Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 4)

Ich habe relativ passend dazu einen Beitrag von Simplicissimus gesehen (sehr empfehlenswert) https://www.youtube.com/watch?v=Nt3EF9o-jWk

Ich fand es schon erschreckend wie viel Einfluss da von der Zuckerlobby genommen wird und das relativ einfache Dinge verhindert werden, die Prävention von Krankheiten bzw. allgemein eine gesündere Ernährung blockieren. Bei mir hat dieser Beitrag tatsächlich dazu geführt, das ich jetzt weniger Süßes kaufe und mehr gesunde Sachen

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selbstverständlich gehört eine gewisse Eigenverantwortung (der Eltern) dazu - klar ist allerdings auch, dass sehr viele diese nicht leisten können oder wollen und dies liegt zuvorderst begründet in Bildung, sozialem Umfeld und Prägung sowie (und die gehen ja in der Regel damit einher) den finanziellen Möglichkeiten…

und hier hat der Staat und die Gesellschaft eine immense Verantwortung gegenüber den Betroffenen (zu oft Kinder) - denn allein die finanziellen (aber auch andere) Folgen für die Solidargemeinschaft (gibts die noch, oder haben Fritze und Konsorten sie schon gänzlich beerdigt?) sind gigantisch!

deshalb gilt es entsprechende Lobbyverbände massiv einzuschränken, (wissenschaftliche) Vernunft walten zu lassen, Maßnahmen zu ergreifen (z.B. Werbung für entsprechende Lebensmittel zu verbieten/einzuschränken, Steuern für gesunde Lebensmittel auf 0 und für ungesunde massiv rauf, niedrigschwellige Aufklärung in Familien, Kitas, Schulen, Söder Insta wegnehmen…) und zur Not per Gesetz einzugreifen…

denn eines ist klar - wir Menschen sind faule Gewohnheitstier, bequem… mit Vernunftsappellen gewinnt man keinen Blumentopf - siehe Raserei, Alkohol, Tabak usw. - dazu der permanente schädliche, ja kriminelle Einfluss durch Lobby und Werbung…

hier ausschließlich auf neoliberale Eigenverantwortung zu setzen ist nicht fahrlässig sondern kriminell und ein Vergehen an Millionen von Menschen - vor allem Kindern!

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@anon44472850 – Steuersenkung auf gesunde Lebensmittel, Werbeverbot für Zuckerprodukte an Kinder, Ernährung als Schulfach – bin ich alles dabei. Das sind konkrete, sinnvolle Maßnahmen. Da sind wir uns einig.

Du schreibst, wir Menschen seien faule Gewohnheitstiere und mit Vernunft gewinne man keinen Blumentopf. Gleichzeitig forderst du vom Staat, er soll uns mit Aufklärung und Vernunft erreichen.

Entweder der Mensch ist vernunftfähig, dann kann er auch eigenverantwortlich eine Karotte kaufen oder er ist es nicht . Dann helfen deine Aufklärungsprogramme auch nicht.

Der Widerspruch löst sich nur auf, wenn man ehrlich ist. Die allermeisten Eltern in Deutschland können sich gesund ernähren und ihre Kinder gesund ernähren. Die Produkte sind da, sie sind günstig, das Wissen ist verfügbar.

Ja, manche tun es nicht. Sie tun es nicht aus Bequemlichkeit, Gewohnheit, Desinteresse. Das ist menschlich. Aber es ist kein Systemversagen und schon gar nicht „kriminell“. Da hört es sich bei mir echt auf!

Wer Eigenverantwortung als „neoliberal“ abtut, der sagt, dass er den Menschen nicht zutraut, gute Entscheidungen zu treffen.

Das klingt nach Fürsorge, ist aber das Gegenteil. Es ist Bevormundung. Und es nimmt genau den Eltern die Würde, denen du helfen willst. Denn die meisten von ihnen sind keine hilflosen Opfer der Zuckerlobby. Sie sind Erwachsene mit Verstand.

