Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

Alex und die CDU – eine(n) Lanz(e) für die CDU-Bundestagsfraktion brechen…

Finde ich ehrenwert. Allerdings fehlt mir die Bereitschaft, mich in die Gehirnwindungen der Hinterbänkler hineinzuschrauben, um dort nach Resten christlicher Moral zu suchen. Natürlich sind das nicht alles zynische, frauenhassende Idioten. Aber sie lassen sich ohne Widerstand vor den Karren der zynischen, frauenhassenden Idioten spannen. Und so sehr ich das Merz-Zitat auch hasse: Ich warte auf den Tag, an dem Alice Weidel ans Mikro tritt und stolz verkündet, daß Fritze Merz die Drecksarbeit für die AfD erledigt habe, indem er mit seiner Union eine mögliche Verfassungsrichterin demontiert habe, die möglicherweise einem AfD-Verbotsantrag nicht gänzlich unaufgeschlossen begegnet wäre.

Oder kürzer mit Weidels Worten: „Herr Merz, Herr Spahn, Herr Dobrindt – die AfD dankt ihnen für den Begriff „Drecksarbeit“. Das ist die Drecksarbeit, die die CDSU macht, für uns alle. Wir sind von diesem Regime in Karlsruhe auch betroffen. Dieses linksradikale Regime hat Tod und Zerstörung über Deutschland und die Welt gebracht. Ich kann nur sagen: Größten Respekt, daß die CDSU-Regierung den Mut gehabt hat, diese Drecksarbeit zu machen. Wir hätten sonst möglicherweise Monate und Jahre weiter diesen Terror dieses Bundesverfassungsgerichtes gesehen. Und dann möglicherweise noch mit einer linksradikalen Extremistin an der Spitze.“

Es geht um die simple Grundsatzfrage, ob Abtreibung weiterhin als kriminelle Straftat behandelt wird oder nicht. Das ist seit Jahrzehnten eine höchst einfache Frage – an der die deutsche Politik, egal, ob rot-grün, ampel- oder großkopfert regiert, immer wieder grandios scheitert. Daher ist mir das grün-sozialdemokratische Besserwessi-Getue sehr unangenehm. Wenn gewollt, hätten schon der Kanzler der Bosse mit seinem Turnschuh-tragenden Adlatus dem Spuk ein Ende setzen können. Aber noli me tangere – bloß nicht den 218 anfassen.

Es ging nie und geht nicht um eine Ausweitung der Fristen für Abtreibungen, wie die Lebensschützer-Front verhement behauptet. Kein Mensch verlangt eine Ausdehnung der Abtreibungsgrenze über die 24ste Woche hinaus. Kein Mensch verlangt die Abschaffung der doppelten Arzt-Pflicht bei Abtreibungen nach der 12ten Woche. Das alles sind tatsächlich propagandistische Unterstellungen der Lebensschützer:innen. Was verlangt wird, ist ein politischer Umgang mit dem gesamten Thema außerhalb des Strafgesetzbuches. Thats all.

Die im Kontext dazu stehenden Fragen sind ethisch-moralischer Natur, sie rühren aber auch ans Selbstverständnis unser Gesellschaft: Wem geben wir die Definitionshoheit für die von Dir aufgezählten Fragen, @alex?

Ich persönlich möchte diese Entscheidung nicht in die Hände einer Partei (egal, welche Buchstaben sie verwendet) legen – das BVG scheint mir die richtige Instanz, um solche Fragen zu beantworten. Die Politik darf Vorschläge machen – das BVG beantwortet sie. (Auch wenn wir streng genommen immer noch keine Verfassung haben .. da ist ein BundesVerfassungsGericht schon ein Treppenwitz. Aber BundesGrundgesetzGericht klingt nich halb so bedeutungsschwanger… Böser Wortwitz, wenns um 218 geht.)

Spannend fand ich persönlich einen Passus in deinem ersten Post zum Thema, an dem unbeachtet vorbeizugleiten mbMn ein großer Fehler wäre :

Ich verstehe das richtig? Eine zutiefst antidemokratische und Personen zerstörende Propaganda bedient eine real vorhandene Nachfrage. Und damit Geld verdienen zu wollen (und dies auch zu tun), ist ökonomisch nachvollziehbar.

