Also ist aus deiner Sicht der Ausdruck “europäischer Fußball” nicht stereotyp?
Nein, warum? Es gibt rein geografisch gesehen einen europäischen Fußball und einen afrikanischen Fußball (wenn wir es in den Kontext der WM setzen). Und ebenso den südamerikanischen und so weiter. Das ist eine lokale Bezeichnung. Das Problem aus meiner Sicht, welches der Kommentar von Schweinsteiger mit sich bringt: es wird eine stereotypische Verknüpfung aufgebaut (gute Physis, keine Taktik - um es ganz plump herunterzubrechen). Das kannst du aber genauso auf europäische oder südamerikanische Teams runterbrechen, wenn man es denn will. Und auch europäische Mannschaften spielen sehr unterschiedlich.
Verstehst du wirklich nicht das ursächliche Kernproblem: ein ganzer Kontinent mit sehr vielen verschiedenen Mannschaften wird aus einer gewissen „Kolonialsicht“ beurteilt, ohne dass die einzelnen Teams, die sehr unterschiedlich auftreten, dabei gewürdigt werden? Das ist die Stereotypisierung.
Ich würde noch ergänzen: Der entscheidende Unterschied ist das historische Machtgefüge. Da Europa Kolonialmacht war und Afrika unterdrückt hat, treffen Stereotypen über afrikanische Teams auf ein ganz anderes, sensibles Fundament. Eine Stereotypisierung des europäischen Fußballs hätte diese koloniale Vorgeschichte gar nicht und wäre deshalb gesellschaftlich nicht vergleichbar
Genau das ist der Punkt, @mags, und an dem hängt alles.
Natürlich kann man über jeden Fußball ein Klischee bilden. Man kann den deutschen Fußball mechanisch nennen, den italienischen verschlagen, den englischen kopflos. Der Unterschied ist, dass hinter keiner dieser Zuschreibungen Jahrhunderte von Unterdrückung stehen. Beim afrikanischen Fußball schon. Dasselbe Wort wiegt also nicht dasselbe, weil es auf einer anderen Geschichte aufsitzt.
Deshalb ist „man kann immer etwas finden" kein Argument. Es stimmt rein formal und verfehlt trotzdem die Sache. Es tut so, als wären alle Stereotype gleich schwer, und genau das sind sie eben nicht.
Worum es wirklich geht, ist die Frage, wie wir mit dieser Geschichte umgehen. Tun wir so, als hätte es Rassismus und die Unterdrückung anderer Kulturen nie gegeben. Oder erkennen wir an, dass Afrika viel Leid tragen musste und bis heute trägt, und dass eine Formulierung deshalb dort anders ankommt als anderswo.
Das ist der eigentliche Punkt. Alles andere ist eine Ausweichbewegung darum herum
Jetzt geb ich doch noch meinen Senf dazu. Vmtl für manche überraschend bin ich hier sehr klar auf der”linksgrünwoken” Seite. Ich bin überzeugt, dass die Aussage von Schweinsteiger nicht rassistisch gemeint war, sondern einfach unbedacht. Ich bin, wie manche Zweifler hier, auch überzeugt, dass wir manchmal übersensibel sind und manche Worte auch mal etwas lockerer nehmen könnten bzw. uns für die wohlmeinende oder neutrale und nicht die negative Interpretation entscheiden sollten. Im konkreten Fall ist es jedoch eine Pauschalisierung der Spielweise eines ganzen Kontinents auf Begriffe, die noch dazu schon zu einem gewissen Grad die Reife im Spiel absprechen “unorthodox”, “wild”, “nicht ganz so von Taktik geprägt”. Wie gesagt, bin ich überzeugt, dass das nicht rassistisch gemeint war. Mir sind definitiv schon ähnliche Aussagen passiert, es wird mir auch weiterhin passieren, aber hoffentlich seltener, und mir wäre es selbst gar nicht aufgefallen, dass diese Aussage unglücklich war und auf rassistischen Stereotypen fußt. Daher bin ich dankbar durch die Analysen auch selbst was gelernt zu haben und hoffe, es geht vielen so. Und ich sehe hier auch keinen, der weiter auf Schweinsteiger rumhackt. Das fände ich dann in der Tat übertrieben. Daher danke für die Wortmeldungen der “linksgrünwoken Bubble”
@cheffe und ja, da hätte ich beim letzten entsprechenden Beitrag ergänzen können, dass ich diese Bezeichnung nicht zwangsläufig negativ meine.
