Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

PPPPS: @Alex - war vielleicht klein bisschen drüber von mir, der Pilates-Alex :wink:. Nix für ungut.
Ein bisschen Gehirn-Gymnastik braucht’s halt von Zeit zu Zeit, damit der janze Krempel da oben inne Birne nich einrostet. Matthäus hätts vermutlich nicht gebraucht, Jane Fonda hätt’s wahrscheinlich auch getan:
Am amüsantesten ist es, wenn ein Mann sich etwas in den Kopf gesetzt hat, den er gar nicht hat.
Das war jetzt mehr als nur n bisschen drüber. Aber lustig war’s schon… :wink:

(Du musst dir den @Gratschifter als einen glücklichen Menschen vorstellen : Eigentlich will er sich nur n bisschen für den Pilatus-Vergleich entschuldigen. Und über Pilates und Gymnastik gehts zu Jane Fonda… um dann dieses Fonda-Zitat zu finden. Da könnte keineR widerstehen :see_no_evil_monkey::winking_face_with_tongue:.)

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Na, wenn’s schee macht.

Komm’ ich mit klar. :slightly_smiling_face:

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Spahns Werdegang ist, so formuliert es die SZ in ihrer spannend zu lesenden Reportage, von drei Zuschreibungen geprägt: Ehrgeiz, mangelnde Beliebtheit und Zweifel an seiner Loyalität. Zitat:

„Wie geschwächt jemand ist, lässt sich in der Logik des politischen Betriebs auch daran ablesen, wie mächtig diejenigen sind, die dem taumelnden Parteifreund zur Seite springen. Im Fall von Spahn: sehr mächtig.“ Und dass sie es tun, liegt an seiner Blitzableiterfunktion (meine Formulierung) für Merz und Söder in dieser offenbar doch gar nicht bagatellhaften Angelegenheit. Er ist weiterhin sehr nützlich.

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Ich bin kein Span Fan. Nie gewesen. Aber dass sie SZ da eine ausgewogene Meinung
hätte, kann ich mir nicht vorstellen. Da wird gerne überzeichnet und die Bewertung ist nicht immer fair.

Ich lese die SZ gerne. Man muss aber schon immer (wie bei jedem Blatt) einordnen woher da der Wind bläst.

Als Merz würde ich den trotzdem austauschen. Da klebt zu viel Altlast. Das ist es nicht wert.

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Naja, auch darüber berichtet wie folgt die SZ: Spahn hat sich jetzt immerhin in Schriftform qualifiziert geäußert und eigene Fehler eingeräumt. Merz hat die Lage ja ebenfalls falsch eingeschätzt und ist gut beraten, nicht durch ein Bauernopfer noch mehr Blicke darauf zu lenken.

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Da ich am Freitag hier den Begriff „Kulturkampf“ einführte, was verständlicherweise kritische Nachfragen zur Folge hatte, hier ein kurzer Auszug aus einem paywallgeschützten Kommentar der SZ-Redakteurin Katharina Riehl in der heutigen Online-Ausgabe:

Kulturkampf bei der Richterwahl: Das ist eine Schmutzkampagne wie aus dem Handbuch

„US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Monaten die Klaviatur der culture wars einmal durchgespielt, um seine Anhänger zu bedienen; von Deutschland aus sah man entsetzt zu. Doch die vergangene Woche hat gezeigt, dass Kulturkampf im deutschen Bundestag nicht nur das ist, was die AfD betreibt – sondern dass die Polarisierung der Gesellschaft, die Ideologisierung der großen Themen auch die sogenannten Parteien der Mitte zu zerreißen droht. Dass die unversöhnliche Stimmung, die im Netz herrscht, auch jeden einzelnen Abgeordneten erreicht und manche sehr konkret beeinflusst.“

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Abtreibung sollte normale medizinische Dienstleistung sein, als Kassenleistung.
Irgendwo zwischen Mandeln rausnehmen und Blinddarm entfernen.

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Es tut mir leid - aber das finde ich auch sprachlich völlig daneben. @jep hat etwas weiter oben ein bemerkenswertes Plädoyer gegen die Abtreibung geschrieben, welches ich ausdrücklich unterschreiben würde. Mandeln oder ein Blinddarm sind kein ungeborenes Kind - das Thema ist mehr als komplex. Es in einem Zweizeiler wie von dir abzutun, wird der Komplexität des Themas nicht ansatzweise gerecht.

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Frauen in diesen Situationen zu dämonisieren und auf den Kosten sitzen zu lassen ist aber auch daneben.
Und das neben zig notwendigen Hygiene- und Gesundheitsprodukten, die entweder für Frauen teurer sind, nur Frauen betreffen oder der Zugang eingeschränkt ist.