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selbstverständlich muss es immer ein Vielklang sein - Aufklärung und Argumente sind wichtig - auch um entsprechende Eingriffe/Verbote begleitend zu erklären…

wir Menschen sind im großen Schnitt nunmal wie wir sind - ich nehme mich da nicht aus, ich könnte noch deutlich bewusster, vernünftiger, gesünder, verantwortungsvoller, umweltbewusster leben, als ich es tue…

aber genau wie Millionen andere Menschen bin auch ich zu einem gewissen Grad träge, bequem, geizig, ignorant, egoistisch und süchtig!

zum einen sind es vor allem die Kinder die Opfer sind, die Eltern kapitulieren irgendwann - zum anderen sind wir alle ein gutes Stück hilflos, weil Zucker ein gigantomanischer Teil Lebensmittelindustrie ist und hochgradig süchtig macht!

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Dass du dich selbst nicht ausgenommen hast, rechne ich dir hoch an. Das macht deine Position ehrlicher als vieles, was man in solchen Diskussionen liest.

Gerade deshalb möchte ich dir eine Frage stellen, die mir nicht aus dem Kopf geht.
Du beschreibst dich als träge, bequem, ignorant, süchtig. Du weißt, dass du gesünder leben könntest. Du tust es nicht.

Dein Schluss daraus ist, dass der Staat eingreifen soll. Die sollen Dir auf den Teller uns ins Glas schauen.

Wenn du all das über dich weißt, dann bist du nicht hilflos.
Du bist frei. Du hast die Diagnose, du hast die Mittel, du hast die Wahl. Was dir fehlt, ist kein Gesetz. Was dir fehlt, ist der Entschluss. Wahrscheinlich hat du den aber schon gefällt. Den Entschluss nicht so gesund zu leben, wie es vielleicht für ein längeres Leben besser wäre. Ist das nicht ok? Muss der Ernährungsbeauftragte Abends die Tür aufbrechen und das Bierglas konfiszieren?

Willst du wirklich, dass jemand anders diese Entscheidung für dich trifft? Dass ein Staat, der heute Zucker besteuert, morgen entscheidet, was auf deinem Teller liegt, in deinem Glas, in deinem Kühlschrank? Du bist ein erwachsener Mensch mit einem eigenen Kopf und einem eigenen Leben. Diese Freiheit ist kein neoliberales Konstrukt. Sie ist das Fundament deiner Würde.

Wer sie leichtfertig abtritt, bekommt sie erfahrungsgemäß nicht so leicht zurück.
Zum Thema Zucker und Sucht. Ja, Zucker hat Suchtpotenzial, das ist unbestreitbar nachgewiesen.. Aber zwischen „macht Lust auf mehr“ und „macht hilflos“ liegt (wie in einem anderen Thread) ganz viel Wiese dazwischen.

Wer einen Erwachsenen vor dem Joghurtregal mit einem Abhängigen an der Nadel gleichsetzt, verharmlost echte Sucht und entmündigt normale Menschen (meine Meinung). Damit ist niemandem geholfen.

Und die Kinder? Da sind wir uns einig. Kein Kind soll darunter leiden, dass seine Eltern versagen. Aber die Antwort darauf ist nicht, alle Eltern für unmündig zu erklären. Die Antwort sollte in meinen Augen sein den wenigen zu helfen, die es wirklich brauchen. Der Rest verdient etwas Besseres als staatliche Bevormundung. Er verdient Vertrauen in die eigene Urteilskraft. Auch wenn die manchmal unbequem ist.

Wir müssen unsere Leben selbst in die Hand nehmen. Kein Staat der Welt, selbst wenn er super funktionieren würde (was in D bei 83 Mio. Menschen eh schon illusorisch ist) kann Dir die Lust an Genussmitteln nehmen, wenn du es selbst nicht willst. Ich persönlich finde das auch völlig in Ordnung.

