Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

For something completely different…

Wie von mir vorausgesagt, befürchtet und angekündigt:
Die Paulaner-Brauerei hat den besten Fastenprediger so far, Maxi Schafroth, abgesägt. Es wird keine weitere Fastenpredigt von Maxi geben.
Die Formulierungen bei der Pressekonferenz lassen zwischen den Zeilen keine Unklarheiten. Das Risiko, diesen elementaren Termin der bayerischen Gesellschafts-Szene womöglich ohne eine Präsenz des geschätzten Ministerpräsidenten zu erleben, wollte man keinesfalls eingehen. Was im Klartext heißt:
Wenn du bei der Predigt die CSU oder den Södermaggus zu hart angehst, war’s das mit der künstlerischen Freiheit, dann siegt der obligate ökonomische Zwang einer aufmerksamkeitsheischenden Kulturszene.

Der Nachfolger steht auch schon fest und bildet einen interessanten ironischen Aspekt ab: Es ist Stefan Zinner, der frühere legendäre Double-Darsteller von Söder.
Ich kenne Zinner auch aus einigen Live-Auftritten als Musiker und Kabarettist. Und ja, das passt schon: Zinner ist ein herausragender Schauspieler und Sprecher, dazu musikalisch ebenso wie Schafroth absolut hochklassig, vielleicht nicht ganz so weit oben. Man könnte also davon ausgehen, dass er seine Predigten ähnlich anlegt wie Maxi, ebenso, dass er sie weitgehend selbst schreibt. Allerdings wirkt er auf mich insgesamt deutlich versöhnlicher, weniger konfliktfreudig und klar in seinen Haltungen als Schafroth. Allein der Umgang mit dem Popularitätsschub, den er Söder (unfreiwillig) mit seinen großartigen Double-Auftritten im Singspiel verschaffte, zeigt das, wie ich finde, recht deutlich. Und anders wäre es wiederum wohl nicht zur jetzigen Wahl der Paulaner-Brauerei gekommen.

Und trotzdem ist es ein wenig ein Trauerspiel und hat etwas von dieser vorauseilenden Gehorsams-Kiste, die wir bei kulturellen oder journalistischen Einrichtungen in den USA gegenüber Trump sehen. Alles halt 'ne Nummer kleiner, aber das Prinzip ist das Gleiche.

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Ich bedauere das Aus von Maxi Schafroth. Mir haben seine Predigten sehr gut gefallen.
Ich habe nach der letzten erwartet, dass es seine Letzte sein wird. Ich glaube er hat das auch erwartet. Nicht wegen der Kritik an CSU und Freien Wählern aber Summa summarum war sie seine Schwächste.

Trotzdem hätte ich ihn gerne wieder gesehen. Er hat das Jahr zuvor grandios überzeugt.

Die Entscheidung trifft ja die Brauerei. Natürlich will die sich nicht mit den Regierenden anlegen. Das hat sie auch nie gemacht. Ich finde, der Trump Vergleich hinkt etwas, @cheffe . Kann aber Deine Enttäuschung über die Absetzung nachvollziehen.

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Ich finde es auch sehr schade mit dem Maxi, großer Fan, letzter deutscher Kabarettist, den ich sogar mal live gesehen habe, kurz darauf wurde er zum Fastenprediger.

Die Liste legt aber eher nahe, dass es sich hier um einen relativ normalen Vorgang handelt:

Seit dem legendären Roider Jackl, der es über 2 Jahrzehnte machen durfte haben gerade mal 2 Fastenprediger länger als der Maxi „überlebt“ - Walther Sedlmayr in den 80ern und Luise Kinseher als erste weibliche Predigerin/Bavaria.

Beide auch gerade mal 2 Jahre länger als der Maxi.

Alles in allem also durchaus ziemlich gut weggekommen würde ich sagen, gerade dafür wie „bissig“ er aufgetreten ist - satte 9 seiner Vorgänger durften es weniger als halb so lange wie seine 7 Auftritte nur machen…

Da stimme ich zu.
Aber es waren auch die Umstände, die Thematiken, die zu dem Zeitpunkt wirklich schwer handle-bar waren. Und: auch das Publikum war mit Abstand das schwächste seit langer Zeit, das hatten wir damals auch so besprochen - kein Feedback, keine Stimmung, wovon so eine Predigt gegenüber den Derbleckten auch immer lebt. Und letztlich ist halt auch klar, dass er weitermachen dürfte, wenn er „nur“ eine schwächere Rede geliefert hätte.

