Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

Wenn ein angeklagter Kriegsverbrecher einen verurteilten Sexualverbrecher besucht und die beiden beim Käffchen überlegen, was man(n) denn heut noch so alles anstellen könnte…. dann springt dabei mindestens ein Friedensnobelpreis für einen der beiden heraus:
https://www.instagram.com/p/DL1VvOcxIio/?igsh=YjBkMWRicGNxNmFx
Mein Vorschlag: Mit dem zweiten siehst Du besser - nominiert einfach beide für Oslo.
Der eine verwandelt den Gazastreifen in eine entvölkerte Bombenwüste und der andere macht daraus dann in seine „Riviera des Nahen Ostens“. Das nennt man unter Männerfreunden Teamwork: Der eine reißt ab, der andere baut wieder auf.
„Trump-Gaza Number One“!
Das Promo-Video für Gazas glänzende Zukunft veröffentlichte der GröFaZ (größter Friedensstifter aller Zeiten) bereits im Februar auf seinem offiziellen Account „Real Donald Trump / Truth Social“ - in weiser Voraussicht.

Es gibt sogar Araber in Trumps feuchtem Traum: als bärtige Bauchtänzerinnen und Nachtclub-Arbeiterinnen.
Weil unsere beiden palmwedelschwingenden, Cocktail-schlürfenden New-Age-Gandhis diese paar Araber zunächst am Leben gelassen und erst nach dem Promo-Videodreh weggebombt haben - Friedensnobelpreis für das Dream-Team Benny’n Donny !

6 „Gefällt mir“

Meanwhile in Peking (am 18. Juni)
Xi Yinping erteilt Geschichtsnachhilfe für Donnys America.


The Rise and Fall of the House Trump:
China wird noch wachsen, wenn das Weiße Haus längst zu Staub zerfallen ist.

2 „Gefällt mir“

Also jetzt hab ich alles gesehen… :man_facepalming:
Das Bullshitbingo ist geschafft

Anfang März habe ich hier im Thread Folgendes gepostet:

Ich stelle fest: Mit der Einschätzung habe ich deutlich danebengelegen.

Ich war davon ausgegangen, dass Putin es Trump nicht verwehren würde, einem Waffenstillstand zuzustimmen, so von strongman zu strongman, und dass er es relativ zügig machen würde, sobald Trump ihn zu lobbyieren anfing.

Ich habe mich geirrt.

Es mangelte nicht an Lobbying durch Trump. Trump hat alles versucht: Auslieferung des Kriegsgegners, Versprechen umfangreicher Vorteile für Russland (neue gemeinsame Geschäfte mit den USA, Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen etc.), liebesdienerische Schmeicheleien für Putin, indirekt und in Person.

Ich fand das nicht falsch. Ich fand das die logische Strategie.

Nur: Genützt hat all das – nichts.

Inzwischen ist der Krieg in eine neue Phase eingetreten. Die Phase der Drohnenschwärme. Putin lässt im Wochentakt wachsende Salven von Drohnen auf die Ukraine regnen. Inzwischen sind es mehrere hundert pro Angriff. Putin wird militärisch nicht schwächer, er wird militärisch immer potenter. Noch bis vor kurzem konnte man meinen, dass es der Westen war, der die Russen langsam totrüstete. Man hatte eine lange Anlaufzeit und kam von hinten, aber dafür kam man gewaltig. Irgendwann würde die russische Wirtschaft unter dem Stress, immer neue Panzer und Flugzeuge produzieren zu müssen, um mit dem geballten Materialnachschub des Westens, der sich am Rüstungshimmel abzeichnete, mithalten zu können, kollabieren.