Die Diskussion von Angebot und Nachfrage (welche Henne hat welches Ei gekackt und war früher da?) führen wir da immer wieder. Wenn ich mit Gegenbeispielen komme, gehören diese nicht in den diskursiven Rahmen. Aber an diesem Beispiel vielleicht doch noch mal meine stirnrunzelnde Frage:

Wenn die ökonomische Logik des Dschungelcamps („Würmer fressen bringt Quote, Quote bringt Kohle“) ihren Ursprung in der Nachfrage hat, dann machst Du Dir über das dumme Volk tatsächlich keine Illusionen mehr:

Anders gesagt: Trash-TV, RTL-Big Brother, GNTM – all das entstand aus der Nachfrage: aus dem Bedürfnis der glotzenden Masse, für dumm verkauft zu werden. Marketingstrategien, Nachfrage erzeugen durch Angebot, das Say’sche Theorem - das alles spielt keine Rolle mehr, denn: Wo Nachfrage ist, da ist jedes Angebot berechtigt. Eine inhaltliche Bewertung entzieht sich der ökonomischen Logik.

Umso erstaunter bin ich, dann im nächsten Absatz lesen zu müssen, wie sehr Dich erschreckt, daß …

Ich liebe Deine Formulierungen in diesem Absatz – ich habe mich förmlich darin gebadet. Bloß eins versteh ich nicht: Wieso funktioniert deine ökonomische Logik nicht bei dem Verständnis des politischen Schauspiels? Dasselbe, was sich medial gut verkaufen läßt, läßt sich auch politisch gut verkaufen. Wieso sollten sich Lanz, Maischberger, Precht und Co. denn immun zeigen gegen die reale Nachfrage nach einem Aufgreifen der…

Wieso erwartest Du von Politikern wie Merz, Spahn, Dobrindt, Hoffmann (den CDSU-Vorkämpfern), daß sie die Politik wieder entschauspielerisieren? Sie sind immanenter Teil des Spektakels – die Kasperlefigur diskutiert nicht mit dem Puppenspieler, ob nun wieder Knüppel ausm Sack gespielt wird oder wir noch n bißchen warten müssen.

@Alex! Die verdienen ihr Geld damit, Teil des Spektakels zu sein. Diesen inneren Widerspruch zu reflektieren, würde nicht nur ihr Welt-, sondern auch ihr Selbstbild zum Einstürzen bringen.

Nein, @alex. Das glaube ich auch nicht. Aber „dieses Maß an Aufgeregtheit, Zuspitzung, Unsachlichkeit und Lautstärke“ bedient die ökonomische Logik des Polittheaters.

Und wir sitzen applaudierend in der ersten Reihe – und sehen mit dem zweiten besser.

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Am Ende wird es wohl nicht zu einer gemeinsamen Meinung hinsichtlich der Schuldfrage in der Causa Brosius-Gersdorf kommen. Aus meiner Sicht nähert sich die Union mit Sieben-Meilen-Stiefeln dem Verhalten und Benehmen der GOP - es fehlt nur noch der Personenkult.

Und es bleibt mir ein Rätsel wieso intelligente Menschen innerhalb der Union es nicht verhindern und man zum 100sten Mal den Versuch startet, der „bösen“ AFD jetzt aber endgültig die Wähler abzuluchsen, wenn man sich nur inhaltlich möglichst nah an sie heranschmiegt.

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Ehrlich gesagt verstehe ich aber die Problematik mit §218/218a nicht. $218 verbietet prinzipiell Abtreibungen, §218a listet die Ausnahmen auf nach denen Abtreibungen legal sind (Fristenregelung, Gefahr der Mutter, etc.). Also wenn man die praktischen Auswirkungen des Gesetzes nicht ändern will, wo liegt dann eigtl. das Problem. Man kann das wahrscheinlich auch umgekehrt ins Gesetz schreiben, d.h. Abtreibungen sind prinzipiell legal, sie sind aber strafbar wenn sie nach den entsprechenden Fristen durchgeführt werden, nur was sollte das bringen.

