Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 2)

Zu 100% Zustimmung.

Ich möchte jedes Wort unterstreichen und fett hervorheben.

Was ich mich frage, immer wieder, @cheffe Woher weißt Du, was ich denke?

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(20 Zeichen lange) Magie.

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Da muss man sich ja beinahe fürchten. Wo hat diese Magie ihre Grenzen? :wink:

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Lang und Nouripour sind die Geraerts und Wilmots der königsgrünen Krisentruppe.

Das erinnert mich an eine Passage der Autobiografie von Manès Sperber, mit der ich mich kürzlich in Vorbereitung eines Vortrags über diese beeindruckende Persönlichkeit intensiv befasste. Er wurde bereits im März 1933 verhaftet und mit vielen anderen auf die Ladefläche eines Lkw bugsiert, der aus irgendeinem Grund noch nicht losfuhr. Er saß in der hintersten Reihe und war mit den neben ihm Sitzenden dem Volkszorn hilflos ausgesetzt. Normale Bürger schlugen (nicht allzu stark, es war eine spontane Erregung) und bespuckten sie. Da sah er ein altes Ehepaar sich mühsam nähern. Als sie herangekommen waren, schwang der Man wütend die Faust und schrie: „Ihr habt die Inflation (von 1923) erfunden. Wegen euch bin ich verarmt.“ Bei der Abfahrt tauchte ein junger Mann auf und winkte unter Tränen; dem begegnete Sperber später noch einmal wieder.

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In einer Demokratie musst Du Deine Politik, Deine politischen Entscheidungen und Leistungen den Menschen glaubhaft kommunizieren.

Klar, Du kannst jetzt sagen, die 90% die aktuell nicht die Grünen wählen würden sind zu blöd das alles zu verstehen. Oder sie wurden alle aufgehetzt und angestachelt von Rechts etc.

Demokratie bedeutet die Menschen von Deinen Ideen und Visionen zu überzeugen. Davon, dass der Weg den man gehen möchte oder den man gerade geht gut für Sie uns das Land ist. Ansonsten bist du weg.

Ich denke nicht, dass mit den Fingern auf andere zu zeigen die Situation für die Grünen besser macht.

Ja, es gibt sicherlich Leute die sich grüner Poltitik per se verschliessen. Die den Klimawandel leugnen etc. Aber es gibt auch eine Menge Leute die Grün gewählt haben und Sympathien für die Partei hatten. Es waren mal fast 30%. 2/3 davon haben ihnen aktuell den Rücken gekehrt.
Dass das die sind, denen die Kompromisse die ein Junior Partner machen muss, zu weit gegangen sind, bezweifle ich.

Dass Rechte die Schwächen der Grünen geschickt ausgenützt haben und viele Menschen aufgehetzt haben, das ist auch ein Stück der Wahrheit.

Trotzdem ist ein Ministerpräsident in Baden-Württemberg immer noch sehr beliebt. Ich würde einem Cem Özdemir durchaus gute Chancen geben der nächste MP in Baden-Württemberg zu werden. Das zeigt doch, dass man auch eine andere grüne Politik machen kann, die von den Menschen besser angenommen wird.

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Netter Text.
Aber warum stellst du die Leute vom Land als Trottel dar?
Ich denke wir am Land lieben unsere Natur, unsere Umwelt mehr als jeder Städter.

wer gerade in Thüringen die erste Sitzung verfolgt erlebt ein grotesk-absurdes Schauspiel der Faschisten - wie zu erwarten… :face_vomiting:

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Österreich ist da schon weiter: der Rechtsextreme Kickl hat mit seiner FPÖ beste Aussichten, die Nationalratswahl zu gewinnen. Es gibt allerdings noch ein Brandmäuerchen. ÖVP-Kanzler Nehammer würde auch als Wahlverlierer mit der FPÖ koalieren; nur nicht mit Kickl als Kanzler. Ansonsten seien da durchaus vernünftige Leute.

Hier ein erschreckendes Portrait von Kickl.

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@ChrisCullen @wohlfarth
Danke für eure Posts, das gibt mir die Gelegenheit, manches zu präzisieren. Daher antworte ich ganz direkt auf eure Aussagen.

Das war nicht meine Absicht. Ich denke, ich habe nur die faktische Lage eines Grünen-Politikers, der sich auf dem Land bewegt, dargestellt - und alles, was die Umfragen und soziologischen Studien hergeben, stützt meine Argumentation. Obendrein habe ich eine Karikatur zitiert, welche quod definitionem mit Zuspitzung arbeitet, und @jep hat sogar noch einen prinzipiell vergleichbaren Fall hinzugezogen, der nicht mal eine Karikatur ist.