Frauen MÜSSEN sich mit solchen Sachen auseinandersetzen und werden systematisch benachteiligt.

Die meisten Schwangerschaftsabbrüche finden lange vor der Lebensfähigkeit des ungeborenen Embryos statt, bevor die meisten Organe überhaupt ausgebildet sind.
Und da müssen Frauen unterstützt werden - vor allem, da eine Geburt auch ein lebensgefährdender und traumatischer Prozess ist.

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Wobei dies natürlich kein Plädoyer für eine harte Linie war, sondern genau die von Dir betonte Komplexität des Themas anschaulich machen sollte. Mir blutet immer das Herz, wenn in solchen Fällen einer vorgeburtlich diagnostizierten Anomalie in der Regel auch von den Beratenden die Möglichkeit, dass vielleicht andere Menschen sich dieses Kindes annehmen könnten, gar nicht erst erwogen wird.

Der Thinktank Polisphere hat die Entwicklung der Kampagne analysiert. Das Ergebnis wurde heute früh im DLF vorgestellt und bewertet.

Aus der Dlf App | Informationen am Morgen | Richterwahl-Eklat – Ein Erfolg für die Neue Rechte Richterwahl-Eklat: Ein Erfolg der Neuen Rechten

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Abtreibungen finden in jeder Gesellschaft statt.
Wenn sie verboten sind, in ihrer hässlichsten Form: illegalisiert bei dubiosen Engelmachern in Hinterhofkaschemmen, mit oft tödlichen Risiken für die Frau.
Die Erfahrung lehrt, dass Legalisierungen hier besser sind für alle Beteiligten.

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Völlig richtig. In Deutschland sind Abtreibungen nicht generell illegal, sondern unterliegen gewissen Regeln (und auch die Kostenübernahme kann man kritisch sehen, keine Frage) . Jetzt kann man sehr trefflich darüber diskutieren, ob die Regeln angemessen sind oder nicht - aber ich wiederhole noch einmal: eine Abtreibung mit der Entfernung von Mandeln oder einem Blinddarm zu vergleichen, halte ich für sprachlich nicht gelungen.

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Durch eine vollständige „Legalisierung“ ist die Abtreibung aber mit diesen Dingen gleichzusetzen.

„Ich geh mal schnell n Kind abtreiben“ klingt dann genauso banal wie „Ich lass mir die Mandeln entfernen“

Btw hab ich hier noch von keinem gelesen was an Paragraph 218 so verwerflich sein soll?

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Doch, eins is noch passiert:
B.von Storch am 9.7. zwei Tage vor der angesetzten Wahl, auf ihrem X-Account:
„Die CDU sitzt in der Falle. Ihr Verfassungsrichtervorschlag wird mit unseren Stimmen gewählt. Und ich hoffe und bete, dass die Union jetzt nicht noch zur Linken kriecht und der irgendwas verspricht, nur um den Anschein zu erwecken, es könnten auch die Stimmen der Linken gewesen sein, mit denen ihr Unions-Kandidat die 2/3 erreicht.
Die Union macht sich schuldig. Jeden verdammten Tag noch mehr.“

Was brauchst Du noch, um der Aussage zuzustimmen, dass Brosius-Gerhard einer gezielten AfD-Kampagne zum Opfer fiel?

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Hatten wir gestern schon:

Ich gehe absolut nicht d’accord mit @Mitschnacker s Mandelvergleich.
Und ebensowenig mit deiner Unterstellung @MiaSanFCB , dass „Ich geh mal eben schnell n Kind abtreiben“ für eine Frau eine banaler Eingriff wäre oder würde. Verzeih mir: Sowas kann nur ein Mann behaupten, der noch nie persönlich mit der Thematik konfrontiert war - oder jeder emphatischen Fähigkeit völlig verlustig gegangen ist. Ich bin erschrocken über eure Wortwahl.

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Die beliebte Argumentation von Fritze Merz:
Die Gesellschaft kommt doch mit dem Status Quo gut klar, warum soll man diesen Konsens aufbrechen?

Nun:
Weil es kein Konsens ist. Die weibliche Hälfte der Bevölkerung hat da sicher komplexere Haltungen. Und die sind nun mal die Betroffenen.

Ich gehe davon aus, dass so ein Satz nur von einem Mann kommen kann. Es ist nämlich eine Unterstellung, dass eine Frau, die abtreiben will/wird, das emotional mal eben locker durchzieht. Ich bin überzeugt, dass so etwas fast nie der Fall ist; gleichzeitig würde ich mir als Mann darüber ohnehin jedes Urteil und jede Bewertung sparen. Alles andere empfinde ich als anmaßend.

