinander finden.

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Läuft bis jetzt bei Mamdani.
So positiv hat sich Trump noch nie zu einem politischen Gegner geäußert und auch nur zu sehr wenigen Verbündeten.
Dass war ein wichtiger Schritt für ihn, da Trump ihm das Leben als Bürgermeister sehr schwer machen kann.
Trotzdem ist Mamdani ihm nicht zu Kreuze gekrochen und ist bei jeder Frage von oppositionellen Journalisten cool geblieben und ist immer wieder zu seinen typischen Inhalten zurückgekehrt.
Trump hat ihn sogar zwischendurch verteidigt.

Trump scheint wirklich charismatische Gewinnertypen zu mögen und verachtet Bürokraten und 0815-Politiker.
Trump hat auch Photos mit Mamdani auf Truth-Social gepostet, die Mamdani in ein gutes Licht Rücken - vor allem das Photo vor FDR (dem Vorbild der linken US-Politiker) spricht Bände.

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Jeder will, dass dieser Krieg endet. Jeder.
Die entscheidende Frage ist jedoch, ob man die Vorstellung von Trump oder Putin teilt, wie dieser Krieg endet.
Alle von @Alex genannten Argumente haben was für sich, und doch halte ich sie für deutlich zu kurz gedacht. Geschichte steht nicht still. Und geht der Plan so durch, bedeutet er, was wiederum meine Überzeugung ist, mehr Kriege für die nähere Zukunft. Das ist Trump wurscht und vielen anderen offenbar auch. Was Putin und anderen nur zupass kommt.
Aggression wird also belohnt. Man kommt damit durch. Und am schlimmsten, die Logik einer Abschreckung wurde und wird umgedreht. Jede Atommacht wird sich dies genau merken. In Zukunft wird eine atomare Bewaffnung nicht mehr als Abschreckung dienen, was über Jahrzehnte die herrschende Logik war, sondern als Angriffspotential willkommen geheißen.
@alex erwähnt in seiner Argumentation wiederholt die Angst und Vorsicht bezüglich der atomaren Eskalation als Haupt-Motiv des Handelns der Regierungen. Ich teile diesen Ansatz nicht wirklich; bis heute bin ich überzeugt, dass zumindest Putin nicht ernsthafte eine atomare Eskalation anstreben kann. Sollte er aber zutreffen, hielte ich ihn für ähnlich unvollständig und fehlerhaft wie oben beschrieben, weil er die weitere Entwicklung ausblendet.

Der zweite blinde Punkt ist einer, wie er schon wiederholt in früheren Debatten erwähnt wurde:
Dies ist kein Krieg Russland gegen die Ukraine - und Punkt.
Es ist ein Krieg Russland (und andere disruptive Staaten) gegen eine Lebensweise, gegen eine bestehende Sicherheitsordnung, gegen eine, unter anderem, freie Bündniswahl etwa.
Und diesen Krieg verliert nicht nur die Ukraine, die auf das ein oder andere Gebiet verzichten soll. (Und es gehört ein gewisses Maß an Naivität dazu, zu glauben, es würde dabei bleiben.)
Diesen Krieg verlieren wir alle, die an gewisse Werte glauben, wie sie mehr oder weniger überzeugend in westlichen Staaten gelebt wurden.

Es ist völlig legitim, nach realpolitischen Möglichkeiten zu suchen, um eine dauerhaftes Sterben auf Schlachtfeldern zu beenden oder einzudämmen oder zu verkürzen.
Verkürzen kann man jedoch auf diesem Wege auch die Erkenntnis, in welcher Welt wir uns zukünftig bewegen, oder besser gesagt: weniger bewegen können. Und gefährdeter allemal.
Man kann über Putin sagen, was man will: Aber die erfolgreichste „Realpolitik“ wird auf russischer Seite gemacht. Was die anderen machen, ist, Erfüllungsgehilfe zu sein, statt dem eine andere Realpolitik entgegenzusetzen.

