Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 3)

@admin: Vorab: ich finde deine Erläuterungen plausibel, und ich schätze es sehr, dass du in eine gewisse Selbstkritik gehst (die Rolle als Forumsinhaber, Moderator und zugleich Mitdiskutant ist ganz sicher keine einfache). Ich möchte gleichzeitig aber auch noch einmal (aus meiner Sicht als einfacher Forist) etwas klarstellen: das, was der schöne Geist hier lange betrieben hat, war ein sehr cleveres Herummanöverieren um klare Positionen und um eine mögliche Sperre herum, und wessen Geistes er entsprungen ist, war wohl vermutlich fast jedem hier klar. Es war vielleicht in der Entstehungsgeschichte etwas unglücklich, aber im finalen Entscheidungsprozess absolut richtig aus meiner Sicht, ihn zu sperren. Wir brauchen als Gesellschaft solche - und ich nenne es ganz bewusst so - Demokratiezersetzer nicht.

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Ein bisschen möchte ich ihn in Schutz nehmen. Klar, auch mich hat er gelegentlich nach Kräften genervt, und das eine oder andere Mal habe ich ihm ordentlich Bescheid gesagt.

ABER: es ist ja prinzipiell nicht verwerflich, Löschungen und dementsprechend Sperren weitestgehend zu vermeiden. Ich habe Tobi (Schoengeist) gegenüber auch mal erwähnt, dass unser Regelwerk für sein Verhalten kaum Sanktionen bereit hält und dass ich auch nicht daran denke, daran irgendwie herumzumanipulieren; dass er sich aber, wenn dazu Anlass besteht, meine Kritik gefallen lassen muss. Diese hat ihn, so schien es mir, kaum weniger genervt als eine der handverlesenen von mir erteilten Sanktionen.

Positiv fand ich die Möglichkeit, an seinen Einlassungen meine Argumente zu schärfen (solange man sich nicht im Kreis drehte) und mich darin zu üben, kühlen Kopf zu bewahren. Seine häufig zwischen den Zeilen durchschimmernde Haltung „come on, du weißt genauso gut wie ich, dass ich wie immer recht habe“ konnte einen da durchaus fordern. Letztlich war es irgendwann immer unvermeidlich, aus dem Dialog auszusteigen. Das gelang mir deswegen ganz gut, weil ich stillschweigend akzeptierte, dass er das letzte Wort haben musste. Das Risiko, sich von ihm zu unbedachten Äußerungen oder Handlungen hinreißen zu lassen, ist relativ hoch. Ein idealer Sparringspartner ist er allemal.

Ich habe aber in unserer Manöverkritik auch gesagt, dass ich Justins Verhalten überhaupt nicht schlimm finde. Es ist eben umgekehrt Tobis Risiko, dass jemand auch mal auf seine provokante Art anspringt und dass das dann Konsequenzen für ihn hat. Aber ja nun nicht gerade dramatische: seine erste, mithin zweitägige Sperre. Sein vernichtendes Urteil über den hier angeblich empfindlich verkleinerten Meinungskorridor kann ich daher keineswegs teilen. Aus meiner Sicht soll das die Kränkung über die Sanktionen ein wenig kaschieren. Nun ja, eine irgendwie doch auch menschliche Schwäche, die man jedem zugestehen sollte.

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Danke, @jep. Ich denke, das beschreibt es perfekt. Ich will an den Punkt gelangen, an dem du bereits bist. Tobi wiederum hatte das große Pech, dass seine ständigen Provokationen im Großen und Kleinen sowie seine von @Lukenwolf1970 auch richtig beschriebene Art des „Herummanövrierens“ diesmal bei mir gelandet sind und ich darauf angesprungen bin. Ich ärgere mich nicht darüber, dass ich ihn sanktioniert habe. Ich ärgere mich dennoch ein wenig über das Wie.

Aber um auch fair im Umgang mit mir selbst zu bleiben: Ich werde 32. Mir fehlen zwei, drei Jahre zu der Souveränität, die du ausstrahlst :wink: Vielleicht werde ich sie auch nie erreichen, weil ich deutlich emotionaler in solchen Debatten werde, aber ich will es zumindest versuchen.

