Ja, aber darum geht es doch auch nicht. Die Frage ist nicht, ob eine begriffszentrierte Politik, die einem starken rechten Diskurs einen starken linken Diskurs gegenüberstellt, auf jeden Fall zum Misserfolg führt, sondern unter welchen Bedingungen sie zum Erfolg beitragen kann und unter welchen sie zum Misserfolg führt.
@cheffe sagt: Na klar, wir brauchen das. Wir brauchen eine positive linke Gegenerzählung zu der düsteren der Rechten. Wir müssen die Diskurshoheit zurückgewinnen. Ohne überzeugende Gegennarrative von links mit kräftigen Begriffen wird der Kampf gegen Rechts in der heutigen Zeit sehr schwer, vielleicht sogar unmöglich.
Ich sage: Nein, der Kampf gegen Rechts geht auch ohne linke Gegennarrative (Stichwort „gute Politik”). Eine übergeordnete Geschichte, die das eigene politische Handeln begründet, mit attraktiven Interpretationen ausstattet und die Ziele motiviert, kann aber sehr wohl helfen – und ich bin sogar sehr dafür (siehe Beispiel Lindner). Aber sie ist kein Ersatz für „reale“ Politik, die sich auf Sachziele bezieht, und ohne eine solche „reale“ inhaltliche Grundlage, auf die sich eine solche Erzählung bezieht und die sie motiviert, wird der Schuss nach hinten losgehen.
Hat denn jemand dies als sich ausschließende Alternative bezeichnet? Ich denke, auch @cheffe und andere ähnlich Argumentierende werden - wie zumindest ich - sagen: das eine tun, das andere nicht lassen.
Entschuldige, aber das ist für mich reine Begriffsakrobatik. Von einer Politik, die nicht auf jeden Fall zum Misserfolg führen muss, lässt sich wohl ohne große gedankliche Verrenkungen sagen, dass sie erfolgreich sein kann. Abgesehen davon, dass ich es sprachlich problematisch finde, wenn eine … Politik zum Erfolg linker Politik beitragen kann.
Inhaltlich stoße ich mich an der strikten Rechts-/Links-Dichotomie. Natürlich gehört es zum Kulturkampf der Rechten, alles, was mit Klimapolitik, Minderheitenschutz und ähnlichem Gedöns zu tun hat, als links(-radikal) zu verunglimpfen und die Mitte frech für sich zu beanspruchen. Als Nicht-Linker, progressiv Konservativer warne ich aber davor, dieses Wording, im Einzelfall gewiss ohne böse Absicht, gewohnheitsmäßig zu übernehmen.
Ich glaube, ich habe auf Deine zweite Version geantwortet, die Du zwischenzeitlich nochmal angepasst hast. Das klingt jetzt natürlich schon deutlich anders und ist eine interessante Fragestellung, auf die ich allerdings gerade nicht eingehen kann. Nicht mangels Interesse, sondern weil anderes erledigt werden muss. Jedenfalls ist das aber ein guter Ausgangspunkt für eine Vertiefung der Diskussion, die ja nicht notwendig Dialogform annehmen muss.
Allgemein gesagt, können wir uns wahrscheinlich darauf verständigen, dass beides zusammengehört: eine Politik, die spürbare Verbesserungen für möglichst viele Menschen mit sich bringt - und eine Perspektive, die mehr beinhaltet als rein materielle Aspekte.
Ich hab mir die Mühe gemacht, euren Trialog (@jep@alex@cheffe) um die Frage…
… noch einmal nachzuvollziehen, dem ich nun seit zwei, drei Tagen gespannt folge.
Auch wenn ich mir all eure Zitate, die ich rauskopiert habe, noch ein zweites und drittes Mal aufmerksam durchlese, begreife ich nicht so recht, weshalb ihr unablässig um einen einzigen Punkt kreist wie die Katze ums Wollknäuel – als ob es in dem Punkt nur ein Entweder-Oder gebe. Alle Beteiligten sind für …
Alle Beteiligten sind sich einig, daß es eine praktische Politik braucht, die sich an den Bedürfnissen der überwältigenden Mehrheit der Deutschen orientiert: Das sind Menschen mit einem Einkommen unter 100 Tausend Euro. Damit aus dem „Dagegen“ der AfD wieder ein politisches „Dafür“ werden kann.
