Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

Ich finde diese Variante, zumal in der Öffentlichkeit, ebenfalls richtig. Er sagt klar: Man kann das Rassismus nennen. Natürlich will er diesen Vorwurf aber nicht machen, weil er sehr genau weiß, dass die Aussage sehr wahrscheinlich nicht rassistisch gemeint war. Ich nenne Schweinsteiger ja wie gesagt auch nicht Rassist. Ich halte ihn auch nicht für einen böswilligen Menschen. Höchstens für einen Experten, der seinen Job nicht immer ernst nimmt und schlecht analysiert. In dem Fall führte das dazu, dass er rassistische Stereotype bedient hat, um irgendwas zu sagen. Er hätte lieber schweigen sollen. Oder eben den Kontext Afrika weglassen.

Ich bin wie gesagt der festen Überzeugung, dass wir uns von Begriffen wie Schuld oder Vorwurf lösen sollten. Nicht aber vom Begriff Rassismus. Man sollte benennen können, was es ist, ohne Staunen darüber zu ernten. Ich halte die Akzeptanz dessen für einen elementaren Schritt auf dem Weg zur Verbesserung in der Zukunft. Je mehr Leute begreifen, dass Rassismus ein Teil unserer kulturellen Vergangenheit und Gegenwart ist, desto einfacher wird es fallen, zu verstehen, warum es immer wieder Konflikte gibt und wo wir es besser machen können, als wir jetzt gerade tun. Weil dann weniger Menschen schweigen und sagen: Verstehe ich nicht, wo soll das Rassismus sein? Bei mir kommt das nicht vor. Oder: Man kann sich das Leben auch unnötig kompliziert machen.

Dass wir auf derselben Seite stehen, würde ich übrigens nie in Frage stellen.

10 „Gefällt mir“

Wie sagte Hagen Rether mal sehr zutreffend (wie ich finde) in einem seiner Programme:

"Rassismus… Rassismus ist ne ganz natürliche Geschichte, hat doch jeder von uns. Rassismus ist sozusagen Natur. Was da fehlt, ist ein Mangel an Kultur. Rassismus, das war evolutionär vielleicht gar nicht so unwichtig: um seinen eigenen Genpool nach vorne zu bringen, muss man sich abgrenzen von anderen Gruppen. Aber das ist halt Rückenmark, Rassismus: das ist maximal Krokodilgehirn. Was dazugekommen ist, das ist der Neocortex. Und das ist ein Mangel an Kultur, dass man dem Rückenmark freien Lauf lässt. […]

Aber solche Gefühle kennt doch jeder, nehme ich an: du siehst jemanden auf der Straße, der ist in allem anders: der hat andere Klamotten, der spricht anders, der lacht an anderen Stellen, du kannst die Bewegungscodes gar nicht dechiffrieren, der hat eine andere Hautfarbe und alles und du denkst erst mal: oh, das ist aber alles sehr anders, erst mal meine Sippe - und dann musst du doch aber sofort denken: ach ne, ich bin ja gar kein Pavian!

Das ist aber wichtig, das muss dann auch kommen - sonst ist blöd."

Ich würde Schweinsteiger dabei auch überhaupt keinen Rassismus unterstellen wollen - aber es gibt durchaus tief verwurzelte Gedankenmuster in uns, die dazu neigen, Anderes und Fremdes abzulehnen. Wir alle sortieren beim Denken und Beurteilen in gewisse Schubladen ein, so funktioniert unser Gehirn. Der Punkt ist, dies zu erkennen.

10 „Gefällt mir“

Mir ist schon klar, dass du gerne einfach ein Stöckchen hinhältst und dich wahrscheinlich sehr amüsierst, wenn die doofen, wie hieß es noch neulich im anderen Thread: linksgrünwoken Bubbles drüberspringen.

Dann tu ich dir jetzt den Gefallen:

Mit deiner Äußerung zeigst du nicht das, wofür du es hältst, nämlich eine (verquere) Form der Toleranz, sondern vielmehr einen Mangel an Verständnis. Nichts dagegen, sich auch mal doof zu stellen, aber es ist klar, dass sich weder @justin noch sonstwer besonders gut fühlt, indem er die eigenen rassistischen Muster oder die anderer analysiert, die sich In Denk- und Gesprächsmustern zeigen können. Es ist schlicht ein Erkenntnisgewinn, der dazu führen mag, dass sich Menschen besser verstehen und näher kommen können. Nennt sich auch Reflexion.

Kannst du natürlich gerne lassen, es macht (hier liegst du richtig) das Leben tatsächlich bisweilen komplizierter, oder sagen wir komplexer. Zeigt halt nur, dass du dich für die Gefühle von Menschen, die nicht du selbst sind, weniger interessierst. An wen erinnert mich das nur?

Ich sage das so deutlich, weil mich die Nonchalance, mit der du über die Bemühungen anderer urteilst und sprichst, tatsächlich ärgert. Wie oben erwähnt, freut dich wahrscheinlich, von wegen drübergesprungen.