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Ich will das gar nicht bewerten. Deine emotionale Art gefällt mir auch sehr gut. Sollen doch die Stichler und Knöpfedrücker ruhig ein bisschen die Ohren anlegen, das kann gar nicht schaden. :wink: Folkfriend z.B. hätte Dir kräftig applaudiert, nehme ich an. Ich war ihm eher zu verhalten. Es gibt, glaube ich, nicht die eine richtige Art zu moderieren.

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Ich verstehe einfach das Mindset solcher Personen nicht.
Wiederholt provozieren und fakenews verbreiten - danach folgt das mehrfache widerlegen der Argumente/Quellen bzw Ermahnungen durch Foristen und Moderatoren bis sie es schließlich zu weit treiben.
Nur selten erfolgt ein Eingeständnis falsch zu liegen oder fakenews/rechte Propaganda verbreitet zu haben.
Stattdessen ist die Aufregung über das Handeln der Moderatoren 1000 mal größer.
Sind ihre Accounts gesperrt folgt der zweite oder dritte Account.
Dazu fällt mir nur folgendes ein:

Im Endeffekt sind es meistens Trolle - aber wozu?
Das hier ist ein Blog über den FCB mit einem Politik-Forum.
Die wenigsten werden online ihre Meinung ändern und sie werden nicht allzu viel Beifall von Mitforisten in einem Blog erhalten, dass sich klar von rechten oder rechtsextremen Inhalten distanziert.

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Offensichtlich spielt der geringe oder komplett fehlende Applaus nicht die entscheidende Rolle. Ich tippe darauf, dass auch dann, wenn der „klassische“ Troll-Begriff mit Blick auf langjährige Mitglieder der Community nicht richtig passt, deren Beiträge im Fußball-Bereich grundsätzlich wohlgelitten sind, das jeweils individuell etwas unterschiedlich ausgeprägte Vergnügen an der Provokation speziell bei (gesellschafts-)politischen Themen ein zentraler Aspekt ist. Da spielt dann das mit hinein, was „Selbstwirksamkeit“ genannt wird: „ich schaffe es als einzelner, den verlogenen Haufen woker Gutmenschen etc. (mit ein paar je nach persönlichem Geschmack und Intellekt süffisanten, spitzfindigen, grenzverletzenden oder dümmlichen Sätzen) so aus ihrer bräsigen Selbstzufriedenheit aufzuscheuchen und in eine ritualisierte Empörung hineinzutreiben, dass es nur so eine Lust ist. Und nun zum Sport.“ Vor Jahren betrachteten diese Leute das Forum noch als ihr Wohnzimmer und gaben Neuankömmlingen meines Kalibers deutlich zu verstehen, dass sie hier nicht gebraucht werden. Da hat sich seither schon vieles zum Guten gewandelt.

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Man muss dazu sagen, dass diese User häufig eine sehr lange Vergangenheit mit Miasanrot haben und sie auch vor der Gründung des Forums hier bereits in den Kommentaren aktiv waren. Damals gab es diese Konfrontation mit politischen Themen eher nicht oder nur selten, wenn wir mal einen Artikel verfasst haben, in dem wir uns positioniert haben. Das dürfte ergänzend zu dem, was jep gerade geschrieben hat, noch ein Faktor sein.

Gerade auch meinen „Aufstieg“ bei Miasanrot mit starker Einflussnahme hat vielen dieser Generation auch nicht geschmeckt. Die sind dann gegangen oder in den Widerstand gegangen, um es zu überspitzen.

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Das waren damals aber, genau wie Du sagst, i.d.R. fußballerische Themen, Stichwort Kovac. Ich erinnere mich noch gut an meine Überraschung bei meinem ersten eher zufälligen Hineinschnuppern anno 2020 darüber, welche Wut Dir, immerhin einem der Macher und bereits in der Szene bekannten Buchautor wegen dieses Trainers entgegenschlug, der doch längst Geschichte war. Noch extremer die Aggressionen, die die fundierte Behandlung des Frauenfußballs erfuhr.