Davon bin ich sogar überzeugt, nicht zuletzt deswegen, weil sie euch ja oft ganz direkt und unmittelbar ernährt. Während dem Großstadt-Bewohner ja gern (und nicht ganz zu Unrecht) das Klischee untergeschoben wird, er wisse und würdige nicht, woher das billige Fleisch auf seinem Teller kommt.

Ich weiß. Aber Du wirst zugeben, dass diese Kommunikation inmitten der heutigen Fakten-Verdreherei und dem Einfluss der (a-)sozialen Medien schwieriger geworden ist.

Sage ich gar nicht. Zumindest nicht in dieser Absolutheit. Dass das aber Teilgründe sind, kann man doch kaum leugnen. Übrigens geht es weniger um Blödheit (was ja auch @wohlfarth’s Begriff Trottel andeutet), sondern eher um Fragen des Denk-Horizonts und der allgemeinen politischen Bildung, welche nicht zwingend von Intelligenz abhängt, sondern mit Interesse, Zeit, Umfeld und Aufmerksamkeit zu tun hat.

Das denke ich auch. So wie ich es wahrnehme, machen das die Grünen auch kaum. Ich mache das. Aus Gründen der Einordnung.

Sehe ich auch so. Schließlich haben die Grünen nicht nur im ländlichen Raum kaum noch Zuspruch, sondern auch im urbanen längst nicht mehr die Hoheit. Selbst München ist bis auf ein Viertel nicht mehr klar in grüner Hand. Das heißt, die Gründe sind vielfältig und müssen genau analysiert werden. Jedenfalls scheint es so zu sein, dass es von vornherein zu optimistisch war, grüne Politik würde binnen 10, 15 Jahren zur natürlichen Volkspartei führen. Ich selbst bin da sicher eine Ausnahme, weil ich überzeugt von der Notwendigkeit grüner Politik bin - da müssten die Flügel schon viel Humbug betreiben, um mich von dem entsprechenden Kreuzchen abzuhalten.

Wenn Du das Wörtchen andere streichst, bin ich ganz bei Dir. Es ist unabdingbar in einer Demokratie, die Leute mitzunehmen. Da unterscheide ich mich auch von gewissen Klima-Aktivisten, die aufgrund der Dringlichkeit mancher Probleme eine liberale Demokratie für zu langsam halten und dazu neigen, demokratische Prozesse für vernachlässigbar zu halten.

Trotzdem bleibe ich insgesamt bei meiner (nun wieder zugespitzten) Auffassung, dass ich eine Tendenz zur Radikalisierung bei einigen Parteien wahrnehme - den Christ-sozialen Trump-Fans (Oh ja, die gibt es, wenn es um die Form der Politik geht), den Unions-Leuten, die einer AfD-Annäherung gar nicht abgeneigt sind, den Liberalen, die sich der FPÖ bei den Ösis annähern, vom BSW brauche ich ja gar nicht zu reden - aber nicht bei den Grünen. Auch die jetzt im Gespräch befindlichen neuen Vorstandsspitzen sind wieder Realos.

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ich persönlich finde, sie sind recht klar und offensichtlich:

  • den Grünen-Wähler:innen, die eher dem Hype gefolgt sind dämmert, dass die Grünen es tatsächlich ernst meinen und dass dies dann auch meine eigene Komfortzone berührt - und da hört bekanntlich der Spaß auf!

  • die fortwährende Hetze und Lüge verfängt - sie wird ja auch hier regelmäßig wiederholt

  • Probleme, sie seit Jahren oder länger durch andere Verantwortliche verursacht wurden, fallen uns zunehmend auf die Füße - die Grünen (als in der Regel Unbeteiligte) versuchen Lösungen zu finden - andere blockieren und schreien: die warns…

kurzum:
der Menscht ist in der breiten Masse faul, bequem, ich-bezogen, oft auch dumm/naiv/einfältig und vor allem auf einfache Lösungen bedacht!

und das nutzt der Großteil der Politik gnadenlos aus - kurz schien es, als könne die Vernunft der Jugend siegen… doch Verantwortung endet nicht beim Kreuzchen - oder anders:
wer a sagt - muss auch b sagen… und das ist nicht ganz so hipp…

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Wir am Land ernähren uns auch sehr wenig direkt vom Feld oder Stall. Stell dir vor, bei uns gibt es auch Supermärkte und da kaufen wir auch unsere Lebensmittel. Wir wissen nur besser was es braucht um diese herzustellen.
Du solltest dich vielleicht mal wieder aufs Land begeben zwecks Horizonterweiterung :grinning:

Sorry, aber damit sagst du genauso, dass du die Menschen am Land für dumm und primitiv hältst. Ich fürchte da ist dein Denkhorizont ziemlich begrenzt.