Ein Freund hat mir übrigens kürzlich mal die kürzeste Definition des heutigen Kampfbegriffs woke nahegebracht (und die laufende Debatte über Schweinsteiger sorgt in den (a)sozialen Netzwerken bereits wieder für entsprechende Injurien):

Woke sein, heißt: Sei einfach kein Arsch.

Mehr ist es nicht. Weniger auch nicht.

9 „Gefällt mir“

Was du über mich alles weißt, bzw zu wissen glaubst oder einfach nur interpretierst.

Ich gestehe euch eure Betroffenheit über die Aussage von BS31 gerne zu und wenn ihr euch da seitenlang darüber austauschen wollt und euch dann besser fühlt, ist das absolut in Ordnung.
Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Und das habe ich mitgeteilt. Nicht mehr und nicht weniger. Das hat nichts mit Stöckchen hinhalten zu tun.
Und ich glaube, dass mir hier einige zustimmen, nur nichts sagen, weil sie keine Lust haben von justin subtil beleidigt und in eine Ecke gestellt zu werden, aus der du nie wieder raus kommst.
Aber alles gut. Jeder wie er will.

1 „Gefällt mir“

Ich habe mir die Mühe gemacht, dir sachlich auf deine Frage zu antworten, die du gestellt hast. Und das, obwohl ich genau weiß, dass da in aller Regel wenig von dir zurückkommt, mit dem man in einer Diskussion wirklich arbeiten kann. Was ich nach dem Aufwand bekam, war ein ziemlich vielsagendes “Man kann sich das Leben auch unnötig kompliziert machen”.

Ich denke, der Verlauf hier spricht für sich und nicht gerade für die These, dass ich irgendjemanden beleidigt hätte. Der Mantel des Opfers passt dir wie so oft nicht.

3 „Gefällt mir“

Den Mantel können wir ruhig an der Garderobe hängen lassen, den brauch ich nicht.
Ich hab halt eine ganz andere Meinung zu dem Thema, das ist alles.
Damit müssen wir beide leben.
Da brauchts keine Argumente und keine ewig lange Diskussion, das wird keinen von uns von seinem Standpunkt weg bringen.

Nein, das will wahrscheinlich niemand.
Aber es ist eben komplex. Menschen die unter Rassismus leiden, müssen gehört werden. Warum sollten wir ihnen nicht zuhören und versuchen es besser zu machen? Das ist doch ein Zugewinn. Es geht um Sensibilität und nicht darum jemanden in die Pfanne zu hauen.

3 „Gefällt mir“

Kann mir jemand erklären, wer entscheiden darf/muss, ob eine Äußerung rassistisch/frauenfeindlich oder beleidigend ist.
Umso länger ich darüber nachdenke, umso schwieriger wird es für mich eine Antwort darauf zu finden.
Wo sollte die Rücksichtnahme aufhören?
Ist die Wettervorhersage frauenfeindlich?
Muss ich den Monde des Saturn zukünftig als Mond*innen bezeichnen?
Kurz gesagt, sind wir nicht oft zu pessimistisch eingestellt und vermuten hinter jeder Aussage einen Angriff auf irgend jemanden?

Möchtest du das ernsthaft diskutieren?
Oder ist das ein plakativer Einwurf nach dem Motto "man darf ja nichts mehr sagen ". Dafür ist dann die AfD & Konsorten zuständig.

5 „Gefällt mir“

Eine Äußerung, die rassistisch ist, ist rassistisch. Eine Äußerung, die frauenfeindlich ist, ist frauenfeindlich, und eine beleidigene Äußerung ist beleidigend.

Die Wettervorhersage ist schwierig: spätestens nach 8 Tagen endet in der Regel eine konkrete Wettervorhersage aufgrund der Chaostheorie, die beim Wetter voll durchschlägt.

Der Begriff „Mond“ ist nur bei uns maskulin, im französischen und italienischen z. B.ist „der Mond“ weiblich und „die Sonne“ männlich. Es lebe die sprachliche Vielfalt.

Und um zu deiner letzten Frage zu kommen: nein, ich finde nicht, dass wir zu pessimistisch sind. Wir machen uns Gedanken um unsere Gesellschaft, und wie wir mit Worten und Begriffen umgehen und wir pflegen einen demokratischen Austausch darüber. Was du möchtest (so scheint es mir zumindest), ist es sich selbst zu verbieten, darüber nachzudenken und zu diskutieren. Warum? Ein Forum dient doch als Austausch von Meinungen (deine explizit dazugezählt).

6 „Gefällt mir“

@Lukenwolf1970

Leider bist du nicht auf meine Frage eingegangen. “Son of a bitch” z.B. kann ich beleidigend meinen oder zu einem Freund sagen, wenn er etwas sehr gut gemacht hat.
Wer entscheidet dann?
Ich gebe zu, die Frage kling trivial, aber umso länger du darüber nachdenkst, umso schwieriger wird sie.
Ich erwarte mir hier keine Antwort, die zu 100% zutreffend ist, und Gott bewahre uns vor einem Freifahrtschein für alle möglichen Beleidigungen, aber um zum Ausgangspunkt zurückzukehren, ich würde Schweinsteiger für seine Aussagen in keinster Weise eine beleidigende Absicht unterstellen.

