Alex und die CDU – eine(n) Lanz(e) für die CDU-Bundestagsfraktion brechen…
Finde ich ehrenwert. Allerdings fehlt mir die Bereitschaft, mich in die Gehirnwindungen der Hinterbänkler hineinzuschrauben, um dort nach Resten christlicher Moral zu suchen. Natürlich sind das nicht alles zynische, frauenhassende Idioten. Aber sie lassen sich ohne Widerstand vor den Karren der zynischen, frauenhassenden Idioten spannen. Und so sehr ich das Merz-Zitat auch hasse: Ich warte auf den Tag, an dem Alice Weidel ans Mikro tritt und stolz verkündet, daß Fritze Merz die Drecksarbeit für die AfD erledigt habe, indem er mit seiner Union eine mögliche Verfassungsrichterin demontiert habe, die möglicherweise einem AfD-Verbotsantrag nicht gänzlich unaufgeschlossen begegnet wäre.
Oder kürzer mit Weidels Worten: „Herr Merz, Herr Spahn, Herr Dobrindt – die AfD dankt ihnen für den Begriff „Drecksarbeit“. Das ist die Drecksarbeit, die die CDSU macht, für uns alle. Wir sind von diesem Regime in Karlsruhe auch betroffen. Dieses linksradikale Regime hat Tod und Zerstörung über Deutschland und die Welt gebracht. Ich kann nur sagen: Größten Respekt, daß die CDSU-Regierung den Mut gehabt hat, diese Drecksarbeit zu machen. Wir hätten sonst möglicherweise Monate und Jahre weiter diesen Terror dieses Bundesverfassungsgerichtes gesehen. Und dann möglicherweise noch mit einer linksradikalen Extremistin an der Spitze.“
Es geht um die simple Grundsatzfrage, ob Abtreibung weiterhin als kriminelle Straftat behandelt wird oder nicht. Das ist seit Jahrzehnten eine höchst einfache Frage – an der die deutsche Politik, egal, ob rot-grün, ampel- oder großkopfert regiert, immer wieder grandios scheitert. Daher ist mir das grün-sozialdemokratische Besserwessi-Getue sehr unangenehm. Wenn gewollt, hätten schon der Kanzler der Bosse mit seinem Turnschuh-tragenden Adlatus dem Spuk ein Ende setzen können. Aber noli me tangere – bloß nicht den 218 anfassen.
Es ging nie und geht nicht um eine Ausweitung der Fristen für Abtreibungen, wie die Lebensschützer-Front verhement behauptet. Kein Mensch verlangt eine Ausdehnung der Abtreibungsgrenze über die 24ste Woche hinaus. Kein Mensch verlangt die Abschaffung der doppelten Arzt-Pflicht bei Abtreibungen nach der 12ten Woche. Das alles sind tatsächlich propagandistische Unterstellungen der Lebensschützer:innen. Was verlangt wird, ist ein politischer Umgang mit dem gesamten Thema außerhalb des Strafgesetzbuches. Thats all.
Die im Kontext dazu stehenden Fragen sind ethisch-moralischer Natur, sie rühren aber auch ans Selbstverständnis unser Gesellschaft: Wem geben wir die Definitionshoheit für die von Dir aufgezählten Fragen, @alex?
Ich persönlich möchte diese Entscheidung nicht in die Hände einer Partei (egal, welche Buchstaben sie verwendet) legen – das BVG scheint mir die richtige Instanz, um solche Fragen zu beantworten. Die Politik darf Vorschläge machen – das BVG beantwortet sie. (Auch wenn wir streng genommen immer noch keine Verfassung haben .. da ist ein BundesVerfassungsGericht schon ein Treppenwitz. Aber BundesGrundgesetzGericht klingt nich halb so bedeutungsschwanger… Böser Wortwitz, wenns um 218 geht.)
Spannend fand ich persönlich einen Passus in deinem ersten Post zum Thema, an dem unbeachtet vorbeizugleiten mbMn ein großer Fehler wäre :
Ich verstehe das richtig? Eine zutiefst antidemokratische und Personen zerstörende Propaganda bedient eine real vorhandene Nachfrage. Und damit Geld verdienen zu wollen (und dies auch zu tun), ist ökonomisch nachvollziehbar.
Die Diskussion von Angebot und Nachfrage (welche Henne hat welches Ei gekackt und war früher da?) führen wir da immer wieder. Wenn ich mit Gegenbeispielen komme, gehören diese nicht in den diskursiven Rahmen. Aber an diesem Beispiel vielleicht doch noch mal meine stirnrunzelnde Frage:
Wenn die ökonomische Logik des Dschungelcamps („Würmer fressen bringt Quote, Quote bringt Kohle“) ihren Ursprung in der Nachfrage hat, dann machst Du Dir über das dumme Volk tatsächlich keine Illusionen mehr:
Anders gesagt: Trash-TV, RTL-Big Brother, GNTM – all das entstand aus der Nachfrage: aus dem Bedürfnis der glotzenden Masse, für dumm verkauft zu werden. Marketingstrategien, Nachfrage erzeugen durch Angebot, das Say’sche Theorem - das alles spielt keine Rolle mehr, denn: Wo Nachfrage ist, da ist jedes Angebot berechtigt. Eine inhaltliche Bewertung entzieht sich der ökonomischen Logik.
Umso erstaunter bin ich, dann im nächsten Absatz lesen zu müssen, wie sehr Dich erschreckt, daß …
Ich liebe Deine Formulierungen in diesem Absatz – ich habe mich förmlich darin gebadet. Bloß eins versteh ich nicht: Wieso funktioniert deine ökonomische Logik nicht bei dem Verständnis des politischen Schauspiels? Dasselbe, was sich medial gut verkaufen läßt, läßt sich auch politisch gut verkaufen. Wieso sollten sich Lanz, Maischberger, Precht und Co. denn immun zeigen gegen die reale Nachfrage nach einem Aufgreifen der…
Wieso erwartest Du von Politikern wie Merz, Spahn, Dobrindt, Hoffmann (den CDSU-Vorkämpfern), daß sie die Politik wieder entschauspielerisieren? Sie sind immanenter Teil des Spektakels – die Kasperlefigur diskutiert nicht mit dem Puppenspieler, ob nun wieder Knüppel ausm Sack gespielt wird oder wir noch n bißchen warten müssen.
@Alex! Die verdienen ihr Geld damit, Teil des Spektakels zu sein. Diesen inneren Widerspruch zu reflektieren, würde nicht nur ihr Welt-, sondern auch ihr Selbstbild zum Einstürzen bringen.
Nein, @alex. Das glaube ich auch nicht. Aber „dieses Maß an Aufgeregtheit, Zuspitzung, Unsachlichkeit und Lautstärke“ bedient die ökonomische Logik des Polittheaters.
Und wir sitzen applaudierend in der ersten Reihe – und sehen mit dem zweiten besser.