Da hast Du mich missverstanden. Von Gewissheit wollte ich überhaupt nicht sprechen. Und ich betrachte meine Haltung auch keineswegs als Argument im Sinne eines analytischen Vorgangs. Es ist einfach große Besorgnis angesichts einer nicht nur hiesigen, sondern weltweiten Entwicklung. Ich habe schlicht keine Lust mehr, mich überraschen zu lassen. Glaub mir, ich habe lange genug demokratische Leitplanken als stabil, Gesellschaften des Westens als gebildet genug und so weiter betrachtet. Da musste ich lernen, dass sich liberale Demokratien, sogar uralte, binnen weniger Zeit und mit enormer disruptiver Energie in etwas sehr gruseliges verwandeln lassen - und dies ist dann auch nur sehr eingeschränkt reparabel.
Ich glaube, unsere Sicht auf die handelnden Personen bei der Union ist sehr ähnlich. Und ich wünschte, ich hätte noch Dein Vertrauen in Institutionen. Ich habe es nicht (mehr). Auch nicht in Deutschland. Und ich denke, sobald die AfD Einzug in erste Landesregierungen hält, wird man das musterhaft beobachten können. Übrigens handeln gewisse Staatsorgane, noch ganz ohne direkten Einfluss der AfD, bereits mit aus meiner Sicht rechtsstaatlich und demokratisch äußerst fragwürdigen Methoden. Dafür könnte ich auf Wunsch auch Belege liefern. Hatte ich auch schon zu anderen Themen.
Insofern: Nein, ich habe kein großes Vertrauen mehr in die Stabilität unserer Demokratie. Weil ich nämlich glaube, dass zu viele sie für selbstverständlich halten, was zulasten der Aufmerksamkeit geht (nicht an Dich gerichtet, allgemein gemeint).
Wenn ich also vorschlage (nicht fordere!), die Beweislast einmal umzukehren, ist das kein Bauerntrick mit orangener Färbung, sondern einfach Ausdruck meiner tiefen Besorgnis. Es ist kein “besseres” Argument, sondern einfach meine persönliche, subjektive Geisteshaltung. Und ich akzeptiere, wenn einem das analytisch zu dünn ist.