Ich denke, so weit entfernt sind wir nicht. Dass es bei den Grünen keine radikaleren Kräfte gibt, bezweifle ich. Warten wir mal ab, was nach der nächsten Bundestagswahl passiert.

Ob die FDP in Richtung AfD rutscht bezweifle ich. Die Tendenz hatten sie ja schon mal. Es wäre ihr kompletter Untergang.

Natürlich. Habe ich hier doch auch schon geschrieben.

Zur CDU die ist eine Volkspartei und muss damit auch den rechten Rand ein Stück weit abdecken. Das was viele anprangern war viele Jahre die Brandmauer die leider gefallen ist.
Ich weiß, dass das viele nicht gut finden. Aber mir ist lieber da tummeln sich ein paar mit rechten Phantasien in einer demokratischen Volkspartei, als dass sie andersartig im größeren Ausmass in Parlamente einziehen. Ich verstehe aber, dass diese Meinung wenig Anklang findet.

Ich würde mir Sorgen machen, wenn ein Kanzlerkandidat Merz lieber einen Präsident Trump hätte der die Nato abschaffen will. Das sehe ich aber nicht. Auch wenn mir diese Partei gerade keine Freude bereitet, so traue ich Ihnen doch noch genügend Restverstand zu, als dass sich die Partei in der Mehrheit in eine solche Position bewegen würde.

Ich meinte damit eher, dass die Erwerbsarbeit auf dem Land sehr oft direkt mit dem Standort zusammenhängt. Wie es bei allen Bauern zum Beispiel der Fall ist.

Hübsch, deine Ironie. Meine gesamte Verwandtschaft lebt aus meiner Sicht auf dem Land. Ich weiß aus direkter Erfahrung, wie die leben - und denken.

Nein, das sage ich damit ausdrücklich nicht. Wenn ich als Bauer etwa frühmorgens bis spät abends zu tun habe, und das 24/7, dann kann ich kaum bewältigen, was für mich als privilegierter Stadtbewohner mit 'nem 38,5-Stunden-Job, Eigenheim, sozialem Umfeld aus vielfältigsten Einflüssen und nicht extrem ausgeprägtem finanziellem Druck selbstverständlich ist: nämlich viel zu lesen, mich nachhaltig zu informieren und mich vielen Interessen und privaten Leidenschaften zu widmen.
Dies ist eine allgemeine, leicht pauschalisierte Darstellung, die in Einzelfällen nicht zutreffen muss. In meinem Fall aber zutrifft. Die vermeintliche Begrenzung meines Denkhorizonts muss dich also nicht sorgen. Außer dir fällt sie hier auch kaum jemandem auf.

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Bei mir schon. Ich denke, das ist auch der Hintergrund der vielfach falsch interpretierten Äußerung von FJS, nach dem die Union keine demokratisch legitimierte Partei rechts von sich dulden könne. Ich glaube, Strauß wusste ganz genau, welch abseitige Gehirnwindungen da bei etwa 10 Prozent des deutschen Volkes unterwegs sind - auch nach der Erfahrung des zweiten Weltkrieges.
Ich hoffe sehr, dass bald mal wieder die Leute, die heute AfD wählen, sich bei der Union eingemeinden können. Was aber hoffentlich nicht heißt, dass man dazu eine solche Politik wie die AfD machen muss. Und: der heutigen Unionsspitze traue ich intellektuell bei weitem nicht den Horizont zu, den ich noch bei FJS gesehen habe.

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Weder der Merz noch der Maggus.

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Wie viel Prozent der Landbevölkerung sind das? 1%, wenn überhaupt.
Hier gibt es Industrie (viele mit 35-Stunden-Woche) und sonst auch alle möglichen Berufe, die Eigenheimdichte ist nirgends höher als am Land, auch hier ist das soziale Umfeld mittlerweile bunt gemischt und die finanziellen Sorgen sind im Schnitt bestimmt nicht höher als in der Stadt.
Auch hier lesen die Menschen mehr als nur das Bauernblatt.

