Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

@MiaSanFCB : du hast deinen Beitrag editiert, aber meine Warnung bleibt bestehen: noch ein ansatzweise ähnlicher Kommentar, und dein Account wird hier definitiv gelöscht.

Was wir alle (nicht nur hier, sondern auch als Gesellschaft) definitiv nicht brauchen, sind solche menschenverachtenden Beiträge.

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Klar. Ich sage nicht, dass ich bei Palmer jede Aktion gut finde, da kommen wir zusammen. Ehrlicherweise finde ich bei keinem Politiker und auch bei keinem anderen Menschen jede Aktion gut Auch bei mir bin ich mindestens im Rückblick nicht von der Richtigkeit einer jeden Aktion überzeugt :sweat_smile:

Dies ist wahrhaftige Menschlichkeit. In diesem Fall in Belfast.

"… die Familie des Opfers der Messerattacke rief zur Besonnenheit auf. „Nächtliche Ausschreitungen sind nicht willkommen, friedlicher Protest ist der einzige Weg nach vorn“, betonte die Familie in einer Erklärung. Viele Migranten leisteten einen wertvollen Beitrag, etwa im Gesundheitswesen und im Gastgewerbe. „Wir sind auf sie angewiesen, damit unser Land funktioniert“, schrieben die Angehörigen. „Wir wollen nicht, dass diese furchtbare Tragödie dazu benutzt wird, Menschen zu spalten oder Feindseligkeit zu schüren.“

Berliner Morgenpost, 10.6.2026

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Läuft in Texas…

Lasst das aber bloß nicht den Söder hören!

Der denkt noch, dass die Kreuze nicht ausreichen!

Da reden wir aneinander vorbei, glaube ich. Es geht mir nicht um Schuld und auch nicht darum, wie weit jemand zurückgehen und sich für die Vergangenheit verantwortlich fühlen müsste. Das wäre tatsächlich absurd. Diesen Punkt hatte ich weiter oben mit justin sogar ausdrücklich beiseitegelegt.
Mein Kriterium ist ein anderes. Wirkt das Klischee heute noch und trifft es heute lebende Menschen. Und genau da liegt der Unterschied zu deinem Römer-Beispiel. Niemand wird im Jahr 2026 auf „Nachfahre der Römer" reduziert, das hat keine Folgen mehr. Das Bild vom wilden, untaktischen afrikanischen Fußball dagegen hörst du heute im Liveкommentar, und es ordnet lebende Spieler einer Schublade zu. Das eine ist Geschichte, das andere ist Gegenwart.
Deshalb ist es kein Zurückgehen in die Vergangenheit. Es ist die Feststellung, dass eine bestimmte Vergangenheit bis in die heutige Sprache hineinwirkt. Wenn ein Stereotyp keine Wirkung mehr hat, ist es mir auch egal. Bei diesem hier ist sie eben noch da.

Danke, jetzt habe ich verstanden. Aus diesem Gesichtspunkt ist es auch für mich absolut nachvollziehbar.

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Die Rassismus-Debatte um Schweinstiger zieht weiter Kreise…

https://x.com/imiasanmia/status/2070414349647180175?s=46&t=AlRaNjfM_7efhTG8jxTUUg

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Basti ist kein Experte für den afrikanischen Fußball.

Vielleicht sollte er sich mit dem Thema mal auseinandersetzen. Wäre nicht schlecht. Die Gesellschaft reagiert sensibel auf stereotypische Aussagen bei den Thema. Das ist aus meiner Sicht in Ordnung. Man darf sich da ruhig mehr Mühe geben.

Aber man sollte deswegen keinesfalls auf die Gesinnung schließen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen ungeschickten Formulierungen und rassistischer Haltung.

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Ich glaube nicht, dass das wirklich “die Gesellschaft” tut, das ist eher eine besonders sensible Subgruppe - die Mehrheit hat sich bei Basti’s Aussagen vermutlich gar nix gedacht.

Insofern gut, dass jemand den Hinweis gibt, dass man auch ungewollt in die Falle tappen kann, rassistische Stereotype zu bedienen. Im konkreten Fall sollte man das Ganze aber auch nicht größer machen als es ist. Unbedachte Formulierung - ja; drüber reflektieren, es künftig besser zu machen - ja. Aber: that’s it, jede weitere Runde, die hier medial gedreht wird, ist meines Erachtens des Guten zu viel.