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Und, nicht zu vergessen, die Übereinstimmung von Trump und Putin in ihrer Ablehnung der liberalen Demokratien. Insofern auch völlig konsequent von Trump, die EU, die für diese Gesellschaftsform steht, und die Ukraine, die sie teils schon realisiert hat, teils anstrebt, resolut beiseite zu schieben; der Status der Bündnispartnerschaft ist so gesehen ein irrelevant gewordenes Relikt der Vergangenheit.

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An wen - außer China - denkst du da konkret?
Ich denke nicht, dass sich andere Atommächte dieser Logik anschließen, denn ein Aspekt bleibt immer noch gleich:
einen Angriffskrieg muss ein Staatsoberhaupt seiner Bevölkerung erst einmal als notwendig vermitteln können und die damit einhergehenden Verluste muss man auch erst einmal verkraften können, ohne dass sich Widerstand regt.
Diese Konstellation sehe ich eigentlich nur bei Russland und bei China gegeben. Ob Russland durch einen für sie sehr erfolgreichen Friedensschluss zu weiteren Kriege angespornt wird oder ob sie es eher als Erleichterung sehen, dass sie aus einem Krieg, von dem sie bei Kriegsbeginn glaubten, er würde schnell gewonnen sein, siegreich aber mit einigen Schrammen davongekommen sind, wage ich nicht zu beurteilen.
Die Ukraine war zudem definitiv das eine Ziel, das Putin seinem Volk am ehesten als Grund für einen Krieg vermitteln konnte. Bei anderen Gebieten würde er mMn auf deutlich weniger Unterstützung zählen können.
Und für China und seine Ambitionen bzgl. Taiwan ist es mMn auch unerheblich, wann und wie der Konflikt in der Ukraine endet. Da wird mMn seit Jahrzehnten kalkuliert, wie groß das Risiko einer Invasion sowohl militärisch als auch wirtschaftlich ist. Für China werden die Vorzeichen mMn sogar eher schlechter, denn falls es gelingen sollte, Russland wieder als Rohstofflieferanten für den Westen salonfähig zu machen - worauf der Plan ja auch abzielt - würde China wieder deutlich mehr für seine Rohstoffe ausgeben müssen als während der Phase der kriegsbedingten Sanktionen.
Und das ist mMn auch einer der Hauptgründe für die USA, den Krieg in der Ukraine zu beenden und Russland wieder näher an sich selbst und Europa zu binden, egal wie unmoralisch das angesichts des russischen Vorgehens sein mag. Aber es gibt eben ein paar unverrückbare „Wahrheiten“, die seit Jahrzehnten mantraartig in den Korridoren von Washington und Moskau wiedergekaut werden. Eine davon ist, dass es keine NATO-Truppen an der russischen Grenze geben darf (auch wenn das nicht geklappt hat und sich durch den finnischen Beitritt sogar noch verschärft hat) bzw. dass es keine enge Freundschaft zwischen Russen und Chinesen geben darf (auch wenn in einem der beiden Länder der Kommunismus schon lange Geschichte ist).

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Wirklich ein sympathischer Zug von ihm. Oder etwa doch nicht?

Für meinen Geschmack geht die Eloge hier ein wenig übers Ziel hinaus. Wenn Trump jemanden - und dann noch einen Gegner - lobt, leuchten bei mir jedenfalls sämtliche Alarmlampen auf. Ich glaube ihm, was seine Motive anbelangt, jedenfalls nichts - außer überbordendem Narzissmus bei Abwesenheit jeglicher echter Empathie. Mamdani sollte gewarnt sein.

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Das musste er doch gar nicht. Seine erfolgreiche Desinformationspolitik der russischen Bevölkerung gegenüber ermöglichte es ihm doch, dieser die Notwendigkeit einer „Spezialoperation“ zur Abwendung einer von der Ukraine ausgehenden faschistischen Gefahr zu vermitteln. Sogar in Deutschland hat er mit dieser Story einigen Erfolg zu verzeichnen.