Wenn man die derzeitigen Fristen/Beratungspflicht ändern wollte, dann würde ich die Diskussion ja verstehen, aber so verstehe ich das einfach nicht, insbesondere da es m.E. eh einen breiten gesellschaftlichen Konsens zur aktuellen Regelung gibt. Deswegen ist mir auch unklar, wo die CDU mit diesem Thema bei irgendjemanden punkten will.

Das sehe ich anders, solche Fragen müssen zunächst von den Parteien geklärt werden, dafür sind sie da und auch gewählt worden. Man kann sich m.E. nicht in den Bundestag wählen lassen um dann die wirklich schwierigen Fragen an das BVerfG zu delegieren. Das würde in letzter Instanz auch die Akzeptanz des BVerfG schwächen. Denn dann kann jeder Populist mit dem Finger auf ein ungewählten Gremium zeigen das von oben herab irgendwelche Regelungen durchsetzt.

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Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber das kann auch nur ein Mann fragen.
Der Unterschied ist: Wenn ich eine Abtreibung innerhalb der vom Gesetzgeber erlaubten Grenzen unter Einhaltung aller Auflagen durchgeführt habe, bin ich deshalb trotzdem eine Straftäterin, die lediglich straffrei bleibt.

Wenn es umgekehrt formuliert würde:
218 erlaubt Abtreibungen unter folgenden Voraussetzungen…
und 218a würde die Abtreibungen außerhalb dieser Voraussetzungen unter Strafe stellen, dann würde eine Frau nach der gesetzlich erlaubten Abtreibung nicht im Bewußtsein nach Hause gehen, eine Straftat begangen zu haben , die lediglich straffrei bleibt.

Damit hast du Recht. Da habe ich schlecht formuliert. Wie Du sagst, sollte das BVG die letzte Ausfahrt und das Korrektiv sein, wenn sich die Politik in der Ausfahrt-Kurve vergaloppiert und in die Leitplanken zu donnern droht.

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Danke für Deine Erläuterungen, @Gratschifter ! Diese Dinge dürften zwar den meisten bei der Lektüre irgendwie bekannt vorkommen. Aber da nun mehrfach nachgefragt wurde, was mit „Kulturkampf“ eigentlich genau gemeint sei, kann die Auffrischung bestimmt nicht schaden.

Dazu noch eine Ergänzung. In jüngerer Vergangenheit, also vor geschätzten 10 Jahren, ist mir dieser lange Zeit nur selten verwendete Begriff erstmals im Kontext amerikanischer Schulmassaker und dem erfolgreichen Kampf der NRA gegen schärfere Waffengesetze wieder über den Weg gelaufen. Diesen hatte sie damals als Kulturkampf definiert. In der Tat bestätigt sich diese Erinnerung u.a. in diesem Artikel.

Jahrestreffen der US-Waffenlobby: NRA rüstet zum Kulturkampf - n-tv.de Jahrestreffen der US-Waffenlobby: NRA rüstet zum Kulturkampf - n-tv.de

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Ein logischer Schluss wäre, dass die vermeintlich intelligenten Menschen in der CDU in den Positionen der AfD tatsächlich recht nahe stehen, was es dann natürlich relativ schwierig macht, sich abzugrenzen statt anzunähern.

In diesem Zusammenhang bleibt für mich auch die Rolle von Jens Spahn zu hinterfragen. @Alex und einige Medien deuten ja an, dass Spahn in dieser Geschichte ein großer Verlierer sein könnte, hätte er tatsächlich die Lage so falsch eingeschätzt - mir will nicht so recht einleuchten, wieso er das hätte tun sollen. Ich halte ihn für vieles, für doof eher nicht. Ich hatte schon mal hinterfragt, wieso Merz ausgerechnet Spahn zum Fraktionsvorsitzenden macht, weil ich Spahn für einen der ausgewiesenen Verdächtigen halte, wenn es um eine Annäherung an die AfD geht.
Sollte ich damit richtig liegen, kann sich Spahn diesen vermeintlichen Fauxpas schon deswegen leisten, weil er sich des Rückhalts des Chefs sicher sein kann. Und die an der Oberfläche vermeintliche Fehlleistung wäre Teil des gewollt disruptiven Vorhabens.