Anstatt diesen Punkt mit viel mehr Details zu füllen – welche konkrete Politik? Welche konkreten politischen Maßnahmen? - verbringen wir Tage damit, uns gegenseitig nachzuweisen, daß wahlweise eine stärker oder schwächer themenorientierte Diskussion des Themas kontraproduktiv oder auch zielführend sein würde.
Beides ist ebenso falsch wie richtig. Es geht nicht um „Entweder gute Politik oder Kulturkampf“. Der Kulturkampf ist da, weil die AfD ihn führt. Da können wir uns wie das HB-Männchen aufregen und sagen: „Is aba blöd, Kulturkampf will ich doch gar nich“. Klingt in meinen Ohren wie so mancher Appeasement-Politiker in den 30er Jahren: Auf das Niveau des Gefreiten will ich mich gar nicht herablassen. Rassismus, Judenhaß, Aufrüstung, Kriegstreiberei – wenn wir bei unserer Zentrums- oder Sozialdemokratischen Politik bleiben, wird der Nazi-Spuk schon irgendwann vorbeigehen.
Die einzig korrekte Antwort ist: Gute Politik UND Kulturkampf. Und zwar öffentlich wie auch im Hinterzimmer.
Quatsch allerdings ist, daß wir uns in diesem gemeinsamen Lager gegenseitig nachzuweisen versuchen, wie der Weg des anderen schuld sei am Erstarken der AfD.
Es gibt da kein Entweder-Oder, nur ein Mit-allen-Mitteln-Gemeinsam.
@Alex sieht durchaus den Kulturkampf, den die AfD mit ihrer „Dagegen“-Strategie fährt. Und vertritt die Meinung, daß verbale Ignoranz mehr gegen die AfD bewirkt als offenes Flagge zeigen. Wieso ist das eine falsch und das andere richtig?
Wenn Lindner vor vielen Jahren mal ne gute Freiheits-Idee hatte (is selten genuch gewesen), dann immer her damit. Ich stell mich auch mit Christian Lindner auf die Brandmauer – ob er da allerdings mit hochklettert, bezweifel ich.
Allerdings möchte ich zu einem Post von @Alex doch dezidiert stop sagen:
Das war mir etwas zu polemisch. Etwas zu persönlich beleidigend. Und auch zu blöd.
„Einfach nur ein wolkiges, aber dafür besonders intensives und penetrantes Eintreten für „kulturelle Vielfalt“ und „die Werte der Aufklärung“ - ich unterstelle, daß das Wortspiel wolkig-wokig beabsichtigt ist. So könnte das Zitat auch von Beatrix von Storch stammen. Ein bißchen mehr Abgrenzung von der AfD-Polemik, vom rechtspopulistischen Narrativ würde ich mir von Dir schon wünschen @Alex.
So klingt Kulturkampf beim AfD-Klapperstorch: vier Originalzitate aus dem X-Account von Beatrix, aus dem Giftschrank von Mordor.
„Der Kulturkampf hat ein Gesicht bekommen: Brosius-Gersdorf. Die SPD hält offenkundig an ihr fest. Das ist eine Ohrfeige ins Gesicht ihres Koalitionspartners. Die SPD will ihre linksradikale Agenda gegen die bürgerlich konservative Mehrheit im Land kompromisslos durchziehen. Wenn die Union das mitmacht, ist sie fertig. Die CDU/CSU steht vor der Wahl, entweder vor den Roten zu kapitulieren oder die Brandmauer aufzugeben und den Weg für neue bürgerlich konservative Mehrheiten frei zu machen. Deutschland braucht eine geistig moralische Wende und die gibt es nur mit der AfD.“
„Reichinneck findet die Einschränkung des Familiennachzugs „rechtsextrem“ und beschwert sich gleichzeitig über fehlende Sozialwohnungen. Also einmal in einfacher Sprache für LINKE und ihre Wähler: Viele Migranten brauchen viele Wohnungen. Wenn viele Migranten in viele Wohnungen ziehen, werden Wohnungen knapp. Ich weiß, ich weiß…Logik und Grundrechenarten sind für Linke „rechtsextrem“.“
„Die CDU sitzt in der Falle. Ihr Verfassungsrichtervorschlag wird mit unseren Stimmen gewählt. Und ich hoffe und bete, dass die Union jetzt nicht noch zur Linken kriecht und der irgendwas verspricht, nur um den Anschein zu erwecken, es könnten auch die Stimmen der Linken gewesen sein, mit denen ihr Unions-Kandidat die 2/3 erreicht.“
„Die Union macht sich schuldig. Jeden verdammten Tag noch mehr. In einem Land, in dem die „Eliten“ das Hissen von -statt -Fahne für den Ausweis besonderer politischer Neutralität halten, ist Hopfen und Malz verloren.
