Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 2)

Trump und Rechte verharmlosen ist bei mir halt ein Punkt wo ich Contra geben muss :sweat_smile:

Biden hat übrigens für amerikanische Verhältnisse ziemlich progressive Politik gemacht, hat Trumps katastrophale Entscheidungen für Diplomatie und Klima revidiert und auch den Grundstein für (hoffentlich noch stärker ausgeübte) Klimapolitik unter amerikanischer Führung gelegt.
Oft ist ja das Argument von Rechten/Konservativen/Neoliberalen, dass man in Deutschland ja nichts machen könnte solange China und USA nichts machen.
Dieses (bescheuerte) Argument könnte damit hoffentlich bald Geschichte sein.
Ein Trumpsieg könnte dem natürlich den Todesstoß geben.

Dazu mehr hier:

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Das hat er. Dazu ist das Land im Gegensatz zu Europa derzeit wirtschaftlich sehr erfolgreich.
Gestern wieder sehr gute Zahlen bezüglich der amerikanischen Wirtschaft.

Das ist hier ja (leider) zu wenig Thema.

Aber hier würden wir dann abdriften in Themen wie Klimapolitik / Wirtschaftspolitik.
Belassen wir es dabei, dass die Biden Administration 4 Jahre einen ziemlich guten Job gemacht hat.

Dass es unter Trump eine 180 Grad Wende gäbe ist auch unbestritten. Da liegt für ihn aber auch Potenzial an Wählern.

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Einspruch. DIESE Aussagen sind 1) weit mehr als das übliche Biden/Migrants/Dems Gebashe und „I’m the best human being ever to live“ Gefasel und 2) eindeutig. Unmissverständlich. Anders als „fight“ oder „MAGA“. Oder „dictator for one day“. Deshalb ist das auch nicht ein „ständig über jeden Bullshit“ aufregen. Aber bitte, wenn du das so siehst.

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Ja, sehe ich so.
Es wird dann argumentiert, dass die „Christen“ ja nur wählen, weil sie ihre Interessen in großer Gefahr sehen. Dass wenn die Welt so ist, wie sie sie haben wollen, sie eh nicht wählen gehen.

Donald macht es aber in 4 Jahren so, dass es dann keinen Grund zur Sorge mehr gibt, respektive keinen Grund zur Wahl gehen zu müssen.

Das ist der Spin. Was willst da jetzt Zeit und Energie vergeuden. Frag bei der NYT, die haben es auch aufgegeben.Aus gutem Grund :slight_smile:

Kurzer Einschub zum Thema warum wählen Amerikaner Trump. Gestern mit Freunden geredet und folgende Erkenntnisse gewonnen:

Grund 1: Angst. So wie in Deutschland Habeck vermeintlich den Leuten die Heizung abstellt und das Auto fahren verbietet, wird die Wahl der Demokraten damit verbunden, dass alles ganz schlimm wird.

Zum Thema Migration und Grenzen habe ich heute in einer deutschen Zeitung folgendes gefunden.

Hein de Haas:

In ganz Europa und in den Vereinigten Staaten sagen Politiker, dass sie gegen die Schleuserkriminalität im Mittelmeer oder an der US-mexikanischen Grenze vorgehen und die illegale Migration bekämpfen werden. Sie behaupten, sie würden die Zahl der Migranten und Flüchtlinge reduzieren. Es geht aber selten darum, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Die entscheidende Frage, die kaum gestellt wird, ist das „Wie“.
Das größte Missverständnis in Bezug auf die Migration ist, dass man sie kontrollieren kann wie einen Wasserhahn, den man auf- und zudreht. Migration wird weitgehend von sozialen und wirtschaftlichen Prozessen bestimmt.
In politischen Debatten wird zudem oft der Eindruck erweckt, es ginge hauptsächlich um Flüchtlinge, aber die tatsächlichen Flüchtlinge machen nur einen relativ kleinen Teil der gesamten Migration aus. In Europa, auch in Deutschland, hat die Zuwanderung in den letzten 10 bis 20 Jahren deutlich zugenommen, was vor allem auf die Arbeitsmigration und nicht auf Flüchtlinge zurückzuführen ist.
Wenn man die Grenzen schließt, bedeutet das oft, dass die Migration in den Untergrund geht. Die Schließung der Grenzen führt zu unerwarteten Effekten und kann völlig kontraproduktiv sein. Je schwieriger man die Einreise macht, desto mehr Migranten neigen dazu, zu bleiben.

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Als ob es so einfach wäre.