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Und das hast Du, @Alex. Meine ganz naive spontane Reaktion war: Aber wieso…??? :wink:

Meine Vorredner haben ja inhaltlich bereits einiges beigesteuert. Ich würde lediglich noch hinzufügen wollen, dass dieselben womöglich vom Christentum inspirierten CDU-Abgeordneten gleichzeitig wenig Probleme haben, eine resolute, eher nicht ganz so christliche Asylpolitik zu verfechten. Natürlich ist auch hier wieder möglich in Deinem argumentativen Sinne, dass dieselben, die sich gegen die Richterin stellen, mit der von der Gesamtpartei verfochtenen Linie in der Asylpolitik auch unglücklich sind. Aber da komme ich auf @Faenger zurück:

Und dann möchte ich darauf noch eingehen:

Dem stimme ich prinzipiell zu. Allerdings glaube ich nicht, dass wir als Gesellschaft dem so ausweichen können wie erhofft. Es ist nun mal Teil der äußerst erfolgreichen Strategie der Radikalen Rechten, schlicht alles in einen solchen Kulturkampf umwandeln zu können.
Also bliebe neben der von Dir erwähnten Strategie, sachlich und vernünftig zu bleiben, während die anderen hetzen und „verunsachlichen“, eine mögliche Alternative:
Diesen Kampf um die kulturelle Hoheit aufzunehmen.

Ich muss sagen, mir scheint das erfolgversprechender.
Auch wenn ich mir keinerlei Illusionen machen will über die Menschen und die Gesellschaft, so glaube ich doch nicht, dass eine Mehrheit wirklich die kulturellen Vorstellungen etwa der AfD teilt. Eher vermute ich, viele machen sich immer noch nicht wirklich klar, was eine solche Regierung bedeuten würde, und zwar bezogen auf sehr viele verschiedene Gebiete.
Mein Plädoyer ist schon lange, dass wir uns als Gesellschaft heutzutage mal wieder deutlich machen müssen, welche Werte eigentlich eine liberale Demokratie definieren, gerade angesichts der systemischen Rivalen, die momentan Oberwasser zu haben scheinen.
Und das wäre doch eine gute Gelegenheit, sich der Bevölkerung proaktiv zu widmen und zu fragen:

Ja, so stellt sich die AfD eine Gesellschaft unter ihrer Führung vor - und kulturell bedeutet das folgendes…
WOLLT IHR WIRKLICH SO LEBEN?

Ich würde als Politiker nicht versuchen, mich dem „Kulturkampf“ zu entziehen. Ich würde im Gegenteil versuchen, jeder/jedem klarzumachen, wie dumpf, öde, borniert, langweilig, stumpfsinnig eine deutsche Gesellschaft wäre, wie sie sich die AfD imaginiert.

EDIT:
Grade haben die Strategen bei den Radikal Rechten ja die nächste Wählergruppe identifiziert, die man an sich binden könnte, während die übrigen Parteien versuchen, sachlich und inhaltlich („mit ordentlicher Politik“) zu punkten:
Es handelt sich um alle Einwanderer-Gruppierungen, die kulturell eine, sagen wir, äußerst konservative Prägung mitbringen und keine Probleme mit etwa familienpolitisch extrem traditionellen Vorstellungen oder autoritär ausgeübter Macht. Man denke nur an die zahlreichen aus der Türkei stammenden Menschen mit ausgeprägter Sympathie für Erdogan. Soviel also zum Thema der deutschtümelnden AfD. Mir stellt sich da die Frage, ob es zukünftig eben grade doch deutlich um eine Lebensweise geht, die da in Frage gestellt wird - und das wäre dann tatsächlich eine Frage eines Kulturkampfes.

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Erlaubst du aber pauschal Abtreibungen kann ich ohne Gewissenskonflikte Kinder zeugen und abtreiben wie es mir gerade passt.
Das letzte Mittel Abtreibung sollte schon gewissen Hürden mit sich bringen

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@Gratschifter: Du fällst dem gleichen Problem zum Opfer wie die furios-hysterische Rechts-Internetöffentlichkeit, deren korrosiven Einfluss auf den politischen Betrieb wir hier alle immer wieder beklagen: Du lädst diesen ganzen Vorfall um die Wahl von Frau Brosius-Gersdorf mit viel zu viel Bedeutung auf und ziehst aus diesen (willkürlichen) Aufladungen viel zu weitreichende Schlüsse für das „große Ganze“.