Ihr seid alle so verloren. Klöckner hat Recht.“
Wenn Du der Meinung bist, daß wir dies weiterhin ohne jeden Widerspruch stehen lassen sollten, dann bitte. Aber dann komm mir nicht noch mal mit Lindner:
Du meinst im Ernst, damit kriegst Du die AfD-Wähler zurück in die CDU? Mit Freiheitsenergien? Sorry, da muß ich lächeln. Da setzt der gemeine AfD-Wähler seinen Aluhut auf und ist immun gegen fuckin erneuerbare Energien - egal ob freiheitlich oder autokratisch. Btw: Freiheit is nich wirklich ein prioritäres AfD-Ziel.
Und leider auch, wenn Du das Wahlprogramm der LINKEN abschreibst, um der AfD das Wasser realpolitisch abzugraben:
Um dann direkt im nächsten Absatz wieder der AfD nach dem Mund zu reden, damit dieser das Wasser in selbigem zusammenlaufe…
Aber sonst – s wird Zeit, wieder ins selbe Boot zu klettern, in dem wir eh sitzen: Ein demokratisches Boot mit der Vision einer freiheitlichen Gesellschaft – und mit dieser Vision geh ich nicht zum Arzt, sondern auf die Barrikaden.
Wird Zeit, dieses vermaledeite Lager-, Schubladen- und Etiketten-Denken endlich zu verlassen: Als Nicht-Extremist mit progressiven, konservativen, linken und auch romantisch-naiv-idealistischen Einschlägen trifft mich sozusagen jede Beleidigung ein bißchen.
@jep
Ich komme manchmal nicht mehr nach mit dem Like-Vergeben…
Dankeschön für (unter anderem) die Ausformulierung und Zusammenfassung meiner mäandernden Gedankenwelten…!
@Alex
Das mit dem Vorwurf der Abgehobenheit und des Elitarismus ist immer so eine spezielle Sache. Die feine ironische Pointe ist, dass ich mich grade bei Debatten mit Dir gern bemühe, mich halbwegs ordentlich auszudrücken, um halbwegs mitzuhalten …
Zwei Sachen noch, ansonsten agree to disagree:
Ich habe bewusst nicht explizit von einer linken Agenda für meinen Kulturkampf gesprochen (das war, und auch nur als linksliberal, Nils Minkmar), da mir Themen vorschweben, die ich gar nicht so klar in diese Dichotomie einfügen kann und will - wie @jep bereits erwähnte. Das Werte-Gerüst, um das es mir geht, ist einfach ein humanistisches. Und dazu muss ich weder Popper noch Habermas noch sonst wen gelesen haben (schaden tut’s auch nicht), weder als Vermittler noch als Adressat.
Und:
Mir ist nach wie vor nicht klar, warum diese Ideen ungeeignet sein sollen, um sie als Gegenerzählung zu verwenden. Ich würde mir trotz meiner allumfassenden Bildung, Intellektualität und Belesenheit schon zutrauen, als Politiker Worte dafür zu finden, die jeder versteht. Um es mal völlig runterzubrechen:
Würdest Du es als elitär bezeichnen, wenn ich in privater Rede für den Versuch werbe, einfach nur ein netter Mensch zu sein anstatt ein ausgewiesener Arsch? Wir haben doch momentan lauter so Bullies an der Macht, die gerade durch ihre betonte, sorry, Arschloch-Haftigkeit (Selbstlob, dauerhaftes Lügen, Provokation, ein minderwertiger Blick auf Frauen, Kraftausdrücke etc.) eine gewisse Wirkung auf die Leute haben. Manch einer fühlt sich wohl befreit von der ganzen Korrektheit. Diesem Getue würde ich nur allzu gern etwas entgegensetzen - und das ist weder links noch elitär. Und wolkig ist es auch nicht: allein die weibliche Hälfte der Bevölkerung dürfte im Gegenteil diese Sorte „starker Männer“ zur Genüge bereits persönlich erlebt oder darunter gelitten haben.