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Nicht zu vergessen: Gebiete dazubekommt, die noch gar nicht „erobert“ sind und in denen die Ukraine sich derzeit noch gegen die Aggression wehrt!

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Bezüglich des Fettgedruckten:
Über diesen Status ist wenigstens Putin ja längst hinaus. Der kann machen, was er will. Widerstand ist, egal wie verlustreich ein Einsatz sein mag, nicht zu erwarten.

Darüber hinaus hast Du (noch) Recht, natürlich. Meine Beschreibung ist „nur“ eine theoretische Standortbestimmung, die aber unabhängig davon gilt, dass Staaten wie etwa Frankreich sicher nicht ad hoc anfangen werden, sie auszunutzen. Dass dies nicht so bleiben muss - wer könnte das besser beurteilen als ein Historiker wie du.

Hm, das sehe ich anders. Was ich so von Analytikern bezüglich China lese, deutet schon explizit darauf hin, dass China genau beobachtet, ob Putin mit der Nummer durchkommt. Die momentane Lage lässt sich für das arme Taiwan leider nur so zusammenfassen, dass es nur noch um den genauen Zeitpunkt geht, wann sich China Taiwan einverleibt. Aber so oder so: diesem Drang, sobald er zur Umsetzung kommt, wird niemand etwas entgegensetzen können, dafür hat schon Russland viel zu wenig Widerstand erfahren.

Da magst du was auf der Spur sein, aber hier bin ich skeptischer als du. Ich erkenne von außen keinerlei Strategie hinter dem Handeln der Amis. Es mag noch den ein oder anderen strategischen Kopf dort geben, aber zu glauben, dass jener sich in der irrlichternden Riege der Trumpisten mit einer stabilen Linie durchsetzen könnte, (unabhängig einer Beurteilung hinsichtlich sinnvoll/moralisch oder sonstwas) übersteigt meine Fähigkeiten.

Stimmt, aber auch das ist längst Vergangenheit. Es sollte allen klar sein, dass Putin bei allem ertragreichen Handeln, um Russland wieder zu einem relevanten Player zu machen, sich längst nur noch in der Rolle eines (sehr kleinen) Junior-Partners befindet, wenn es darum geht, der Hegemonie der liberalen Demokratien den Garaus zu machen. Der große Bruder für alle diesbezüglich Ambitionierten ist China, und das Netz von Abhängigkeiten, mit der die Chinesen den ganzen Erdball überziehen, übersteigt bei weitem alles, auch das, was Russland anzubieten (oder als Drohkulisse) hat. Freundschaft ist da kein relevanter Faktor mehr.

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Realistisch betrachtet kann die Ukraine die verlorenen Gebiete militärisch nicht zurückerobern, zumindest nicht in den nächsten 1-2 Jahren, dafür ist die Armee zu erschöpft. Und Russland wird diese Gebiete nicht freiwillig zurückgeben, das haben die 20 Sanktionspakete bisher auch nicht geschafft.

Von daher ja, der Gebietsverlust ist wohl unvermeidbar.

Extrem kritisch finde ich aber die Begrenzung der Armee, das wäre mE unverantwortlich. Zudem das Verbot dass die NATO auf dem Gebiet nicht eingreifen darf. Eine Sicherheitsgarantie unter Trump ist zwar vermutlich sowieso wertlos. Aber mit der Einsatzbeschränkung ist das ja de facto wertlos.

Das sind mE Einfallstore für Putin um sich die Restukraine zu holen.

Und 100 Mrd sind einerseits für Russland Peanuts und letztlich auch viel zu wenig für den Schadenn.

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Ob das beliebig oft wiederholbar ist?

