Das ist ein sehr interessantes Beispiel. Weil es sehr schön die Konflikte aufzeigt in der Politik:
„Es kann nicht sein, dass Mieten derart viel vom Gehalt fressen. Wohnen darf nicht so teuer sein“
Da wird nämlich wohl fast jede Partei und fast jeder Wähler (außer paar „Miethaie“) zustimmen.
„Der Wohnungsmarkt muss endlich strenger reguliert werden“
Das dagegen ist eine klassische „linke“ Lösung. Und stellt schön dar warum ich trotz eigentlich sehr „linker“ Ansichten noch nie so richtig (nur auch mal grün wo solche Themen ja eher nicht im Vordergrund stehen) links gewählt habe. Weil die leider in der Praxis nie wirklich dauerhaft funktioniert und auch gar nicht funktionieren kann:
Umso mehr Regulierung und umso mehr Preisfixierung - umso mehr wird dieses eigentlich für das aktuelle Nachfrage/Angebot Verhältnis zu günstige Wohnen ein noch knapperes (als eh schon!) Gut. Und umso mehr kriegt man dann überall Verhältnisse wie es sie in München zB schon ewig gibt:
Eine wirklich schöne Wohnung um guten Preis - da stehen die Leute Schlange für um den Block und es gibt über Hundert Bewerber. Und wer bekommt die Wohnung am Ende - das Doppel Spitzenverdiener Ehepaar, natürlich ohne Kinder. Will man das?
Warum ist das so - weil wenn die Nachfrage nicht mehr über den Preis geregelt werden kann wird es dann halt anders gelöst. Und im Grunde noch assozialer als vorher - ohne die Preisbremse konnte man wenigstens noch selber bestimmen wie viel seines Gehalts einem die Wohnung wirklich wert ist. Jetzt dagegen wo sie eigentlich zu billig auf dem Markt ist dagegen krieg ich sie nur über eine Art Lotterie - sprich wer bewirbt sich zufällig sonst noch für die Wohnung…
Was ist die Alternative?
Mehr Wohnungen bauen, da wo zu viel Nachfrage da ist!
Das findet aber natürlich gerade dann nicht mehr statt wenn man diese Gewinnaussichten durch Preisbremsen abschafft.
Warum wird das Problem zuletzt immer schlimmer?
Weil
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Wir einerseits wirklich viel mehr Wohnungen bräuchten, da Deutschland noch nie (oder zumindest extrem lange nicht mehr) so einen Bevölkerungszuwachs hatte. Durch gewollte (Arbeitsmigration zum Ersatz der Boomer Jahrgänge und Fachkräftemangel) und „ungewollte“ (jedenfalls nicht ganz direkt im Eigeninteresse des eigenen Landes, also die Themen Flucht und Asyl) Immigration.
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Da sich die Nachfrage immer mehr auf Großstädte und Ballungsräumen konzentriert. Sowohl bei den Arbeitssuchenden, als auch bei denen die hier Zuflucht suchen - man will da sein wo es Jobs gibt und wo die man andere Leute wie einen selber antrifft, sprich wenn nicht dort geboren ist meist nicht auf dem „tiefen“ Land.
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Weil der früher schön funktionierende Boom/Bust Wohnungsbau Zyklus kaputtgegangen ist: Früher konnte man in der Krise sehr schön mit Bauprojekten anfangen - es war absehbar, der nächste Boom kommt ganz sicher und wenn das Projekt dann wirklich fertiggestellt ist bekomme ich es auch los. Jetzt dagegen haben wir durch mittlerweile bald 20 Jahre QE Geldschwemme seit dem Credit Crunch diese Zyklen nicht mehr. Was dafür sorgt dass der Bauträger immer Angst haben muss dass dann doch irgendwann die große Krise kommen könnte wo man dann aber ratzfatz Pleite wäre. So wie eben 2008/9 massenhaft solcher Bauträger weltweit wirklich Pleite gingen. So gab es das früher noch nie. Sprich die Branche ist ein gebranntes Kind und man ist viel vorsichtiger geworden zumal es eben mit dieser Art von Wirtschaft ohne Zyklen keine Erfahrung hat. Und prompt hatte man jetzt ein massives Inflationsproblem die letzten Jahre was die Zinsen explodieren hat lassen was für zukünftige Hauseigentümer natürlich ein Riesenproblem. Sprich alles nicht so easy für die Baubranche…
Wie könnte man das Ganze nun wirklich lösen?
Ganz einfach - mit Bauen, Bauen, Bauen.
Finanziert und vom Risiko her getragen vom Einzigen, der dieses Risiko problemlos tragen kann: Einem im internationalen Vergleich mega soliden Staat wie dem Deutschen.
Und wie würde man es finanzieren? Genau so wie das auch mit dem Bundeswehr Sondervermögen plötzlich ging - sprich einem separaten Fundus, der hier sogar noch wesentlich unkritischer wäre für die Bonität des Landes. Denn anders als die Ausgaben für Militär würde man hier ja durch entweder Verkauf oder Vermietung dieser staatlich finanzierten Bauprojekte ja wieder direkte zukünftige Einnahmen generieren.
Und wer nicht glaubt dass sowas funktionieren kann: Einfach zB mal zum „Vorzeigestaat“ (nicht von ungefähr hoffte zB UK beim Brexit darauf ein „Singapore upon Thames“ zu werden) Singapur schauen: Da wohnt über 80% der Bevölkerung in staatlichem Wohnungsbau und das völlig problemlos…