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Ich habe bei Schweinsteiger bisher noch nicht das Gefühl gehabt, er hätte irgendwelche rassistischen oder diskriminierenden Tendenzen und würde diese Aussage daher erstmal als unüberlegt bezeichnen. Trotzdem kann so etwas verletzen und die Reaktionen auf Social Media zeigen auch, dass so etwas die Stereotypen und rassistischen Bilder einiger Personen stärkt. Daher sollte man ein ernstes Gespräch führen und dann muss man die Situation erstmal weiterhin beobachten.

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Afrikanischer Fußball ist anders als südamerikanischer und auch anders als asiatischer und wieder völlig anders als europäischer.
Ich weiß nicht was an so einer Aussage rassistisch sein soll.

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Es gibt natürlich taktische Unterschiede je nach Fußballland, aber die Aussage von Schweinsteiger hat eher die Stereotype reproduziert, das afrikanischer Fußball nur körperlich und wenig taktische geprägt sei und das wiederum fußt auf dem immer noch weit verbreiteten Bild, dass die Menschen in Afrika intellektuell nicht so weit entwickelt wären. Schweinsteiger wusste offenbar nicht viel über Cote d’Ivoire und hat dann einfach auf dieses klassische Stereotyp des körperlich und physisch starken aber intellektuell beminderten Afrikaner zurückgegriffen. Damit kann man Schweinsteiger natürlich nicht automatisch vorwerfen er wäre bewusst rassistisch, aber er reproduziert trotzdem diese Bilder. Und wie bereits gesagt, viele Leute in der westlichen Welt denken leider immer noch genauso und fühlen sich dann nur noch bestätigt, wenn ein angeblicher Experte Schweinsteiger das sagt.

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In Europa spielen gleichzeitig Nationen wie Frankreich, Deutschland, Spanien, England oder Österreich. Alle mit sehr anderen taktischen Ansätzen und mit anderen Spielertypen. Die einen physisch geprägt, die anderen mehr durch Technik geprägt, manche auch beides.

In Afrika gibt es Marokko, die Elfenbeinküste oder Kongo. Letztere sicherlich physisch und defensiv geprägt, Elfenbeinküste mit einem hervorragenden Mix aus Technik, taktischer Cleverness und physischen Zweikampfqualitäten. Marokko nochmal deutlich anders.

In Südamerika gibt es Brasilien und Ecuador. Sehr unterschiedliche Ansätze. Genauso Argentinien.

Menschen leben gern in Mustern, weil sie die Welt so schön simpel und unterkomplex darstellen. Aber man tut der Heterogenität der Kontinente damit unrecht.

Warum ist diese Aussage nun rassistisch? Weil viele von Rassismus betroffene Menschen das nicht nur so empfinden und ein Recht darauf haben, ihre Gefühle entsprechend zu äußern und dafür ernst genommen zu werden. Noch viel schwerwiegender ist aber das Argument der Kolonialzeit, in der Afrikaner auf athletische und physische Attribute reduziert wurden, während ihnen die Gabe zur Vernunft und Intelligenz abgesprochen wurde. Nicht entwicklungsfähig, nicht fähig, logisch zu denken, nicht intelligent. Dafür wild, unkontrollierbar und rein physisch veranlagt sowie den eigenen Trieben nachgehend. Eine krasse Degradierung, die vor allem deshalb angewandt wurde, um die Rollenverteilung in der Sklaverei argumentativ zu untermauern.

Viele Teile dieses Weltbildes haben es abgewandelt in die Moderne geschafft. Es gibt Studien, denen zu Folge Schwarze Fußballer in der Berichterstattung und vor allem in Kommentaren bei Spielen überproportional häufig das Attribut “physisch stark” zugeschrieben wird, während weiße Fußballer vor allem das Attribut “spielintelligent” erhalten. Schwarze unterliegen ganz klar Stereotypen. Ihnen wird zudem gern auch abgesprochen, hart für ihre athletischen Fähigkeiten zu arbeiten, indem ihre Erfolge und Fähigkeiten allein auf Genetik reduziert werden.

Und ja, all das ist rassistisch, weil damit Stereotype verbreitet werden und ein extrem unterkomplexes Weltbild verbreitet wird. Hätte Schweinsteiger in seiner Analyse gesagt, dass er die Elfenbeinküste als sehr physisches Team wahrnimmt, wäre es weniger rassistisch gewesen. Vor allem dann nicht, wenn er auch auf die fußballerischen Fähigkeiten eingegangen wäre. Stattdessen aber bezeichnet er den gesamten afrikanischen Fußball als wild, physisch und unvorhersehbar und das stimmt so nicht + bedient rassistische Stereotype. Afrikaner als Menschen, die keinen taktisch anspruchsvollen und intelligenten Fußball können.