Aus meiner Sicht bleibt es dabei:
Dass ich mich als Frau glücklich schätzen soll, bei einer Abtreibung eine Straftat zu begehen, weil ich unter gewissen Umständen straffrei bleibe, klingt für mich völlig falsch und inakzeptabel, zutiefst paternalistisch.
Es spricht überhaupt nichts dagegen, sämtliche Beratungsmöglichkeiten für eine Alternative beizubehalten oder sogar auszudehnen, aber dafür fehlt der Politik dann ja gern das Geld. Dies aber verpflichtend unter der aktuellen Auslegung des §218 beizubehalten, finde ich völlig falsch. Frauen werden in so vielen Bereichen benachteiligt und klein gehalten, Strukturen werden für Mütter nach wie vor nur sehr langsam eingerichtet oder verbessert - aber wenn man als Betroffene zum letzten Mittel greifen will/muss, wird die komplette Verantwortung wieder nur auf die Frau projiziert.

Das Thema ist noch breiter und komplexer und hat weitere Facetten, aber nochmal:
Eine Abtreibung macht eine Frau zur Straftäterin? Das ist mittelalterlich.

Übrigens habe ich @jep’ s Beitrag oben genau so verstanden - als Plädoyer für eine lebenswerte Existenz? Absolut! Aber ebenso als Absage für irgendwelche Hardcore-Lebensschützer, die ihre verquere Form des religiös-kulturellen Traditionalismus auf dem Rücken von Frauen austragen. (Persönlich muss ich sagen, fände ich es sogar konsequent, wenn so eine Frage überhaupt nur von Frauen debattiert und entschieden wird.)

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Bei in den übrigen Punkten vollständiger Zustimmung: dies geht mir einen Schritt zu weit. Männer sollten Frauen nichts vorschreiben dürfen: d’accord. Sie sollten gar nicht mitreden und -entscheiden dürfen: nein. Im Einzelfall mag der Status als Erzeuger und ggfs. Alimentezahler passen; eine strukturell gute Lösung ist das nicht. Dabei spreche ich ausdrücklich nicht pro domo, denn bei keinem der von mir großgezogenen Kinder - den beiden angenommenen behinderten wie auch dem leiblichen meiner Frau - war ich der Erzeuger. Insofern sind bei mir niemals Interessen leiblicher Vaterschaft tangiert gewesen. Diese sind aber grundsätzlich relevant und können nicht einfach beiseite geschoben werden.

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Tötung ungeborenen Lebens ist nur ein Thema für Frauen? Uiuiui.
Was ist mit dem Erzeuger?

Und weitergedacht: Wenn sich Israelis und Palästinenser gegenseitig abschlachten, geht das dann auch nur diese etwas an?

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Hachja, das hab ich mir gedacht, dass sowas kommt, grad aus der Ecke.

Jahrhunderte haben Männer über Frauen entschieden, über deren Köpfe, Körper hinweg. Da gönnt man sich mal eine persönliche Note, in der man Frauen ähnliche Entscheidungsgewalt wünscht, und sei es nur auf einen Vorgang bezogen, der ZULETZT ausschließlich Frauen betrifft - die Geburt nämlich - dann ist die Empörung sofort da…

Aber zur Klarstellung:
@jep hat mit seinem Beitrag alles gesagt, mit seinem Einwurf bin ich fein. Mir geht es auch keineswegs darum, männliche Erzeuger auszuschließen oder beiseite zu schieben - daher nehme ich meinen Ausdruck Debatte zurück. Trotzdem bleibe ich persönlich dabei, dass diese Entscheidung letztendlich nur von der Frau getroffen werden kann, die es betrifft. Zumal die gesellschaftliche Realität eher für den klassischen abwesenden oder geflüchteten Erzeuger spricht denn für den besorgten Ich will aber auch mitreden-Typ.

Aber das alles ist hier gar nicht das Thema. Das Thema war der existierende §218, der dich als betroffene Frau zur Straftäterin macht - und das meinte ich: Ich könnte explizit damit leben, wenn diese Frage von Frauen entschieden wird. Über die eigentliche Abtreibung habe ich (zuvor) gar nichts gesagt.

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Na, da schlägst Du aber einen gewaltig großen Bogen. Da die seit Tagen hier diskutierte Thematik per se schon mehr als komplex ist, schlagecich vor, diese Dinge nicht zu vermischen.

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