Teile der CDU-Bundestsgsfraktion wollten eine Richterin nicht wählen. Die Wahl wurde abgesagt und wird voraussichtlich nach der Sommerpause neu angesetzt. Jens Spahn hat sich bei dem Vorgang nicht mit Ruhm bekleckert.

Viel mehr ist eigentlich nicht passiert. Alles weitere ist Kommentar.

Ob die CDU in Wahrheit eine Richterin, die einem AfD-Verbotsantrag aufgeschlossen gegenübersteht, verhindern wollte; ob sie in Wahrheit eine Abtreibungsgegnerin verhindern wollte; ob sie in Wahrheit ihrem christlichen Glauben Ausdruck verleihen wollte; ob sie sich von Rechten Medien hat verdummen lassen – wir wissen es schlicht und ergreifend nicht. Es ist alles Spekulation. Ich darf daran erinnern, dass auch in der Vergangenheit schon Richter von Bundestagsfraktionen abgelehnt worden sind, zuletzt im Jahr 2024 ein konservativer Richter, den die CDU vorgeschlagen hatte, von der Fraktion der Grünen. Von linker Internethetze im Vorfeld war damals nichts zu sehen. Man kann also auch ganz ohne Hetze als Fraktion Gründe gegen einen Richter finden.

Es steht Dir natürlich frei, dieses oder jenes anzunehmen und daraus weitreichende Schlüsse für eine sich am Horizont abzeichnende Koalition zwischen CDU und AfD, der hier gerade der Weg bereitet werden soll, zu augurieren, oder was auch immer sonst Dein plaisir finden mag, aber damit machst Du Dich dann nur zu einer weiteren Instanz der Untergangspropheten und Volksbetörer, die von der anderen Seite des politischen Spektrums kommend Frau Brosius-Gersdorf als „ultralinke Aktivistin“ und Wegbereiterin der Abtreibung bis zur Geburt auf dem Weg Deutschlands in den Untergang und ähnlich unsinniges Zeug apostrophieren. Das Ende ist bei euch beiden das gleiche – es wird ganz dunkel für Deutschland –, nur der Weg ist ein anderer.

Verzeih mir bitte, wenn ich bei dem Spiel auf einer Stufe unterhalb der Deinen stehen bleibe. Dieser ganze Vorfall ist 95 Prozent Luft und fünf Prozent Substanz. Ich fühle mich schon schlecht genug, auf das Thema überhaupt anzuspringen und es zu kommentieren (obwohl es ja Spaß macht, the one redeeming feature). Damit bin ich schon ein fettes Opfer der Hypemaschinerie, die ich in meinen bisherigen Beiträgen zu diesem Thema so ausufernd kritisiere. Operation und Inhalt stehen in einem Widerspruch.

Aber die Stufe der wilden Interpretationen und weitreichenden Schlussfolgerungen würde ich gerne auslassen, wenn Du gestattest, und daher die CDU auch nicht für irgendwas verurteilen oder gegen irgendwas verteidigen, von dem ich nicht mal weiß, ob es überhaupt zutrifft.

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Hört sich gut an. Wie?

Ich bin ehrlicherweise verwundert, dass jemand mit Deiner Intelligenz den Vorgang so lapidar bewertet - 95% Luft.

Der Ablauf ist doch 1:1 aus dem Playbook der Rechtspopulisten. Zitate werden verzerrt und eine hochangesehene Juristin wird in eine Ecke gedrängt, in die sie nicht gehört.

Zum Ablauf:
https://x.com/berlinreportage/status/1944470515152048245?s=46&t=6ovZHllYEIpb_2l6OJfY8g
https://x.com/markus_bublitz/status/1943763524045455362?s=46&t=6ovZHllYEIpb_2l6OJfY8g

Jetzt soll ihr sogar die Diskussion mit der Unionsfraktion verwehrt werden. Nicht, dass sie dort Sachen gerade rücken könnte.