Stattdessen ist es heute andersherum. Die Russen schießen Schwärme billigster Geran-2-Drohnen auf die Ukraine, jede Salve davon kaum teurer als ein kleiner Panzer, und die Ukraine muss diese Drohnen mit vergleichsweise teurer westlicher Luftverteidigung abwehren. Jeder Euro Materialeinsatz auf russischer Seite verbraucht ein x-Faches dessen auf ukrainischer/westlicher Seite. Währenddessen rückt das für beide Seiten vergleichsweise teure Panzer- und Artilleriegefecht zunehmend in den Hintergrund.

Nun ist es Putin, der beim Rüstungswettlauf am längeren Hebel sitzt. Jeden Tag schlägt er den Westen ein wenig toter. Nicht militärisch, sondern ökonomisch und in der sozialen Akzeptanz der wachsenden Rüstungsausgaben in den westlichen Bevölkerungen.

Denn das Missverhältnis bei den Kosten der verbrauchten Waffen ist nur das eine. Die immensen vereinbarten Investitionen in die äußere Sicherheit – so sie denn kommen – sind mittelfristig wahrscheinlich das größere Problem für die NATO-Staaten, deren politische Entscheidungen als funktionierende Demokratien immer auch der Legitimitation durch das Volk bedürfen. Fünf Prozent des BIP in die Verteidigung, gigantische neue Schulden – politische Beliebtheitswettbewerbe wird man damit nicht gewinnen können, spätestens dann, wenn die ersten Sozialausgaben „für die Rüstung“ gekürzt werden.

Im Grunde genommen wäre es schlau von Putin, wenn er den politischen Westen flächendeckend für lange Zeit in maximale politische Unruhe stürzen wollte, jetzt zunächst noch ein bisschen weiterzubomben, bis die Aufrüstung der NATO-Staaten (EU-Staaten) sich ins volle Geschirr geschmissen und Momentum aufgebaut hat, und dann zu einem Waffenstillstand mit der rhetorischen Perspektive eines langfristigen Friedens überzugehen. Dann wäre der Westen in einem Zustand, in dem er Hunderte Milliarden Euro pro Jahr in die Aufrüstung steckt, während im Osten gar nicht mehr geschossen wird.

Es würde keine drei Wochen dauern, bis die ersten Sozialpolitiker langsam, aber mit leiser Dringlichkeit anfingen nachzufragen, ob das denn mit diesen ganzen Rüstungsausgaben wirklich noch sein müsse, jetzt, wo die Waffen ja schwiegen. Und von diesem Tage an würde sich diese Idee wie ein Spaltpilz kontinuierlich immer tiefer in die politischen Debatten ganz Europas fressen und nicht mehr daraus verschwinden. Es gäbe einen idealen Ansatzpunkt für radikale Parteien, um im Volk um Zustimmung zu werben („Wählt uns, die anderen verprassen euer Geld für totes Metall“). Diese Parteien sind zufällig oft auch „russlandfreundlich“. Wenn sie stärker werden, profitiert Putin. Er wird das wissen.

Momentan gewinnt Putin diesen Krieg. Er gewinnt ihn militärisch und er wird ihn langfristig politisch gewinnen, weil fünf Prozent des BIP pro Jahr in die Verteidigung zu investieren politisch auf Dauer einfach schwer zu verargumentieren ist. Die größte Hoffnung auf Putins Niederlage sehe ich noch in einem Kollaps der russischen Wirtschaft. Ich habe aber keine Ahnung, wie wahrscheinlich das ist. Aber wenn die russische Wirtschaft nicht kollabiert, weiß ich nicht, wie der Krieg in näherer Zukunft enden soll. Trump hat es jedenfalls nicht geschafft, Putin von einer Einstellung der Kampfhandlungen zu überzeugen. Trump hielt ich bisher für den wahrscheinlichsten Weg zu einem geregelten Ende des Ukraine-Kriegs, dem ich tatsächlich sehr gute Chancen gegeben habe. Ich habe mich geirrt. Mal sehen, wie’s weitergeht.

