Grundsätzlich gibt es in der gesamten Debatte zwischen USA und Europa enorm viele Missverständnisse. Nicht unbedingt hier im Forum, aber allgemein. Und die gehen in beide Richtungen: Europäer verstehen vieles an den USA nicht – und Amerikaner noch viel weniger an Europa.
Ich plädiere deshalb für mehr Verständnis gegenüber der jeweiligen Andersartigkeit.
Wenn wir zukünftig weniger Konflikte, weniger gegenseitige Vorwürfe und bessere Zusammenarbeit wollen, dann müssen wir akzeptieren, dass Kultur, Geschichte und politische Sozialisation unterschiedliche Perspektiven hervorbringen.
Wir müssen nicht alles gutheißen, aber wir sollten begreifen, woher bestimmte Sichtweisen kommen. Nur wenn wir die Unterschiede kennen und ernst nehmen, können wir auf Augenhöhe miteinander umgehen – als Partner, nicht als moralische Richter übereinander.
Die andere besteht in gravierenden Interessengegensätzen, die sich nicht leicht wegdiskutieren lassen. Man kann durchaus partnerschaftlich miteinander umgehen, sollte aber besser nicht die Augen vor wirtschaftlicher und politischer Gegnerschaft verschließen. Zum Beispiel bei den Strafzöllen, den Fragen rund um den Klimawandel bzw. dessen Verleugnung und dem Kampf Autoritarismus vs. Demokratie. Um nur die prominentesten Beispiele zu nennen.
Klar, diese Interessengegensätze gibt es.
Gerade deshalb ist es wichtig zu verstehen, warum sie entstehen.
Beispiel Strafzölle:
Europa sieht darin Protektionismus.
In den USA gilt das vielen als notwendiger Schutz der eigenen Industrie – eine völlig andere historische Logik.
Beim Klima ähnlich:
Für Europa ein globales Menschheitsprojekt,
für viele Amerikaner ein Eingriff in wirtschaftliche Freiheit.
Genau solche Unterschiede erklären die Konflikte – und machen es erst möglich, sie sachlich auszutragen, statt sie moralisch aufzuladen.
Ich habe große Probleme, deine beiden Sätze sinnvoll zu verknüpfen.
Satz 1 verstehe ich so, dass wir Europäer nicht verstehen, wie Amis ticken. Unabhängig davon, dass das super pauschal ist und es „die Amis“ genau so wenig gibt, wie „die Europäer“, würde ich dir überhaupt nicht widersprechen wollen, dass es große kulturelle Unterschiede gibt und diese aus Sicht des anderen nur schwer nachzuvollziehen sind.
Satz 2 ist aber eine generelle Kritik an Befragungen und den Erkenntnissen daraus. Auch dabei möchte ich nicht abstreiten, dass es alle Befragungen und Studien gut sind und richtig interpretierten werden. Wir hatten erst vor kurzem ein passendes Beispiel in Deutschland mit Merz Aussagen zum Stadtbild und einer möglichen Zustimmung der Mehrheit der Gesellschaft zu diesen Aussagen.
Allerdings verbindest du nun die kulturellen Unterschiede mit einer aus deiner Sicht mangelhaften Studie, was aus meiner Sicht kein valides Argument ist. Die Studie wurde in den USA durch Amerikaner durchgeführt und du bringst keine konkreten Argumente an, warum diese Studie nicht geeignet sein soll, die Beliebtheit von ACA zu messen.
Wer hat das behauptet? Ich persönlich bin sogar auf Seite deren, die behaupten, dass die USA nicht mehr demokratisch ist
Ich wollte gar nicht die Studie oder ihre Methodik kritisieren. Mir ging’s um den Unterschied zwischen „Zustimmung zu einem Gesetz“ und der Akzeptanz der dahinterliegenden Idee. Also (leider) nur allgemein.
Dass heute eine Mehrheit der Amerikaner den ACA befürwortet, heißt schlicht, dass man sich mit dem System arrangiert hat. Es heißt nicht, dass sich das kulturelle Grundverständnis von Staat und Risiko geändert hätte.
Viele finden Obamacare inzwischen nützlich, würden aber beim Wort staatliche Krankenversicherung trotzdem zusammenzucken.
Und klar, es gibt nicht die Amerikaner und nicht die Europäer Aber gewisse kulturelle Muster in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft lassen sich nun mal beobachten.
Und was die USA betrifft – dass sie demokratisch ins Rutschen geraten, sehen viele so. Aber gerade diese Entwicklung zeigt ja, wie brüchig das Selbstbild des freien Individuums inzwischen geworden ist.