Stimmt auch, aber um nicht missverstanden zu werden:
Ich wollte nicht Söder/Trump als Vergleich heranziehen, sondern das Einknicken vor dem (vermeintlichen) Politikerwillen um des Vermeidens von Konfliktstoff. Da finde ich den Vergleich nach wie vor passend.

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Bei einem Trump würde es never ever ZWEI Auftritte a la Maxi geben!

Und ihm würde wahrscheinlich wesentlich mehr drohen als nur kein weiterer Auftritt am Nockherberg.

Nur um mal noch die Relationen aufzuzeigen…

Im Vergleich dazu lebt man in Bayern NOCH fast im Paradies!

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Ich sehe das seitens der Brauerei eben nicht als „Einknicken“.
Weil, die will einfach am Ende des Tages etwas Positives für sich aus dem Event ziehen.
Wenn das in Gefahr ist, handelt sie.

Das ist der schmale Grad des Fastenredners. Du sollst anecken, aber eben nicht zu arg.

Das Publikum war tatsächlich auch das Schlechteste, da gebe ich Dir Recht. Natürlich ist das viel zu dünnhäutig. Aber die Rede war auch sehr einseitig, was ich sehr schade fand. Lustig war sie eben auch nicht. Das ist in den Zeiten schwierig und war schwer. Das ist eine schwierige Aufgabe, keine Frage.

Aber jetzt stellen wir uns vor, die Brauerei hätte an ihrem Redner festgehalten und dann wäre nächstes Jahr keiner gekommen. Das hätte ja passieren können. Dieses Risiko, will die Brauerei natürlich nicht eingehen. Sie braucht die Politiker vor Ort (auch die von der Regierung) damit das Derblecken funktioniert.

Es wird immer schwieriger so etwas durchzuführen. Leider.

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Stimmt schon, das kann man im Prinzip kaum verlangen, das ist mir auch klar. Ich will Paulaner/Schörghuber da auch gar nicht zuviel Politisches unterstellen, die denken ans Geschäft, und trotz der gesellschaftlichen Bedeutung ist der Nockherberg eben vor allem eines (und anders war’s auch nie): ein sehr, sehr gutes Business-Modell.

Das mit der Gefahr, wenn Politiker nicht kommen, ist aber auch einseitig (und damit politisch): ich glaube mich zu erinnern, dass ein gewisser Helmut Rothemund nicht mehr zum Nockherberg kam, nachdem ihn Walter Sedlmeyer in der Predigt sauber aufs Korn genommen hatte. Aber weil’s halt nur der dödelige SPD-Vorsitzende war, hat das keine Sau interessiert…

Also, was ich sagen will:
Niemand verlangt, dass in der Predigt schärfste Schwerter geschwungen werden. Schon gar nicht einseitig.
Aber was ich halt auch nicht will, ist, dass der Nockherberg zur CSU-Werbeveranstaltung wird. In den Zeiten von Hannes Burger/FJS war das, trotz großartiger Unterhaltung, manchmal nah dran. Aber Söder und seine kleingeistigen CSU-Fuzzis haben sich weder die Ehrerbietung noch die Sympathie oder Rücksicht so verdient wie die damaligen Originale - unabhängig der politischen Farbe übrigens.

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Das wäre richtig schlecht und auch nicht zuträglich. Dann wäre der Nockherberg am Ende. Die Regierenden müssen da „dran kommen“. Das war aber auch immer so.

An Rothemund erinnere ich mich noch. In den Münchner Zeitungen war das damals durchaus ein gutes Thema, wenn ich mich richtig entsinne. Andere Zeiten, ganz andere Zeiten (war auch nicht alles gut, aber man dachte die Welt sei einfacher).

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Da hadda Recht der @Ibiza !
Nichtsdestotrotz: Zumindest die zeitliche Koinzidenz (Colbert fired, Schafroth fired, both only for financial reasons) läßt den geneigten Beobachter schmunzeln.