Wie du so schön selbst sagst, ist woke ja nicht zwingend schlecht. Manchmal etwas drüber (mMn), aber die Grundidee ist gut. Ebenso haben auch grün und links gute Seiten.
Ich kann deine Sicht der Dinge nachvollziehen, sehe das aber etwas anders. Fußball ist zwar manchmal auch Menschenhandel, hat aber mit der Versklavung von Ureinwohnern nichts zu tun.
Außerdem beschäftigt mich die Frage, wie lange in die Vergangenheit würdest du zurückgehen und dich dafür verantwortlich fühlen (das ist nicht als Entschuldigung für die Gräueltaten gedacht).
Sind die Italiener (als Nachfolger der Römer) dem Christentum etwas schuldig?
Ich übertreibe jetzt ganz bewusst, um es besser zu veranschaulichen.
um mal ein weiteres Stereotyp zu bedienen - und um die Debatte HIER zu beenden nicht anzufachen: ich würde mir hier mehr deutsche Disziplin wünschen. Und Ordnung! Dafür waren wir doch mal bekannt (augenzwinker). Es gibt einen eigenen Thread für solche Themen. Ich habe jetzt seitenweise Unterhaltungen durchgelesen/am Ende nur noch gescrollt, ohne dass ein “ehemaliger Bayer” eine Rolle gespielt hätte (kann aber auch sein, dass das untergegangen ist und ich es übersehen habe). Und ja, ich habe mitbekommen, was/wer der Auslöser der Diskussion war.
Das selbe gilt für Transferdiskussionen in WM Threads etc: Können wir bitte alle wieder etwas mehr darauf achten, WO wir die Dinge ausdiskutieren? Vielen Dank!
Der Fußball ist ja nur ein Beispiel für eine Stereotypisierung. Du könntest genauso die Kultur stereotypisieren, zum Beispiel in dem du sagst, dass afrikanische Musik nur aus Trommeln mit Bongos bestehen würde oder alle Afrikaner nur mit den Händen essen würden. Das Problem ist einfach die Verallgemeinerung von einem komplexen Struktur/Matrix/Thema, egal bei welchem Thema.
Ich habe mal die gesamte Debatte hier rübergezogen.
Ok, das habe ich verstanden und kann dem auch zustimmen.
Jetzt schießt mir aber ein neuer Gedanke durch den Kopf.
Rassismus ist für mich, die unterschiedliche Behandlung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, usw.
Wenn der Begriff “europäisch” nicht so stereotyp ist und “afrikanisch” aufgrund der Vergangenheit schon, dann machen wir ja schon wieder den gleichen Fehler, oder nicht?
Zu 1000% wir im nicht europäischen Ausland auch gesagt „der europäische Fußball ist so und so“ oder „der deutsche Fußball ist so und so“ was das mit Rassismus zu tun hat? ![]()
Und ja hier wurde die Kolonialzeit erwähnt… Joa wir können auch noch ein paar hundert Jahre weiter zurückgehen und absolut JEDE Aussage die man tätigt als Rassismus abstempeln. Hilft nur keinem außer, dass es die Gesellschaft immer weiter spaltet.
Aber mir scheint, dass das beide Parteien links wie rechts für wünschenswert erachten
Lies mal die Beiträge bevor du dich darüber echauffierst.
Aber vielleicht nochmals für Dich. Hier die Antwort zu den Römern.
Gute Frage, und sie trifft einen Punkt, der leicht durcheinandergeht.
Aber ich glaube, hier werden zwei Dinge verwechselt. Wir behandeln nicht Menschen unterschiedlich je nach Herkunft. Wir behandeln zwei Sätze unterschiedlich, und zwar nach ein und demselben Maßstab.
Die Frage ist immer dieselbe. Richtet diese Zuschreibung heute Schaden an oder nicht. Das gilt für „europäisch" genauso wie für „afrikanisch". Es kommt nur ein anderes Ergebnis heraus, weil die beiden Fälle faktisch nicht gleich sind.
Der Maßstab selbst ist völlig symmetrisch. Nimm ein europäisches Beispiel, das nach deiner eigenen Definition passt, nämlich über die Religion. Ein antisemitisches Klischee, etwa das vom geldgierigen, berechnenden Juden, würde ich exakt genauso behandeln wie das über den afrikanischen Fußball. Nicht weil die Gruppe afrikanisch oder jüdisch ist, sondern weil das Bild eine Geschichte hat, die bis heute verletzt. Da machen wir keinen Unterschied. Bei „die Italiener sind Nachfahren der Römer" eben schon, weil das niemandem mehr wehtut.