Aber genau dieses Selbstverständnis gerät ins Wanken. Ungleichheit, Unsicherheit, Vertrauensverlust in Institutionen. Absolute Eigenverantwortung funktioniert in einer vernetzten Welt nicht mehr wie wir ja sehen. Die Menschen denken darum ihr Präsident sei die Antwort auf dieses Dilemma. Er bedient den alten amerikanischen Mythos der so tief verankert ist. Das Misstrauen gegenüber den Institutionen und die alte kulturelle Identität die längst überholt ist.
Die AfD tut es ihm doch in gewisser Weise gleich. Alle rechten Populisten. Sie sind gerade sehr erfolgreich damit.
Mir fehlt da etwas mehr Präzision in Deiner abgesehen davon interessanten und über weite Strecken stimmigen Argumentation.
Einerseits liegen Übereinstimmungen von Trump und den AfD-Strategen in ihrem antidemokratischen Autoritarismus auf der Hand. Wenn wir jetzt aber gerade tiefergehende kulturelle Unterschiede ins Auge fassen und Du konstatierst:
… dann sehe ich in diesem Punkt wenig Gemeinsamkeiten mit der AfD. Hierzulande erzeugt die Vorstellung von mehr Eigenverantwortung in großen Teilen der Gesellschaft - zumal in denen, die die AfD hauptsächlich anspricht - doch eher Ängste und Verunsicherung. Einen weitverbreiteten Impuls, Probleme lieber individuell als mit staatlicher Unterstützung zu lösen, kann ich nicht erkennen. Am ehesten noch bei denen, die ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben und finden, dass ihr Reichtum durch die sozialen Wohltaten für weniger Begüterte unangemessen beschnitten wird. Klar, so denkt Trump auch. Aber, wie Du richtig hervohebst: er kann damit in einem Ausmaß punkten, wie es hierzulande schwer vorstellbar wäre. Was dann auch die AfD - ungeachtet ihres wenig sozialen Programms - deutlich andere, ihren Sozialdarwinismus eher verschleiernde Töne anschlagen lässt.
6/10 Amerikanern ist für Medicare for All.
Nur sind halt 9/10 der Politiker dagegen.
Im aktuellen for profit System gibt es viele verschiedene Anbieter, die verschiedene Leistungen und Ärzte und Krankenhäuser als Partner haben.
Die sind dann meistens auch noch mit dem Arbeitgeber verknüpft, sodass eine relativ gute Versicherung ein Argument für den Arbeitgeber ist.
Die zahlen also deutlich mehr als wir, für deutlich weniger Leistungen.
Obamacare war ein Schritt in die richtige Richtung hat aber keineswegs das Problem gelöst.
Trump und die Republikaner wollen aber selbst das abschaffen sodass die Versicherungen völlig unreguliert die Preise hoch treiben.
Wie pervers und kompliziert das System (mit Obamacare) ist, zeigt in sehr vielen Videos John Oliver:
Und zu guter letzt MAHA unter dem Mann mit dem Wurm RFK:
Die Abriss-Anstalt
Egal, ob Eigenheim, Miet- oder Sozialwohnung: Bei ihrem kabarettistischen Besichtigungstermin des aktuellen deutschen Wohnungsmarktes lässt das Anstaltsensemble keinen Stein auf dem anderen.
Ich weiß ja, wie sich die letzten Beiträge entwickelt haben, aber unter der Überschrift Satire/Humor wirkt es doch sehr bizarr. Vielleicht kann man das in den Politik-Thread verschieben.
Danke fürs Verschieben der hier folgenden Beiträge
Ich fürchte nur, dieser Kampf ist schon verloren.
Die Kennzeichnungspflicht ist das Mindeste, was sein muss. Aber selbst dies (ohnehin vermutlich schwer einzurichten, zu kontrollieren etc.) wird die Welt nicht mehr stabilisieren können.
Ich las grade ein Zitat der Künstlerin Hito Steyerl, die richtigerweise bemerkt, dass die historische Phase, in der Bilder (respektive Szenen oder Aufnahmen) so etwas wie eine historische Realität mit Wahrheitsgehalt abgebildet haben/abbilden konnten, bemerkenswert kurzlebig ist/war: um die 100 Jahre.
Aber das ist vorbei. Ein Trump muss heute gar keinen vermeintlichen Aufstand/Notfall in bestimmten Bundesstaaten mehr faken oder durch perfekt KI-generierte Bilder füttern. Es reicht völlig, dass er sich etwas imaginiert, um das zu tun, was er ohnehin tun will, in diesem Fall: das Militär im Inland reinschicken.
Einfach deswegen, weil im KI-Zeitalter sämtliche Quellen faktisch delegitimiert werden. Mir wäre nicht klar, wie man die Aufklärungsquote in den Bevölkerungen so hochschrauben will/kann, dass ein passender Umgang mit den heutigen Möglichkeiten entsteht.