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MMn ist die USA ein Sonderfall.
(Besonders) Seit Ronald Reagan haben Republikaner UND Demokraten neoliberale Politik betrieben und dafür gesorgt, dass jegliche progtressive Politik sofort mit Kommunismus und Sozialismus gleichgesetzt wird.
Dass alle großen Sender, Soziale Netwerke und Zeitungen nicht öffentlich rechtlich sondern privat sind und direkt und indirekt von Milliardären kontrolliert werden hat natürlich dazu beigetragen.

CNN gehört Warner Bros. Discovery
MSNBC gehört NBCUniversal
CBS geĥört Paramount Global
FOX NEWS gehört Lachlan Murdoch

Die Washington Post gehört Jeff Bezos
Twitter/X gehört Elon Musk
Facebook/Instagram etc gehört Zuckerberg
Etc

Dadurch wird jeder Wahlkampf zum Personenkult und Medienspektakel.
Inhalte werden dabei für viele zweitrangig.

Währenddessen steigt der Reichtum der großen Unternehmen und Milliardären exponential während Gehälter kaum steigen und mit der Inflation sogar sinken.
Das ist zwar überall so aber bei den USA am deutlichsten.

Korruption ist legal (sofern man sich nicht dumm anstellt), das Wahlsystem wird von beiden Parteien manipuliert (in dem bspw immer wieder Wahldistrikte neu gezogen werden) und in vielen Punkten waren/sind beide Parteien auf der gleichen/ähnlichen Linie.

Trotzdem sind die Demokraten das geringere Übel aber motivierend ist deren Politik keinesfalls.
Die Wähler werden oft was Sozialpolitik betrifft von den Demokraten enttäuscht und so bleiben oft Demokraten eher zu Hause während Republikaner treu wählen gehen.
Biden hat eigentlich diesen Trend gebrochen, hat aber eine katastrophale Außendarstellung und PR (mal abgesehen von seinem kognitiven Abbau)
Obama war eigentlich der schlechtere President, war aber ein charismatischer Meister der Präsentation.

Dazu kommt die Waffenkultur, die Macht von Militär, Öl/Energie, Sekten/Kirchen, Versicherungen, Pharma, Landwirtschaft und Polizei.

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Ich dachte es wäre die „rechte“ Art und Weiße Dinge völlig aus dem Kontext zu reißen… :man_shrugging:

Wie kann man diese Aussage so fehlinterpretieren? Er kann ja nur noch dieses Mal gewählt werden. Danach sind 2 Amtszeiten rum. Und wer Trump kennt der weiß, dass ihm doch egal ist was danach kommt.

„Wählt mich. Und danach bleibt von mir aus zu Hause oder was weiß ich, mir egal.“

Aber klar, er hat sich natürlich verplappert und wollte andeuten, dass er bald Diktator ist.

:joy:

„We’ll have it fixed so good you won’t even have to vote“

War der explizite Nachsatz von ihm.

Aber klar, wie beim schönen Geist - in Dubio pro Möchteger Diktator.

Sind alles nur unsere Hirngespinste.

Und leider ist daran so gar nix zum Lachen…

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Nachdem das bei diesem ja auch das Hauptargument warum Trump das kleinere Übel gegenüber Biden wäre - das Argument mit dem Nuklear Football und dass der mal in geistiger Umneblung die Welt auslöschen könnte - natürlich auch totaler Humbug:

"But what critics worry about, and when you hear them talking about particularly what I call the bar man scenario, when you’re talking to folks over a drink at a bar, to say, what if the president wakes up in the middle of the night, gets angry, gets in a tweet storm, and then tries to launch a nuclear weapon — the system is not designed to respond quickly in that case. He would issue the order, but as he is issuing the order, he would also be alerting the chain of command that he’s just come up with this crazy decision. And that chain of command, while not legally required and while not technically required to agree with the president, in practice, the chain of command would have ample opportunity to walk that decision back.

If the president is banging on the table in anger with no provocation, I don’t think the system would respond the way the critics worry about. If the president reaches the decision after conferring with his advisers and then makes the decision, then the system will carry out the order."

Also in keinster Weise so dass der da mal schnell den Knopf drückt und dann würde das instant ausgeführt ohne jeden weiteren Check, ganz im Gegenteil…

PS: dass dann selbst gegen Drängen aller weiteren Verantwortlichen der Präsident trotzdem versucht seinen „Rage Mode“ durchzudrücken und seine nukleare Auslöschung des neuen Erzfeindes (gibt’s ja ständig neue bei ihm) zu erzwingen kann ich mir bei Trump sehr wohl auch noch deutlich eher vorstellen!