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Ich möchte mich auch an eurer interessanten Diskussion beteiligen. Erst einmal schicke ich voraus, dass es in meinen Augen nichts Schwierigeres und Anspruchsvolleres gibt, als ein Kind zu erziehen. Abitur, 2 Staatsexamen, Einsatz als Lehrer in sog. Brennpunktschulen etc. Das habe ich alles hinter mir und es ist fordernd, aber für mich persönlich nicht annähernd so fordernd, wie das Erziehen meines eigenen Kindes. Ich habe gottseidank im Vergleich zu anderen Berufsgruppen verhältnismäßig viel Zeit, mich mit meinem Kind zu beschäftigen, die anderen Eltern teilweise fehlt.
Andererseits erlebe ich in meinem Beruf auch oft genug, dass Eltern, die über genug Zeit verfügen würden, bei der Erziehung scheitern, weil sie immer der beste Freund ihres Kindes sein wollen und nicht akzeptieren wollen, dass es auch dazu gehört, dem Kind Grenzen zu setzen. Ersetze zuckerhaltige Produkte und ungesunde Ernährung beliebig durch andere Dinge wie z.B. Smartphone, Computer, Konsole oder Tätigkeiten wie Lernen, Hausaufgabe, Lesen, Bewegung an der frischen Luft…
Ein großer Teil der Kinder würde sich am liebsten nur mit den technischen Geräten beschäftigen und die anderen Tätigkeiten nicht machen. Eltern sind dafür da, sicherzustellen, dass diese Dinge trotzdem erledigt werden. Sie haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten und kommen diesen Pflichten oft genug nicht nach und das eben oft auch, weil es unbequem ist und Konflikte innerhalb der Familie hervorruft.
Deshalb kommt der Ruf danach, dass andere Institutionen das erledigen sollen. Die Erwartungshaltung, dass Kindergarten bzw. Schule „das ganze schon richten werden“ ist weit verbreitet, aber eigentlich oft nichts anderes, als ein Ablenken von der eigenen Unfähigkeit bzw. Bequemlichkeit. Und wenn selbst die Schule und der Kindergarten nicht mehr ausreichen, um die Versäumnisse zu kaschieren, dann wird nach dem Staat gerufen.
Und deshalb kann es mMn nicht die Lösung sein, all diese Dinge zu verbieten, nur um Eltern, die entweder nicht genug Zeit für ihre Kinder haben (kann man unter Umständen auch vorher wissen) oder nicht über die nötige Konsequenz bzw. das nötige Durchsetzungsvermögen verfügen, zu entlasten.
Trotzdem muss natürlich von Fall zu Fall entschieden werden, welche Dinge am besten verboten werden sollten und da würde ich Energy-Drinks hoch oben ansetzen, gleich nach Social Media für Kinder.
Auf der anderen Seite gibt es bereits genügend Verbote und Alterseinschränkungen, die nur kaum jemanden interessieren und die nicht kontrolliert werden. Mein Paradebeispiel: Ca. 50 Schüler im Altersbereich von 12 bis 15 rauchen regelmäßig vor Schulbeginn vor unserem Schulgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Polizei ist an vielen Tagen pro Woche anwesend und kontrolliert, ob sich die Eltern an die Einbahnstraßenregelung halten. Noch nie wurden die Jugendlichen aufgrund ihres illegalen Rauchens kontrolliert oder auch nur angesprochen. Von daher können wir uns solche Verbote zum Schutz von Kindern wahrscheinlich ohnehin sparen, weil sie nicht umgesetzt werden bzw. weil sie immer umgangen werden mit Hilfe von Erwachsenen (oft genug den Eltern der Kinder), denn woher haben z.B. die Kinder ihre Zigaretten?