Es geht also nicht darum, komplexe Unterschiede zwischen Fußballkulturen festzustellen, sondern es geht hier eher darum, dass ein ganzer Kontinent eine Zuschreibung erhalten hat, die gedanklich ausklammert, dass Afrikaner auch anderen Fußball spielen können.

Ich bin mir zu tausend Prozent sicher, dass Schweinsteiger keine explizit rassistischen Gedanken hatte, als er das gesagt hat. Ich bin mir auch sicher, dass Schweinsteiger nicht durch und durch Rassist ist. Aber die reflexartige Verteidigungshaltung, die man auch in diesem Forum wieder lesen kann, ist Teil des Problems, das wir mit Rassismus haben. Was ich nicht sehe, existiert nicht und andere sollen sich mal nicht so haben, weil ich habe es ja nicht so gemeint. Stattdessen könnte man aber auch kurz in sich gehen, feststellen, dass man damit nicht nur einen Menschen verletzt hat und daraus für die Zukunft lernen.

Denn Rassismus ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Und solange wir nur explizite, stumpfe Beleidigungen als Rassismus wahrnehmen, sind wir blind für all die Themen, vor denen wir zwar die Augen verschließen können, aber nicht die, die tagtäglich davon betroffen sind. Es geht nicht darum, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, sondern die Gefühle von Menschen zu respektieren und zuzuhören, wenn Betroffene von Rassismuserfahrungen sprechen.

Ich kann nur immer wieder das Buch “Exit racism” empfehlen. Für mich war das sehr erhellend. Das, wo wir uns mit unseren ewigen Verteidigungsreflexen befinden, nennt man “Happy Land”.

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Da geht es überhaupt nicht um Verteidigungsreflexe, da halte ich es eher mit Herbert Grönemeyer „Was soll das?“
Man kann sich das Leben auch unnötig kompliziert machen.
Aber jeder wie er will :man_shrugging:

Wenn es für dich unnötig kompliziert ist, Menschen und ihre Gefühle zu respektieren und wenn es für dich unnötig kompliziert ist, die Herkunft von Narrativen und Klischees zu hinterfragen, dann sagt des gewiss einiges über dich aus, aber nicht über den Gegenstand der Diskussion.

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Schön für dich dass du es machst :clap::clap:

Wenn du es brauchst um dich gut zu fühlen, bitte, gerne.

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@justin, beim Kern bin ich weitgehend bei dir, das vorweg, weil ich danach an ein paar Stellen abbiege.

Der Punkt mit der Heterogenität sitzt. „Afrikanischer Fußball" ist als analytische Kategorie tatsächlich zu grob. Zwischen Marokkos Positionsspiel, der Elfenbeinküste, Senegal oder dem Kongo liegen fußballerisch Welten, und genau diese Unterschiede verschwinden, wenn man das alles unter wild, unorthodox oder nicht so taktisch geprägt zusammenkehrt.

Solche Zuschreibungen entstehen nicht im luftleeren Raum, sie haben eine konkrete koloniale Vorgeschichte. Das ist wichtig und ist keinesfalls eine Erfindung von Überempfindlichen. Das Leid der Kolonialzeit ist kolossal. Das sollten sich Kritiker mal überlegen.

Die Studienlage zur Kommentatorensprache, physisch beim schwarzen Spieler, intelligent beim weißen Spieler, ist auch ziemlich eindeutig. Dss Schweinsteiger das nicht böse gemeint hat, ändert erst einmal nichts daran, wie so eine Formulierung wirken kann. Da bin ich bei dir.

Eine Sache will ich dir sogar zurückgeben. Du schreibst an einer Stelle selbst, die Aussage bediene rassistische Stereotype. Genau so würde ich es auch formulieren, da sind wir vollständig beieinander.

Mein Vorbehalt gilt nur dem Schritt weiter, hin zu „all das ist rassistisch". Das ist für mich nicht dasselbe, und der Unterschied ist mir wichtig.

Wo ich also hängenbleibe, sind zwei Dinge.
Erstens der Satz, dass der „Verteidigungsreflex Teil des Problems" sei. Das stimmt sicher oft. Wahhrscheinlich öfters als nicht. Nur baut man sich damit schnell eine Position, gegen die man nicht mehr argumentieren kann, ohne sie scheinbar zu bestätigen. Wer widerspricht, beweist den Reflex. Wer schweigt, stimmt zu. Rhetorisch ist das elegant, erkenntnistheoretisch aber eine Sackgasse. Es trifft am Ende auch Leute, die nicht aus Abwehr oder Trotz widersprechen, sondern nach ehrlicher Abwägung zu einer etwas anderen Bewertung kommen. Hier sollten wir m.E. die Türe nicht zu machen. Wir sollten sie für die richtigen Argumente offen halten.