12 „Gefällt mir“

Irgendwie überrascht es mich nicht mehr…

4 „Gefällt mir“

Wenn s nix mehr zu lachen gibt auf der Welt - ein Clown liefert unermüdlich weiter

2 „Gefällt mir“

Mal sehen, wie’s weitergeht?
[/quote]
Dazu gab es gestern einen interessanten Beitrag im ZDF.

„Wir stehen zu den Klimazielen“, sagte der Kanzler. Dann aber kam der Zusatz (der bei diesem Thema fast immer kommt): „Es gibt allenfalls die Frage, ob wir das denn so erreichen können, wie wir es uns vorzeitig vorgenommen haben.“ Merz sagte also nicht etwa, dass er alles Nötige tun werde, um die Ziele zu erreichen und die völkerrechtlichen Versprechen einzuhalten. Stattdessen säte er Zweifel. Und hinterfragte im Folgenden sogar die Sinnhaftigkeit der deutschen Bemühung.

„Deutschland hat ungefähr ein Prozent der Weltbevölkerung, wir stellen ungefähr zwei Prozent des Problems dar, was CO₂-Emissionen betrifft“, sagte Merz.

„Selbst wenn wir alle zusammen morgen klimaneutral wären in Deutschland“, sagte Merz, würde keine einzige Naturkatastrophe auf dieser Welt weniger geschehen, würde kein einziger Waldbrand weniger geschehen, würde keine einzige Überschwemmung in Texas weniger geschehen."

Quelle

Irgendwie kommt mir das sehr bekannt vor, @Alex hat auch schon ähnlich (nicht gleich!) argumentiert.

Die Replik auf Social Media war: „Wenn 2 % nichts ändern, höre ich sofort auf Steuern zu zahlen. Da ist mein Anteil ja noch viel geringer, und trotzdem würden morgen alle Bahnen fahren, die Schulen nicht schließen und so weiter…“

Was meint ihr und @Alex dazu?

8 „Gefällt mir“

argumentativ auf einer Stufe mit AfD-Faschos, Klimawandelleugnern, Aluhüten und sonstigem Populistengedöns…

ein destruktiver, Hoffnung zertretender, rückwärtsgewandter Mann, der genau das Gegenteil sagen müsste und voller Verve erklären sollte, weshalb es sinnvoll ist, voran zu schreiten!

es gäbe ja so viel mutmachendes und positives an einem Vorangehen Deutschlands - auch wirtschaftlich (das mag er doch so gerne…)

stattdessen ein Trauerspiel, wie es im Buche steht! :pensive_face:

4 „Gefällt mir“

@paul66: Danke, werde ich mir angucken.

@anon44472850: Ich sehe, Du bist zurück und hast Dich nicht verändert. Ich habe aber keine Lust darauf, hier wieder aggressive Flamewars zwischen rhetorisch maximal aufgerüsteten Extremparteien, die meinen, ihre exklusive Weltsicht mit so krassen Begriffen wie nur irgend möglich in den Äther posaunen und ihre sattsam bekannten Standpunkte erneut und erneut markieren zu müssen, zu moderieren.

Ich bitte Dich also INSTÄNDIG, von solchen völlig überspitzten Standpunktsbekundungen, aus denen nie auch nur eine sachliche Diskussion entspringen wird, zukünftig abzusehen.

Ich habe keinen Bock auf Krawall. Es war hier so schön ruhig und friedlich. Mach es bitte nicht zu TOP 1 auf Deiner Nach-Rückkehr-Agenda, diese Ruhe zu unterminieren, sei es gewollt oder ungewollt.

Spar Dir bitte solchen ätzenden, inflammatorischen Kommentare in Zukunft einfach. Nimm Dir ein Beispiel an @Gratschifter, der linke Positionen auch ohne massive Obertöne von Verachtung, Geringschätzung und Hass vertreten kann und der nicht meint, er müsste ständig mit möglichst starker Sprache diskursive Territorien markieren und seine Rechtschaffenheit demonstrieren. Danke.