Es ist einfach ein Kampf auf mehreren Ebenen. Und neben der geschilderten natürlich schon auch einer auf der intellektuellen Ebene - aber der spielt sich gewissermaßen nicht auf der Straße (oder im Wahlkampf) ab, sondern in den Feuilletons und den wissenschaftlichen Zirkeln. Aber das läuft parallel - so wie, natürlich, alle das im Sinn haben sollten, was Du, ich oder sonst wer „gute Politik“ nennen, im Sinne einer konkreten Verbesserung der persönlichen Lebensumstände.
Ich werde meinen Kunden, denen ich seit 30 Jahren Briefe einwerfe, sagen, dass ich ab Montag nicht mehr komme, weil mir der Weg von meinem Elfenbeinturm hinunter allmählich zu weit wird.
Möchtest Du einen Gedanken äußern, der es wert ist diskutiert zu werden? Oder reicht es Dir, ein paar Schlagworte rauszuhauen (Elfenbeinturm, checkst es nicht)? Das ist natürlich auch erlaubt, lohnt aber nicht die Auseinandersetzung damit.
Ne du… eigentlich nicht nötig. Hier braucht man gar keine Gedanken äußern wenn man nicht komplett auf Linie ist.
Sieht man in aller Regelmäßigkeit wenn Alex hier seine Gedanken postet.
Da wird geantwortet „Wann sieht man dich auf Sylt?“
Es wird versucht ihn auf eine Ebene mit von Storch zu bringen indem Zitate miteinander verglichen werden etc. pp
Und das nicht von „extremen“ ala Brille, folkfriend und Co sondern von Personen wie Gratschifter mit seinen fast 4k Post in 4 Monaten der zu allem n Klecks Senf dazu gibt
Also nix für ungut… aber sonnt euch weiter in eurer Bubble. Ich bin da raus
/EDIT
Ich mein… hier werden Beiträge daran bewertet wer sie geliket hat
Ich ziehe den Hut vor, wie du immer wieder solch Beiträge verfasst und ich kann mir eine gar nicht absehbar große Scheibe von dir abschneiden,
also davon wie man es macht.
Diskurs suchen, sachlich bleiben etcpp.
Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mir das wünschen würde und am Ende des Tages liegen deine Ansichten gar nicht mal weit weg von meinen.
Vermutlich ist aber die Realität die, dass das viele viele anders sehen und das was wir als gute Politik bezeichnen würden und das obwohl du wie auch ich hier und da sicher Abstriche machen würden trotzdem mindestens(!) als linksgrün-versiffter Scheiß abgetan wird.
Für nicht wenige Menschen waren die Jahre der Ampel durchaus auch Jahre der Zuversicht,
leider konnte man aus vielerlei Gründen(extern wie intern) die Erwartungen nicht erfüllen…und ich gehe sogar soweit und sage, dass die Ampeljahre durchaus hohen Anteil daran haben, was uns da die nächsten Jahrzehnte nun blüht, ohne dass sie da im Detail wirklich was dafür kann oder besser gesagt, ohne dass ich das genauer beschreiben könnte woran es lag/liegt.
Es sind für mich eher die vielen vielen Menschen hier im Land die sehr empfänglich für vermeintlich einfache Antworten und für so vieles mehr sind,
alleine diese Diskursverschiebungen.
Welch tolle und wichtige Fortschritte man da als Gesellschaft im Ganzen gemacht hat und gleichzeitig spürt man,
wie es nun doppelt und 3x so stark zurück in die andere Richtung geht;
da ist eine Welle in Bewegung die zumindest mir große Angst macht und auch etwas ist was uns beide nach meinen Gefühl nochmal unterscheidet:
für mich ist es längst 5 NACH 12, für dich dagegen mit voller Überzeugung erst 5 VOR 12 und ja,
auch dafür hast du meinen vollsten Respekt!