Zweitens der Schritt von „Betroffene haben ein Recht, ernst genommen zu werden" hin zu „also ist es rassistisch".

Das Erste unterschreibe ich sofort. Zuhören, nicht wegrelativieren, nicht so tun, als sei die Enttäuschung irrelevant. Das ist sie natürlich nicht. Aber die Erfahrung der Betroffenen ist für mich ein sehr wichtiger Ausgangspunkt der Bewertung, nicht automatisch schon ihr Endpunkt.

Subjektive Wirkung und sachliche Einordnung hängen zusammen. Sie sind aber nicht identisch. Ansonsten wird am Ende das Gefühl zur alleinigen Instanz, und das wäre mir ebenso unterkomplex wie die Pauschalisierung, die wir Schweinsteiger zu Recht vorwerfen.

Ein für mich wichtiges Detail geht in der ganzen Empörung vielleicht etwas unter. Ich weiß, das klingt erst mal nach dem üblichen „er hat doch auch Nettes gesagt", aber darauf will ich nicht hinaus. Schweinsteiger hat die Ivorer vorher ausdrücklich gelobt, athletisch, technisch gut, Diomande richtig stark.

Das Problem ist dieser angehängte Halbsatz über „afrikanischen Fußball", nicht die gesamte Analyse. Das macht die Formulierung kein bisschen besser, aber aus einem ungeschickten, stereotypen Zusatz wird für mich eben kein geschlossenes Weltbild über einen ganzen Kontinent.

Mein Fazit ist, dass die Kritik an der Formulierung berechtigt ist. Sie ist pauschalisierend, historisch belastet und analytisch schwach.

Aber ich tue mich schwer damit, daraus zwingend abzuleiten, das sei rassistisch. Präziser wäre für mich, und da zitiere ich nur noch einmal dich, dass die Aussage rassistische Stereotype bedient. Das ist kritikwürdig genug, ohne dass man den letzten Schritt zwingend mitgehen muss.

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Wie gesagt. Ich empfehle “Exit Racism”. Sehr gutes Buch. Seitdem habe ich eine andere Beziehung zum Thema “Rassismus”. Denn vorher habe ich auch oft gesagt: Boah, muss man gleich mit so einem schwerwiegenden Vorwurf um die Ecke kommen?

Seit ich in ein Umfeld gezogen bin, in dem ich mehr Kontakt mit Schwarzen Menschen habe und seit ich mich mehr mit all den Themen beschäftigt habe (was nicht heißt, dass du das nicht tust, bitte nicht missverstehen), habe ich einfach eine andere Meinung. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle rassistische Verhaltensmuster in uns tragen. Das macht uns nicht zu Rassist*innen per se. Aber die Akzeptanz halte ich für elemantar wichtig, um diese über viele Jahrhunderte hinweg eingetrichterten Muster aufzubrechen. Das gelang hierzulande eine Zeit lang schon mal besser, als es jetzt wieder der Fall ist.

Aber wenn ich mir die Kommentarspalten zu diesem Thema anschaue, dann ist das ernüchternd. Ihr könnt natürlich alle für euch selbst beurteilen, ob ihr euch dieser Kritik annehmen wollt oder nicht. Das steht jedem und jeder frei. Ich habe sie damals für mich angenommen und ich merke trotzdem, dass ich immer wieder Dinge tue, sage oder schreibe, von denen ich schlicht nicht wusste, dass sie problematisch sind. Dann lerne ich daraus, bitte im Zweifelsfall um Verzeihung und man kann im Normalfall weiter zusammen leben.

Ich versuche mich da auch gern in die Perspektive Betroffener hineinzuversetzen. Was denken die wohl, wenn Weiße unter sich entscheiden, was rassistisch ist und was nicht?

Niemand sagt, dass du keine Meinung zum Thema Schweinsteiger haben darfst und ich akzeptiere deine, wenn du darin keinen Rassismus siehst. Aber du widersprichst dir auch etwas selbst, wenn du einerseits all die Kritikpunkte akzeptierst, dann aber beim Thema Rassismus plötzlich Halt machst. Ich halte das tatsächlich für eine Überreaktion vieler Weißer Menschen und die ist total nachvollziehbar.