Nein natürlich ist dieses Argument nicht ernst gemeint. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass man hinter jeder Info etwas Negatives finden kann, sofern man nur lange danach sucht.

Das ist leider der falsche Schluss. Das weißt du bestimmt auch. Man sollte aber die Sensibilität für das Thema in den Vordergrund stellen. Das wäre wichtig. Die Leute in die Pfanne hauen bringt m.E. nicht viel. Eher Ablehnung.

Da gebe ich dir recht, ich verstehe aber nicht wie du das in diesem Kontext meinst.

Vielleicht ist meine Frage auch zu philosophisch.

Nein, das glaube ich nicht.
Einerseits soll das Thema m.E. diskutiert werden. So wie das geschieht. Der Trainer der Elfenbeinküste hat eine Meinung dazu. Hier als Beispiel. Hören wir ihm zu. Wir merken, das der Kommentar für die Menschen einen rassistischen Ton hatte. Weil Stereotyen bedient wurden.

Warum müssen wir ihn deswegen kritisieren und seine Meinung abtun? Warum lernen wir nicht daraus? Warum nehmen wir ihn nicht ernst?

Wir sollten aber auch dem Menschen Schweinsteiger nicht einen schlechten Charakter attestieren. Aber an der Wortwahl Kritik üben. Dann lernt jeder etwas dazu. Ich sehe das als Chance. Als Chance für gegenseitigen Respekt.

4 „Gefällt mir“

Hm. Natürlich ist der Kontext der konkreten Situation immer relevant, da stimme ich absolut zu. Ich frage mich hier zwar gerade ein wenig, wenn du zu einem Freund sagst „son of a bitch“, ob das in irgendeiner Weise als Kompliment gemeint sein könnte. Vielleicht bin ich aber nur zu alt dafür, von daher geschenkt.

Um zum eigentlichen Punkt zu kommen: es gibt Äußerungen, die einfach rassistisch sind. Für Rassismus gibt es Defintionen (die nicht alle wortgenau übereinstimmen, aber im Kern das Gleiche zusammenfassen). Stereotypisierung gehört vor allem dazu. Die Äußerung von Schweinsteiger würde ich daher zumindest dazu zählen. Und ich möchte ganz bewusst darauf hinweisen, dass ich Schweinsteiger dabei nicht für einen Rassisten halte: es war für mich eine unüberlegte Äußerung aus einem Denkschema heraus, welches vermutlich sehr unbewusst rassistische Vorurteile beinhaltet. Justin und andere haben das ja schon deutlich herausgestellt.

1 „Gefällt mir“

Laut deinem Pseudonym sind wir gleich alt (1970). Also bist du nicht zu alt, sondern in einem anderen Umfeld aufgewachsen als ich.
Ich spiele ab und zu Darts mit ein paar Freunden. Wenn da jemand einen 180er wirft, wird er oft als “son of a bitch” bezeichnet, was in diesem Kontext als Kompliment gemeint ist.
Genau da beginnt für mich das Dilemma.
Er kann mir mit einem Lächeln den Mittelfinger zeigen, wir klatschen uns ab und weiter geht’s.
Was aber, wenn er sofort zur Polizei rennt und eine Anzeige macht?
Verstehst du was ich meine?
Wenn ich mich als Opfer darstellen möchte (das möchte ich auf keinster Weise einem der bereits genannten Gruppen unterstellen), werde ich Gelegenheit dazu bekommen.

1 „Gefällt mir“

Nein, ich verstehe nicht was du meinst. In deinem privaten Umfeld, wenn dein Freund mit einem „Kompliment“ wie son of a bitch leben kann - kein Problem für mich. Wir reden hier aber nicht über einen privaten Kalauer zwischen dir und deinem Freund, sondern über einen TV-Kommentator, der zumindest rassistische Denkmuster durchblicken lässt. Und die dann international auch auf Kritik stoßen von den Betroffenen. Ist das wirklich so schwer zu sehen?

Glaubst du es hätte den gleichen Aufschrei gegeben, wenn Schweinsteiger vom europäischen Fußball gesprochen hätte?

Das wäre genauso oberflächlich gewesen, aber anscheinend nicht rassistisch.

Aber wenn du nicht mehr mit mir diskutieren möchtest, ist das ok für mich.

Ich diskutiere sehr gerne mit dir hier. Nur hat Schweinsteiger nicht vom europäischen Fußball gesprochen, sondern explizit vom afrikanischem - und das, wie gesagt, mit stereotypischen Vorurteilen. Und das ist genau der Ausgangspunkt der Diskussion.

1 „Gefällt mir“