Insofern bin ich sehr dankbar, dass grade Journalisten wie @justin da ein großes Augenmerk auf solche Dinge legen. Ich als Privatperson kann, solange ich keine beruflichen Berührungspunkte damit habe, eine pessimistische Zukunftsvision entwerfen - als Journalist, der täglich mit Bildern, Quellen etc. arbeiten muss, muss ich darauf hoffen, dass das Problem ernsthaft erfasst und entsprechend einem Ethos behandelt wird. Im schlechteren Falle habe ich so eine Tom-Kummer-Einstellung und spiele mit den Dingen nur rum - dies würde meine oben befürchtete Entwicklung beschleunigen.
Und andererseits kann er nicht nur Faktentreue penibel anmahnen, sondern auch der BBC wegen des einen weggelassenen, seine Aufstachelung zum Aufruhr nur unwesentlich abmildernden Satzes mit einer Milliarden-Klage drohen, ihr Führungspersonal zum Rücktritt zwingen und seine Pressesprecherin die Briten auffordern lassen, statt der miesen BBC den Qualitätssender GB News zu frequentieren.
Auch wenns in der Größenordnung letzten Endes egal ist: Es sind bis zu fünf Milliarden Schadensersatz, die Trumps Anwalts-Trupp fordern will.
Spielt auch keine Rolle - Es ist eine Maulkorb-Klage, die Trump mit der Macht seines Amtes und seiner Privat-Milliarden versieht. Und die BBC kann sich einen Schadensersatz in der Größenordnung nicht „leisten“ - und muß daher kuschen.
Allerdings ist die Kritik von Trump an der Montagetechnik der BBC nicht unberechtigt - das war tendenziöser, manipulativer Journalismus.
Es war töricht, denn am Tatbestand der Aufstachelung zum Aufruhr besteht ja dennoch kein Zweifel. Wenn es noch einer Bestätigung bedurft hätte, dann bestünde sie in der reihenweisen Begnadigung rechtskräftig verurteilter Capitol-Stürmer und ihrer Adelung zu nationalen Helden durch Donald den Unübertrefflichen.
Exakt.
Völlig überflüssiges Verlassen der sachlichen Ebene - ein Bärendienst, weil nun alle über den Splitter im Auge der Presse und nicht den Balken im Auge des Orange Utan reden
Ich glaube in den heutigen Zeiten ist das saubere Arbeiten im Journalismus noch viel wichtiger. Jedenfalls von denen die auf der Seite der Demokratie kämpfen. Die anderen halten sich sowieso nicht dran.
Natürlich sollten sie das tun. Klar muss man die Missstände aufzeigen. Die rechten Lügenbarone wird man nicht zum schweigen bringen. Es ist nur eine pragmatische Aussage von mir.
Richtig, und deshalb ist es auch irrelevant, ob die Bilder, mit denen er sein Vorhaben unterfüttert, echt oder KI-generiert sind.
Ich sehe der KI-Bildrevolution relativ entspannt entgegen. Ja, absehbar wird man einen wirklich in einem Krieg zerstörten Wohnblock nicht mehr von einem von einer KI generierten zerstörten Wohnblock unterscheiden können. Man wird minutenlange Filme von einer Tsunami-Katastrophe sehen können, ohne dabei erkennen zu können, ob es diesen Tsunami wirklich gegeben hat.
Aber das stellt die Möglichkeit von Wahrheit nicht in Frage und in dem Maße, in dem Politik von Wahrheit abhängt, auch nicht die Möglichkeit von Politik.
Im Grunde genommen ändert sich durch die KI-Revolution in Bezug auf die Wahrnehmung und Bewertung medial vermittelter Wirklichkeit überhaupt nichts. Schon heute glauben wir nicht einfach Bildern, sondern Bildern in Kontexten. Wir glauben Bildern, wenn sie aus glaubwürdigen Quellen stammen oder in einem glaubwürdigen Kontext erscheinen, beispielsweise in einem Zeitungsartikel einer vertrauenswürdigen Zeitung.
Wir glauben Kriegsberichten, wenn sie von Leuten stammen, die vor Ort über das Geschehen berichten. Wir glauben diesen Berichten, weil sie von Leuten stammen, die von vor Ort berichten. Wir glauben ihnen nicht aufgrund ihrer Bilder oder Texte.
Die Authentizität und Glaubwürdigkeit von Darstellungen (und medial vermittelter Kommunikation generell) ist bereits heute an Kriterien gebunden, die außerhalb der Darstellung selbst liegen. In dem Maße, in dem sie das ist, ist sie daher durch Fortschritte beim Realismusgrad KI-generierter Bilder und Filme auch nicht angreifbar.
Ich glaube, diejenigen unter Euch, die sich wirklich Sorgen über die Möglichkeit von Wahrheit im Zeitalter KI-generierte Bilder oder Filme oder Audios machen, machen sich zu viele Sorgen.