Niemand von uns will ein Rassist sein und wenn uns das vorgeworfen wird, fühlen wir uns schlecht und in unserem Weltbild verletzt. Der erste Reflex ist: Das kann gar nicht sein. Ich doch nicht. Alles verständlich. Aber der Schritt zurück ist oft sinnvoll.

Und deshalb würde ich Schweinsteiger auch nicht als Rassist bezeichnen. Habe ich ja auch nicht getan. Aber eine Aussage kann auch unwissentlich und unbeabsichtigt rassistisch sein und rassistische Denkmuster replizieren. Das passiert uns allen häufiger, als wir es wahr haben wollen. Deshalb stempel ich ihn aber nicht ab und deshalb schließe ich auch keine Türen. Das sehe ich nicht so.

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In Stereotypen und Vorurteilen zu denken ist ja bei uns sogar evolutionsbiologisch verankert. Das konnte einem vor 20.000 Jahren auf der Jagd das Leben retten. Aber heute sind wir eben nur noch selten in diesem Situationen, wo wir auf stereotypes Denken zurückgreifen müssten. Heutzutage haben wir meist viel Zeit bevor wir uns äußern müssen. Trotzdem kommen unsere Wurzeln zwischensurxh doch immer wieder zur Tage und dann können diese eben rassistisch, diskriminierend und generell hinderlich sein. Deswegen entstehen ja auch Ingroup-Bias, Outgroup Homogeneity Effect, Illusory Correlationund der weithin bekannte Confirmation Bias.

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Das ist eine gute Antwort, und ehrlich gesagt sind wir damit näher beieinander, als es vielleicht aussieht.

Du schreibst, eine Aussage könne auch unwissentlich und unbeabsichtigt rassistisch sein und rassistische Denkmuster replizieren. Gleichzeitig auch, Schweinsteiger als Person würdest du nicht so nennen.

Das ist fast genau meine Unterscheidung, nur mit einem anderen Wort. Was bei dir die unbeabsichtigt rassistische Aussage ist, nenne ich die Aussage, die rassistische Stereotype bedient. In der Sache liegt da kaum noch etwas dazwischen. Der Rest ist die Frage, welches Wort am wenigsten mitschleppt, und darüber kann man streiten, ohne dass einer von uns die Analyse aufgibt.

Ja, was denken Betroffene, wenn Weiße unter sich ausmachen, was rassistisch ist und was nicht. Das ist tatsächlich eine berechtigte Frage. Sie trifft einen wunden Punkt. Ich nehme sie ernst. Ich hatte sie schon bei meinen vorangegangenen Posts im Kopf.

Was hat der am direktesten Betroffene tatsächlich gesagt? Emerse Faé hat eben nicht gesagt, Schweinsteiger sei Rassist. Er hat gesagt, man könne es rassistisch nennen, er wisse nicht, was in dessen Kopf vorgehe, und er hoffe, es sei nur unreflektiert gewesen. Das ist eine vorsichtige, abwägende Formulierung. Faé selbst trennt die Aussage vom Menschen und setzt den Vorwurf in den Konjunktiv. Wenn ich dieselbe Trennung mache, entscheide ich also nicht über den Kopf der Betroffenen hinweg. Ich höre ziemlich genau auf den, den es am meisten angeht. Die vorsichtige Variante ist die, die er selbst gewählt hat.

Dein Vorwurf, ich widerspräche mir, weil ich alles akzeptiere und dann beim Wort Rassismus halt mache möchte ich mich noch äußern. Das ist genau die Konstruktion, die ich vorhin gemeint habe. Den Reflex gibt es, ich nehme mich davon auch gar nicht aus, ich trage die Muster genauso in mir, wie du es beschreibst.

Aber dass es den Reflex gibt, kann nicht heißen, dass jedes Zögern schon der Reflex ist. Sonst frisst die Kategorie am Ende jeden Einwand. Mein Halt ist kein emotionaler. Er ist sprachlich. Ich halte nicht beim Problem, ich halte bei einem Wort, das mehr mitbringt, als es hier tragen muss.

Dass sich die eigene Wahrnehmung ändert, wenn die Leute, über die man redet, plötzlich mit am Tisch sitzen, glaube ich sofort. Vielleicht ist das gerade der ehrlichste Unterschied zwischen uns, und nicht die Definition von rassistisch.

Türen zumachen will hier glaube ich keiner von uns. Insofern stehen wir am selben Ende, nur mit einem Wort Abstand.

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