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danke!

ich ergänze Willen und Konsequenz - und ja beides fehlt - wie bei unzähligen Menschen ebenfalls aus den oben genannten Gründen - niemand muss rasen, niemand muss rauchen, niemand muss Alkohol trinken, niemand muss Zucker essen etc. usw. pp. - und doch tun wir es, wider besseren Wissens!

und deshalb:

ja - zu einem gewissen Teil unbedingt! ganz zuvorderst dort, wo es anderen Menschen in Mitleidenschaft zieht - das kann direkt oder indirekt sein…

und ja - über die Schwelle des Eingreifens kann man lange und breit diskutieren… da gehören wissenschaftliche, philosophische, ethische und gesamtgesellschaftliche Aspekte hinzu - aber in meinen Augen dürfen niemals Finanz- und Marktinteressen von Herstellern und Lobbyisten dazu gehören!

nach deiner Prämisse könnte man überspitzt gesagt ALLES legalisieren, was es so gibt… H, Koks, ohne Gurt mit 200 brettern, Alkohol für alle…

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Wenn wir alles in einen Topf werfen, wird daraus meist keine gute Suppe. Ich bin sicher, unserer Kochexperte @Lukenwolf1970 kann das bestätigen.

Ich rede davon, dass ein Erwachsener selbst entscheiden darf, was er isst. Du machst daraus, Heroin legalisieren und ohne Gurt mit 200 über die Autobahn. Das ist ein gewaltiger Sprung.

Zwischen einem Schokoriegel und Kokain liegt nicht nur ein juristischer, sondern ein kategorialer Unterschied. Wer beides in einen Topf wirft, um ein Argument zu entkräften, bestätigt es eigentlich. Wer Zucker nur mit harten Drogen gleichsetzen kann, um staatliches Eingreifen zu rechtfertigen, dem ist das Argument für sich genommen offenbar nicht stark genug.

Über die Schwelle des Eingreifens kann man diskutieren. Gerne sogar.
Wo genau ziehst du die Linie? Zucker verbieten? Besteuern? Rationieren? Und wer entscheidet das denn? Der Ernährungsbeauftragte, des Bundestags oder regeln wir das regional? Dann wird der Beauftragte für den Bierkonsum im Saarland und in Bayern zwei ganz verschiedene Mengen vorschreiben.

Solange also die Antwort „der Staat soll irgendwie eingreifen“ bleibt, ist es für mich ein Gefühl, kein Argument. Worauf wir uns einigen können ist Aufklärung, Werbeverbot an Kinder, gutes Schulessen. Da bin ich sofort dabei.

Aber jenseits davon beginnt das Terrain, auf dem freie Menschen das Recht haben, auch schlechte Entscheidungen zu treffen. Das gehört zur Freiheit dazu. Auch wenn es wehtut, das zuzulassen. Wahrscheinlich wollen wir in zwei ganz verschiedenen Staaten leben? Könnte gut sein.

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Interessante Debatte habt ihr hier…

Es wird @anon44472850 vielleicht überraschen, aber ich bin diesbezüglich eher auf der Seite weniger Staat. Oder besser: anderer Staat.

Die Tendenz heute ist ja eher die, dass sich der Staat zunehmend in die eigenen privaten Räume einmischt und in die private Lebensführung. Speziell wenn es um gesunde Lebensführung geht. Ich sehe das sehr kritisch oder zumindest ambivalent.

Für mich besteht die klare Grenze dort, wo meine Lebensführung andere negativ beeinflusst. Das betrifft Mensch wie Tier oder Umwelt. Grundsätzlich hat der freie Mensch meines Erachtens das ausdrückliche Recht zur Unvernunft - solange es um ihn selbst geht. Und ich teile @ChrisCullen ‘s Ansatz, dass dieses Recht der freien Entscheidung, mir selbst zu schaden, auch Teil meiner Würde ist (wenn ich ihn recht interpretiere). Da hat sich der Staat nicht einzumischen.

Das ein oder andere Beispiel:

Ich bin klar für ein Böllerverbot, weil es auch im privaten Rahmen bei aller Gaudi oder Ästhetik eines Feuerwerks nachweislich der Umwelt und vor allem Tierwelt eminent schadet. Und ja, das betrifft ausdrücklich auch den eigenen Garten.