8 „Gefällt mir“

@Andy: Die Analogie im dem Social-Media-Statement, das Du zitierst, ist sehr gelungen. Ja, genauso ist es. Wenn ein Einzelner aufhört, seine Steuern zu zahlen, während alle anderen weiterzahlen, ändert sich an der Qualität der öffentlichen Güter praktisch nichts. Individuell erfahren wir unter Umständen jedoch eine große finanzielle Erleichterung (je nachdem, wie hoch unsere Steuern sind).

Beim Klima ist das erst einmal genauso. Ob Deutschland alleine gar kein CO2 mehr ausstößt oder seine heutigen Emissionen sogar noch verdoppelt, macht für das Weltklima praktisch keinen Unterschied. Nur mal zur Einordnung: Deutschlands CO2-Emissionen betragen momentan rund 600 Millionen Tonnen pro Jahr. Das ist die gleiche Menge, die Chinas CO2-Emissionen von 2022 zu 2023 zugenommen haben (von 11,35 Milliarden Tonnen auf 11,9 Milliarden Tonnen). Also wohlgemerkt: zugenommen, Deutschlands gesamte Emissionen, in einem Jahr.

In der Zeit seit 2000 sind Deutschlands jährliche CO2-Emissionen insgesamt ungefähr so hoch wie das, was China allein in einem bis drei Jahren an Emissionen hinzugewinnt. Und China ist ja nur ein Emittent. Die nicht ganz unwichtigen USA und Indien (dessen CO2-Emissionen jedes Jahr mit zunehmenden Raten wachsen) beispielsweise gibt es auch noch.

Quelle: Our World In Data

Daran kann man erkennen, dass es für das Weltklima wirklich keinen Unterschied machte, ob Deutschland heute im Meer versänke oder seinen Ausstoß verdoppelte.

Der entscheidende Unterschied beim Thema der CO2-Emissionen im Vergleich zu den Steuern liegt in der Durchsetzbarkeit der Regeln.

Wenn ich meine Steuern nicht zahle, bekomme ich irgendwann Post vom Staatsanwalt und werde, wenn nötig, gerichtlich gezwungen, meine Steuern gemäß der geltenden Gesetzeslage zu zahlen. Wenn ich mich, wie etwa Uli Hoeneß, besonders schwerer Steuervergehen schuldig mache, muss ich vielleicht sogar ins Gefängnis.

Der Staat hat das hoheitliche Machtmonopol und kann seine Bürger zur Einhaltung der geltenden Regeln zwingen.

Im Falle der CO2-Emissionen bzw. der global vereinbarten Regeln zum Klimaschutz gilt das nicht.

Wenn eine Partei (ein Land) sich nicht an die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen zum CO2-Ausstoß hält (die immerhin gibt es ja), kann kein anderes Land daherkommen und dieses Land verklagen und ultimativ in den Knast stecken.

Daher gibt es massive Anreizprobleme: Wenn erst China und inzwischen Indien jedes Jahr so viel an CO2-Emissionen zulegen, wie ich, Deutschland, in toto ausstoße, warum sollte ich dann meine Industrie und letztendlich meine gesamte Wirtschaft und den Lebensstandard meiner Bürger mit Schwung an die Wand fahren, nur um so viel CO2 einzusparen, wie diese Länder schon nach kurzer Zeit durch ihren eigenen Ausstoßzuwachs wieder aufgeholt haben?

