Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 3)

Das Kompliment muss ich leider toppen.
Alles richtich, was Du schreibst…

Schade :wink: hatte gehofft, Du ließest mir den einmal durchgehen… Ja. Einmal in knapp 80 Jahren. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Oder anders gesagt: Es sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Ich erspare uns beiden weitere Worte zu Deinen beiden Freundinnen.
Nicht nur in Amiland gibt’s geistige Tiefflieger:innen.

Das Thema, wie wir zum Einsatz von Waffengewalt gegen aggressive Invasoren stehen, werden wir hingegen weiterhin diskutieren müssen. Immer und immer wieder.
Meine Frage, die hinter meiner Infrage-Stellung des american way of piece stand, ist letztlich simpel:
Glauben wir immer noch, dass die Truppen der NATO unter US-Führung immer in Sachen Befreiung, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte unterwegs sind?
Wo waren die US-Truppen in der West-Sahara, in Ruanda?
Klar - 1945 waren die US-Truppen Befreier (wie die Sowjettruppen ebenso Befreier waren - die den höchsten Blutzoll des Nazi-Imperialismus zahlten).
Aber wurden in Korea, Vietnam, Chile, Nicaragua, im Irak, in Afghanistan Freiheit, Demokratie und Menschenrechte etabliert?
Wenn dort heute demokratische Verhältnisse entstanden sind, dann eher trotz der US-amerikanischen Interventionen.
Die Sache mit dem US-amerikanischen Einmarsch im Namen von Frieden und Freiheit war 1945 historisch einmal erfolgreich. Noch immer ist der 8. Mai im befreiten Deutschland kein Feiertag - Russland hingegen feiert heute noch am 9.5. den V-Day!

Das IPPNW zur Opferzahl des „Krieges gegen den Terror“ (der ja die Begründung für jede Außerkraftsetzung demokratischer Grundrechte ist):
„Die Zahl der Opfer des sogenannten „Krieges gegen den Terror“ wurde öffentlich kaum diskutiert. Wenige Zahlen wurden bekannt gegeben und diese schienen erheblich zu niedrig. Da die Todesopfer von offizieller Seite nicht gezählt wurden, gründete sich in Großbritannien während des Irakkrieges eine zivilgesellschaftliche Initiative namens „Iraq Body Count“ (IBC). Ihrer Homepage zufolge hat der Irakkrieg bis heute etwa 211.000 Menschen das Leben gekostet. IBC addiert die Zahlen von überprüften Mediendaten aus Krankenhäusern und Leichenhäusern, von Nicht-Regierungsorganisationen und offiziellen Daten.

Die tatsächliche Zahl an Todesopfern, die der Krieg kostete, ist jedoch fast 10-mal so hoch: Das belegen mehrere Studien. 2006 veröffentlichte eine Gruppe von WissenschaftlerInnen um den US-Epidemiologen Les Roberts eine mortalitäts-basierte Studie im „Lancet“ (eine weltweit renommierte Medizin-Fachzeitschriften), in der die Zahl der Todesopfer nach damals drei Jahren Krieg im Irak auf etwa 655.000 geschätzt wurde. Die angesehene britische Umfrageagentur Opinion Research Business (ORB) errechnete 2007 nach einer Befragung der Bevölkerung sogar über eine Million Tote bis zu diesem Zeitpunkt.“

Bis 2018 lag die monatliche Zahl an Opfern im Irak zwischen 250 und 4000 - in jedem Monat. Erst seit 2019 ist sie in den zweistelligen Bereich monatlich gesunken. Wohlgemerkt: das sind die Opfer von Waffengewalt, keine Verkehrstoten. 2011 zog Obama die US-Truppen ab, der Islamische Staat übernahm die Kontrolle und wurde erst 2018 in den Untergrund vertrieben. Dort werden neue Osamas entstehen, die sich dann neue Nine-Eleven ausdenken.

Nur zur Einschätzung:
9/11 ermordete 2977 Menschen. 19 Attentäter starben.
Der Irak brachte höhere Opfer in jedem Quartal zwischen 2003 und 2018. Wo blieb die Empörung in der westlichen Öffentlichkeit, wo die Blauhelme?
Pax americana?
Nun ja, wir mussten ja in den Irak rein, der „neue Hitler“ Hussein hatte ja auch Massenvernichtungswaffen. Oder?

Stand 2023, führen die USA in 78 Ländern Militäroperationen durch.
https://www.telepolis.de/features/Welt-als-Schlachtfeld-USA-fuehren-in-78-Staaten-weiter-schmutzige-Kriege-9544508.html
Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des US-Repräsentantenhauses, Jodey Arrington, sagte bei einer Anhörung im Kongress im November 1923, dass man sich nicht mehr „in einem Krieg befindet“. Er fügte hinzu: „120 Prozent Schulden im Verhältnis zum BIP – das ist die höchste Verschuldung in der Geschichte unseres Landes und übertrifft den Zweiten Weltkrieg, und wir befinden uns nicht im Krieg, sondern in relativem Frieden und Wohlstand.“

Das ist keine Befreiung mehr. Das ist: Amerikas Grenzen werden weltweit verteidigt - nicht nur am Hindukusch!

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