Mit Luft hat dies ganz wenig zu tun. Außer, dass die ganze Sache stinkt.

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mich verwundert das überhaupt nicht - es passt komplett in seine „Agenda & Denke“, die er seit Monaten hier praktiziert…

ich bin eher überrascht, dass es dich überrascht!

Alex vertritt in den meisten Fällen vollkommen empathielos zutiefst neoliberale/neokonservative Positionen - und kleidet sie halt in hochtheorisierte, hochintelektuelle und ellenlange Texte…

das darf er gerne tun, freie Meinung und so - aber das ist doch nun wahrlich keine neue Erkenntnis…

mich verwundert seine Position in diesem Fall kein bißchen…

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Gestern vormittag verteidigte im DLF Robin Alexander von der „Welt“ eloquent das Verhalten der Unionsfraktion; unter anderem mit der Bemerkung, einen Einblick in das Seelenleben der Abgeordneten geben zu wollen: diese hätten lange, harte Jahre ohne eigene Kanzlerschaft und mit einer ungeliebten Ampelkoalition hinter sich; dabei musste ich unwillkürlich an unser eines harte Jahr ohne eigenen Meistertitel denken. Wer also kann Verständnis für solche Seelenpein entwickeln, wenn nicht wir? :wink:

Jedenfalls hätten sie nun natürlich das Bedürfnis, endlich wieder eigene Gestaltungskraft ausüben zu können. Und seien aber vom Wähler mit einem Wahlergebnis ausgestattet worden, das sie schon wieder zu Kompromissen mit linken Positionen zwinge. Da sei es doch naheliegend, dass ihnen angesichts dieser Kandidatin mal der Kragen platze.

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Robin Alexander ist ein konservativer Typ aus dem Springeruniversum… :man_shrugging:t3:

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Aber das bestreite ich doch gar nicht. Im Gegenteil, dass Frau Brosius-Gersdorf von rechten Online-Medien und Influencern mit grotesken Vorwürfen völlig maßlos in ihrer beruflichen und persönlichen Ehre verletzt wurde, habe ich doch selbst ausführlich so dargelegt, das kann Dir nicht entgangen sein. Worauf willst Du eigentlich hinaus?

Nein, das ist nicht naheliegend. Das hoffe ich zumindest für die Damen und Herren Abgeordneten. Es wäre sonst ein ziemlich vernichtendes Urteil über ihre intellektuelle und temperamentale Eignung für die Aufgabe, das deutsche Volk bei der Regierung seiner selbst angemessen zu vertreten. Man wählt eine Richterin nicht deswegen nicht, weil einem „mal der Kragen platzt“ (aus irgendeinem diffusen Gefühl des Überdrusses mit linker Politik heraus oder wegen sonst irgendeines Grundes).

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Das war kein wörtliches Zitat. Sinngemäß hat er das gesagt. Und natürlich auch noch manches andere, z.B. über der Kandidatin Positionen zu verschiedenen Themen. Das wurde dann strittig diskutiert. Und über unfaires Verhalten der Ampel, etwa bei der Wahlrechtsreform. Mich erheiterte aber eben besonders der angebliche Blues über die paar Jahre in der Opposition. Und dann dachte ich: so unbekannt dürfte diese Gefühlslage uns aber nicht sein. Klar, wir sind keine gewählten Volksvertreter, das ist schon ein großer Unterschied.

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95% Luft.

Du verharmlost.

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Was Frau Brosius-Gersdorf angeht, hast Du recht. Das persönliche Leid, das diese Frau in den letzten Tagen ertragen musste, ist sicher nicht zu 95 Prozent Luft, sondern zu 100 Prozent schlimm.

Ich meinte den politischen Vorgang und was daraus gemacht und dort hineininterpretiert wird.

Sonntagabend wurde in der ARD Merz’ Bewertung der Vorgänge für die Öffentlichkeit, wie er sie zuvor im Interview abgegeben hatte, so paraphrasiert: „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“

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„Lieber“ @Alex
eigentlich ist s nicht meine bevorzugte Art, wütend oder mit aufgeladenen Emotionen auf Posts zu reagieren. Aber bei Dir mach ich eine Ausnahme.