Also da muss ich doch sanft widersprechen. Die Elfenbeinturmbewohner, zu denen Du mich ja wohl auch zählst, haben sich detailliert und wertschätzend mit den Thesen von @Alex auseinandergesetzt. Das scheint er auch so zu sehen, wie seine heutige an mich gerichtete Reaktion zeigt. Und auch in der Diskussion um den Paragraphen 218 im Kontext der gescheiterten Richterwahl sind sehr differenzierte Standpunkte, unbeeinträchtigt von irgendwelchen Diffamierungen, vorgetragen worden; Du hast es ja miterlebt.
weil ich erwähnt wurde… einmal ich… in guter, alter, bekannter folkfriend-Manier:
nicht lang schnacken - die Dinge auf den Tisch ka…!
ich bewundere die unfassbare Geduld mancher Mitforisten bzw. ihre Energie - es wird um simpelste Sachverhalte gekreist, als sei es die Dechiffrierung der DNA…
mache Dinge sind tatsächlich lächerlich einfach - auch wenn man es nicht hören mag - wie dem auch sei - viel Freude weiterhin dabei, dem Untergang aus der Endlosdiskussionsschleife aus zuzuschauen - ich beschäftige mich derweil lieber direkt mit den Demokratiefeinden!
und nur zur Erinnerung:
Ten years after (nein, nicht die Band):
" Es ist das Jahr 2015 und die Welt spendet Applaus.
Doch worum es gerade geht, wissen wir selbst nicht so genau.
Denn was hat sich verändert in den letzten 5 Jahren?
Also schauen wir uns die Scheiße doch mal an.
700.00 zahlt BMW der CDU, plötzlich stimmt Frau Merkel neuen Abgas-Normen nicht mehr zu.
Obama ist noch da und Guantánamo auch.
Da wird ja schließlich nichts gemacht, außer viel Strom verbraucht.
Die NSA hat seit Jahrzehnten jeden abgehört und wir taten überrascht und waren ne Woche lang empört.
Und dann flog Innenminister Friedrich rüber, alle horchten auf.
Er kam wieder mit nem Zettel, da stand Fuck You drauf.
Und Putin rennt durch Wälder und killt Bären zum Vergnügen und gibt grünes Licht, um Homosexuelle zu verprügeln. Gesetze werden über Nacht erlassen und diktiert, doch die NPD verbieten ist sehr kompliziert.
So lang hier keine Sirenen erklingen, keine Soldaten durch unsere Fenster springen, keine Nachbarn nachts über Grenzen fliehen und unsere Kinder nicht mit Splittern von Granaten spielen, ist das meilenweit weg, geht uns das gar nichts an.
Denn das Fernsehen spricht wie immer nicht von diesem Land.
Und wie jedes Jahr, am Sylvesterabend, trinken wir auf unser Leben unterm Tellerrand.
Das war noch lange nicht alles.
In Kairo und in Kiew treibt man Menschen in die Enge.
Polizisten ticken aus und schießen wahllos in die Menge.
In Nordkorea ist ein großes Kleinkind an der Macht, das nen Atomkrieg provoziert und denkt, es wär ne Kissenschlacht.
Der Hunger in der Dritten Welt hat keine Relevanz, aber wichtig sind uns Petitionen gegen Markus Lanz.
Asylbewerberheime sind doch sicher, alles klar43 Anschläge, und das in einem Jahr.
So lang hier keine Sirenen erklingen, keine Soldaten durch unsere Fenster springen, keine Nachbarn nachts über Grenzen fliehen und unsere Kinder nicht mit Splittern von Granaten spielen, ist das meilenweit weg, geht uns das gar nichts an.
Weil ja ein einzelner nichts verändern kann.
Da muss man dringend was tun, zumindest irgendwann. Es lebe das Leben unterm Tellerrand."
So Leute, ich habe nicht zu wenig, nicht zu viel, sondern: zunächst einmal genug gemacht. Und nehme mir daher erstmal eine Auszeit. Ist an sich nicht wichtig; ich sag’s nur, damit niemand sich Gedanken machen muss, weil von mir nichts kommt. Bei mir liegt in nächster Zeit einiges an, das Zeit und Energie verlangt. Alles gut also. Ihr wisst ja: Rentner haben nie Zeit. Vertragt Euch!