Das weiß ich natürlich nicht. Aber wenn ich mir vor Augen halte, wie seinerzeit die von den Lügen der Nazis indoktrinierte deutsche Bevölkerung trotz fehlender Kriegsbegeisterung - so relativ kurz nach dem ersten Weltkrieg - durchgehalten und die immer neuen Fronten mitsamt ihren ideologischen Begründungen akzeptiert hat: dann bin ich in dieser Hinsicht wenig optimistisch. Man denke nur an Goebbels’ Sporpalastrede zu einem Zeitpunkt, als der Krieg bereits nicht mehr zu gewinnen war.

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Und genau hier kommt der Historiker ins Spiel. :wink:
So ziemlich jeder Alleinherrscher saß mal fest im Sattel. Dennoch sind viele nicht friedlich am Ende ihrer Tage eingeschlafen. Es mag zu optimistisch klingen, aber auch Putin kann dieses Schicksal noch ereilen, falls er den Bogen überspannen sollte.
@jep
An der Stelle auch ein kurzer Bezug zu den Nazis: Den Hauptunterschied zwischen Hitler und Putin sehe ich in Putins durchaus vorhandener Heimatliebe und seinem Patriotismus verankert. Hitler hat oft genug deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ihm wenig am deutschen Volk selbst liegt und dass er einem Volk, dass sich im Kampf als nicht stark genug erweisen würde, keine Träne nachweinen würde. Und deshalb gab es bei ihm auch keinerlei Skrupel, alles einzusetzen, was ihm zur Verfügung stand (egal ob Waffen oder Menschen). Würde also jemand wie Hitler an Putins Stelle Russland regieren, hätte er keinerlei Probleme damit, im Auge der Niederlage das gesamte Nukleararsenal zu verfeuern, auch wenn das die komplette Auslöschung seines Landes zur Folge haben würde. Auf diesem Level sehe ich Putin und seine Schergen noch nicht angekommen. Und ein bisschen anders ist die Geschichte der Kriege dann ja auch verlaufen: Gerade die kampflosen Annexionen von Österreich und Tschechien (erst Sudetenland, dann der Rest) und die schnellen, siegreichen Feldzüge gegen Polen, Dänemark, Norwegen, Frankreich etc. sorgten dafür, dass die Kriegsbegeisterung immer weiter wuchs. Die Stimmung in Russland dürfte da etwas anders sein. Der Konflikt mit der Ukraine begann zwar mit der aus ihrer Sicht ziemlich problemlosen Annexion der Krim für Russland sehr euphorisch. Die Kämpfe im ukrainischen Osten waren dagegen schon weniger erfolgreich. Und von dem angekündigten schnellen Sieg in einer Spezialoperation ist man weit entfernt. Statt dessen musste man erkennen, dass die eigene Armee nicht so stark ist, wie erhofft, man musste sogar Truppen aus anderen Ländern anwerben etc. Selbst wenn Russland also durch einen für sie sehr günstigen Friedensschluss als Gewinner aus dem Ukraine-Krieg herausgehen sollte, hat man trotzdem keinen schnellen Sieg erreicht, der automatisch bei Führung und Volk die Frage aufwirft: „Who’s next?“