Du adressierst einen Post an @gratschifter, um mir im folgenden völlig nachweis- und belegfrei zu unterstellen, ich würde dieselbe Weltuntergangspropaganda betreiben wie die AfD, lediglich mit anderem Wege. Du unterstellst mir (implizit), eine sich am Horizont abzeichnende Koalition zwischen CDU und AfD - völlig ohne jeden Textbezug zu meinen Äußerungen - zu weissagen.

Und dann bittest Du mich, Dir zu verzeihen, wenn Du unaufgeregt bleibst. Das verzeih ich Dir. Bleib so cool, unbeeindruckt von heißer Luft und locker, wie immer es dir Plaisir bereitet. Aber Deine süffisant polemischen Unterstellungen keineswegs - sie funktionieren nach demselben Muster wie die Schmutzkampagne gegen Brosius-Gersdorf. Und das verzeihe ich Dir auf keinen Fall. Mir zu unterstellen, ich stünde in einer Reihe mit den Untergangspropheten und Volksbetörer, mich gleichzusetzen mit der anderen Seite des politischen Spektrums auf dem Wege Deutschlands in den Untergang - das ist nicht ähnlich unsinniges Zeug, sondern bösartig, widerwärtig und für mich unerträglich. Nix verzeih ich Dir da.

Empfehle hingegen eine Lesekurs - Auffrischung der ersten Schuljahre für Hochmütig Gewordene:
Wilde Interpretationen und weitreichende Schlußfolgerungen - das ist Dein Revier, in dem Du wilderst bis zum Geht-Nicht-Mehr. Meine Weidel-Rede ist eine wörtliche Abschrift des Merz-Interviews zu Israels Drecksarbeit. In welcher lediglich die Worte Iran durch Karlsruhe, Atombombe durch linksradikale Extremistin und Israel durch CDSU ersetzt wurde. Das nennt man im Grundkurs Rhetorik ironische Überspitzung. Daß Du daraus ein Weltuntergangsszenario einer drohenden AfD-CDSU-Koalition zusammenfantasierst - okay, war vielleicht n bißchen viel Gras gestern abend… Oder doch Pilze? Anders kann ich mir den krassen Widerspruch zwischen Deiner Intelligenz und Deiner „Chillax Leute - allet nich so schlimm im Staate Dänemark“-Haltung nicht erklären.

Ich versuch den ganzen Text über, irgendwas ernst zu nehmen von dem, was Du über mich schreibst. Aber da is leider nix - 95% Luft, lediglich 5% Substanz. Mehr gibt dein „Ich wasche meine Hände in Unschuld“-Post nich her. Ich hätte mich gefreut, wenn Du auf meine Antworten zu Deiner Medienanalyse (ökonomische Logik der Sensationsberichterstattung) mal eingegangen wärst. Aber - kein Wörtchen.

Also noch mal Klartext, Alex:
Keiner hier im Forum, und kaum einer in der CDU glaubt ernsthaft an eine strategische Zusammenarbeit der CDSU-Fraktion mit der AfD. Der einzige, der von diesem Weltuntergangsszenario besessen ist, bist Du.
Was wir hier im Forum nun seit dem blamablen Freitag ernsthaft versuchen, ist dem „Cui Bono“ zu folgen. Wer profitiert davon? Und warum?
Aber das tust Du alles ab mit dem Wörtchen Spekulation. Okay - kann ich auch. Ob in der CDSU auch nur ein einziger noch über christliche Motive verfügt - alles Deine Spekulation, @Alex .