Aber von Trump’schen Verhältnissen einer völlig gleichgeschalteten Medienlandschaft sind wir in Deutschland tatsächlich noch einige viele Borg-Schritte entfernt.

„Ozeanien befindet sich nicht im Krieg mit Eurasien. Ozeanien befindet sich im Krieg mit Ostasien. Ozeanien befand sich schon immer im Krieg mit Ostasien.“

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München - dieser soziale Brennpunkt mit seinen offenen Drogenszenen:
Nockherberg, Theresienwiese, Hofbräuhaus… :eyes:

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Watt früher in den 70ern die Bremer Sielwall-Kreuzung war (Bundesrepublikanische Vorreiterin im offenen Drogenvollzug), ist längst nach Bayern exportiert worden. Wer was über SEK gegen Drogenkonsumenten lernen will, muss nach Bremen kommen. Dagegen ist Söders Innenpolitik eine Hollywood-Schaukel!

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Tja, jede Medaille hat eben ihre zwei Seiten. Und alle Mitgliedsländer haben ihre eigenen Interessen. Aus der heutigen SZ:

„Nicht zuletzt war die Kommission während der Verhandlungen beschäftigt damit, die Reihen geschlossen zu halten. Da war etwa Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die einen schnellen Deal wünschte. Später schaltete sich Merz ein, warf der Kommission vor, zu langsam zu sein, und drang auf ein Abkommen, das Deutschlands Autoindustrie schützt. Dass die nun unter den Basiszollsatz fallen soll − gegenwärtig gelten 27,5 Prozent −, wurde in Berlin dementsprechend als Erfolg gewertet, obwohl auf US-Autos umgekehrt künftig null Prozent fällig werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederum befürwortete zwar harte Gegenmaßnahmen, als dann aber die Listen mit Vergeltungszöllen vorlagen, verlangte er Ausnahmen, um Frankreichs Bauern, Winzer und Schnapsbrenner zu schützen.“

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Hier der Bericht zum Nockerberg:
Nockherberg 2026: Maxi Schafroth nicht mehr Fastenprediger - wer sein Nachfolger wird - München - SZ.de

Der Maxi hat seinen Frieden damit, obwohl er gern noch eine Rede gehalten hätte. War aber für Paulaner „keine Option“.

Weiß nicht, ob die Rede schwach war. Sie war „anders“. Weniger auf Pointe, eher ein Appell auf Moral und Rechtschaffenheit, mehr klare Ansage und Zurechtweisung. Und das war wohl das Problem für den Markus.

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Tja, man darf (Gott sei Dank) alles sagen. Muss aber mit dem Echo und den Konsequenzen leben.

Nein, das ist ein Problem für die Brauerei Paulaner. Die stellt sich das anders vor.
Die Rede war im Sinne des Nockherbergs eher schwach.

Ich möchte hier betonen, dass ich kein Problem damit habe, wenn die Granden der CSU da ihr Fett wegbekommen. Ich denke auch die Veranstaltung lebt davon. Das muss sein.

Das ganze ist ein Starkbierfest.

Mir hat die Reaktion der beiden bayerischen Regierungsparteien nicht gefallen.
Die Entscheidung der Brauerei war abzusehen. Hier so tun, als ob der Ministerpräsident den Festredner abgesägt habe, greift aus meiner Sicht zu hoch.

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Hat, wenn ich (hoffentlich) aufmerksam genug mitgelesen habe, aber auch keiner wirklich getan.

was indiziert das für Dich?

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Okay. Punkt für Dich. Hatte ich übersehen.
Aber eher ein Minderheiten-Votum - ich glaub, mehrheitlich sind die Posts auf Deiner Seite.

Weiß ich nicht wie da die Meinungen sind.

Ich mag den Nockherberg sehr und hoffe auf alle Fälle, dass der neue Redner eine gute Mischung findet und kein handzahmer Langweiler ist. Als Markus Söder hat er mir jeweils gut gefallen. Als Schauspieler hat er populäre Rollen gespielt.
Ob er deswegen als Festredner taugt, ist natürlich schwer zu sagen. Vielleicht schreibt auch jemand für ihn. Alles möglich. Schaun mer mal.

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Wie Du Dir denken kannst, verfolge ich das Ganze amüsiert aus der nordischen Ferne - als virtueller Zaungast sozusagen.

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