Zurück zum anderen Thema:
China prüft wohl seit Jahrzehnten die Möglichkeit, Taiwan zu einem Teil der VR China werden zu lassen. Jahrzehntelang sah man sich militärisch nicht in der Lage dazu, weil Taiwan eben - anders als die Ukraine - nicht einfach über eine Landgrenze ohne irgendwelche natürlichen Hindernisse überfallen werden kann. Mittlerweile verfügt man in China wohl über die nötigen Mittel, eine Invasion in dieser Größenordnung durchziehen zu können. Es hängt mMn noch an 2 Dingen: wie stark würde ein solcher Schritt und die damit verbundenen Sanktionen aus dem Westen China treffen? Wie stark würde die Unterstützung der Amerikaner für Taiwan ausfallen?
Mit den richtigen Waffen wäre Taiwan auf jeden Fall in der Lage einen beträchtlichen Teil der chinesischen Invasionsflotte auf den Grund des Meeres zu schicken. Mit ähnlichen Sanktionen, wie man sie gegenüber Russland auf den Weg brachte, würde die chinesische Wirtschaft auf jeden Fall ins Wanken geraten. Russland lebt vom Export von Rohstoffen und für billige Rohstoffe finden sich genug Abnehmer ohne moralische Skrupel, wenn die Stammkundschaft wegfällt. China allerdings will Produkte verkaufen, die sich ein Großteil der Welt nicht so ohne weiteres leisten kann. Sie sind noch auf die Märkte in den reichen Industrienationen des Westens angewiesen und gerade diese würden ihre Importe sicherlich drastisch reduzieren. China hat gesehen, dass z.B. die Europäer als Reaktion auf den russischen Angriff bereit waren, Unsummen mehr für Energie zu bezahlen. Sie werden genau registrieren, dass man dort auch bereit wäre, auf chinesische Waren zu verzichten, auch wenn die Ersatzprodukte deutlich teurer wären. Meine Hoffnung: selbst wenn es in der Ukraine zu einem für Russland sehr günstigen Friedensabkommen kommen sollte, hat China gesehen, dass die Risiken für ihre Soldaten und ihre Wirtschaft im Falle eines Angriffs auf Taiwan noch immer sehr hoch sind und sie mit Widerstand rechnen müssen.

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Mag sein, zu wünschen wäre es. Mir persönlich fehlt da das Spezialwissen. Die Frage ist ja: was folgt aus Deiner Einschätzung? Man sollte ihm den - zwar unberechtigten - Sieg gönnen, weil er dann zufrieden ist und endlich Ruhe gibt?

Hierzu noch ein paar Gedanken:
Wer saß denn bei der Rede im Publikum? Ich denke nicht, dass man hier keine Vorauswahl getroffen hat und entsprechend euphorisch waren natürlich auch die Reaktionen.
Und zu dem Zeitpunkt war auch schon eine Sache klar: Die Nazis werden den Krieg nur überleben, wenn sie den Krieg gewinnen. USA, UdSSR und UK hatten sich schon darauf geeinigt, dass man nichts anders als eine bedingungslose Kapitulation von Nazi-Deutschland akzeptieren würde. Es war auch klar, dass gegnerische Truppen auf deutsches Territorium vorrücken würden, wenn der Krieg nicht gewonnen wird. Und dass gerade die Truppen der roten Armee sich dabei verständlicherweise nicht wie neutrale Friedenstruppen verhalten würden, war den Deutschen auch klar. Somit gab es eigentlich nur 2 „schlechte“ Alternativen zu diesem Zeitpunkt.
Dieses Risiko einer feindlichen Invasion besteht für Russland eigentlich nicht, auch wenn man es der Bevölkerung vorspielt. Aber würde sich das angesichts der doch sehr hohen Verluste der russischen Armee in der Ukraine beliebig oft fortsetzen lassen? Ich weiß es auch nicht, aber bezweifle es.

Die Antwort hierauf ist wirklich schwer. Ich würde hoffen, dass er einen Satz wie diesen, den ich Trump durchaus zutrauen würde, versteht: „Russischer Bär, du hast dir jetzt deine Beute geholt und dir dabei die Tatzen verbrannt. Beim nächsten Mal brennt dein ganzes Fell, wenn du meinst, es an anderer Stelle noch einmal versuchen zu müssen.“

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Triggerwarnung: Missbrauch

Ich danke dem grandiosen „folker“ für seine klare Stellungnahme in seinem aktuellen Sondernewsletter zur unsäglichen Enthüllung zu Konstantin Wecker - ein Jammer, dass ich ihn nun aus meiner privaten Musiksammlung tilgen muss und werde, hat er mich doch lange begleitet (was ich mit dem herausragenden Live-Album „WaderWeckerMey“ anstellen soll, weiß ich noch nicht…)!