Es ist sogar noch schlimmer: Das Argument, dass Deutschland eine global wichtige Aufgabe dabei zukomme, als Pionier der CO2-Reduktion einen gangbaren Weg aufzuzeigen, wie man seinen CO2-Ausstoß signifikant reduzieren und gleichzeitig eine moderne Industrienation bleiben kann, um dies sozusagen als Vorbild für andere Länder vorzuexerzieren, die die von Deutschland pionierten Techniken und Methoden dann adaptieren könnten, krankt daran, dass

a) Deutschlands Weg empirisch nicht wirklich funktioniert (Deutschland senkt seinen CO2-Ausstoß nur langsam, während die Strompreise zu den höchsten der Welt gehören und das Wirtschaftswachstum schwächelt) und dass

b) China, und nicht wir, die Erneuerbare-Energien-Revolution rockt. Bis wir hier in Deutschland ein halbwegs funktionierendes EE-plus-Industrie-Modell auf die Beine gestellt haben, hat China die gesamte Welt schon locker mit Solarpaneelen, Windrad-Innovationen, Elektroautos und allem anderen, was man für CO2-armes Wirtschaften braucht, versorgt.

Es ist, kurz gesagt, gleich in mehreren Hinsichten vollkommen egal, was wir hier in Deutschland in Sachen Klimaschutz und CO2-Reduktion machen. Es funktioniert nicht richtig, es ist quantitativ irrelevant und bis wir irgendwann aus den Puschen gekommen sind und etwas Nachahmungswürdiges gebaut haben, hat China die Welt schon dreimal gerettet.

Die Gründe, warum ein Land wie Deutschland seine Klimaziele trotzdem einhalten sollte, sind ethische:

a) Wir, als der globale Westen, haben historisch sehr davon profitiert, dass wir unseren Wohlstand bereits aufbauen konnten, als CO2-Ausstoß noch kein Thema und kein Problem war. Es ist unsere Pflicht, heute dazu beizutragen, dass andere Länder, die dieses historische Fenster in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung verpasst haben, trotz des CO2-Problems eine ähnlichen Wohlstandsaufbau erreichen können wie wir. Dazu zählt auch, dass wir CO2 einsparen, das diese Länder dann an unserer statt ausstoßen können.

b) Bei der Reduktion der CO2-Emissionen handelt es sich um ein globales collective action-Problem (ein Problem kollektiven Handlens): Man fährt besser, wenn von der gemeinsamen vereinbarten Regel abweicht, als man fährt, wenn man sich daran hält, und es gibt keine zentrale Autorität, die die Regeleinhaltung für alle verbindlich durchsetzen kann.

Es ist aber ethisch reflexiv inkonsistent, wenn man von anderen etwas erwartet oder verlangt, was man selbst nicht zu leisten bereit ist, und sei der Beitrag, den man selbst leistet, für die Lösung des Problems auch noch so unbedeutend. Deshalb muss auch Deutschland sich an die gemeinsam vereinbarten CO2-Reduktionsziele halten, wenn es ein ethisch integrer Akteur auf der Weltbühne sein möchte.

Ich hoffe, @Andy, Du findest diese Antwort ausreichend und zu Deiner Zufriedenheit? Ansonsten frag bitte gerne noch mal nach.

5 „Gefällt mir“

Dank Dir @Andy für die lesenswerte Replik der ZEIT. Manchmal bin ich froh, daß es in den Hinterzimmern von ZEIT und SZ immer noch ein paar klardenkende Journalistinnen gibt - Petra Pinzler ist so eine.
Auf den Punkt gebracht:

Blockzitat Pinzler ZEIT
Man stelle sich nur mal einen Augenblick vor, er hätte gesagt: „Es ist egal, wie viel wir uns in der Ukraine engagieren, es wird kein russischer Angriff weniger stattfinden.“
Mir würden noch ein paar weitaus zynischere und noch menschenverachtendere Analogien einfallen.

Ich kann @Alex Intervention gegen @anon44472850 s verbalen Rundumschlag verstehen - außerdem ist es sein (vermutlich nicht selten nerviger) Job, auf einen zumindest erträglichen Umgangston im Forum zu achten.
Ich kann aber auch verstehen, wenn des Merzens öffentliche Äußerungen zur Klimaharmlosigkeit seiner Deutschen einem die Hutschnur hochgehen lassen - ob Aluhut oder nicht!