Glaub mir, solche Menschen gibt es in der Stadt und am Land. Und Dummköpfe gibt es auch überall.
Du solltest dein Weltbild dringendst überdenken.

Idioten sterben nirgends aus :slight_smile:
Aber es gibt natürlich einen Stadt/Land Konflikt der sich akzentuiert.
Die Isarpreißn gegen die Opflsoft/Ononos Fraktion als Beispiel :wink:

Um nochmals kurz zu den Grünen zurückzukommen. Die Streichung der Diesel Subvention und die Wogen die das bei den Bauern ausgelöst hat, wurde beispielsweise massiv unterschätzt. Da ist viel Geschirr kaputt gegangen. Das hat auf Teile der Bevölkerung Signalwirkung gehabt.

Dass auch daran nicht allein die Grünen schuld waren? Geschenkt.

daran sind vor allem die Bauern schuld…! :point_up:t2:

Egal ob auf dem Land oder in der Stadt:
aktuell wird mMn in der Politik zu viel von Leuten entschieden, die auf mich nicht den Eindruck machen, dass sie „mit beiden Beinen im Leben stehen“ bzw. in der Lage oder willens sind, verschiedene Optionen - vor allem solche, die ihrem Weltbild nicht entsprechen - ernsthaft zu prüfen. Und da tun sich mMn einige führende Grünenvertreter (explizit nehme ich Habeck, Özdemir und Kretschmann aus) leider besonders hervor.
Die Leidtragenden dieser Politik findet man übrigens überall. Die Menschen in der Stadt haben darunter zu leiden, dass Regierungen egal welcher Partei es nicht auf die Reihe kriegen, die Problematik in Sachen Wohnraum auch nur ansatzweise auf die Reihe zu bekommen und es teilweise auch nicht schaffen, den ländlichen Raum so zu stärken, dass es zu weniger Landflucht kommt.
Und es betrifft auch die Menschen auf dem Land, die sehr stark auf bestimmte Dinge angewiesen sind, die zwar nicht unbedingt klimafreundlich sind, aber trotzdem aktuell einfach unverzichtbar für die Menschen dort sind, z.B. Autos mit Verbrenner oder aufgrund fehlender finanzieller Mittel auch Ölheizungen oder Kaminöfen.
Wenn eine Unterabteilung des Umweltministeriums ihren CO2-Rechner so programmiert, dass plötzlich Holz ein klimaschädlicher Brennstoff sein soll (was einige Experten europaweit vehement bestreiten), dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn Menschen in ländlichen Gegenden hier jeglichen Verstand der handelnden Personen anzweifeln. Mir ist bewusst, dass vonseiten des Wirtschaftsministeriums vehement dementiert wurde, dass eine CO2-Steuer auf Holz geplant ist, aber bereits die Vorgehensweise des Umweltministeriums ist schon wieder ein Zeichen dafür, wie weit weg von der Realität manche Personen mittlerweile entkoppelt sind.
zum Nachlesen:
Behörde will CO2-Abgabe auf Holz durchdrücken - jetzt reagiert Habeck-Ministerium - FOCUS online
Dass so etwas die Menschen auf dem Land natürlich mehr aufschreckt als die Stadtbevölkerung von denen aus Platzgründen wahrscheinlich kaum jemand mit Brennholz heizt, sollte klar sein.
Die Menschen auf dem Land sehen auch, wohin völlig realitätsfremder Artenschutz führt. Die Luchspopulation in manchen Gegenden des Bayerischen Waldes ist mittlerweile dermaßen aus dem Ruder gelaufen, dass in Gegenden, die von der Fläche her genügend Raum bieten würden für ca. 18 Luchse mittlerweile wohl mehr als die dreifache Menge herumstreift. Ergebnis: deutlich mehr Wildunfälle und Rehe in den Gärten inmitten von Siedlungen, weil diese sich nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung aufhalten wegen der explosionsartigen Vermehrung großer Beutegreifer. Das gab es in Skandinavien auch, aber da wird dann pragmatisch gegengesteuert. Bei uns werden gutklingende Projekte ins Leben gerufen, einfache Schutzmaßnahmen, die sich dann als fast unmöglich umsetzbar erweisen (siehe Herdenschutz beim Wolf) versprochen und den Dingen einfach ihren Lauf gelassen. Der Luchs stellt keine Gefahr für den Menschen dar. Beim Wolf ist es schon anders und vor allem für Menschen, die von Weidevieh leben, eine riesige Belastung. Und mit dem Bären steht schon wieder das nächste von den Grünen herzlich willkommene Tier kurz davor wieder heimisch zu werden. Allerdings werden die Bären wohl kaum den Englischen Garten besiedeln, in dem sich die grüne Stadtelite trifft. (edit: dieser Nebensatz ist nach etwas Überlegung vielleicht dann doch etwas too much und ich würde ihn aufgrund der Argumentation von @cheffe nicht mehr schreiben, lasse ihn aber stehen, weil weiter unten darauf Bezug genommen wurde).