Du willst mein wahres Weltuntergangsszenario? Hier isses - völlig ironie- und satirefrei:
Die AfD wird den Teufel tun, mit der CDU zu koalieren, das ist das Letzte, was sie auf Bundesebene will - zumindest nicht, wenn sie nicht die Kanzlerin stellt. Die AfD treibt weiterhin eine thematische Sau nach der anderen auf die Weidegründe der Union, lehnt sich zurück und genießt, wie die Unions-Dumpfbacken hinter der Sau herjagen. In der Folge kann die AfD stets mit dem Finger auf die CDU zeigen : „Die hamm aber angefangen“ und jede Beteiligung an dem Sauauftrieb ablehnen. Wann immer es ihr gefällt, holt sie ihren Kasperle aus dem Wandschrank (ob der nun Friedrich, Jens oder Alexander heißt) - und läßt den mal wieder ein bißchen Drecksarbeit erledigen. Und in nicht allzu ferner Zukunft reicht das für die Mehrheit im Reichstag - ich sach ma: Zwanzigneunundzwanzig jibbet fünfunddreißig Prozent - undzwar nicht mehr für die CDSU. Frau Brosius-Gersdorf ist nur eins von vielen Bauernopfern auf dem Weg.

Hast Du Dich schon mal gefragt, wie verheerend eine Regierungsbeteiligung für die AfD wäre? Sie wäre mitverantwortlich für all die Unfähigkeit, den Sch…, den Spahn und Merz verbocken. Sie müßte Verantwortung tragen für all die unsäglichen Peinlichkeiten und würde identifiziert mit der Politik der CDU/SPD. Das wäre ihr Todesstoß: Sie sänke herab vom Olymp des sakrosankten Opfers der links-woken Lügenpresse zu einer real unfäigen Partei ohne jedes Programm.
A propos Programm: Wenn ich in der AfD was zu sagen hätte, würde ich meiner Fraktion absolutes Stillhalten verordnen. Die CDU erfüllt Schritt für Schritt jedes Wahlversprechen der AfD: Remigration - check. Steuersenkungen für Reiche und Konzerne -check. Die unteren Schichten zum eigentlichen Sündenbock machen - check. Marginalisierung des Klimawandels und der Klimaziele Deutschlands - check.
Die AfD muß nicht an die Regierung - sie hat ihren Kasperle gefunden, im Sauerländer Sandkasten.

Aber wir könnens auch mal mit Deiner Methode versuchen, @Alex : Alles nich so schlimm, lasst uns an die moralische Integrität der CDSU-Fraktion glauben. Wir können ja schließlich nicht sicher wissen, was tatsächlich in den Hirnwindungen der CDSU vorging oder -geht. Es gibt keine Strategie hinter der Medienkampagne gegen Brosius-Gersdorf, das waren alles lediglich ein paar aufgeputschte, fehlgeleitete Jugendliche, die sich an der Skandalisierung oder dem Untergang des Abendlandes aufgegeilt haben. Dass das Ganze der AfD nützen könnte - reiner Zufall. Der Versuch, einer gestandenen Richterin am Vorabend ihrer Wahl eine Plagiatsbeteiligung unterzuschieben - eine bedauerliche, aber inhaltlich völlig unabhängige Koinzidenz der Ereignisse. Eine sich hochschaukelnde Lügenkampagne auf Asocial-Media in der Woche vor der Richter:innenwahl - reiner Zufall, ein Sommerlochproblem, ein paar Internet-Trolle, denen bei der Hitze das Gehirn wegbrannte, mehr war das nicht.
„Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“

Deine Methode verfolgt nur ein Ziel: Dein eigenes Gewissen zu beruhigen. Nachdem Du Dich ein bißchen mies fühlst, selbst zur Vertiefung des Themas beigetragen zu haben, ist es nun wichtig, wieder ohne Schuldgefühle in den Spiegel (oder in die WELT) blicken zu können: Ich bin zwar leider auch zum Opfer der Massenhysterie geworden, aber längst nich so schlimm wie die Armageddon-Auguren, die mit ihrer dystopischen Argumentation dem rhetorischen Strickmuster der Rechten folgen.
Ich hingegen wasche meine Hände in Unschuld.

Matthäus 27,24-26
Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!
Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!
Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

PS: Keines der wörtlichen Zitate in diesem Post ist gekennzeichnet - weder von Deiner noch von meiner Seite. So fühlt sich unsauberes Polemisieren an.

PPS: Unfair kann ich auch.

PPPS: Polemik off. Ab hier wieder im Rahmen der Netiquette :innocent:
@Lukenwolf1970: Keine weiteren Ordnungsrufe erforderlich. :wink:

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