Ich würds mal mit meinen Worten etwas verkürzt formulieren:
Ein x-beliebiger CDU-Politiker darf über den Klimawandel schwafeln, wie ihm lieb ist. Dies ist ein freies Land, und die Leugnung des Klimawandels oder seiner Bedeutung für unser freies Land ist (noch) kein Grundgesetzverstoß. (Noch) keine Volksverhetzung. Der Tatbestand der Volksverdummung, -verblödung und -verführung hingegen erfüllt Merz voll und ganz. Und der Sauerländer vergißt immer wieder, daß er mit seinen Äußerungen nicht mehr im Arnsberger Sandkasten rumpopelt, sondern 83 Millionen Deutsche vor der Welt vertritt. Was ein Bundeskanzler sagt, wird leider gehört.

Und was er sagt, ist folgendes:
"Leute, Mitbürger - ihr seid nich schuld. Vielleicht die Chinesen - die sind ja auch viel mehr Leute als wir. Oder die Inder - die wollen jetzt auch Auto fahren - welche Frechheit. Aber Leute, Mitbürger: ich hab meinen Freund Donny angerufen - er hat jesacht: „Fritze, my friend. Don’t be afraid of so called climate change. It’s all fake news. I’ve made a big deal down in Texas. The Flood was caused by Fingerprint-Biden, Kristi Noem has all the facts. All the flooded areas will soon be rebuilt by Trump Industries - it will become a new Riviera down at the former Gulf of Mexico, which in fact and nowadays is the Gulf of America.

Da ist Merz in guter Gesellschaft.
Leider hat Pinzler in ihrer Analyse völlig recht: Rhetorisch verkauft Merz seine Relativierung der Gefahren durch Klimawandel höchst geschickt und bietet keinerlei Angriffsziel für eine Klage wegen Amtsmißbrauchs, Dummheit oder Gemeingefährlichkeit.

Ein verantwortungsbewußter Mensch, der sich und die Zukunft seiner Kinder ernst nimmt, müsste mit Merzens Worten formulieren:
„Auf uns kommt eine übermenschliche Aufgabe zu - das Abbremsen der Spirale des Temperaturanstiegs auf dieser Erde, um ihn vielleicht doch noch zum Stillstand zu bringen. Es geht um das Überleben der Menschheit - und Deutschland wird seinen Beitrag leisten - whatever it takes.“

Statt dessen leistet Merz allen Vorschub, die denken: „So schlimm wirds schon nich kommen. Die ganzen Wissenschaftler haben sich schließlich vor Galilei auch alle geirrt. Wieso nich heute wieder?“
Was Merz tut, ist: Vernebeln. Ablenken vom eigentlichen Thema. Und ganz nebenbei die argumentative Grundlage schaffen, um Geld im Bundeshaushalt für wichtigere Themen als die Erreichung der Klimaziele freizuschaufeln: Begrenzung der Zuwanderung. Senkung von Körperschafts- und Stromsteuer. Senkung der Umsatzsteuer in der Gastronomie.

Daß ein Bier oder ein Schnitzel demnächst weniger kostet: Das ist ein wirklich wichtiges Signal an seine deutschen Mitbürger, daß es demnächst mit Deutschland (investitions-geboostet) wieder so richtich bergauf geht.

Luisa Neubauer ist vielleicht so jemand wie die ältere deutsche Schwester von Greta Thunberg.
Sie kommentiert Fritze Merzens Publicity-Peinlichkeit wie folgt:

Was müh ich mich eigentlich, wenn unsere Jugend das viel besser auf den Punkt bringt!