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Das führte damals in Kombination mit anderen Kommentarspalten bei anderen Medien auch dazu, dass ich gar keine Kommentare mehr gelesen habe. Das hat mich mental teilweise echt belastet, was da abging, dagegen war Miasanrot fast noch ein Hort der Sachlichkeit und Erholung. Aber auch hier gab es Spezialisten, die mir zu schaffen machten, die mir eine Bösartigkeit und Agenda unterstellten, die für mich nur schwer greifbar war. Erst mit dem Forum hier habe ich dann wieder angefangen, mich etwas aktiver einzubringen. Und mit der Übernahme von MSR musste ich das dann ja sowieso tun.

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Es gibt Leute, die sich da offenbar dauerhaft auf einem Feldzug befinden, genauso beim Frauenfußball. Abartig! Lass’ Dir von denen nichts unterstellen. Wenn ich in diesem Kontext nur schon den Satz „Wes’ Brot ich ess’“ lese, kriege ich schon Hautausschlag.

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Dies gehört nur auf den ersten Blick woanders hin. :wink:

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@Brasco: Du hast völlig Recht. Die CDU und Friedrich Merz haben die Wähler ver…äppelt, oder besser gesagt, sie haben, kaum dass die Wahl vorbei ist, eine enorme Gleichgültigkeit gegenüber den Positionen gezeigt, für die sie noch im Wahlkampf geworben haben, und gegenüber den Überzeugungen, die ihre Partei gegenüber den Wählern zu verkörpern vorgibt.

Dieser plötzliche Schwenk um 180 Grad war ja nicht bloß ein Schwenk in einer technischen Frage der Verschuldung, sondern im Prinzip in allem, was die Partei im Kampf um Wähler immer für sich reklamiert: fiskalische Zurückhaltung; nicht die Einnahmen, sondern die Ausgaben des Staates sind das Problem; die Lösung liegt in Wachstum, Bürokratieabbau und Sozialtransfereffizienz statt neuen Schulden. All dies würde nur dann keine völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem verkörpern, was man noch vor zwei Wochen im Brustton der Überzeugung gegenüber der halben Welt verkündet hat, wenn das Gespräch zwischen Trump und Zelensky im Weißen Haus die Weltlage wirklich völlig verändert hätte.

Aber das hat sie nicht. Dass man sich auf Trump vorbereiten muss, dass die Europäer ihre Verteidigung deutlich eigenständiger und unabhängiger von Amerika organisieren müssen, dass man sich militärisch stärker gegen Russland wappnen muss usw., das ist seit Jahren gesicherte politische Erkenntnis. Jeder, für den der Austausch im Weißen Haus wirklich zu einer völligen Neubewertung der Lage geführt hat, müsste sich viel grundsätzlichere Fragen nach seiner Fähigkeit, zu zutreffenden Weltbeschreibungen zu kommen, gefallen lassen, hinter die der Schwenk selbst in seiner Bedeutung völlig zurückträte. Ich möchte für Merz nicht hoffen, dass dies der Fall war.

(Die wohlwollende – und wohl auch zutreffende – Interpretation ist, dass Merz zwar schon vorher wusste, dass seine Null-Schulden-Position angesichts der universell anerkannt großen Herausforderungen im Bereich der äußeren Sicherheit in den kommenden Jahren niemals zu halten sein würde, dass es aber eines besonderen Moments als Auslöser bedurfte, um dieses Wissen auch tatsächlich handlungswirksam werden zu lassen, etwa so, wie man die ganze Zeit weiß, dass man sich auf eine Klausur vorbereiten muss, aber erst den Moment des Blicks auf den Kalender am Tag vor der Klausur und der Realisation, dass man nur noch einen Tag Zeit hat, braucht, um jetzt aber wirklich anzufangen.)

Dennoch war Merz’ Wählertäuschung nicht irrational. Sie war nicht irrational, weil sich das Erfolgskriterium seines Handelns zwischen der Zeit vor der Wahl und der Zeit danach geändert hat. Es änderte sich von „möglichst viele Stimmen gewinnen“ zu „erfolgreich regieren“.