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Wie kann man diese Aussagen so fehlinterpretieren wie Du? Das ist die entscheidende Frage.

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https://www.predictit.org/markets/detail/7456/Who-will-win-the-2024-US-presidential-election

Der wichtigste rein politische Wettmarkt (organisiert von einer Uni als Prognoseinstrument) sagt mittlerweile dass schon fast genau 50/50 Harris vs Trump.

Bei den Buchmachern sonst ist Trump noch weiter bei so 60%.

Ich würde aber mal schwer davon ausgehen, dass die typischen Wettkunden stark männlich dominiert und vom Typ her auch eher Trump Wähler sind. So dass ich da speziell in dieser Sache einen deutlichen Bias vermute.

Be that as it may - auch Nachfolgendes klingt sehr gut, insbesondere auch das über die Swing states, wo Harris einen breiteren Pfad als Biden haben soll, was mir in der Tat auch plausibel erscheint:

https://www.politico.com/news/2024/07/27/polling-kamala-harris-trump-00171514

Ich glaube der VP-Pick von Harris könnte eine entscheidende Komponente sein.
Entscheidet sie sich bspw für den progressiven und charismatischen Tim Walz, dem Gouverneur von Minnesota, dann stehen ihre Chancen sehr gut.
Er würde dabei nicht nur die Progressiven ins Boot holen (vor allem dabei die enttäuschten Studenten) sondern auch einige normale (nicht-MAGA) Republikaner.
Er ist Familienvater, Waffenbesitzer, ehemaliger Lehrer und er ist weiß (was leider immernoch ein Kriterium für viele Wähler ist), sympatisch, ein guter Rhetoriker und hat sehr viele progressive Sachen bei einer nur knappen demokratischen Mehrheit in seinem Statt durchgesetzt.
Gretchen Whitmer, die Gouverneurin von Michigen (swing state), wäre auch eine gute Kandidatin, hat aber oft zu verstehen gegeben, dass sie lieber Gouverneurin bleiben möchte.
Andy Beshear, der Gouverneur von Kentucky, ist jung, charismatisch und ein guter Rhetoriker.

Ein Kandidat wie Josh Shapiro, der Gouverneur von Pennsylvania (swing state), wäre mglw ein Eigentor, da er sich bei den Studentenprotesten extrem unbeliebt gemacht hat oder auch der Senator Mark Kelly, der zwar als ein moderater Kandidat gilt und sich gegen Gewerkschaften ausgesprochen hat.
Roy Cooper, der Gouverneur von North Carolina, ist wohl der konservativste Kandidat und gilt bei vielen als DER Favorit.
(…)

Bei all den Kandidaten muss natürlich abgewogen werden ob der Nutzen als VP größer als der Nutzen im derzeitigen Amt ist, da mglw ein Republikaner die Nachfolge für das Amt des Gouverneurs übernimmt.
Ist der Kandidat ein Gouverneur von einem Swingstate, dann kann das zusätzlich Pluspunkte liefern (diese machen aber meist eher konservative Politik, da sie oft mit Republikanern zusammen arbeiten müssen)
Dennoch ist ein charismatischer und beliebter VP-Kandidat wichtig, da es wahrscheinlich zu einer Debatte mit dem VP von Trump kommen kann und auch ein erster Eindruck für die politische Ausrichtung der möglichen neuen Regierung aufgezeigt wird.
Progressive Politiker sind oft die beliebtesten in Umfragewerten - auch bei Republikanern.

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Klingt durchaus überzeugend.

Leider scheinen die Buchmacher ihm aber bisher keine tollen Chancen einzuräumen, keine Ahnung wieso?

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Absolut. Leider befürchte ich, dass es eher ein Kandidat von dieser Sorte machen könnte. Ich hoffe sehr, dass sie gut beraten ist und das Gespür für den richtigen Kandidaten hat.

Trump hat mit Vance nicht wirklich überzeugt. Es wird mehr über die Sofa Sex Witze gesprochen als über den Kandidaten.

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Ja, leider.
Die Demokraten tendieren oft dazu das unnötig schlechtmöglichste zu tun, wenn sie die Wahl haben.
Josh Shapiro (nicht zu verwechseln mit Ben Shapiro) ist abgesehen von seinen Aussagen zu den Studentenprotesten nicht mal ein schlechter Kandidat und befindet sich in Harris innerem Zirkel, aber so gewinnt man die jungen und muslimischen Wähler echt nicht für sich.
(Shapiro hat die friedlichen Protester mit der KKK verglichen und wird sowieso sehr kritisch für seine starke pro-israelische Haltung gesehen)
So wie ich es verstanden habe, hat Harris (für amerikanische Verhältnisse) etwas Druck auf Netanjahu ausgeübt (sie hat sich für einen Waffenstillstand ausgesprochen) und Shapiro soll da jüdische Wähler und Spender beschwichtigen obwohl Harris selbst mit einem jüdischen Mann verheiratet ist.
Ein großer Teil der jüdisch-amerikanischen Bevölkerung sieht Netanjahu allerdings sehr kritisch wodurch es im Endeffekt wohl, in dem Fall, nur um die Spender gehen sollte.