5 „Gefällt mir“

Klasse Post, @alex. Stimme so gut wie allem zu. Ganz besonders mag ich Deinen Ausflug in die Ethik. Bin allerdings skeptisch, ob der Sauerländer diese Sprache überhaupt versteht. Den Hinweis auf die juristischen Konsequenzen einer internationalen Vertragsbrüchigkeit hingegen kann der Sauerländer auf einer A..backe absitzen, wie Du richtiger- und dankenswerterweise aufzeigst: Wie bei der Vergewaltigung in der Ehe (die für Merz auf kein Strafbestand ist) gilt beim Bruch unserer internationalen Verträge weiterhin: Scheißegal Leute - die können uns gar nix - wo kein Richter, da keine Strafe. Und einen internationalen Gerichtshof gibts halt nur für Kriegsverbrecher. Und die machen ja schließlich auch die Drecksarbeit für uns.

Kleine Anmerkungen lediglich:
Den CO2-Ausstoß von China bitte beim Vergleich mit Deutschland auch ins Verhältnis zur Bevölkerung setzen.

Stimmt fast. Der CO2-Ausstoß unserer Manchester-Kapitalismus-Jahre hat den Boden bereitet für unsere heutige Situation. Er war das Problem. Wir wußten es nur nicht.

Das Hauptproblem von Merzens Äußerungen hingegen ist ein psychologisches:
Fridays for Future verbringt ein Jahrzehnt damit, ein geringes Problembewußtsein für die Folgen des Klimawandels in der Bevölkerung zu öffnen.
Und Merz verbringt fünf Minuten damit, diese Arbeit kaputtzumachen.
Ein Elefant im Porzellanladen ist ein zahmes Mäuschen dagegen.

Er vermittelt dem Deutschen, daß sein 3-Tonnen-SUV nicht das Problem sei. Nicht der Wochenendtrip nach Malle zum Ballermann - oder für 19€ mit Ryanair nach Glasgow zum Shoppen. Primark-T-Shirts für 3 €, die mehrfach um die ganze Welt geschifft werden, um dann im Primark resteverwertet zu werden, sind nicht das Problem. Und vor allem: Wir Deutschen sind nicht das Problem. Wenn überhaupt jemand das Problem, dann der Chinese. Davon gibts eh zuviele.

Insofern schließe ich mich weiterhin Frau Neubauer und Frau Thun an:
Ihr wißt alles. Ihr macht nicht genug.
How dare you?

2 „Gefällt mir“

Wegen diesem und jenem bin ich in den letzten Tagen überhin gekommen, Deinen Beitrag zur aktuellen Lage in der Ukraine angemessen zu würdigen @alex.
Ist das Beste, was ich seit längerem zum Thema gelesen habe.

Vor allem die Wirkung, die Putins Kriegsstrategie auf die Aufrüstung des Westens hat, beschreibst Du perfekt:

Und besser noch die angenommene Ausschau in die nahe Zukunft:

Einzige (wie immer von mir zu erwarten) kritische Anmerkung:

Eine Russlandfreundlichkeit ist nicht automatisch eine Putinfreundlichkeit.
Ich liebe Rußland, seine Menschen, das Land, seine Kultur. Und verteidige den kümmerlichen Rest davon vehement gegen eine Gleichsetzung, Identifizierung des Landes mit seinem Diktator.

Das ZDF-Interview mit dem Militärökonomen Dr. Marcus M. Keupp ist in vielen Passagen sehr informativ und hilfreich fürs Verständnis der innenpolitischen Lage des Putin-Rußlands. (Thx @paul66)
Vergleiche mit dem Zarentum oder der pseudolegalen Nazi-Diktatur kommen meinem Kenntnisstand wesentlich näher als die üblichen „Kriegstreiber/Diktator Putin“-Thesen.
Der Prof von der ETH Zürich erklärt sehr detailreich, wie Putin inzwischen de facto alle Staatsorgane entmachtet hat - und das völlig ohne Putsch.
„Dieses Rußland ist nicht das romantische Rußland, das so mancher, der in der Vergangenheit steckengenblieben ist, imaginiert - und es ist auch nicht die Sowjetunion. Es ist etwas eigenes, das dem autokratischen Zarismus mehr ähnelt als jede russische Staatsorganisation vorher.“