Die Menschen auf dem Land haben aber keine Lust darauf, dass irgendwann das Risiko besteht, beim Spaziergang im Wald von einem Bären angefallen zu werden, wie es beispielsweise im Trentino immer wieder vorkommt, nur weil Ideologen die Schattenseiten ihrer Entscheidungen einfach nicht wahrhaben wollen.
Und da möchte ich auch ganz vehement einhaken und @cheffe und @anon49020724 entgegenhalten, dass vielen Menschen auf dem Land die Notwendigkeit von Klimaschutz und Umweltschutz ganz klar bewusst ist. Sie lehnen aber die Maßnahmen der Grünen nicht pauschal deswegen ab, weil es an ihren Geldbeutel geht, sondern weil sie manche Maßnahme einfach nicht für sinnvoll erachten.
Und ob der grüne Weg der einzige Weg ist, der nach Rom führt, darüber kann man sicherlich trefflich streiten.
Und noch kontroverser wird es mMn dann, wenn Mitglieder dieser Partei dann auch noch meinen, dass bei gesellschaftspolitischen Themen ihre Expertise die von anderen weit übersteigt und ihre angebliche Progressivität der einzige Weg in eine glorreiche Zukunft darstellt.
Am Dienstag hatte ich einen Elternabend an meiner Schule und einer meiner Schülereltern ist Landtagsabgeordneter der Grünen. Wir haben an unserer Schule seit diesem Schuljahr eine Deutschklasse, an der Schüler, die noch nicht gut genug Deutsch sprechen für den Regelunterricht, Deutschunterricht bekommen, um sie dann möglichst bald in den Regelunterricht integrieren zu können. In einer ländlichen Gegend sorgt das natürlich gerade bei Schülern und Eltern, die von dörflichen Grundschulen an die Realschule gewechselt sind, teilweise für Skepsis. Besagter Abgeordneter ergriff dann das Wort und philosophierte über die Chancen der Integration und die Mauern in den Köpfen der Leute. Als die Sprache darauf kam, dass am selben Tag in dieser Klasse ein Schüler einem seiner Mitschüler eine Platzwunde am Kopf inklusive Gehirnerschütterung beibrachte, eine Lehrerin massiv bedrohte und beschimpfte und zwei syrische Schüler ein syrisches Mädchen, das bereits seit 4 Jahren auf unsere Schule geht und bestens integriert ist, in der Pause an den Haaren in ein Klassenzimmer schleiften um ihr zu erklären, dass sie eine Schande für ihre Familie ist, weil sie kein Kopftuch trägt und mit Jungen spricht, wurde besagter Politiker plötzlich ziemlich kleinlaut. Ich wage zu behaupten, dass er an diesem Tag vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben mit der Realität konfrontiert wurde. Solche Geschichten sind eben nicht nur Aufreißer auf Plattformen wie nius, sondern passieren an sehr vielen Schulen in ganz Deutschland täglich. Und wer dann noch den Eindruck erweckt, dass so etwas doch nur „Kollateralschäden“ auf dem Weg zum Paradies sind und die eigentlichen Opfer doch die Schüler sind, die Gewalt anwenden, der braucht sich nicht zu wundern, dass seine Partei bei vielen unten durch ist.
Wenn ich heute lese, dass die Grüne Jugend deswegen bald eine neue Führung braucht, weil die Führungsetage das Gefühl hat, dass die Partei aktuell „keine Perspektiven für ein grundsätzlich anderes Wirtschaftssystem aufzeigt“, dann kann ich nur Renate Künast zustimmen, wenn sie sagt, dass die Spitze des Parteinachwuchses „nicht realitätstauglich“ sei. Man kann für die vernünftigen Grünen-Politiker nur hoffen, dass sie möglichst viele Schwestern und Brüder im Geiste mit zum Austritt bewegen, denn dann wären die Grünen sicherlich bald wieder akzeptierter in weiten Teilen der Gesellschaft egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

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