Ich möchte an dieser Stelle vielleicht mal auf das Beispiel „Atomenergie“ eingehen, weil es - wie ich finde - ein sehr gutes Beispiel ist, was das Spannungsfeld „Ideologie, Politik und Wissenschaft“ angeht:
Wir wissen, dass Atomstrom das Problem der Endlagerung mit sich bringt (seit Jahrzehnten ungelöst) und wir kennen das Risiko eines Super-GAUs wie in Tschernobyl und Fukushima. Wir wissen auch, dass Atomstrom (abgesehen vom Abbau der Uranerze und dem Bau der Kraftwerke selbst) CO2-neutraler Strom ist und damit Kohle und Erdgas als Stromerzeuger überlegen ist, was die Klimabilanz angeht, und das bei einer Brennstoffmenge, die gegenüber der der Kohle zum Beispiel wirklich gering ist. Das ist die rein sachliche, wissenschaftliche Seite.
Die politische Seite ist es nun, zu entscheiden, welche Priorität man setzt. Wir in Deutschland haben uns gegen Atomenergie entschieden, Frankreich und andere zum Beispiel nicht. Ich bin selbst Physiklehrer, ich behaupte mal, ich kenne die physikalischen Prozesse recht gut. Mit meinen Schülerinnen und Schülern halte ich seit langer Zeit immer eine Stunde mit einer „virtuellen Podiumsdiskussion“ ab, nachdem wir uns die physikalischen Grundlagen erarbeitet haben: es gibt die Befürworter und die Gegner des Atomstroms in dieser Diskussion. Und so bilden sich regelmäßig auch immer wieder beide Gruppen aus: beide haben nachvollziehbare Argumente.
Die Wissenschaft liefert die Fakten. Die Politik entscheidet.
Zumal Wissenschaft auch selten eindeutige Antworten geben kann und sich die Erkenntnisse auch konstant ändern. Man nehme konkret die Fusionsenergie-Forschung. Da gibt es auch in der Wisssenschaft optimistischere und pessimistischere Prognosen insbesondere des Zeitrahmens. Trotzdem stimme ich absolut zu, zuerst Sachverhalte möglichst gut in ihrer Gesamtheit zu verstehen, bevor man in den Entscheidungsprozess einsteigt. Ich analysiere auch in der Regel intensiv und ergebnisoffen, lasse dann nochmal alles ein bisschen sacken, um dann zu schauen, ob eine Entscheidung gereift ist. Die eigentliche Entscheidung ist dann natürlich immer eine Frage der Priorisierung, die auch von der persönlichen Ideologie abhängt. Trotzdem behaupte ich aus eigener Erfahrung, dass durch eine möglichst lange rationale Diskussion, sich Positionen normalerweise annähern.
Leider wird die Diskussion nochmal deutlich komplexer, wenn man sie aus realpolitischer Sicht führt. Welche Entscheidung hätte konkret welche Auswirkungen. Es wird immer schwieriger die Welt mit ihren ganzen Interaktionen zu verstehen. Wo mache ich den Cutpoint? Auch das ist ein Grad der Ideologie.
aber die Faschisten haben über 5 Prozent zugelegt und sind im Osten überall wohl stärkste „Partei“ - klarer kann man sich ja nicht positionieren - es ist einfach krank!
Mir fehlt auf der wissenschaftlichen Seite ein zentrales Argument: die Technologie für eine klimaneutrale Energieversorgung ist komplett vorhanden, es wäre einfach nur die politische Entscheidung nötig, voll darauf zu setzen. Und es ist klar, dass bei fairer Rechnung die Atomkraft viel teurer ist als die Erneuerbaren.
Mit diesem Input kann man dann gerne ergebnisoffen diskutieren
Ist diese Technologie wirklich schon vorhanden? Die Grundlastversorgung kann - so denke ich - zumindest momentan nicht durch Windkraft und Solarenergie gesichert werden. Mit mehr Speicherungsmöglichkeit durchaus (vielleicht meinst du das mit der „Technologie“? Dann stimme ich zu). Aber diese Speicher gibt es (noch) in dieser Menge nicht.
Abgesehen davon: das erste Quartal 2024 war ein Rekordjahr, was erneuerbare Energien angeht, das ist sehr erfreulich:
Ich denke, wir sind insgesamt in einer sehr wichtigen Transformationsphase, was die Energieversorgung angeht. Was man auch nicht vergessen darf, ist der Anteil der Heizenergie - der kommt zu großen Teilen noch aus fossilen Energien.
Das ist Demokratie. Auch wenn dir das Ergebnis nicht gefällt.
Mir übrigens auch nicht.
Aber mit alles was rechts von dir ist als Nazi zu beschimpfen wird es sicher nicht besser werden.
Dieses Ergebnis der 16-24jährigen schockiert gerade auch meine 21-jährige Tochter.
Da gibt es einiges aufzuarbeiten bei einigen Parteien. Ich bin gespannt.
Das genau meine ich mit der politischen Entscheidung. Technologisch ist alles vorhanden, es müsste halt mal politisch entschieden werden, dass man es großtechnisch umsetzen will, auch wenn es bisher rein ökonomisch noch teurer als „Grundlast“ aus fossilen Quellen ist.
Strukturell wäre es schon jetzt billiger, aber kein privater Investor wird in Speicher investieren, solange er nicht damit Geld verdienen kann…