Auf die Frage, ob Rußland vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch steht, antwortet Keupp mit einem deutlichen Nein. Putin hat sowohl die Goldreserven der Staatsbank als auch eine inflationsgestützte Finanzierung seiner Kriegsmaschine als weitere Optionen. Damit einher geht die weitere Verarmung der Bevölkerung - aber das ist Putin inzwischen nicht mehr wichtig. Keupp zieht eine Parallele zum Iran - eine korrupte Machtelite, die alles ins Land schmuggelt, was sie benötigt, und der das eigene Volk völlig egal ist. Und widerlegt überzeugend die häufig gebrachte These, Putin verfolge mit seiner Invasion in der Ukraine rohstoff-orientierte imperialistisch-ökonomische Ziele: „Wenn man 25 Jahre alles dafür getan hat, um das Land halbwegs wirtschaftlich auf die Beine zu bringen, wenn man dann alles Erreichte an Wohlstand und Fortschritt opfert, um es innerhalb von drei Jahren zu verbraten, nur um an ein bißschen Erz, Kohle und Titan in der Ukraine zu gelangen - dann wäre das schon ein ziemlich dummer Move.“

Thematischer Cut.

Mein Heimatland, Deutschland, verdankt seinen Wohlstand im Wesentlichen einem gewissen Herrn Marshall. Der setzte sich 1944 in den USA gegen den Finanzminister Morgenthau durch - der wollte Deutschland nach dem V-Day in einen Agrarstaat zurückversetzen.
Heute sind wir nicht mehr nur das Land von Hitler, Goebbels und Mengele. Wir sind auch wieder das Land von Goethe, Bach und Marx.

Wir werden Menschen brauchen, die für Russland einstehen, wenn Putin überstanden ist. Das sind die „Russlandfreunde“, die wir brauchen. Und solange kein Berufenerer diesen Job übernimmt, mache ich das.

5 „Gefällt mir“

Ich habe @anon44472850 in einem anderen Thread auf eine - aus meiner Sicht - kleine Provokation aufmerksam gemacht.

In diesem Text kann ich nichts erkennen, was ich nicht unterschreiben würde. :100:

3 „Gefällt mir“

@Alex wann wieder Sylt?

2 „Gefällt mir“

:musical_notes: Döp-dö-dö-dö, döp-dö-dö-dö :musical_notes:

Hach, *schwärm*. Ich höre es überall – üüüberall – und spreade die Wahrheit.

Danke der Nachfrage! :smiling_face:

Einen kleinen Vorwurf muss ich Dir aber machen: Beim letzten Mal Sylt hast Du gefehlt. Sehe ich Dich beim nächsten Mal wieder? :musical_notes: Döp-dö-dö-dö :musical_notes:

1 „Gefällt mir“

Was bedeutet dieser Post?

2 „Gefällt mir“

Alexander hat diesmal ganz ohne viel Texting die Hose runtergelassen,
ich würde vorschlagen @justin hilft ihm mal beim ganz schnell wieder hochziehen und vergesst nicht seine Strichlisten,
die sind ihm hinten rausgerutscht.

@Olympiastadion: geht’s eigentlich noch? Du antwortest auf @Alex, der in einem - wie ich finde - durchaus ausführlichen Beitrag zum Thema Klimawandel seinen Standpunkt mit aus seiner Sicht sachlichen Argumenten unterfüttert (ob du seiner Argumentation nun folgen kannst, ihm zustimmen kannst oder auch nicht, ist ja deine Sache) mit einem einzeiligen Beitrag („wann wieder Sylt“), den @Alex dann ironisch kontert. Und dann ist deine Antwort darauf der obige Beitrag? Soll das jetzt wirklich hier das kommende Diskussionsniveau sein? Dein Ernst?

Vielleicht überdenkst du noch einmal, ob du das so stehen lassen willst. Vielleicht.

3 „Gefällt mir“