Ich bin ausdrücklich gegen ein ausuferndes Rauchverbot. Mir leuchtet nicht ein, warum ich unter freiem Himmel mit genügend Abstand nicht rauchen soll. Ich selbst rauche wirklich gern. Ich glorifiziere das nicht, ich weiß genau, dass ich damit eine Art langsamen Suizid begehe. Ich bin auch nicht von Kindesalter beeinflusst, ich habe erst mit 30 Jahren angefangen. Das ist natürlich strunzdämlich, keine Frage. Aber ich weiß, was ich tue, und tue es bewusst und gern, weil ich darin Vorzüge sehe, die sicher keinen Vernunftgründen entsprechen. Für Ernährung gilt ähnliches.

Mir ist die Problematik von Gesundheitskosten natürlich bewusst, und bis zu einem gewissen Grad kann ich auch akzeptieren, dass der Staat natürlich nicht bis zum Exzess die Folgen meiner ungesunden Lebensweise finanzieren muss. Allerdings herrschen diesbezüglich nun mal keine klaren Kausalitäten, sondern eher Korrelationen. Der Nichtraucher kann Lungenkrebs bekommen und der Raucher nicht. Ein super-solider Lebenswandel kann durch einen plötzlichen Herzinfarkt mit 25 beendet werden. Jeder Mensch hat unterschiedliche genetische Veranlagungen, für die er nichts kann. Das momentan beliebte Thema Zähne hängt eben nicht nur davon ab, ob man eine perfekte Pflege hinbekommt.

Zusammengefasst: ich will nicht, dass mir der Staat eine Lebensweise vorgibt, die bis ins Detail als vorbildlich gelten darf. Und ich bin auch ein entschiedener Gegner der ständigen, allseitigen Optimierung von Lebenszeit. Viel wichtiger als die Länge meines Lebens ist mir die Art meines Lebens. Zumal das Ergebnis von vornherein klar ist: wir werden alle sterben. Ich habe eine chronische, potentiell tödliche Krankheit, für die ich rein gar nichts kann. Man wird mir verzeihen, wenn ich daher etwas weniger Wert darauf lege, mein Leben durch Verzicht auf Nikotin oder Zucker so gut es irgend geht zu verlängern.

Weil ich oben anderer Staat sagte:

Statt durch Verbote oder nerviger Dauerbeschallung zur gesunden Lebensführung würde ich es hingegen begrüßen, bei der Prophylaxe anzusetzen. Meint: Bildung, Bildung, Bildung. Oben wurde es schon teilweise erwähnt: Schulfach Ernährung, Kochen und so weiter. Man könnte sich auch mal näher mit den Gründen befassen, warum so viele Menschen glauben, sich schädigen zu wollen oder zu müssen. Dann kommen wir nämlich zum Thema geistige Gesundheit, Sinn des Lebens und so weiter. Rauchen oder Trinken etwa ist für viele auch Eskapismus, Nerven-Beruhigung, Substrat für anderweitige Sorgen. Um so etwas kümmert sich der Staat ja auch kaum. Sollte er aber, mit Angeboten in der Schule, aber auch später. Ich betone: Angebote, nicht Verbote.

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deshalb schrieb ich ja „überspitzt gesagt“ - Übertreibung zum Zwecke der Deutlichmachung und auch (wie immer bei mir) mit einem kleinen Augenzwinkern versehen, mindestens im Geiste… :wink:

das ist ja auch mein Ansatz - gerade in Hinblick auf Kinder… und die können sich nunmal nicht selbst vor Zucker etc. schützen… und wenn es (obacht, es wird rheinisch) die Alten nicht geschissen kriegen (warum auch immer), braucht es staatliche Fürsorgepflicht - und diese ist bei gewissen Dingen nur unter Zuhilfenahme von Verboten und Sanktionen zu erreichen - leider! ich wünschte ja auch, es wärde anders…

und auf uns Erwachsene bezogen - ich wünsche mir in manchen Fällen mehr Eingriff aus den oben genannten Gründen… das muss nicht immer in einem Totalverbot gipfeln (WEHE MIR FASST EINER MEIN SCHN… äh WEIZEN AN…)

wann genau - wobei genau - da diskutiere ich gerne - aber, auch wie oben geschrieben - mit den relevanten Beteiligten - und dies sind für mich explizit NICHT die Konzerne und Lobbygruppen, die für eine diskutiere Ware/Sache/Verhaltensweise stehen :slight_smile:

so schlimm isset nicht :wink:

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Dennoch müssen sie gegen die Zuckerlobby kämpfen. Das ist unfair und unnötig. Da werden die wirtschafltichen Interessen eindeutig über die Interessen der Menschen gestellt.