Im Fall Tim Walz ist es so, dass er in letzter Zeit mit sehr starken Interviews auf sich aufmerksam gemacht hat. Er hat Trump/Vance (zurecht) als „weird“ bezeichnet, was Harris prompt in ihr rhetorisches Repertoire aufgenommen hat.
Er ist (hoffentlich noch) nicht Teil ihres inneren Zirkels, wodurch die Buchmacher ihn wahrscheinlich noch nicht auf dem Schirm hatten.

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Spezialist!

Sehr interessant/relevant alles, ein echter Kenner der US Politik, findet man in Europa relativ selten…

Soviel Ahnung davon haben leider gefühlt selbst in Politikabteilungen europäischer Zeitungen nur die Wenigsten.

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Kürzlich, es war noch vor dem Schwenk auf Harris, habe ich mit jemandem darüber räsoniert, ob ich bei der anstehenden Präsidentschaftswahl eher einer demokratischen Strohpuppe mit Mikrofon im Mund, durch die eine Gruppe von White-House-Beratern ihre Politik verkündet, oder Trump meine Stimme geben würde, wenn ich an der Wahl teilnehmen dürfte. Ich hätte mich für die Strohpuppe entschieden.

Trotzdem glaube ich nicht, dass man all die ja wirklich ziemlich befremdlichen Aussagen, die Trump den lieben langen Tag lang vom Stapel lässt, zum Nennwert nehmen darf. Für mich ist Trump ein Businessmann, der die Welt als ein Nullsummenspiel zwischen durch Transaktionen verbundene Parteien ansieht, die sich in Verlierer und Gewinner aufteilen und der eine nur gewinnen kann, wenn die anderen verlieren. Dies ist die beharrliche Substanz seiner Persönlichkeit über die Jahrzehnte seines Lebens hinweg, die bleibt, wenn man all die wandelbaren Attribute an ihr, die heute so und morgen anders sein können, abzieht. Dies ist die zentrale Lektion, die ich über diesen Mann aus dem Konsum einer ganzen Reihe von Interviews mit Trump aus den 80ern und 90ern bei der BBC im Programm Hardtalk, bei Letterman, bei CBS und diversen weiteren Ausschnitten von Interviews auf YouTube gelernt habe.

Eine der zentralen Policy-relevanten Aussagen von Trump, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche seiner Interviews zieht und seine Weltsicht konzise beschreibt, ist die sich ständig wiederholende Aussage, dass Amerika von anderen „ripped off“ wird, womit er finanziell übervorteilt meint. In den 80er Jahren sind es die Japaner mit ihren Elektrogeräten und Autos, mit denen sie den amerikanischen Markt schwemmen, in den 90ern die Kuwaitis mit ihrem zu teuren Öl und heute sind es die Chinesen mit ihren Billigexporten und ihrem Klau der Arbeitsplätze der amerikanischen Industrie sowie die NATO-Partner, die ihren „fair share“ an den Militärausgaben des Bündnisses nicht leisten und sich ihre Sicherheit praktisch vollständig von den Amerikanern finanzieren lassen (womit er auch nicht ganz Unrecht hat). Dieser Geschichte eines konstanten finanziellen und ökonomischen „rip-offs“ Amerikas, den er ständig sieht, will er unbedingt ein Ende bereiten. Die anderen gewinnen, die Amerikaner verlieren, das muss gestoppt werden. Aus diesem tief sitzenden, für Trumps Persönlichkeit fundamentalen Denkschema entspringt sein Impetus, seine Nato-Partner zur Not ans Messer zu liefern, wen sie nicht zahlen, sein Vorschlag 100-prozentiger Einfuhrzölle auf chinesische Elektroautos einzuführen, überhaupt der ganze ökonomische Kampf gegen China bei gleichzeitiger finanzieller Stärkung amerikanischer Niedriglohnverdiener (ja, das will er wirklich, er hat sich in Interviews schon in den 80ern für höhere Mindestlöhne ausgesprochen, um durch die dadurch höhere Kaufkraft im Niedriglohnsektor die heimische Wirtschaft zu stärken). Derselben Logik gehorcht auch sein Kampf gegen die illegale Migration, die er zu Lasten der Arbeitsplätze amerikanischer Niedriglohnverdiener erfolgen sieht.