Man kann Merz für diesen Wechsel der Handlungslogiken kritisieren. Man kann es unanständig finden und auch politisch schädlich für das Vertrauen in die Politik insgesamt, zumindest in den Teil der klassischen Politik der klassischen Parteien, dass Merz auf einem anderen Ticket ins Kanzleramt fährt, als er dann zum Regieren einlöst, aber man kann – und darf – auch die Wähler der CDU dafür kritisieren, dass sie offensichtlich solche realitätsfernen Versprechen brauchen, um der Partei ihre Stimme zu geben (denn es ist ja immerhin möglich – und nicht unwahrscheinlich –, dass die Partei einen beträchtlichen Teil ihrer Attraktivität bei Wählern aus ihrem klaren Bekenntnis zu fiskalischer Disziplin bezieht).

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Das wurde wohl überlesen

Sehr vornehme Ausdrucksweise.

Enough said.

Einen Kriegsverbrecher, Diktator, Mörder und Psychopathen (Putin) sowie einen pathologischen Lügner, Möchtegerndiktator, Vergewaltiger und besten Freund von Epstein (Trump) als Arschloch zu bezeichnen halte ich für fair.
Aber klar, wenn bei einer solchen Bezeichnung dieser Sorte Menschen dein erster Instinkt ist @admin als Heuchler darzustellen - dann viel Spaß.

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Die einen haben ein Problem mit Trump und Putin - die anderen halt mit Justin. Chacun à son goût.

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Heuchler war deine Interpretation!

Justin lässt halt null andere Meinungen zu! Muss sie entweder lächerlich machen oder aber sinnlos dagegen schiessen! (Und damit ist jetzt nicht explizit die politische Diskussion gemeint)
Konstruktiv kann man mit ihm nur diskutieren wenn man die eigene Meinung ändert und ihm letztlich zustimmt. Hat man hier oft genug beobachten können.

Aber wer devote Verhaltensweisen gut findet ist hier bestimmt immer noch prima aufgehoben :kissing_heart:

Ach, deswegen bist Du so ausdauernd dabei. :joy:

Aber Spaß beiseite. Du irrst Dich. Justin ist ein zu Selbstkritik und -reflexion fähiger, demokratischen Spielregeln verpflichteter Diskutant; das kann ich aus manch kontroverser Debatte mit ihm bestätigen. Was ich aber - ebenfalls aus mehrjähriger Erfahrung - leider auch feststellen muss: einige User haben ihn aus verschiedenen Gründen zu ihrem Feindbild erkoren und setzen ihm beharrlich mit teils grotesken Vorwürfen zu. Ich möchte da nicht mit ihm tauschen und kann gut verstehen, dass er sich zur Wehr setzt. Wer das beanstandet, sollte sich zunächst selbst befragen, was der eigene Anteil ist.

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Justin lässt sehr wohl andere Meinungen zu und ich denke auch, dass er sehr, sehr reflektiert in jedwede politische Diskussion geht. Mit Argumenten, da bin ich mir sicher, die auch das Prädikat „Argument“ verdienen, ist auch Justin sehr offen dafür, seine Meinungen und Ansichten zu überdenken und dann überlegt zu entscheiden, ob das für ihn reicht oder nicht.

Nur das was von Autokraten/Diktatoren/Arschlöchern kommt, ist halt niemals zu tolerieren. Toleranz-Paradoxon lässt grüßen.

Bisher habe ich in diesem Thread nur mitgelesen aber ich denke, dass man selbst im Kleinen für die Demokratie kämpfen muss und sei es nur in einem kleinen Mikrokosmos wie diesem Thread.

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Wenn ich z. B. diesen Politikthread mir über seine vielen Seiten ansehe (oder auch ganz viele andere Threads), dann sehe ich keinesfalls, dass hier andere Meinungen nicht zugelassen werden: das ist eine teils sehr kontroverse Diskussion, mit vielen unterschiedlichen Beiträgen. Was hier keinen Raum hat, sind demokratie- und menschenfeindliche Einstellungen - das finde ich persönlich ausgesprochen begrüßenswert. Der Vorwurf, dass @admin hier nur seine Meinung zuließe, greift für mich daher ins Leere.

Ganz nebenbei: Niemand zwingt dich, Teil dieses Forums zu sein - du bist doch freiwillig hier. Wenn dich die „devoten“ Verhaltensweisen stören, was hält dich davon ab, woanders dein persönliches Glück zu finden?

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