Das ist einfach nicht das Gleiche. Und das Eine führt auch nicht zwangsläufig zum Anderen. Man könnte sehr wohl Zucker besteuern (nur als Beispiel), ohne dass in der Zukunft fremdentschieden wird, was der Einzelne essen muss!

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Klasse Beitrag :). Vielen Dank!!

Im Kern sind wir uns einig, deshalb nur eine kleine Ergänzung zum letzten Punkt.

Bildung, Angebote, Prävention finde ich auch richtig und sinnvoll. Das beste Angebot entfaltet jedoch nur Wirkung, wenn es jemand annimmt. Und diese Entscheidung ob wir so ein Angebot annehmen oder nicht liegt am Ende wieder beim Einzelnen.

Der Staat kann die Tür aufmachen. Durchgehen muss jeder selbst. Und manche werden es nicht tun, trotz aller Angebote. Auch das gehört zur Freiheit, die du so treffend beschreibst.

Im Grunde sagst du es ja selbst: Du rauchst, obwohl du weißt, was du tust. Kein Schulfach der Welt hätte das verhindert. Weil du eine bewusste Entscheidung getroffen hast. Genau das ist der Punkt: Bildung befähigt zur Entscheidung. Sie garantiert nicht die „richtige.“ Und das ist auch gut so.

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@AchWas
Fairer Punkt zur Zuckersteuer. Stimmt, das eine führt nicht automatisch zum anderen. Eine gezielte Zuckersteuer kann ich mittragen, solange sie Lenkung bleibt und nicht Bevormundung wird.

Aber „gegen die Zuckerlobby kämpfen“. Da bin ich raus.
Niemand kämpft an der Kühltheke. Du stehst da, du liest das Etikett oder auch nicht, du greifst zu. Die Zuckerlobby steht nicht neben dir und zwingt dir die Frosties in den Wagen. Ja, sie macht es attraktiv. Ja, sie gibt Milliarden für Werbung aus. Aber am Ende greift deine Hand zum Regal nicht ihre. Das als „Kampf“ zu bezeichnen, dramatisiert eine Alltagsentscheidung, die Milliarden Menschen jeden Tag problemlos treffen.

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Schön, dass wir uns alle (fast) einig sind, dass der Staat nicht die eine Lebensweise vorgeben oder bestimmen darf. Interessant aber, wie schnell man bei genau dieser Diskussion landet. Denn eigentlich ging es ja nur um die Kritik an einem Produkt (Energy-Drink). Es scheint zur Regel geworden zu sein, dass jegliche Kritik an (beispielsweise) krankmachenden Produkten durch die rhethorische Frage ausgehebelt wird, ob man denn die totale staatliche Kontrolle möchte - als wäre das die einzige Alternative zu ‘alles weiter wie bisher’.

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Doch, als Eltern kämpfst Du gegen die Zuckerlobby!

… und zwar einen ungleichen Kampf.

In meinen Augen sollten die Hersteller (von Energy-Drinks, überzuckerten Produkten und und und) demütig und dankbar sein, dass ihre für die Allgemeinheit schädlichen Geschäftsmodelle überhaupt erlaubt sind. Und sie sollten nicht noch Werbung dafür machen dürfen. Denn das suggeriert (neben den Botschaften jedes einzelnen Werbespots), dass es ‘normal’ ist, diese Dinge zu konsumieren.

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Dann müsstest du halt so viel aus der Werbung raushalten und da wirds dann auch wieder schwierig. Da bräuchte es auch wieder ein Gesetz und das bräuchte eine Mehrheit.

Und wo fängt man an. Nur so auf den ersten schnellen Gedanken würde mir dann Zucker, Alkohol, Fast Food, Schmerzmittel, Glücksspiel und und und einfallen. Wer entscheidet was raus gehört aus der Werbung und was nicht.