Also nein, wir machen nicht denselben Fehler. Den würden wir erst machen, wenn wir so täten, als wären beide Sätze gleich, obwohl sie es nicht sind. Gleichbehandlung heißt, Gleiches gleich zu behandeln. Ungleiches künstlich gleichzusetzen ist nicht Fairness, sondern nur das Wegschauen vor dem Unterschied.
Das war doch Schweinsteigers Aussage richtig?
Dabei sprach er pauschal vom „afrikanischem Fußball“, der „ein bisschen unorthodox“, „ein bisschen wild“ und „vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt“ sei.
Mir fehlt jegliche Phantasie hier rassistische Stereotypen zu erkennen ![]()
Zumal das seine Meinungen als „Experte“ ist geprägt von eigenen Erfahrungen und Beobachtungen des afrikanischen Fußball.
Das ist weeeeeeeit weg von einer pauschalierenden Aussage wie bspw damals bei Gloria von Thurn und Taxis (jeder wird wissen was ich meine)
Du entscheidest das aber nicht. Das entscheiden Afrikaner wie sie das empfinden. Darum geht es.
Jemand, der einen ganzen Kontinent unter „wild und nicht taktisch" zusammenfasst, beweist damit keine Sachkenntnis, sondern das Gegenteil.
Geh mal in Dich lies mal, informiere Dich, dann musst du hier auch nicht halbgare Kommentare abgeben. Sorry.
Es geht meines Erachtens nur um die Provokation.
Es geht doch immer noch um Fußball oder hab ich was verpasst?!
Oder denen die sich empören einfach um Aufmerksamkeit. Und wenn man den Trainer der Ivorer während des Spiel gesehen und wie er sich über mangelnde Fairness der deutschen Spieler echauffiert hat („er ist enttäuscht von der deutschen Nation.“ Da ist pauschalisieren in Ordnung?)… naja
Vielleicht kann ja jemand bei der „Einordnung“ behilflich sein
Kann ich nicht beurteilen. Menschen meinen oft, wenn sie etwas nicht sehen, existiere es nicht. Aber das ist nicht immer so.
Mir geht es manchmal so, dass ich Menschen verletzt habe und es gar nicht geschnallt habe. Natürlich wollte ich es nicht. Aber es kommt doch drauf an wie es ankommt. In dieser
hochexplosiven Welt ist es wichtig wie wir Dinge sagen. Darum geht es doch.
Vielleicht müssen wir nicht alles in einen Topf werfen? Kommt meistens nichts Gutes bei raus. @Lukenwolf1970 unser Chefkoch kann das sicherlich bestätigen.
Diesen Satz finde ich meeega, den werde ich mir merken. (zum besseren Verständnis, das ist nicht ironisch gemeint, sondern mein voller Ernst)
Ich könnte dir jetzt 1000 Beispiele bringen, wo genau das passiert.
Vor ich hier aber einen Shitstorm auslöse, bin ich lieber still.
Ja es geht immer noch um Fußball. Und die Aussagen von Schweinsteiger wurden mit Bezug auf Fußball getätigt.
Aber seine Aussage war nicht: „Ach die Côte d’Ivoire die spielt nicht taktisch diszipliniert und etwas wilder“. Sondern er hat seine Aussage gleich auf den ganzen afrikanischen Kontinent bezogen. Und während die erste Aussage nur zeigen würde das Schweinsteiger keine Ahnung von Fußball hat, ist die zweite rassistisch.
Wenn du die Argumente, obwohl sie hier von @justin und @ChrisCullen nicht sehen willst, dann werden wir dich nicht überzeugen. Aber ich würde mir wünschen, dass jeder zu dem Thema nochmal in sich geht und überlegt, wie man sich selbst fühlen würde, wenn man wegen seiner Herkunft oder eines anderen Merkmals mit allen anderen in einen Topf gesteckt wird und mit einem Stereotyp bedacht wird. Vielleicht erübrigt sich auch damit der Wunsch zu posten.
Wenn ich bei allem was über „die Deutschen“ gesagt wird in Tränen ausbrechen würde müsste ich Literweise Wasser trinken um das wieder auszugleichen. Aber ich weiß jetzt schon, dass diese, meine Aussage gleich wieder relativiert werden wird. Weil als Deutscher muss man das hinnehmen