Toll und wichtig, dass der „folker“ das Thema (sexueller) Machtmissbrauch in einer seiner kommenden Ausgaben ausführlich behandeln wird - oder um es mit Hannes’ Worten zu sagen:

„Es ist an der Zeit“ - gerade heute am 25.11. - dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen oder auch Orange Day!

"Alles nur Inszenierung?

Aus gegebenem Anlass eine Stellungnahme aus der folker-Redaktion

In seinem aktuellen Buch Der Liebe zuliebe (siehe Rezension auf S. 91 in folker #04.25) und seinem diesjährigen Tourprogramm präsentiert sich Konstantin Wecker gerne als geläutert. Sein Leben sei eine Hinwendung von Depressionen und Sucht zu mehr Friedfertigkeit und Spiritualität, erklärt er selbst. Angesichts neuer Erkenntnisse stellt sich jedoch die Frage, in welchem Ausmaß dies nur eine Inszenierung sein könnte. Denn so leicht scheint der Liedermacher seine Vergangenheit nicht abzuschütteln. Zum einen leidet er darunter, dass sein Lebenswandel dazu beigetragen hat, dass er nicht mehr Klavier spielen kann. Mehr wird ihm aber vermutlich das Bekanntwerden einer Affäre mit einer 15-jährigen Schülerin zusetzen. Denn darüber verliert Wecker in seinem Buch kein Wort. Seine damalige Alkoholabhängigkeit kann dafür keine Entschuldigung sein. Denn wie die Süddeutsche Zeitung belegt, scheint der Liedermacher seine öffentliche Stellung manipulativ für seine Sexgier eingesetzt zu haben. Gerade er, der sich nicht scheut, Personen der Politik und Wirtschaft der Gier zu bezichtigen. Auch Weckers Reaktion auf die Veröffentlichung scheint sich vor allem um ihn selbst zu drehen. So ließ er durch seinen Anwalt verlauten, dass er davon ausgehe, nicht gegen das Gesetz verstoßen zu haben, und entschuldigt sich öffentlich für sein „gänzlich unangemessenes“ Verhalten. Aber was ist mit der betroffenen jungen Frau, die bis heute durch die Ereignisse traumatisiert ist? Auf jeden Fall droht das Ganze seine Karriere zu überschatten. Denn einer Minderjährigen den Kontakt und sexuelle Handlungen aufzuzwingen, ist absolut inakzeptabel. Mehr denn je für jemanden, der sich gerne als Feminist und Anarcho sieht, von seiner Frau aber als „Macho“ bezeichnet wird. Wecker hat damit seine Glaubwürdigkeit verloren. Und so wird er sein bekanntestes Protestlied „Willi“ vielleicht nicht nur wegen seiner neurologischen Probleme nicht mehr spielen können, sondern auch weil kaum noch jemand seine Konzerte besucht.

Ein Kommentar von Erik Prochnow, Mitglied der folker-Redaktion

Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Problematik von Machtmissbrauch in der Musikbranche folgt in einer folker-Ausgabe 2026. "

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Heute war ein interessanter Essay des Historikers Timothy Snyder in der SZ zu lesen.
Thema: der weiter oben schon von uns diskutierte 28-Punkte-Plan bezüglich Russland/Ukraine.

Snyder nimmt mir - worüber ich gar nicht recht froh bin - die Worte quasi aus dem Mund. Konkret nennt er sechs grundsätzliche Probleme. Auszüge:

  • Der Plan würde das Risiko eines Atomkrieges erhöhen.
    Viele Staaten würden zukünftig danach trachten, eine atomare Bewaffnung anzustreben oder zu vergrößern.
  • Die internationale Ordnung, die bisher auf der Unverletzlichkeit nationaler Grenzen basiert, wird beschädigt.
    Zukünftige Invasionen und Kriege werden wahrscheinlicher.
  • Russland geht gestärkt aus dem Konflikt hervor.
    Dies ermutigt Putin zu weiterem entsprechenden Vorgehen.
  • Im Plan gibt es keine Durchsetzungsmechanismen.
    Putin hat bisher ausnahmslos alle Vereinbarungen, die mit der Ukraine getroffen wurden, ignoriert oder dagegen verstoßen. Woher der Glaube, er würde sich diesmal daran halten, was geschrieben steht?
  • Im Plan steht nichts Relevantes zum Wiederaufbau der Ukraine.
  • Die Ukraine war nicht an der Formulierung beteiligt.
    Die Historie lehrt so manches über Friedenspläne, die ohne die Beteiligung einer betroffenen Partei entstehen. So manches, aber nichts Mutmachendes.

Snyder schreibt, der Plan liest sich, als hätten ihn die Russen diktiert, und die Amis hätten ihn mal schnell ins Englische übersetzen lassen. Nach dem , was wir mittlerweile erfahren haben über die Telefonate des Immobilientypen Witkoff, ist das vermutlich näher an der Wahrheit als man eh schon befürchtet hat.

Auch in der heutigen SZ-Ausgabe:
Ein Interview mit der ukrainischen Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk. Die den Preis, nach dem sich der Orangene so sehnt, schon bekommen hat - allerdings begründeterweise. Ich möchte hier nur einen Absatz daraus zitieren:
" (…) Die Europäer müssen begreifen, dass sie nur in Sicherheit leben, weil wir an ihrer Stelle kämpfen. Die Menschen in Deutschland haben Sicherheit und Freiheit von ihren Großeltern geerbt. Sie konsumieren diese Werte und neigen dazu, Freiheit als die Wahl zwischen zwei Käsesorten im Supermarkt zu betrachten."

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Zu dieser Art von Dilomatie bzw. deren faktischer Abschaffung zugunsten des ganz persönlichen Eigennutzes schreibt die „Zeit“ heute früh:

Phantastisch haben es die Schweizer begriffen: reisen schon mit Rolex und Goldbarren an, um den Unvergleichlichen gnädig zu stimmen, und schwupps sind die Zölle nennenswert reduziert.

Lula aber hat sich durchgesetzt: Trump musste die Strafzölle, die er wegen des Strafprozesses gegen seinen Bruder im Geiste, Bolsonaro, verhängt hatte, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit kassieren. Und Bolsonaro musste einrücken. Touché!

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Das eigentlich Tragische an den aktuellen Plänen von Russland und Trump ist, wie fundamental sie die Lehren der Geschichte ignorieren. Ein stabiler Frieden entsteht nur, wenn die unterlegene Seite überhaupt eine Chance hat, wieder auf die Beine zu kommen. Nimmst du ihr jedoch fast alles – Landwirtschaft, Bodenschätze, Energie – dann zerstörst du nicht nur die wirtschaftliche Basis eines Landes, sondern auch dessen psychologische Widerstandskraft.

Genau das droht der Ukraine. Man kann kein dauerhaftes Gleichgewicht schaffen, indem man ein Land strukturell verkrüppelt. Das hat noch nie funktioniert – weder in Europa noch sonst irgendwo.

Was dabei besonders irritiert: Um diese einfachen Zusammenhänge zu verstehen, bräuchte es in Washington zumindest ein Mindestmaß an strategischer Vernunft. Die derzeit Verantwortlichen scheinen diese jedoch konsequent auszublenden – Realpolitik wird zu Kurzsichtigkeit, Machtpolitik zu Selbstschädigung.

Sollten die derzeit diskutierten Lösungen tatsächlich so umgesetzt werden, droht Europa eine langfristige Hypothek: Jahrzehntelange Spannungen, gefestigtes Misstrauen, tiefe Ressentiments. Eine Normalisierung der Beziehungen wäre auf Jahrzehnte hinaus blockiert.

Und das wäre für Europa – kulturell wie wirtschaftlich – eine Katastrophe.

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