Als Staat fast nicht umsetzbar dass es nicht unfair für gewisse Branchen wird bzw dass man auch alle Branchen erwischt.

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Zugegeben: ich beklage erstmal nur, dass es so ist wie es ist, ohne eine durchdachte Lösung anbieten zu können.

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Das schreit förmlich danach mit “what about” erwidert zu werden.

Was alles für die Allgemeinheit schädliche Geschäftsmodelle sind, da gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander.

Das gleiche hier. Offenbar gibt es Bereiche im Leben, wo “alles weiter wie bisher” total dufte ist. Es obliegt nicht dir, zu entscheiden, wo man dann doch einschränkt. Wir haben uns für anything goes entschieden und damit haben jetzt auch alle zu leben.

Ich bin übrigens Zuckerjunkie (Flüssigaufnahme) und wäre unmittelbar von einem solchen Verbot oder Steuer betroffen. Als jemand der versucht von dem Zeug wegzukommen weiß ich also durchaus um die Gefahren. Trotzdem kann die Lösung nur die Legalisierung ALLER Stoffe sein, wie es sich in einer freiheitlichen Gesellschaft gehört.

Ganz bestimmt sogar. Und dann diskutiert man in einer Demokratie drüber.

Ich sehe hier übrigens wenig Diskurs darüber, OB etwas schädlich ist oder nicht, sondern fast ausschliesslich darüber, ob man es denn überhaupt einschränken dürfte.

Wo und wann haben wir uns dafür entschieden? Und warum soll das unabänderlich sein?

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Werbeverbote für stark zuckerhaltige Produkte, die sich gezielt an Kinder richten? Da bin ich dabei.

Wenn in Kinderjoghurts oder Fruchtquarks teilweise absurd hohe Zuckermengen stecken, obwohl die Verpackung Gesundheit suggeriert, darf der Gesetzgeber Grenzen setzen. Das ist keine Entmündigung, das ist Verbraucherschutz: Transparenz, Redlichkeit, ein Mindestmaß an Produktqualität.

Aber man sollte die Debatte nicht hysterisch führen. Zucker ist kein Verbrechen und kein fremder Stoff, den der Mensch gestern entdeckt hat. Süße gehört seit Jahrtausenden zur Ernährung. Das Problem ist nicht ihre Existenz es ist ihre heutige Form Industrielle Überdosierung, gezielte Vermarktung an Kinder und Produkte, die gesünder scheinen, als sie sind.

Dass Hersteller „demütig und dankbar“ sein sollen, überhaupt existieren zu dürfen… da gehe ich nicht mit. Man kann eine Branche regulieren, ohne ihre Existenz moralisch zu delegitimieren. Zwischen Kontrolle und Verachtung liegt ein wichtiger Unterschied.

Und ein Kernpunkt bleibt, egal wie gut die Regeln sind: Sie machen vernünftige Entscheidungen leichter. Treffen muss sie am Ende trotzdem der Mensch vor dem Regal. Bessere Gesetze ersetzen keine Eigenverantwortung. Sie geben ihr lediglich einen faireren Rahmen.

@Zetta – die Frage wo fängt man an klingt berechtigt, ist aber kein Argument gegen das Anfangen.

Bei Tabakwerbung hat man es geschafft. Da hat auch niemand gesagt, dass man dann auch Alkohol, Fast Food und Glücksspiel verbieten müsste, also lassen wir es lieber ganz. Man hat einfach angefangen. Die Welt dreht sich noch.

Ich finde die Abgrenzung ist weniger kompliziert. Man muss nicht jedes Produkt einzeln bewerten. Ein einfacher Grundsatz reicht. Keine Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet, für Produkte, die einen definierten Zuckergehalt überschreiten. Fertig. Kein philosophisches Dilemma, kein Branchenkrieg. Eine klare, messbare Grenze.

Die perfekte Lösung gibt es nie. Das „es ist kompliziert“ sollte kein Synonym für gar nichts tun sein.

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