Kurzum, Trumps zentrales Anliegen ist meines Erachtens der ökonomische, meist unmittelbar finanzielle Vorteil Amerikas und dass sein Land in der Welt nicht eines ist, das von anderen „ripped-off“ wird. Weil dies so ist und weil Trump in seinen Ansichten im Laufe der Jahrzehnte keine zweiten so eindeutig als ihm wichtig zu erkennende Substanz verrät, würde ich allen anderen seiner politischen Aussagen hinsichtlich des Grades der Überzeugung, mit der er sie vertritt und Entschlossenheit, mit der er sie nach einer eventuellen Wiederwahl umsetzen würde, nicht allzu viel Gewicht beimessen. Dass Trump die Abtreibungsrechte der Frau in dunkelste Vorzeit zurückregeln würde, halte ich zum Beispiel für ziemlich unwahrscheinlich. In den 80ern und 90ern war er noch vehement pro choice und selbst heute ist er, aller Anbiederung an christlich-evangelikale Interessen- und Wählergruppen zum Trotz, bei diesem Thema öffentlich sehr zurückhaltend und lässt sich auch programmatisch nicht festlegen (jüngster Beleg: das diesbezüglich sehr zurückhaltend und uneindeutig formulierte Wahlprogramm der Republikaner, das auf der Republican National Convention vor ein paar Tagen verabschiedet wurde). Bei jemandem wie Trump, der für seinen Wahlerfolg alles und nichts gleichzeitig versprechen würde, spricht das dafür, dass er bei dem Thema lange nicht so entschlossen ist, wie viele hier zu glauben scheinen, und schon gar kein Hardliner.

Ich empfehle bei allen Aussagen, die Trump macht, die die Umsetzung einer bestimmten Politik für die Zeit nach der Wahl versprechen, die folgende Heuristik, um abzuschätzen, wie ernst er es damit meint: Geht es darum, dass jemand Amerika finanziell übervorteilt oder jemand auf Kosten von Amerika den free rider gibt? Geht es darum, dass Amerika verliert? Geht es darum, dass Amerika verliert und jemand anders gewinnt? Geht es um etwas, mit dessen Umsetzung Amerika (und Trump persönlich) sich auf der internationalen Bühne als Macher gut aussehen können? Dann kann man davon ausgehen, dass Trump die Ankündigung mit inhaltlicher Überzeugung vertritt und dass er sich nach einer Wiederwahl auch tatsächlich daran machen wird, sie politisch umzusetzen, ansonsten ist es bloße Wahlkampfrhetorik im Kampf um dringend benötigte Stimmen, für deren Umsetzung für die Zeit nach der Wahl aus der Härte der Wortwahl, der Entschlossenheit des Vortrags, des Grades der Anbiederung an sein Publikum und der Empörtheit im Ton nicht viel abzulesen ist.

(Ich bin mir auch nicht so sicher wie einige von Euch, dass Trump sich zum Diktator machen wird, und auch die vom Project 2025 ausgehende Gefahr für Amerika halte ich unter anderem dank Trumps Ichbezogenheit und seiner für strategisches Arbeiten denkbar ungeeigneten Sprunghaftigkeit im Handeln sowie des schieren Umfangs des Projekts - es sollen ja angeblich bis zu 50.000 leitende Beamte in Dutzenden Ministerien und Behörden ausgetauscht werden, das wird aus einer Vielzahl von Gründen niemals klappen, und schon gar nicht innerhalb von vier Jahren -, auch für geringer als viele von Euch, aber dazu vielleicht ein andermal mehr.)

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dein langer Post mit der Grundaussage, Trump würde es in erster Linie um den wirtschaftlichen Sieg der USA gehen, blendet diesen Aspekt (Ichbezogenheit) meines Erachtens zu sehr aus. Ihm geht es in erster Linie um sich selbst. ER darf nie verlieren, ER muss sich als Gewinner sehen. Und seinem extrem narzisstischem Ego tut es halt gut, wenn er dabei seine Nation vor dem rip-off durch andere rettet. Letzteres ist eher Mittel zum Zweck, nicht umgekehrt. Oder anders: Die USA interessiert ihn nur, weil er als President sich als die USA sieht, nicht um das Land/die Nation als solches. So meine humble opinion. Tut aber nichts zur Sache. Ich würde auch die Strohpuppe wählen.

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